Vitte (Insel Hiddensee)

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Vitte
Koordinaten: 54° 34′ 8″ N, 13° 6′ 27″ O
Fläche: 2 km²
Eingemeindung: 1938
Postleitzahl: 18565
Vorwahl: 038300
Vitte (Mecklenburg-Vorpommern)
Vitte

Lage von Vitte in Mecklenburg-Vorpommern

Ortsteil Vitte vom Flugzeug aus
Ortsteil Vitte vom Flugzeug aus

Vitte ist einer von vier Ortsteilen der Gemeinde Insel Hiddensee.

Vitte bildet mit etwa 500 Einwohnern und den übrigen Wohngebieten auf der Insel die Gemeinde Seebad Hiddensee (Hiddensee insgesamt wies im Jahr 2017 rund 1000 Bewohner auf).[1] In Vitte befindet sich die Gemeindeverwaltung, Vitte gilt damit als inoffizieller Inselhauptort.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name des größten Ortsteils auf der Insel Hiddensee stammt von Vitten, womit im Mittelalter Heringsfang- und Fischhandelsplätze bezeichnet wurden.

Ab dem beginnenden 20. Jahrhundert wurde die kleine naturbelassene Insel zu einem beliebten Sommer-Aufenthaltsort, später auch Wohnort, von Künstlern, Schriftstellern oder Wissenschaftlern aus Deutschland. Sehr zeitig beschlossen die Einwohner, auf der gesamten Insel keinen individuellen Kraftfahrzeugverkehr zuzulassen.

Die schrittweise Entwicklung des Fremdenverkehrs, wie der Tourismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts genannt wurde, führte vor allem in den Orten Kloster und Vitte zum Bau neuer Wohnsiedlungen mit Einlieger-Wohnungen für Feriengäste sowie dem Ausbau der Hafenanlagen. Traditionelle Wirtschaft wie der Fischfang oder die Landwirtschaft für den Eigenbedarf gingen allmählich zurück. Der Tourismus wurde zu einem bedeutenden Erwerbszweig, allerdings im Wesentlichen auf die Sommermonate beschränkt. Die Bewohner arbeiteten in den neuen Hotels, in der Dienstleistung oder vermieteten Zimmer an Urlauber.

Nach der Gründung der DDR und des FDGB trat der Gewerkschaftsbund als Hauptvermieter von Urlaubsunterkünften auf Hiddensee auf. Entweder hatte der FDGB bald eigene Gebäude errichtet – in Vitte zum Beispiel das zurzeit leerstehende FDGB-Erholungsheim Zur Ostsee oder die vorhandenen Gasthäuser und privaten Zimmervermieter wurden vertraglich verpflichtet, in der Hauptsaison nur noch über die Gewerkschaft zu buchen.[2]

Nach der Wende ging der Tourismus auf der gesamten Insel erst einmal deutlich zurück, viele jüngere Hiddenseer verließen zudem ihre Insel; die Einwohner konnten aber nun ganzjährig an Privatpersonen vermieten. Die Restaurants und Hotels mussten dagegen umfassend investieren, um auf einen Mindeststandard für Touristen zu kommen. Neben technischen Erneuerungen wurden die meisten Gebäude auch baulich saniert. – Im 21. Jahrhundert erreichte die Ferienwirtschaft einen neuen Boom.

Die Westseite des Ortsteilbereiches Vitte verfügt über einen langen Badestrand mit feinem Seesand.

Besondere Bauwerke und Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Künstlerhäuser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Am nördlichen Rand des früheren Fischerdorfes liegt eine kleine Ansiedlung mit mehreren einstöckigen Gebäuden, die von Künstlerinnen und Künstlern, vor allem Malern und Fotografen, errichtet worden waren. Die Häuser erhielten ihre Namen nach den Eigentümern wie das Henni-Lehmann-Haus, das Asta-Nielsen-Haus oder nach der auffälligen Außengestaltung wie die Blaue Scheune. Die weiblichen Bewohner schlossen sich zum Hiddensoer Künstlerinnenbund zusammen. Der Zusammenhalt erwies sind in der Zeit des Nationalsozialismus als besonders wichtig, als Juden, Andersdenkende und Ausländer verfolgt wurden.
  • Ein Gebäudeverbund am Norderende Ecke Wallweg weist mit einer aus Granit gearbeiteten Gedenktafel darauf hin, dass hier Gerhart Hauptmann zwischen 1896 und 1899 mehrfach sein Sommerdomizil genommen hatte; es wird nicht als Filiale des Gerhart-Hauptmann-Hauses in Kloster genutzt, sondern steht leer und zerfällt (Stand Juni 2019).

