Militärische Aufklärung der Nationalen Volksarmee

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Militärische Aufklärung der Nationalen Volksarmee
Staatliche Ebene DDR
Aufsichtsbehörde(n) Emblem of the Ground Forces of NVA (East Germany).svg NVA Ministerium für Nationale Verteidigung
Gründung 1952
Hauptsitz Berlin
Behördenleitung Alfred Krause, Generalleutnant (bis 1990)
Anzahl der Bediensteten ca. 1000
Website

Die Militärische Aufklärung der Nationalen Volksarmee war ein Instrument der militärischen Führung zur Beschaffung, Bearbeitung, Analyse und Bewertung von Informationen zur militärpolitischen und militärischen Lage auf hoher militärischer und politischer Ebene des Gegners, um durch rasche Auswertung der Nachrichten zu einer aktuellen Lagebeurteilung und Feindbeurteilung zu kommen. Die Bezeichnung dieses militärischen Nachrichtendienstes (Mil. ND bzw. MIL-ND)[1] wurde in der Zeit seines Bestehens mehrmals geändert:[2]

  • 1952 - 1953 Verwaltung für Allgemeine Fragen
  • 1953 - 1956 Verwaltung 19 (Synonyme: Dienststelle 1000, Verwaltung 1000)
  • 1956 - 1959 Verwaltung für Koordinierung
  • 1959 - 1964 12. Verwaltung
  • 1964 - 1984 Verwaltung Aufklärung
  • 1984 - 1990 Bereich Aufklärung
  • 1990 - 1990 Informationszentrum des Ministeriums für Abrüstung und Verteidigung

Leiter waren [3]

Im gedeckten Nachrichtenverkehr hatte der Bereich Aufklärung als Teil des MfNV den Namen „Wostok 21“.[4] Ihr letzter Standort lag bis zur Auflösung 1990 in Berlin-Köpenick.

Geschichte[Bearbeiten]

Hintergrund und Aufstellung[Bearbeiten]

Hervorgegangen ist die „Militärische Aufklärung der NVA“ aus der 1950 gegründeten Aufklärungsabteilung der Kasernierten Volkspolizei (KVP). Dieser frühe Militärische Nachrichtendienst wurde nach dem 17. Juni 1953 in die einheitliche militärische Führung einbezogen.

Am 23. Juni 1953 beschloss der Ministerrat der DDR, das Kommando über die damalige Kasernierten Volkspolizei (KVP), die Volkspolizei-See (VP-See) und die Volkspolizei-Luft (VP-Luft) an Generalleutnant Heinz Hoffmann zu übertragen. Damit ging auch die Verantwortung für die Militäraufklärung an den späteren Verteidigungsminister der DDR über.

Entsprechend der sowjetischen Militärtradition, wurde mit der Gründung der NVA 1956 auch ein militärischer Nachrichtendienst (militärischer Aufklärungsdienst) eingerichtet, bei der die GRU Pate stand. Von dem jungen MfS argwöhnisch als unliebsamer Konkurrent betrachtet, setzte sich aber das sowjetische Militär damit durch und sorgte formal für eine relative Unabhängigkeit der militärischen Aufklärung, die direkt dem Hauptstab der NVA referierte.

Auftrag[Bearbeiten]

Der Hauptauftrag des Militärgeheimdienstes der DDR war die „Verhinderung der Überraschung durch den Gegner“.[5] Der Auftrag der militärischen Aufklärung, der sich daraus ergab, bestand in erster Linie darin, die Lage in Bezug auf potentielle Gegner zu erkunden und deren Zustand, Möglichkeiten und Absichten zu erforschen. Dabei unterschied man in:

