Volkswagenwerk Braunschweig

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Volkswagenwerk Braunschweig (unten im Bild das Eintracht-Stadion).

Das Volkswagenwerk Braunschweig ist das älteste Werk der Volkswagen AG. Es wurde ab Februar 1938 als sogenanntes „Vorwerk“ errichtet.

Im Volkswagenwerk Werk Braunschweig werden rund 6625 Mitarbeiter beschäftigt (Stand 2014).[1] Es ist Braunschweigs größter Industriebetrieb.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für das Volkswagen-„Vorwerk“ hatte die Deutsche Arbeitsfront (DAF) ein großes Areal an der Gifhorner Straße im Norden Braunschweigs gepachtet. Auf diesem Gelände befanden sich zu dieser Zeit mehrere Kleingartenvereine, so beispielsweise der Gartenbauverein „Sonniges Land“, der sich im Bereich der Halle 5 (Fertigung und Verwaltung) befand oder der Gartenbauverein „Gunther“, auf dessen Gelände später die Halle 7 (Werkzeugbau) errichtet wurde.[3] Ursprünglich war geplant, dass das Werk am 1. April 1938 die Arbeit aufnehmen sollte, doch verzögerte sich der Baubeginn aus verschiedenen Gründen. Der Erste Spatenstich für Produktionshallen, Lehrwerkstätten und Wohnheime fand schließlich am 23. Februar 1938 statt, noch vor dem Bau des eigentlichen VW-Werkes bei Fallersleben.

Im Vorwerk Braunschweig sollten speziell ausgesuchte Jugendliche zu Facharbeitern und Volontären ausgebildet werden, um dann im VW-Stammwerk zu arbeiten. Die auf drei Lehrjahre angelegte Ausbildung begann im Herbst 1938, der zweite Jahrgang umfasste bereits 308 Lehrlinge. Die Berufserziehung in der „Musterlehrwerkstatt“ trug mit theoretischem und experimentellem Unterricht modernen Methoden Rechnung und war insofern innovativ gegenüber dem zeitgenössischen Berufsschulunterricht und den industriellen Ausbildungsstandards. Zugleich war sie freilich mit sportlich-militärischem Drill, bedingungsloser Unterordnung und, in geringerem Maße, nationalsozialistischer Indoktrination verbunden.[4]

Das Vorwerk diente dazu, qualifiziertes Personal für das Werk in Wolfsburg auszubilden und die dortige Produktion vorzubereiten. Es wurde auch als „Ordensburg der Arbeit“ bezeichnet. Innerhalb der Anlage gab es die Bereiche Arbeit und Ausbildung sowie ein separates Internat, welches der Hitlerjugend des Banns 468 zugeordnet war. Der Schulungskomplex war in acht Lehrlingsheime untergliedert, die jeweils eigene Ausbildungskonzept verwirklichten. Es gab eine Unterteilung in die Gefolgschaften Streifendienst, Marine, Feuerwehr und den Bann-Musikzug sowie jeweils zwei Gebäude für die Motor- und Fliegergefolgschaften. Zudem gab es das sogenannte „Nibelungenlager“, in dem sowohl Zwangsarbeiter als auch die Angehörigen der Hitlerjugend beschäftigt waren.[5]

Das Vorwerk produzierte für das Stammwerk zunächst halbfertige Erzeugnisse für den dortigen Transformatorenbau sowie Lehren und Werkzeuge für die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG in Dessau.

Während des Zweiten Weltkrieges stellte das Vorwerk Braunschweig auch Rüstungsgüter (Teile für Flugzeugmotoren) her. Am Flughafen Waggum wurde eigens eine Halle gebaut, um Kampfflugzeuge vom Typ Junkers Ju 88 zu reparieren und zu montieren.[6] Die Lehrlinge wurden zunehmend in der laufenden Produktion eingesetzt und immer weniger ausgebildet. Nach Kriegsende beschlagnahmte die britische Militärregierung Teile des Werkes. Im Dezember 1945 begann die Fertigung von Komponenten für das Wolfsburger Stammwerk erneut, während die spezifischen Ausbildungsmaßnahmen im Werk Braunschweig nicht wieder aufgenommen wurden. 2011 wurde geplant, das größte Parkhaus der Stadt Braunschweig auf dem Gelände des Vorwerkes zu bauen, um die Parkplatzsituation für die Mitarbeiter zu verbessern.[7]

