Barbara Rütting

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Barbara Rütting als Referentin auf der Veggie World 2014 in Wiesbaden

Barbara Rütting (* 21. November 1927 in Berlin; eigentlich Waltraud Goltz) ist eine deutsche Schauspielerin, Autorin und Politikerin.

2003 und 2008 wurde sie über die oberbayerische Bezirksliste für Bündnis 90/Die Grünen in den Bayerischen Landtag gewählt. Am 2. April 2009 gab Rütting ihr Landtagsmandat zurück und trat im September 2009 aus der Partei aus.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rütting ist das älteste von fünf Kindern des Lehrers Richard Goltz und seiner Ehefrau Johanna Goltz aus Wietstock an der Nuthe im Landkreis Teltow. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurde sie vom Roten Kreuz einer Familie in Dänemark als Dienstmädchen zugeteilt. Später arbeitete sie in einer Bibliothek und als Fremdsprachenkorrespondentin in Kopenhagen. Nach der Scheidung der 1946 geschlossenen Ehe mit Hans Rütting war sie von 1955 bis 1964 mit Heinrich Graf von Einsiedel verheiratet.

Von 1969 bis 1988 führte Rütting eine Beziehung mit dem Schauspieler, Regisseur und Theaterintendanten Lutz Hochstraate (* 1942); bis 1980 lebten die beiden auf einem Bauernhof in Sommerholz (Österreich).

Schauspielkarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1952 debütierte Barbara Rütting als Schauspielerin in Theater und Film und erhielt den Bundesfilmpreis als beste Nachwuchsschauspielerin. Bis 1982 spielte sie Hauptrollen in insgesamt 45 Filmen, darunter im Antikriegsfilm Die letzte Brücke sowie in Canaris, Die Geierwally und Stadt ohne Mitleid. In der Fernsehserie Die Kramer (1969) spielte Barbara Rütting in der Titelrolle eine Gymnasiallehrerin. 1975 spielte sie neben Gert Fröbe in Mein Onkel Theodor oder Wie man im Schlaf viel Geld verdient ihre letzte Kinorolle.

Schriftstellerin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1970 erschien Rüttings erster Roman Diese maßlose Zärtlichkeit. Es folgten zahlreiche Ratgeber, Koch- und Kinderbücher.

Politisches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1980er-Jahren beendete Barbara Rütting ihre Schauspielkarriere und konzentrierte sich auf ihr politisches Engagement für Umweltschutz, Menschenrechte und Tierrechte. Im November 1982 kettete sie sich mit 30 Tierschützern aus Protest gegen Tierversuche vor den Berliner Werkstoren des Pharmakonzerns Schering an. 1984 verfasste sie das Vorwort für eine Sonderausgabe des Buches „Nackte Herrscherin“, in dem der Schweizer Schriftsteller Hans Ruesch sich mit Tierversuchen auseinandersetzte. Im gleichen Jahr wurde sie bei den Mutlanger Friedenstagen bei Demonstrationen gegen die Stationierung von Pershing-II-Raketen in Gewahrsam genommen. Am Schwarzen Meer in Bulgarien und in einer russischen Klinik für strahlengeschädigte Kinder der Katastrophe von Tschernobyl führte sie Vollwertkochkurse durch und organisierte Hilfsprojekte. Barbara Rüttings Erfahrung mit Vollwerternährung ist auch die Basis eines nach ihr benannten, mit Kümmel, Fenchel und Koriander gewürzten Bio-Vollkornbrots.[1]

1982 erfolgte ihr Eintritt bei den Grünen, sie war befreundet mit Petra Kelly, Gert Bastian und Robert Jungk. 1996 schrieb sie einen offenen Brief an Jutta Ditfurth, in dem sie Ditfurths Kritik an Max Otto Bruker als verleumderisch ablehnte.[2] Wegen der Zustimmung der Grünen unter Joschka Fischer zum Einsatz im Kosovokrieg trat sie aus der Partei aus, doch Renate Künasts Einsatz für Tierschutz ließ sie wieder eintreten.

2003 wurde sie von den Grünen im Chiemgau, wo sie damals lebte, gebeten, für den Bayerischen Landtag zu kandidieren, und zog mit 75 Jahren für die nächste Legislaturperiode als Abgeordnete in den Bayerischen Landtag ein. Obwohl 2008 wiedergewählt, erschien ihr die Arbeit im Landtag zunehmend sinnlos. Hinzu kam die Zustimmung der Grünen zum Afghanistaneinsatz, für sie als Pazifistin untragbar. 2009 kam es bei ihr zu einem Burnout und sie musste ihr Mandat vorzeitig zurückgeben. Renate Künasts Bemerkung „wenn’s nachher gut schmeckt“ im Herbst 2009, als diese gemeinsam mit einem Kind vor laufender Kamera einen Fisch erschlug, bewog sie dazu, während der Talkshow Menschen bei Maischberger ihren Parteiaustritt zum zweiten Mal zu erklären.[3]

Ende 2016 trat sie in die neugegründete V-Partei³ (Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer) ein.[4]

Sie lebt in Michelrieth an der Ostseite des Spessarts.