  • Hauptländer
  • Nebenländer
  • Drittländer

Innerhalb dieser Länder lagen 1988 allein 17 „Räume mit besonderer Aufmerksamkeit“ in denen sich Hauptobjekte und Beobachtungsobjekte der Aufklärung befanden. Auf dem Gebiet der Bundesrepublik waren dies in den 1980er Jahren etwa 1.700 Objekte.[5] Für die Staats- und Parteiführung der DDR und für die militärische Leitung hatte der militärische Nachrichtendienst strategische Bedeutung. Ziele und Aufträge der Verwaltung Aufklärung wurden vom Ministerium für Nationale Verteidigung festgelegt. Die Hauptanstrengungen der Verwaltung Aufklärung galten im Wesentlichen der Aufklärung der NATO-Streitkräfte in den Kommandobereichen Europa Mitte und Ostseezugänge. Sie waren insbesondere auf die strategischen Richtungen Berlin, Osnabrück und Brüssel sowie Leipzig, Frankfurt/Main und Nancy zu konzentrieren. Für die Aufklärungstiefe wurde eine Begrenzung von 400 bis 600 Kilometer, die Operationszone der Volksmarine (VM) einbezogen, festgelegt. Als ständige Räume besonderer Aufmerksamkeit waren ein Streifen zwischen der Staatsgrenze der DDR und CSSR zur Bundesrepublik Deutschland und die Linie Hamburg-Soltau-Hannover-Paderborn-Marburg-Nürnberg, dazu das Territorium von Berlin (West), definiert.[6]

Die Spionageabwehr, also das Erkennen gegnerischer Spione, die versuchten, die NVA oder gar die militärische Aufklärung selbst zu unterwandern, gehörte nicht zu den Aufgaben der militärischen Aufklärung. Dafür war das Ministerium für Staatssicherheit („Verwaltung 2000“) zuständig.

Organisation[Bearbeiten]

Unterstellung[Bearbeiten]

Dieser Nachrichtendienst unterstand dem Stellvertreter des Ministers und Chef des Hauptstabes des Ministeriums für Nationale Verteidigung (MfNV). Die Truppenaufklärung war im MfNV unter der Bezeichnung "Verwaltung Aufklärung" personell und organisatorisch vom militärischen Nachrichtendienst der NVA bis zum Jahre 1964 getrennt. Bis dahin gab es einen Chef Aufklärung im Hauptstab des MfNV und einen Chef der 12. Verwaltung. Die 12. Verwaltung und die Verwaltung Aufklärung wurden am 1. September 1964 zusammengefasst. Der Chef der neuen Verwaltung Aufklärung war von nun an in Personalunion Chef Aufklärung des Ministeriums für Nationale Verteidigung.[6]

Gliederung[Bearbeiten]

Die Militärische Aufklärung der Nationalen Volksarmee gliederte sich 1988 in die vier Organisationselemente "Stab", "Agenturische Aufklärung", "Strategische Aufklärung" und "Operativ-Taktische Aufklärung".

Stab[Bearbeiten]

Als Stabsorgane waren dem Chef des Bereichs Aufklärung unmittelbar unterstellt:

  • Abteilung für Grundsatzfragen
    Hier wurden von knapp 10 Mitarbeitern Grundsatz- und Führungsentscheidungen sowie Planungs- und internationale Aufgaben für den Chef Aufklärung vorbereitet und dessen Posteingänge und -ausgänge bearbeitet.
  • Abteilung Operative Sicherstellung und Kontrolle
    Die Abteilung (ca. 30 Mitarbeiter) bestand aus den Arbeitsgruppen Operative Reisetätigkeit, Sicherheitslage, Dokumente und Sicherstellung. Die Stabsabteilungen waren in alle sicherheitsrelevanten Belange einbezogen und hatten damit eine hohe operative Bedeutung, da hier sowohl die agenturischen Kenntnisse als auch die militärischen Geheimnisse am höchsten konzentriert waren.[7]
Bekannte Mitarbeiter
  • Alfons Hexamer, Kapitän zur See
  • Günter Weiß, Oberst
  • Werner Brettschneider, Oberst
  • Jochen Kelling, Oberst

Agenturische Aufklärung[Bearbeiten]

(1984 umbenannt in 1. Verwaltung)

Die Aufgaben der Ende der 1980er Jahre etwa 160 Mitarbeiter umfassenden Verwaltung bestanden in der Beschaffung von Aufklärungsaufgaben über die NATO-Führungsorgane (militärische und militärpolitische Dokumente über Pläne und Absichten des Gegners), die Streitkräfte der BRD und die in der BRD dislozierten NATO-Streitkräfte durch agenturische Mittel und Methoden. Durch agenturische Mitarbeiter und Objektbeobachter wurden militärische Bewegungen an den Objekten und in bestimmten Räumen unter Kontrolle gehalten. Für die Rüstungsindustrie bestand eine entsprechende Aufgabe. Auch Informationen zur nachrichtendienstlichen Lage wurden erarbeitet.[8]

Zur 1. Verwaltung gehörten Außenstellen in 10 Bezirken der Deutschen Demokratischen Republik.

