Vegetarierbund Deutschland

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Vegetarierbund Deutschland
Vegetarierbund Deutschland Logo.svg
Gründung 1892, Leipzig
Sitz Berlin[1]
Personen

Sebastian Zösch (Geschäftsführer), Thomas Schönberger (Vorsitzender)

Aktionsraum Deutschland
Schwerpunkt Ernährung, Gesundheit, Ökologie, Welternährung, Tier und Ethik
Methode Öffentlichkeitsarbeit
Mitglieder ca. 10.000[2]
Website http://www.vebu.de

Der Vegetarierbund Deutschland e. V. (VEBU) ist eine deutsche Nichtregierungsorganisation, die sich für die Interessen vegetarisch und vegan lebender Menschen einsetzt. Ziel des Vereins ist es, durch Aufklärung und Aktionen eine größere Akzeptanz und Verbreitung der vegetarisch-veganen Lebensweise zu bewirken.[3]

Der eingetragene Verein hat seinen satzungsmäßigen Sitz und ein Hauptstadtbüro in Berlin.[4] Aktuell hat der VEBU mehr als 10.000 Mitglieder und ist somit im deutschsprachigen Raum die größte Organisation fleischlos lebender Menschen.[5] Der Verein ist Mitglied in der Europäischen Vegetarier-Union (EVU) und in der Internationalen Vegetarier-Union (IVU). Der Vorsitzende ist seit 1996 Thomas Schönberger. Er gibt die Mitgliederzeitschrift natürlich vegetarisch heraus.

Ziele[Bearbeiten]

Der VEBU setzt sich laut eigenen Angaben dafür ein „einen zukunftsfähigen Ernährungsstil und eine landwirtschaftliche Kultur in unserer Gesellschaft zu etablieren, die vegetarisch bzw. vegan, ökologisch, ethisch und sozial verantwortlich sowie ökonomisch tragfähig sind.“[6] Erklärtes Ziel des VEBU ist außerdem, den durchschnittlichen Pro-Kopf-Fleischverbrauch zu senken, das Wissen und das Bewusstsein über die Bedürfnisse und Interessen der Tiere zu stärken sowie Tierrechte auf der Ernährungs-, Konsum- und Gesetzgebungsebene zu verankern. Wissenschaftliche Erkenntnisse über die positiven Auswirkungen eines vegetarischen bzw. veganen Lebensstiles auf die Umwelt, insbesondere auf das Weltklima und die Welthungerproblematik, sollen verbreitet und eine ökologisch und ökonomisch zukunftsfähige Ernährungsweise soll weltweit gefördert werden.[7]

Titelblatt der Vegetarischen Warte, der ersten Mitgliederzeitschrift des späteren VEBU

Geschichte[Bearbeiten]

Der Beginn der Vegetarierbewegung in Deutschland liegt im 19. Jahrhundert. Im Jahr 1867 wurde von Eduard Baltzer in Nordhausen der „Deutsche Verein für natürliche Lebensweise“ gegründet, dem eine Reihe anderer Vegetariervereine folgten. Der Verein schloss sich am 7. Juni 1892 mit dem Hamburger Vegetarierverein zum „Deutschen Vegetarierbund“ zusammen. Der Verein wurde in Leipzig mit dem Ziel gegründet, den Fleischkonsum in Deutschland deutlich zu senken und dadurch zu einer globalen Verbesserung ökologischer sowie gesundheitlicher Probleme beizutragen. Die Vereinszeitschrift trug in dieser Zeit den Namen „Vegetarische Rundschau“, später „Vegetarische Warte“.[8]

Nachdem sich noch im Jahr 1932 Vegetarier aus der ganzen Welt in Oranienburg treffen konnten, konnte die Vereinszeitschrift seit 1935 nicht mehr erscheinen. Der Verein musste sich im Jahr 1935 auf Druck der Nationalsozialisten auflösen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zur Neugründung, die jedoch durch die Trennung der Besatzungszonen erschwert wurde. Auf Betreiben von Adolf Briest entstanden deshalb zunächst zwei Vereine, die Vegetarier-Union Deutschlands (VUD) und die Deutsche Vegetarier-Union (DVU). Die Zeitschrift „Der Vegetarier“ wurde gegründet.