Position[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rütting ist Ehrenmitglied des Vegetarierbundes Deutschlands.[5] Sie bezeichnete Osho (alias Bhagwan) als „den größten Therapeuten des Jahrhunderts“ und praktiziert verschiedene von ihm entwickelte Meditationstechniken.[6] Die Sektenexpertin Ursula Caberta bezeichnete Rütting im „Schwarzbuch Esoterik“ als „Hauptgewinn“ und „politisches Sprachrohr“ der esoterischen Szene. Rütting fiel durch Nähe zu umstrittenen Personen und Gruppen, wie z. B. der Bewegung Universelles Leben, auf, wovon sie sich aber wieder distanzierte. [7] [8] [9] [10]

Bibliografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Diese maßlose Zärtlichkeit. Versuche mit Männern. Roman. Von Schröder, Hamburg 1970; Moewig, Rastatt 1985
  • Mein Kochbuch. Naturgesunde Köstlichkeiten aus aller Welt. Mosaik, München 1976
  • Ach du grüner Kater. Lentz, München 1979; emu, Lahnstein 2005, ISBN 978-3-89189-125-4.
  • Ursula Rüttings Koch- und Spielbuch für Kinder. Lentz, München 1979
  • Mein neues Kochbuch. Schlemmereien aus der Vollwertküche. Mosaik, München 1984
  • Auf der Flucht mit Mirto. Eine wahre Geschichte. Lentz, München 1987; emu, Lahnstein 2005, ISBN 978-3-89189-126-1.
  • Mein Gesundheitsbuch. Mosaik, München 1988
  • Lieblingsmenüs aus meiner Vollwertküche. Mosaik, München 1991
  • Träumen allein genügt nicht. Ein Stück Leben. Goldmann, München 1993
  • Grüne Rezepte für den blauen Planeten. Goldmann, München 1997
  • Bleiben wir schön gesund. Herbig, München 2001
  • Lachen wir uns gesund. Anleitungen zum Glücklichsein (mit 1 Lach-CD). Herbig, München 2001
  • Essen wir uns gesund. 30 Jahre Erfahrung mit der Vollwerternährung. Herbig, München 2002
  • … und dennoch. Erfahrungen eines Lebens. Herbig, München 2005, ISBN 978-3-7766-2364-2.
  • Ich bin alt und das ist gut so. Meine Muntermacher aus acht gelebten Jahrzehnten. Nymphenburger, München 2007, ISBN 978-3-485-01114-3.
  • Gesunde Ernährung kurz & bündig. Meine besten Tipps. Nymphenburger, München 2008, ISBN 978-3-485-01157-0.
  • Wo bitte geht’s ins Paradies? Burnout einer Abgeordneten und Neuanfang. Herbig, München 2010, ISBN 978-3-7766-2651-3.
  • Was mir immer wieder auf die Beine hilft. Nymphenburger, München 2012, ISBN 978-3-485-01373-4.
  • Vegan & vollwertig. Meine Lieblingsmenüs für Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Nymphenburger, München 2013, ISBN 978-3-485-01430-4.
  • Durchs Leben getobt. Autobiografie. Herbig, München 2015, ISBN 978-3-7766-2764-0.

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Barbara Rütting – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://das-ist-drin.de/PEMA-Bio-Barbara-Ruetting-Brot-500-g--18361/
  2. Zeitschrift 'Gesundheitsberater', Ausgabe 2/1996, S. 3.
  3. Am 22. September, fünf Tage vor der Bundestagswahl, sagte die 81-Jährige in der vorab aufgezeichneten ARD-Sendung Menschen bei Maischberger: „Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Ich werde auch nicht grün wählen. Ich werde eine kleine Partei wählen, Partei Mensch Umwelt Tierschutz, meiner Meinung nach die einzige Partei, die sich um Mensch, Umwelt und Tiere kümmert und eine radikale Friedenspolitik betreibt ohne Wenn und Aber. Ich bin aufgeregt, unglücklich, und ich trage Trauer.“
  4. barbara-ruetting.de
  5. http://vebu.de/vebu/ueber-uns/ehrenmitglieder
  6. Interview auf Barbara Rüttings Webseite (Memento vom 16. Dezember 2004 im Internet Archive)
  7. Ursula Caberta: Schwarzbuch Esoterik. Gütersloher Verlagshaus, 2011, S. 38f
  8. Barbara Rütting und die Sekte 19. Mai 2010 Süddeutsche Zeitung
  9. "Ich fühlte mich von der Partei versklavt" 10. November 2010 Frankfurter Rundschau
  10. Ich leide mit allen Geschöpfen 15.Dezember 2012 Neues Deutschland