Venice (Los Angeles)

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Koordinaten: 33° 59′ 27″ N, 118° 27′ 33″ W

Einer der Kanäle in Venice (2006)
Venice (Los Angeles) (Los Angeles Metropolitan Area)
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Lage im Los Angeles County
Kunstwerk von Jonathan Borofsky: Ballerina Clown

Venice ist ein Stadtteil im Westen von Los Angeles, der bekannt ist für seine Venedig nachempfundenen Kanäle, das Strandleben in Venice Beach und einige künstlerische Aktivitäten. Venice liegt zwischen Santa Monica im Norden, Mar Vista im Osten und Marina del Rey im Süden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das „Venedig von Amerika“ wurde von Abbot Kinney (1850–1920), einem in New Jersey geborenen Zigarettenhersteller als Badeort mit italienisch inspirierten Kanälen gegründet. Kinney hatte bereits Ende des 19. Jahrhunderts zusammen mit einem Partner einen zweieinhalb Kilometer langen und 300 Meter breiten Küstenstreifen im Süden von Santa Monica gekauft. Hier baute er einen Pier, einen Golfplatz, eine Pferderennbahn, legte eine Strandpromenade an und verwandelte den Bereich in ein Beach-Resort, welches den Namen Ocean Park erhielt. Der zwischen Santa Monica Pier und Venice gelegene Stadtbezirk von Santa Monica trägt heute noch diesen Namen. Nach dem Tod seines Partners kam es zu einer Teilung des Landbesitzes und Kinney erhielt den südlichen, eher sumpfigen Küstenabschnitt. Mit einem Stadtplaner und Landschaftsarchitekten aus Boston entwickelte Kinney die Idee einer Stadt mit Kanälen, Häusern im venezianischen Stil, Gondeln und Vergnügungseinrichtungen. Das Gelände war ab September 1904 von Los Angeles aus mit der elektrischen Straßenbahn erreichbar, und am 4. Juli 1905 wurde das neue Resort in Betrieb genommen. Um das gesamte Gelände kreiste auf einer zweieinhalb Meilen langen Strecke eine Schmalspureisenbahn. Der Plan, auch kulturelle Angebote zu unterbreiten, wurde von Kinney mangels Nachfrage der Besucher aufgegeben. Stattdessen kamen eine Rollschuhbahn hinzu und auf dem Pier entstanden eine Tanzhalle für anderthalbtausend Menschen, 1909 ein Aquarium und in den Folgejahren nach diversen Erweiterungen des Piers ein Karussell, ein japanisches Teehaus, ein Restaurant und eine Achterbahn, bei der die Vergnügungssuchenden in einem Boot durch einen wassergefüllten Kanal fuhren. Zusammen mit dem noch größeren „Million-Dollar-Pier“ seines Konkurrenten, Alexander Fraser, zog Santa Monica Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts als Freizeit- und Vergnügungszentrum für den Großraum Los Angeles an manchen Wochenenden mehrere zehntausend Besucher an.[1]

Im Jahr 1911 gewann der Ort seine Unabhängigkeit von der Nachbarstadt Santa Monica. Da Venice mit der Stadtbahn der Pacific Electric Railway entlang des heutigen Venice Boulevard von der nahen Metropole Los Angeles aus leicht erreichbar war, entwickelte es sich schon bald zu einer beliebten Attraktion. Mit der Einführung der Prohibition im Jahr 1920 fiel jedoch die wichtigste Einnahmequelle der jungen Stadt weg und in den Folgejahren begannen die Kanäle wegen mangelhafter Unterhaltung schon wieder zu verfallen. Die meisten Kanäle wurden bereits 1929 wieder zugeschüttet und durch Straßen ersetzt. Im November 1925 entschieden sich die Einwohner daher, sich der Stadt Los Angeles anzuschließen. Die Eingemeindung trat 1926 in Kraft. Zwischen 1930 und 1980 wurde in dem Ort Öl gefördert.

In den folgenden Jahrzehnten tat Los Angeles nicht viel, um den Badeort, der nun zu seinen zahlreichen Vororten gehörte, zu unterstützen. So begann z. B. die Uferpromenade zu verfallen. Gleichzeitig sanken aber auch die Mieten, so dass in der Nachkriegszeit zahlreiche Künstler, aber auch Überlebende des Holocaust nach Venice zogen. In den 1960er und 1970er Jahren war Venice ein Zentrum der kalifornischen Bohème, Alternativkultur und Street Art.[2][3]

Zu Beginn der 1960er Jahre waren Teile der Uferbebauung und anderer Straßen stark sanierungsreif. 550 Häuser, darunter auch an der zentralen Windward Avenue, wurden daraufhin auf Anordnung der Stadt abgerissen. – Auch die verbliebenen Kanäle wurden über ein halbes Jahrhundert lang nur geringfügig gepflegt. In den Jahren 1992 und 1993 wurden sie schließlich gründlich restauriert und z. T. von Grund auf neu angelegt. Bereits 1982 fanden die Kanäle von Venice Aufnahme in das National Register of Historic Places der USA. Heute ist der Venice Canal Historic District eines der idyllischsten Wohngebiete in Los Angeles.

Söhne und Töchter Venice’[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jan Paul Beahm (1958–1980), als Darby Crash bekannter Punkrockmusiker
  • Jeff Clayton (* 1954), Jazzmusiker
  • Michael Perretta (* 1976), unter dem Namen Evidence bekannter Hip-Hop-Künstler

Venice in den Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Venice im Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie viele Orte in Los Angeles erscheint auch Venice in zahlreichen Filmen. Einige Beispiele:

Venice im Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Venice in Spielen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Venice in der Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Venice in der Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Death is a Lonely Business (deutsch: Der Tod ist ein einsames Geschäft) von Ray Bradbury, erschienen 1985, spielt in Venice.
  • Un homme accidentel (deutscher Buchtitel: Venice Beach) von Philippe Besson, erschienen 2008, spielt zum Teil in Venice (Venice Beach).

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Venice ist u. a. Firmensitz von Snap Inc.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Venice – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Torsten Meyer: Reise durch die Stadt der Engel, Books on Demand Norderstedt 2015, ISBN 978-3-7386-2083-2.
  2. Horst Schmidt-Brümmer: Venice, California. Gegen Kultur durch Fantasie. Ernst Wasmuth, Tübingen 1972, ISBN 3-8030-0121-8 (mit vielen fotografischen Abbildungen)
  3. Andrew Deener: Venice. A Contested Bohemia in Los Angeles. The University of Chicago Press, Chicago–London: 2012, ISBN 978-0-226-14000-1, S. 26ff.