Verletzter (Strafprozessrecht)

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Als Verletzten bezeichnet man im Strafprozessrecht eine Person, die durch eine behauptete Straftat – ihre tatsächliche Begehung unterstellt – unmittelbar in einem Rechtsgut verletzt ist. Hierbei sind allerdings auch das Genugtuungsinteresse und zivilrechtliche Wertungen zu berücksichtigen. Dabei wird nur das von der Strafrechtsordnung anerkannte Interesse einbezogen. Der Begriff des Verletzten wird hierbei weit ausgelegt, weil der Schutz des Legalitätsprinzips innerhalb des gesetzlichen Rahmens umfassend sein soll. Keinesfalls reicht es jedoch aus, dass der Antragsteller durch die angezeigte Straftat lediglich wie jeder andere Staatsbürger betroffen sein soll.[1]

Verletzter eines Diebstahls ist beispielsweise der Eigentümer oder der Gewahrsamsinhaber der gestohlenen Sache, Verletzter einer unterlassenen Hilfeleistung ist der in Not Geratene. Keine Verletzten sind dagegen etwa diejenigen, die bei einer Gefährdung des Straßenverkehrs in Gefahr gerieten. Neben natürlichen Personen können als Verletzte zum Beispiel auch juristische Personen, Behörden und Regierungen in Betracht kommen.

Im deutschen Recht sind Verletzte gemäß § 77 StGB berechtigt, nicht nur eine Strafanzeige zu erstatten, sondern auch einen Strafantrag zu stellen. Ihnen steht die Möglichkeit der Klageerzwingung (§ 172 StPO) zu. Sie können auch ein so genanntes Ermittlungserzwingungsverfahren betreiben. Außerdem können sie Nebenklage erheben (§§ 397 ff. StPO). Zudem hat der Verletzte in bestimmten Fällen, zum Beispiel bei Straftaten von Amtsträgern, einen Rechtsanspruch auf Strafverfolgung.[2][3] [4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Meyer-Goßner/Schmitt, Kommentar zur Strafprozessordnung, 60. Auflage 2017, Rdnrn. 9, 10 zu § 172 StPO
  2. Meyer-Goßner/Schmitt, Kommentar zur Strafprozessordnung, 60. Auflage 2017, Rn. 1a zu § 172 StPO.
  3. Dirk Diehm, Der subjektive Anspruch auf effektive Strafverfolgung in: Fabian Scheffczyk und Kathleen Wolter: Linien der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, Band 4, ISBN 978-3-11-042644-1, S. 223–246.(online).
  4. Alexander Würdinger, Die Zeitenwende im Klageerzwingungsverfahren, HRRS 2016, 29 ff http://www.hrr-strafrecht.de/hrr/archiv/16-01/index.php?sz=9
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