Mitgliederentwicklung[Bearbeiten]

Vor dem Jahr 2008 hat die Mitgliederzahl des VEBU stagniert.[9] Seither hat sich jedoch ein starker Mitgliederzuwachs gezeigt. Dieser beruhte auf Neumitgliedschaften, aber auch auf den Anschluss der im Jahr 1868 von Gustav Struve mitbegründeten Vegetarischen Gesellschaft Stuttgart[10] an den VEBU im Jahr 2012.

Jahr Mitgliederzahl
2008 2.500[11]
2009 2.800
2010 3.400[12]
2011 4.800[13]
2012 7.000[14]
2013 10.000[15]

Finanzen[Bearbeiten]

Der Vegetarierbund Deutschland finanziert sich hauptsächlich durch Mitgliedsbeiträge und durch Spenden. Daneben gibt es einen „Aktiv-Fonds“ zur Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit.[16] Seit Mai 2014 ist der VEBU mit dem Siegel der Initiative Transparente Zivilgesellschaft ausgezeichnet. Als Unterzeichner der Selbstverpflichtungserklärung verpflichtet der VEBU sich, die von der Initiative festgelegten Informationen, wie u.a. Personalstruktur und Angaben zur Mittelverwendung, über sich zu veröffentlichen.[17]

Aktivitäten[Bearbeiten]

Ehemaliges Logo

Der VEBU ist in Deutschland Lizenzgeber des V-Labels, welches ein Gütesiegel für vegetarische und vegane Produkte darstellt. Unter anderem Aldi-Süd kennzeichnet seit 2014 einige Produkte mit dem V-Label.[18]

Um eine zukunftsfähige Ernährungssituation herzustellen, initiiert der VEBU eine Reihe von Kampagnen. Mit der Aktion „Donnerstag ist Veggietag“ soll vegetarisches und veganes Essen in Restaurants und in der Kantinenverpflegung gefördert werden.[19] Der VEBU ruft außerdem jährlich Aktive und Interessierte zur Partizipation am Worldwide Vegan Bake Sale, den jährlich stattfindenden veganen Kuchenaktionstagen sowie zur Teilnahme an den Meatout-Aktionstagen auf.[20][21]

Das Mitgliedermagazin erscheint seit 1999 unter dem Titel natürlich vegetarisch viermal jährlich mit einer Auflage von 16.000 Heften und einem Umfang von 48 Seiten.[22][23] Zudem produziert und verteilt der VEBU mit der „Veggie Times“ eine Zeitung, die Interessierten und Einsteigern eine Übersicht und Tipps über eine pflanzliche Lebensweise geben soll.[24] Darüber hinaus werden diverse Informationsmedien genutzt, um Mitglieder und Interessierte zu erreichen. Über Newsletter[25] oder über die Homepage wird über Aktionen und Veranstaltungen wie die Aktivisten Akademie[26] und der Veggie-Schnupperkurs[27] informiert. Des Weiteren wird eine Veggie-App für Smartphones[28] angeboten, mit der man sich unterwegs über veggiefreundliche Restaurants informieren kann.[29] Neben allgemeiner Öffentlichkeitsarbeit und Serviceleistungen für Mitglieder und Interessierte besitzt der VEBU zudem eine Pressestelle, die den VEBU medial vertritt.[30]

Als lokale Anlaufstelle für Vegetarier und Veganer wurde das Konzept der Regionalgruppen, bzw. Regionalkontakte ins Leben gerufen, das mittlerweile aus über 200 regionalen Kontakten und Gruppen besteht.[31]

