Vrindavan

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Vrindavan
Vrindavan (Indien)
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Staat: Indien
Bundesstaat: Uttar Pradesh
Distrikt: Mathura
Lage: 27° 35′ N, 77° 42′ OKoordinaten: 27° 35′ N, 77° 42′ O
Höhe: 174 m
Einwohner: 63.005 (2011)[1]
Vrindavan – Kusuma Sarovar Ghat
Vrindavan – Kusuma Sarovar Ghat

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Vrindavan (Hindi: वृन्दावन, Vṛndāvan) ist eine etwa 65.000 Einwohner zählende Stadt im Distrikt Mathura des indischen Bundesstaats Uttar Pradesh.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vrindavan liegt in etwa 170 m Höhe ü. d. M. auf dem Westufer der Yamuna etwa 8 km nördlich der Stadt Mathura. Agra liegt etwa 75 km in südöstlicher Richtung entfernt und Indiens Hauptstadt Delhi liegt etwa 145 km nördlich.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ca. 92,5 % der Einwohner sind Hindus, 7 % sind Moslems; der Rest verteilt sich auf andere Religionen (Sikhs, Jains, Buddhisten, Christen). Der Anteil der männlichen Bevölkerung liegt ca. 20 % über dem weiblichen, was – neben der in Indien häufiger praktizierten Abtreibung weiblicher Föten – auch an der Zuwanderung von männlichen Arbeitskräften liegt.[2]

Witwen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele mittellose, von der Familie verstoßene, hinduistische Witwen kommen nach Vrindavan, um dort den Rest ihres Lebens zu verbringen.[3] Sie hoffen, in Vrindavan Erlösung von dem Unglück zu erlangen, das Witwen gemäß weitverbreiteter Meinung bringen sollen, indem sie ihr Leben Krishna weihen. Die meisten leben als Bettlerinnen und haben keinerlei soziale Absicherung.[4] [5]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Bewohner von Vrindavan leben direkt oder indirekt von der in den Dörfern der Umgebung betriebenen Landwirtschaft. In der Stadt selbst haben sich Handwerker, Kleinhändler und Dienstleister angesiedelt. Eine überaus wichtige Rolle spielt der Pilgertourismus.

Mythologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krishna mit den Gopis im Wald von Vrindavan

Der Überlieferung nach ist die Stadt Vrindavan der Ort des einstmaligen Waldes von Vrindavana, in dessen Umgebung die hinduistische Gottheit Krishna in Gokula, einem Dorf von Kuhhirten, aufgewachsen sein soll. Dem Bhagavatapurana und der Gita Govinda zufolge hütete Krishna im Wald von Vrindavan Kühe; er traf sich dort auch mit den Hirtenmädchen, den Gopis und hier ist es besonders sein Verhältnis zu Radha, das in vielen – in ganz Indien äußerst populären – Geschichten erzählt wird. Das Spiel von Radha und Krishna hat im Hinduismus eine tiefe symbolische Bedeutung als das göttliche Spiel (lila) der Seele mit ihrem Herrn.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz der wahrscheinlich weit zurückreichenden Geschichte des Platzes wurde die Stadt erst im 16. Jahrhundert gegründet und mit zahlreichen Tempeln ausgestattet; sie wuchs schnell heran.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute erinnert nur noch wenig an den historischen Wald. Aber Pilger aus allen Teilen Indiens und der restlichen Welt kommen an diesen für sie heiligen Ort. In Vrindavan gibt es dutzende historische und moderne Hindu-Tempel (mandir), die Krishna geweiht sind; sie sind jedoch allesamt nicht älter als 500 Jahre. Fast in jedem Haus findet sich ein Altar zur Verehrung Radhas und Krishnas; deshalb wird Vrindavan oft die „Stadt der 5000 Tempel“ genannt. Der Ort ist einer der beliebtesten Pilgerorte für Vishnuiten aus der ganzen Welt.

Krishna-Balaram-Mandir
  • Der Shikhara-Turm des auf einem hohen Unterbau ruhenden Madan Mohan Tempels ist mit ornamentalen quadratischen Terrakotta-Platten überzogen. Er gilt als ältester Tempel Vrindavans. Das originale Kultbild wurde zu seinem Schutz in der Zeit des Großmoguls Aurangzeb nach Karauli (Rajasthan) verbracht. In Vrindavan wird eine Kopie verehrt.
  • Der von Raja Man Singh I. von Amber finanzierte Govinda Dev Tempel wurde in der Zeit Aurangzebs von 7 auf 4 Stockwerke reduziert und all seines Figurenschmucks beraubt.
  • Der Ranganath Temple entstand in den Jahren 1845 bis 1851; sein Torbau (gopuram) verweist auf die beiden aus der südindischen Stadt Madras stammenden Stifter.
  • Der Banke Bihari Temple, das Hauptheiligtum Krishnas, wurde ebenfalls erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut.
  • Der Bau des sog. Jaipur Temple wurde vom Maharaja von Jaipur Sawai Madho Singh II. Ende des 19. Jahrhunderts initiiert und im Jahr 1917 fertiggestellt.
  • Der Krishna Balaram Mandir wurde in den 1970er Jahren von der International Society for Krishna Consciousness (ISKCON) gestiftet und in einem indo-europäischen Mischstil erbaut. Auf dem Gelände steht auch das Marmor-Mausoleum von Bhaktivedanta Swami Prabhupada, dem Gründer der Gesellschaft.
  • Der ganz mit weißem Marmor verkleidete und in Stilformen mittelalterlicher Hindu-Tempel erbaute Prem Mandir gilt als der schönste und größte Tempel Vrindavans. Seine Grundsteinlegung erfolgte im Jahr 2001.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vrindavan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vrindavan – Census 2011
  2. Vrindavan – Census 2011
  3. Shunned from society, widows flock to city to die, CNN, 5. Juli 2007
  4. Das Leben der Übriggebliebenen, Witwen in Indien, Margarethe Blümel, Deutschlandradio, 13. September 2012
  5. Die Stadt der Witwen, Michaela Maria Müller, Die Welt, 17. Januar 2008