Leiter waren
  • 1955 - 1960 Erich Ripperger, Oberst
  • 1960 - 1975 Eberhard Lehmann, Oberst
  • 1975 - 1980 Heinz Hofmann, Oberst
  • 1980 - 1982 Eberhard Siewert, Oberst
  • 1982 - 1983 Roland Wunder, Oberst
  • 1983 - 1988 Heinz Hofmann, Generalmajor
  • 1988 - 1990 Harry Schreier, Oberst
Bekannte Mitarbeiter
  • Helmut Hannusch, Oberst
  • Siegfried Hoppe, Kapitän zur See
  • Heinz Köhler,Oberst
  • Fritz Küchler, Oberst
  • Ernst Lauschke, Oberst
  • Klaus Meinicke, Oberst
  • Kurt Merkwirth, Oberst
  • Rolf Pechstein, Oberst
  • Dieter Wieckhusen, Oberst
  • Helmut Zerbock, Oberst

Strategische Aufklärung[Bearbeiten]

(1984 umbenannt in 2. Verwaltung)

Mitte der 1980er Jahre hatte die. 2. Verwaltung knapp 250 Mitarbeiter, mit denen die Aufklärung gegen die NATO außerhalb der BRD geführt, durch die Militärattachés und Residenturen unter offizieller Deckung insbesondere in Krisenräumen weltweit betrieben sowie die Beziehungen zu den Armeen der Gastgeberländer gepflegt wurden. Die Verwaltung hatte ihre Mitarbeiter in 49 Staaten. Dazu gehörten 34 Militärattachéapparate, 6 Zweitakkreditierungen und 9 durch Legalisten besetzte Residenturen.[8][7]

Leiter waren
  • 1967 - 1972 Eberhard Bauer, Oberst
  • 1972 - 1980 Eberhard Siewert, Oberst
  • 1980 - 1981 Roland Wunder, Oberst
  • 1981 - 1983 Heinz Hofmann, Generalmajor
  • 1983 - 1988 Harry Rathmann, Generalmajor
  • 1988 - 1990 Günter Oldenburg, Generalmajor
  • 1990 - 1990 Jura Hoffmann, Oberst
Bekannte Mitarbeiter (außer Militärattachédienstes)
  • Werner Denn, Oberst
  • Klaus Ebert, Oberstleutnant
  • Hans-Jürgen Gericke, Kapitän zur See
  • Peter Mühle, Oberst
  • Hans-Dieter Nowak, Oberst
  • Frank Wimmer, Oberstleutnant
  • Werner Zelt, Oberstleutnant

Militärattachés und deren Gehilfen siehe
"Liste der Militärattachés der Deutschen Demokratischen Republik" und
"Liste der Militärattachés der Deutschen Demokratischen Republik (nach Einsatzländern)"

Operativ-Taktische Aufklärung[Bearbeiten]

(1984 umbenannt in 3. Verwaltung)

Die Truppenaufklärung war bis 1964 im Ministerium für Nationale Verteidigung (MfNV) unter der Bezeichnung „Verwaltung Aufklärung" personell und organisatorisch vom militärischen Nachrichtendienst der NVA getrennt. Bis dahin gab es einen Chef Aufklärung im Hauptstab des MfNV und einen Chef der 12. Verwaltung. 1964 wurden die Truppenaufklärung als „Stellvertreterbereich Operativ-taktische Aufklärung“ (OTA) in die 12. Verwaltung integriert, die dann ab 1966 als Verwaltung Aufklärung bezeichnet wurde. [20]. 1984 wurde aus dem Stellvertreterbereich die 3. Verwaltung (Operativ-taktische Aufklärung) mit etwa 50 Mitarbeitern. Die 3. Verwaltung war für die operativ-taktische Aufklärung, die Truppenaufklärung, zuständig. Sie umfasste Beobachtung, Fern-, Artillerie-, Pionier-, Chemische Aufklärung,Luftaufklärung,Seeaufklärung, Grenzaufklärung sowie die Funkelektronische und Funkmessaufklärung. Dazu kam die Anleitung und Kontrolle der Aufklärungskräfte der Teilstreitkräfte der NVA und die Koordinierung der Einsätze der teilstreitkräftebezogenen Aufklärungskräfte mit den Aufklärungskräften des Funkaufklärungsregimentes 2. Dieses Regiment hatte in Zusammenarbeit mit dem Informationsdienst des Bereichs Aufklärung auch die Teilstreitkräfte und die Lehreinrichtungen der NVA mit Erkenntnissen über den Gegner zu versorgen. Die funk- und funktechnische Aufklärung des Gegners war die Aufgabe des Funkaufklärungsregimentes 2.