Der VEBU war Veranstalter des 38. Welt-Vegetarier-Kongresses 2008 in Dresden. Im Februar 2011 fand die erste „VeggieWorld“, eine Messe rund um die fleischfreie Lebensweise mit rund 40 Ausstellern, unter der Trägerschaft des VEBU in Wiesbaden mit mehr als 20.000 Besuchern statt. Seit 2011 wird die Messe auch in Düsseldorf veranstaltet. Parallel können sich die Besucher beim Rahmenprogramm über einen nachhaltigen Lebensstil und pflanzenbasierte Ernährung informieren. Zu Gast waren schon Prominente, unter anderen Attila Hildmann, Barbara Rütting, Marion Kracht und Ariane Sommer.[32]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vegetarierbund Deutschland: Satzung. § 2. Abgerufen am 20. August 2014.
  2. Vegetarierbund Deutschland: Erfolge 2013. Website des Vereins. Abgerufen am 28. Juli 2014.
  3. Vegetarierbund Deutschland: Satzung. § 3. Abgerufen am 19. August 2014.
  4. Vegetarierbund Deutschland: Impressum. Website des Vereins. Abgerufen am 20. August 2014.
  5. Vegetarierbund Deutschland: Weltvegetariertag (1.10.): Vegetarierbund boomt – 38 Prozent Mitgliederwachstum allein in diesem Jahr. Pressemitteilung. 28. September 2011. Abgerufen am 20. August 2014.
  6. Vegetarierbund Deutschland: Leitbild. In: vebu.de. Ohne Datum. Abgerufen am 30. Juli 2014.
  7. Vegetarierbund Deutschland: Leitbild. In: vebu.de. Ohne Datum. Abgerufen am 17. Januar 2012.
  8. Alle Angaben zur Geschichte des Vereins nach: Deutscher Vegetarierbund: Geschichte des VEBU. Abgerufen am 24. November 2011.
  9. Vegetarierbund Deutschland: Protokoll der Mitgliederversammlung 2008 (PDF; 3,9 MB). Abgerufen am 4. August 2014.
  10. ursprünglich: Stuttgarter Vegetarierverein
  11. Vegetarierbund Deutschland: Protokoll der Mitgliederversammlung 2008 (PDF; 3,9 MB). Abgerufen am 4. August 2014.
  12. Vegetarierbund Deutschland: Jahresbericht 2010 (PDF; 373 kB). Abgerufen am 18. November 2011.
  13. Vegetarierbund Deutschland: Jahresbericht 2011 (PDF; 3,9 MB). Abgerufen am 5. Juni 2012.
  14. Vegetarierbund Deutschland: Jahresbericht 2012 (PDF; 3,9 MB). Abgerufen am 4. August 2014.
  15. Vegetarierbund Deutschland: Erfolge 2013. Website des Vereins. Abgerufen am 28. Juli 2014.
  16. Vegetarierbund Deutschland: Selbstdarstellung – Langfassung. Wie wir uns finanzieren. In: vebu.de. Ohne Datum. Abgerufen am 31. Januar 2012.
  17. Vegetarierbund Deutschland: Transparenzsiegel. In: vebu.de. Ohne Datum. Abgerufen am 13. August 2014.
  18. Vegetarierbund Deutschland: Pressemitteilung. In: vebu.de. 30. Mai 2014. Abgerufen am 13. August 2014.
  19. Donnerstag–Veggietag. In: bewegung.taz.de. Ohne Datum. Abgerufen am 2. September 2014.
  20. Vegetarierbund Deutschland: Vegan Bake Sale. In: vebu.de. Ohne Datum. Abgerufen am 4. August 2014.
  21. Meatout: Meatout. In: meatout.de. Ohne Datum. Abgerufen am 31. Juli 2014.
  22. Vegetarierbund Deutschland: Erfolge 2013. Website des Vereins. Abgerufen am 28. Juli 2014.
  23. Vegeratierbund Deutschland: natürlich vegetarisch. Vereinszeitschrift. Abgerufen am 24. November 2011.
  24. Vegetarierbund Deutschland: Veggie Times. In: vebu.de. Ohne Datum. Abgerufen am 30. Juli 2014.
  25. Vegetarierbund Deutschland: Newsletter. In: vebu.de. Ohne Datum. Abgerufen am 30. Juli 2014.
  26. Vegetarierbund Deutschland: Aktivisten Akademie. In: vebu.de. Ohne Datum. Abgerufen am 30. Juli 2014.
  27. Vegetarierbund Deutschland: Veggie Schnupperkurs. In: vebu.de. Ohne Datum. Abgerufen am 30. Juli 2014.
  28. Fit for Fun: Die besten Apps für Vegetarier und Veganer. In: fitforfun.de. Ohne Datum. Abgerufen am 29. September 2014.
  29. Vegetarierbund Deutschland: Veggie-App. In: vebu.de. Ohne Datum. Abgerufen am 30. Juli 2014.
  30. Vegetarierbund Deutschland: Presse. In: vebu.de. Ohne Datum. Abgerufen am 30. Juli 2014.
  31. Vegetarierbund Deutschland: Aktiven-Übersicht. In: vebu.de. Ohne Datum. Abgerufen am 2. September 2014.
  32. Vegetarierbund Deutschland: Aussteller auf der VeggieWorld. Ohne Datum. Abgerufen am 18. November 2011.