Weiteres Nennenswertes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nationalparkhaus, Norderende 2; an der Grenze zu Kloster[3]
  • Homunkulus Figurensammlung in einem schlichten neu errichteten Haus aus Lärchenholz, ist eine Sammlung von Marionetten sowie anderen Spielmodellen und Figuren, die in den verschiedenen Stücken der Seebühne zum Einsatz kamen oder kommen[4].
  • Ärztehaus in der Straße Süderende (das auch als Rezeptsammelstelle fungiert), ein ausgebautes Backsteingebäude vom Beginn des 20. Jahrhunderts
  • Kommunalhafen Vitte mit angeschlossenem Seglerhafen
  • Hexenhaus, eine 1755 errichtete Fischerkate (Süderende 105), denkmalgeschützt; Sommerwohnsitz von Adolf Reichwein, Pädagoge und Politiker der Weimarer Republik, weiter im Eigentum der Familie
  • Insel-Information
  • Hafencenter
  • Rathaus Vitte/Gemeindeverwaltung, Norderende 162
Windmühle
  • Korpus einer alten Windmühle
  • Zeltkino, in welchem auch öfter Filmvorführungen Hiddensee im Blickpunkt des DDR-Fernsehens stattfinden
  • Seebühne Hiddensee in Vitte, Wallweg 2; gegründet 1997
  • Villa Karusel, Museum zu Leben und Werk der Schauspielerin Asta Nielsen und des Architekten Max Taut
  • Blaues Strandhaus Vitte, Norderende 38
Seenotrettungsboot im Hafen von Vitte
  • eine DGzRS-Seenotrettungsstation mit dem Rettungskreuzer Nausikaa am Hafen (Boddenseite)

Hausmarken und Stolpersteine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Hausnummern oder Dachfirste weisen außerdem die Hausmarken ihrer Besitzer auf.

Gedächtnisstein für Julie Wolfthorn

In Vitte verlegte der Aktionskünstler Gunter Demnig in den 2000er Jahren sechs Stolpersteine. Diese erinnern an die Malerin Julie Wolfthorn, 1942 deportiert und 1944 im KZ Theresienstadt ermordet, an die Malerin Henni Lehmann, entging 1937 der Verfolgung durch Freitod, an die Malerin Susanne Ritscher, die sich stetig erfolgreich verstecken konnte, an die Malerin Clara Arnheim, deportiert und 1942 im KZ Theresienstadt ermordet, an die Malerin Käthe Löwenthal und an den Politiker Adolf Reichwein, Mitglied der Widerstandsgruppe Kreisauer Kreis; wurde nach Verhaftung und einem Schauprozess 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Alle wohnten und arbeiteten in der NS-Zeit in Vitte.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gasthäuser und Pensionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

– Stand vom Sommer 2019; alphabetisch –

Haus Heiderose
  • Gasthaus Buhne XI
  • Fischerklause
  • Hotel und Restaurant Godewind[5]
  • Hafenkater, Schillings Fischhandel,
  • Tante Hedwig
  • Heiderose, ein Gasthaus südlich von Vitte; zu DDR-Zeiten ein FDGB-Heim
  • Hiddenseeklause
  • Gasthaus Inselreif
  • Cafe Norderende
  • Gasthaus & Pension Zum Hiddenseer.

Dienstleister, Galeristen, Besonderheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Manufaktur Hiddensee, mit einer Niederlassung in Kloster und einer in Vitte, stellt eigenes Speiseeis her.
  • Der Konservenladen:
    Unter dieser Bezeichnung hat sich eine Einrichtung etabliert, die das in den 2010er Jahren gegründete Projekt Kutterfisch mit dem Verkauf der Produkte unterstützt und publik macht.[6]
  • Ein großer Lebensmittelanbieter und einige Backstuben versorgen die Einheimischen und die Urlauber.
  • Einige hier lebende Prominente wie der Architekt und Maler Reinhard Muschik zeigen und verkaufen an ihrem Atelier eigene Werke (Stand Sommer 2019).[7]
  • Produkte aus oder mit Sanddornbeeren sind an vielen Stellen erhältlich.
  • Strandkorbverleiher
  • Private Fahrradverleiher
  • Für die gesamte Insel gibt es nur in Vitte die Möglichkeit, sich bei der Sparkasse Vorpommern mit Bargeld zu versorgen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Vitte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einwohnerzahl Insel Hiddensee 2012 bis 2017. Abgerufen am 15. Juni 2019.
  2. Urlaub auf der DDR-Ostseeinsel Hiddensee; auf www.spiegel.de. Abgerufen am 15. Juni 2019.
  3. Homepage des Nationalparkhauses Vorpommersche Boddenlandschaft in Vitte, abgerufen am 20.- Juni 2019.
  4. Homepage Homunkulus Figurensammlung, abgerufen am 20. Juni 2019.
  5. Die 10 besten Gasthäuser in Vitte neben dem Godewind auf www.tripadvisor.de; abgerufen am 20. Juni 2019.
  6. Homepage Hiddenseer Kutterfisch, abgerufen am 17. Juni 2019.
  7. Reinhard Muschik Atelier in Das Örtliche; abgerufen am 20. Juni 2019.