Eine weitere Aufgabe war die Dekryptierung von gegnerischen Codes und Schlüsseln. Schließlich hatte diese Verwaltung Geräte zur Aufklärung zu entwickeln.[8] Anfang 1990 wurde diese Verwaltung wieder aus dem Bereich Aufklärung ausgegliedert und als selbständige „Verwaltung für Truppenaufklärung“ (VTA) dem Chef des Hauptstabes unterstellt.

Leiter waren
  • 1951 - 1957 Herbert Scheibe, Generalleutnant
  • 1957 - 1975 Wolfgang Seidel, Oberst
  • 1975 - 1982 Helmut Prescher, Oberst
  • 1982 - 1990 Gerhard Rother, Generalmajor
Bekannte Mitarbeiter
  • Wolfgang Enderlein, Oberst
  • Hans Fiehberg, Oberstleutnant
  • Günter Haupt, Oberst
  • Holger Leuschner, Oberst
  • Wolfgang Ludwig, Oberst
  • Rainer Matthes, Oberst
  • Werner Thomas, Oberst
  • Horst Rittermann, Oberst

Operative Sicherstellung[Bearbeiten]

(ab 1984 Verwaltung Operative Sicherstellung)

Die Sicherstellung der operativen Arbeit war von Anfang an fester Bestandteil der Militärischen Aufklärung der Nationalen Volksarmee. Im Zuge der Umstrukturierung der Verwaltung Aufklärung in den Bereich Aufklärung entstand dann 1984 die Verwaltung Operative Sicherstellung mit etwa 340 Mitarbeitern. Neben dem Sekretariat und der VS-Stelle gehörten die beiden Abteilungen Operative Technik und Nachrichten sowie die vier Unterabteilungen Beschaffung, Versorgung, Kfz und Operativ dazu.[7] Anfang 1990 wurde diese Verwaltung wieder aus dem Bereich Aufklärung ausgegliedert und als selbständige „Verwaltung für Truppenaufklärung“ (VTA) dem Chef des Hauptstabes unterstellt.

Leiter waren
  • 1952 - 1953 Robert Schicht, Oberstleutnant
  • 1953 - 1955 ?
  • 1955 - 1958 Siegfried Dombrowski, Oberstleutnant
  • 1958 - 1960 Willi Rösler, Oberstleutnant
  • 1960 - 1963 Erich Ripperger, Oberst
  • 1964 - 1975 Wolfgang Seidel, Oberst
  • 1975 - 1989 Willhelm Schönke, Oberst
  • 1989 - 1990 Alfred Bujak, Oberst
Bekannte Mitarbeiter
  • Dieter Buhlik, Oberst
  • Werner Gericke, Oberst
  • Dieter Hass, Oberstleutnant
  • Hermann Jäger, Oberstleutnant
  • Kurt Lewinski, Oberstleutnant
  • Rolf Medefind, Oberst
  • Hermann Nagorski, Oberstleutnant
  • Paul Petrolat, Oberst
  • Georg Salzwedel, Fähnrich

Die Abteilung Operative Technik hatte der 1. und 2. Verwaltung auf dem Gebiet des Containerbaus, der Geheimschreibmittel, der operativen Fotografie und der Dokumentenanfertigung zuzuarbeiten. Die Abteilung Nachrichten war für die Bereitstellung aller Fernmeldeverbindungen (Draht und Funk) und für den Militärischen Nachrichtendienst verantwortlich.[8]

Informationsdienst[Bearbeiten]

Dieser Dienst war mit seinen 130 Mitarbeitern (Stand 1984) für die Aufbereitung und Auswertung der gesammelten Daten und das Ermitteln von komplexen Erkenntnissen zuständig. Mit immer kürzeren Reaktionszeiten auf mögliche Raketenangriffe der NATO erhöhte sich der Zeitdruck für den Informationsdienst, sichere Daten zu liefern, stetig.[5] (siehe dazu auch RJaN)