Das Werk im VW-Konzern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Braunschweiger Werk wurden anfangs Lenkungen für den „KdF-Wagen“ (VW Käfer) produziert. Auch heute ist es ein reiner Zulieferbetrieb, betreibt jedoch auch eine Coachingabteilung zur Berufsausbildung und Mitarbeiterfortbildung. In Braunschweig werden unter anderem Fahrwerksteile, Hinter- und Vorderachsen, Stoßdämpfer, aber auch Bremsen, Bremsscheiben, Lenkgetriebe und alle Fußhebel hergestellt. Des Weiteren gibt es den Maschinen- und Werkzeugbau sowie eine Kunststoffteilefertigung. Zu den Kunden gehört nicht nur die Marke Volkswagen, sondern auch alle anderen Automobilhersteller der Volkswagen AG wie Porsche, Audi, Škoda, Seat und Bugatti.

Logistik Business Unit Braunschweig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Logistik in der Business Unit Braunschweig liefert die Produkte weltweit an rund 150 Kunden aus und ist für die Steuerung des Materialzufluss durch die etwa 1500 Zulieferer zuständig. Der Vertrieb erfolgt per Bahn oder mit rund 300 LKWs, die täglich das Werk anfahren. Es wird dabei eine möglichst effiziente Ausnutzung und eine Verringerung des Verpackungsmaterials umgesetzt, um die Umweltbelastungen zu reduzieren.

Das mit Erdgas befeuerte Heizhaus des Werks produziert technische Wärme. Der CO2-Ausstoß liegt unterhalb der Zuteilungsmenge, so dass die überschüssigen Emissionszertifikate über den Emissionsrechtehandel veräußert werden können.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulrike Gutzmann, Markus Lupa: Vom „Vorwerk“ zum FahrWerk: eine Standortgeschichte des Volkswagen Werks Braunschweig. In: Historische Notate. 13. Volkswagen AG, Wolfsburg 2008, ISBN 978-3-935-11227-7. (Inhaltsverzeichnis PDF)
  • Horst Günter: Zur Abhängigkeit der Region Braunschweig von der Volkswagen AG. In: Berichte aus der Betriebswirtschaft. Shaker, Aachen 1994, ISBN 3-861-11871-8.
  • Helmut Weihsmann: Bauen unterm Hakenkreuz. Architektur des Untergangs. Promedia Druck- und Verlagsgesellschaft m.b.H., Wien 1998, ISBN 3-85371-113-8, S. 317 + 322.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Braunschweig (Deutschland).. Volkswagen AG. 2013. Abgerufen am 18. Oktober 2013.
  2. Luitgard Camerer, Manfred Garzmann, Wolf-Dieter Schuegraf (Hrsg.): Braunschweiger Stadtlexikon. Joh. Heinr. Meyer Verlag, Braunschweig 1992, ISBN 3-926701-14-5, S. 238.
  3. Horst Vetten, Klaus Kunkel:Das Buch Von Volkswagen für … Sonderdruck der Volkswagen AG. Selbstverlag Wolfsburg 1988, S. 182–185, OCLC 165468549.
  4. Hans Mommsen, Manfred Grieger: Das Volkswagenwerk und seine Arbeiter im Dritten Reich. 3. Auflage. Econ-Verlag, Düsseldorf 1997, S. 241 und 248, ISBN 3-430-16785-X.
  5. VW-Vorwerk auf vernetztes-gedaechtnis.de, abgerufen am 18. Oktober 2013.
  6. Gerd Biegel (Hrsg.): Bomben auf Braunschweig, Veröffentlichungen des Braunschweigischen Landesmuseums, Nr. 77, Braunschweig 1994, S. 28
  7. Jörn Stachura (16. August 2011): VW will größtes Parkhaus der Stadt bauen auf braunschweiger-zeitung.de und vorhabenbezogener bebauungsplan vw-parkhaus ohefeld, braunschweig auf carstenmeier.com, abgerufen am 18. Oktober 2013.

Koordinaten: 52° 17′ 37″ N, 10° 31′ 23″ O