Leiter waren
  • 1952 - 1956 Helmut Appelt, Major
  • 1956 - 1988 Alexander Karin, Generalmajor
  • 1988 - 1990 Kurt Gottwald, Generalleutnant
  • 1990 - 1990 Manfred Zeise, Oberst
Bekannte Mitarbeiter
  • Wolfgang Wolf, Oberst (NATO-Streitkräfte gesamt)
  • Herbert Klein, Oberst (Militärpolitik)
  • Hans-Dieter Michaelis, Kapitän zur See (NATO-Seestreitkräfte)
  • Dietrich Trapp, Fregattenkapitän (NATO-Seestreitkräfte)
  • Peter Heinzel, Oberstleutnant (NATO-Luftstreitkräfte und -Luftverteidigung)
  • Rudolf Berghaus, Oberstleutnant (NATO-Luftstreitkräfte)
  • Emil Schreier, Oberst (NATO-Landstreitkräfte)
  • Gerhard Göricke, Oberstleutnant (Bundeswehr)
  • Siegfried Mühle, Oberst (Militärtechnik, operativer Ausbau des Kriegsschauplatzes, Elektronische Kampfführung)
  • Manfred Kneschke, Oberstleutnant (Militärhaushalte, Rüstungswirtschaft)

Militärwissenschaftliches Institut[Bearbeiten]

Die 1952 gegründete Schule der Verwaltung Aufklärung wurde 1979 zum Militärwissenschaftlichen Institut (MWI) der Nationalen Volksarmee, entsprach einer Fakultät der Militärakademie „Friedrich Engels“ und hatte das Recht, den akademischen Abschluss des Diplom-Militärwissenschaftlers zu verleihen. Das MWI hatte den Auftrag, den personellen Nachwuchs für die 1. und 2. Verwaltung sowie für den Informationsdienst auszubilden und war dazu in Lehrstühle, Unterabteilungen und Arbeitsgruppen gegliedert.[9] Die Forschungsarbeit konzentrierte sich darauf, die Erfahrungen und aus der Praxis gewonnenen Normativen der agenturischen und strategischen Aufklärung wissenschaftlich zu dokumentieren, analysieren, Optimierungsthesen und daraus Vorschläge für die Qualifizierung dieser Bereiche zu entwickeln.[10]

Leiter waren
  • 1980 - 1982 Manfred Zeise, Oberstleutnant
  • 1982 - 1990 Eberhard Siewert, Generalmajor
Bekannte Lehrer
  • Frank Bethge, Oberstleutnant
  • Karl Fötsch, Kapitän zur See
  • Führich, Oberst
  • Kolbe, Oberst
  • Köppke, Oberst
  • Eberhard Wienmeister, Oberst

Einrichtungen[Bearbeiten]

Zentrale[Bearbeiten]

Das erste Hauptquartier hatte die Militäraufklärung bis 1952 in der Neue Schönholzer Straße 16 im Ost-Berliner Stadtbezirk Pankow. Dort waren alle Verwaltungen, bis auf die 3. Verwaltung (Truppenaufklärung), untergebracht. Diese befand sich in der damaligen Buchhornstraße in Berlin-Wendenschloß.

Ab April 1953 befindet sich der Dienst in der Behrenstraße in Berlin-Mitte, da im vorherigen Domizil die Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden konnte und die Räumlichkeiten nicht mehr ausreichten. Da dieses Objekt jedoch zu dicht an der Sektorengrenze lag, wurde es nach einem Beschluss des ZK der SED vom Februar 1956 wieder aufgegeben.

Bis 1957 befanden sich einige Abteilungen dann im „Objekt Wendenschloß“ in der Buchhornstraße 42-44 und in der Walter-Rathenau-Straße 21 in Grünheide. Nach der Flucht der Haushälterin von Karl Linke, welche über CIA-Verbindungen verfügte, wurden jedoch auch diese Objekte aufgegeben.

Unter strenger Geheimhaltung bezog die gesamte Verwaltung Aufklärung Ende 1957 ihr neues Domizil in der Regattastraße 12-28 in Berlin-Grünau. Auf Anweisung von Verteidigungsminister Stoph durfte das Objekt über keine sichtbaren Masten für Sendeanlagen verfügen und sollte äußerlich wie eine Fachschule oder Institut wirken. Hier wurde der Name „Verwaltung für Koordination“ verwendet.

Nach der Flucht von Oberstleutnant Siegfried Dombrowski im August 1958 nach West-Berlin musste jedoch auch dieses Objekt nach kurzer Zeit aus Sicherheitsgründen aufgegeben und gegen eine Zwischenlösung in der Schnellerstraße 139 in Berlin-Niederschöneweide eingetauscht werden. Aufgrund der dortigen ungünstigen Arbeitsbedingungen und entsprechender Bitten des Chefs der Militäraufklärung, Arthur Franke, stimmte Verteidigungsminister Heinz Hoffmann am 5. Februar 1968 einem Neubau zu. Dieses Objekt in der Oberspreestraße 61 - 63 in Berlin-Köpenick wurde 1972 bezogen und bis 1990 (äußerlich als "Mathematisch-Physikalisches Institut der NVA" gekennzeichnet) von der Militärischen Aufklärung der Nationalen Volksarmee genutzt.[11][7]

Zentraler Funkdienst[Bearbeiten]

Der Zentrale Funkdienst (ZFD) befand sich auf dem Gelände der ehemaligen Junkers Flugzeug- und Motorenwerke in Dessau. Er war das stationäre Aufklärungsorgan der Verwaltung Aufklärung und ging aus dem Funkaufklärungsregiment 2 (FuAR-2) „Hans Jahn“ hervor. Es bestand aus dem

  • Funkaufklärungszentum Kurzwelle (FuAZ KW),
  • Funkaufklärungszentrum Satelliten (FuAZ Sat),
  • Funkaufklärungszentrum Nord (FuAZ Nord) stationiert in Rüggow,
  • Funkaufklärungszentrum Süd (FuAZ Süd) stationiert in Zella-Mehlis und dem
  • Luftaufklärungszentrum (LuAZ) stationiert in Dresden.

1990/91 übernahm der Zentrale Funkdienst auch die beiden zentralen Aufklärungsobjekte der HA III des MfS/AfNS, nachdem deren Auflösung am Runden Tisch beschlossen worden war. Das waren das

  • Satellitenaufklärungszentrum in Biesenthal nördlich von Berlin und das
  • Richtfunk- und UKW-Aufklärungszentrum auf dem Brocken, Harz.[12]

Abwicklung[Bearbeiten]

In den Jahren 1989 und 1990 wurde im Rahmen der Auflösung des Bereichs Aufklärung und der Nationalen Volksarmee auf Weisung von Rainer Eppelmann, des damaligen Ministers für Abrüstung und Verteidigung der Deutschen Demokratischen Republik, etwa ein Drittel der Aktenbestände vernichtet.[13] Das betraf insbesondere Unterlagen, die inoffizielle Mitarbeiter im Ausland hätten enttarnen können.

Teile noch vorhandener Materialien wurden durch das Zentrum für Nachrichtenwesen der Bundeswehr 1999 ausgewertet und ebenfalls vernichtet.Die verblieben Bestände sind im Militärarchiv des Bundesarchivs in Freiburg eingelagert.[14] Am 3. Oktober 1990 wurde das Personal des ehemaligen Bereichs Aufklärung um fast 50 % reduziert, nachdem im März des gleichen Jahres die Umbenennung in „Informationszentrum beim Ministerium für Abrüstung und Verteidigung“ erfolgt war. Das Informationszentrum stellte gleichzeitig seine Arbeit ein, wurde von der Bundeswehr übernommen und dann zum 31. Dezember 1990 vollständig aufgelöst.

Erkannte Agenten[Bearbeiten]

Die Militärische Aufklärung schaltete ihr Agentennetz 1990 ab und vernichtete die Masse der personenbezogenen Unterlagen und nur wenige ihrer Agenten bzw. „Kundschafter“ wurden bislang namentlich bekannt.

Darunter:

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus Behling: Der Nachrichtendienst der NVA. Geschichte, Aktionen und Personen. edition ost, Berlin 2005, ISBN 3-360-01061-2
  • Bernd Biedermann, Harry Schreyer und Bodo Wegmann (Hrsg.): Die Militäraufklärung der NVA. Ehemalige Aufklärer berichten. Köster, Berlin 2007. ISBN 978-3-89574-660-4
  • Andreas Kabus: Der militärische Geheimdienst der DDR, Auftrag WINDROSE. Verlag Neues Leben, Berlin 1993. ISBN 3-355-01406-0
  • Dieter Krüger, Armin Wagner (Hrsg.): Konspiration als Beruf. Deutsche Geheimdienstchefs im Kalten Krieg, Christoph Links Verlag Berlin 2003. ISBN 3-86153-287-5
  • Walter Richter: Der Militärische Nachrichtendienst der Nationalen Volksarmee der DDR und sein Kontrolle durch das Ministerium für Staatssicherheit. Die Geschichte eines deutschen Geheimdienstes. Europäische Hochschulschriften Band 439, 2. überarb. Aufl., Frankfurt am Main 2004. ISBN 3-631-52020-4
  • Helmut Roewer, Stefan Schäfer, Matthias Uhl: Lexikon der Geheimdienste im 20. Jahrhundert. Herbig, München 2003. ISBN 3-7766-2317-9
  • Bodo Wegmann: Die Militäraufklärung der NVA. Die zentrale Organisation der militärischen Aufklärung der Streitkräfte der Deutschen Demokratischen Republik. 2. Auflage. Köster, Berlin 2006. ISBN 3-89574-580-4

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Maulwürfe, Friedrich-Wilhelm Schlomann, Seite 17
  2. Mil-ND auf DDR-Wissen.de, Abgerufen am 7. Juni 2009
  3. Richter, Walter: Der Mil.-ND der NVA der DDR [...], 2. überarb. Aufl., Frankfurt am Main 2004, S. 26 - 182.
  4. Der SAS- und Chiffrierdienst, Abgerufen am 2. Juni 2009; Nicht mehr erreichbar
  5. a b c Bodo Wegman: Der Beitrag der Militäraufklärung der DDR - Überraschung und Trauma. In: NVA-Forum.de. 2004, abgerufen am 26. Dezember 2013 (PDF; 258 kB).
  6. a b Das Bundesarchiv, Ministerium für Nationale Verteidigung/Teilbestand Verwaltung Aufklärung, Aufgaben, Organisation, Koblenz 2005
  7. a b c d Bodo Wegmann: Die Militäraufklärung der NVA. Die zentrale Organisation der militärischen Aufklärung der Streitkräfte der Deutschen Demokratischen Republik. 2. Auflage. Köster, Berlin 2006, ISBN 3-89574-580-4, S. 110, 112
  8. a b c d Walter Richter: Der Militärische Nachrichtendienst der Nationalen Volksarmee der DDR und sein Kontrolle durch das Ministerium für Staatssicherheit. Die Geschichte eines deutschen Geheimdienstes. Europäische Hochschulschriften Band 439, 2. überarb. Aufl., Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-631-52020-4
  9. Walter Richter: Der Militärische Nachrichtendienst der Nationalen Volksarmee der DDR und sein Kontrolle durch das Ministerium für Staatssicherheit. Die Geschichte eines deutschen Geheimdienstes. Europäische Hochschulschriften Band 439, 2. überarb. Aufl., Frankfurt am Main 2004, S. 260, ISBN 3-631-52020-4
  10. Bereich Aufklärung: Plan der Aufklärung für den Perspektivzeitraum 1986 bis 1990, 21. August 1985, S. 8
  11. Die Militäraufklärung der Nationalen Volksarmee der DDR Bei Manfred Bischoff.de, Abgerufen am 5. Juni 2009
  12. Der Zentrale Funkdienst (ZFD) (Stand: September 1990), Manfred-Bischoff.de.
  13. Brief von R. Eppelmann an das Justizministerium, auf Vogl-dessau.de
  14. a b Die Schweiz als Ziel der DDR Militäraufklärung?, Abgerufen am 30. Mai 2009; Domain nicht mehr erreichbar
  15. Die feindlichen Brüder, Peter-Ferdinand Koch, Verlag Scherz, 1994, ISBN 3502163898, S.308
  16. a b c d Kundschafter für den Frieden, Autorenliste
  17. BGE 101 IV 177
  18. a b BVerfGE 92, 277 - DDR-Spione, Abgerufen am 2. Juni 2009

52.44916666666713.553055555556Koordinaten: 52° 26′ 57″ N, 13° 33′ 11″ O