WIR Bank

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WIR Bank Genossenschaft
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Staat SchweizSchweiz Schweiz
Sitz Basel
Rechtsform Genossenschaft[1]
BC-Nummer 8391[2]
BIC WIRBCHBBXXX[2]
Gründung 1934
Website www.wir.ch
Geschäftsdaten 2017[3]
Bilanzsumme 5,36 Mrd. CHF
Mitarbeiter 296 (271 Vollzeitstellen)
Geschäftsstellen 7 Filialen, 2 Agenturen
Leitung
Verwaltungsrat Oliver Willimann (Präsident)

Unternehmensleitung

Germann Wiggli (Vorsitzender der Geschäftsleitung)

Die WIR Bank ist eine gesamtschweizerische Mittelstandsbank mit sieben Filialen und zwei Agenturen, die aus der Selbsthilfeorganisation WIR Wirtschaftsring-Genossenschaft hervorging.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wirtschaftsring-Genossenschaft wurde 1934 von Werner Zimmermann und 15 weiteren Personen gegründet.[4] Die Idee geht auf die dänische J.A.K.-Genossenschaft (die sog. „Afregningscentralen“) zurück, ein ähnliches bargeldloses Verrechnungssystem, welches ebenfalls 1934 initiiert wurde. Zimmermann und das Gründungsmitglied Paul Enz schauten sich dieses dänische System 1934 während zwei Studienreisen vor Ort an. 1936 erhielt sie den Bankenstatus.

Während der Weltwirtschaftskrise und der damit verbundenen knappen Liquidität horteten Unternehmen ihr Geld anstatt es zu investieren, was die Knappheit der Geldmenge verstärkte. Mit der Gründung der Wirtschaftsring-Genossenschaft reagierten Gewerbetreibende auf diese Krise mit dieser Selbsthilfe-Initiative. Um etwas gegen die Geldhortung zu unternehmen, wurde die Komplementärwährung WIR geschaffen. Der Wert des WIR ist an den Schweizer Franken gebunden (1 WIR = 1 CHF). Ein Hauptmerkmal ist die Zinsfreiheit. Als ein Anreiz, das Geld schnell wieder auszugeben und unter den Teilnehmern – kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in der Schweiz – für Umsatz zu sorgen, werden die Guthaben auf den Konten nicht verzinst. In den Anfangszeiten wurde auf den Guthaben nicht nur kein Zins bezahlt, sondern eine Rückhaltegebühr verlangt. Diese sollte den Anreiz noch zusätzlich verstärken, das Geld schnell wieder in Umlauf zu bringen. Während die Umlaufsicherung 1948 aufgegeben wurde, wird das WIR-Guthaben noch heute nicht verzinst.

1998 änderte sie ihren Namen in WIR Bank Genossenschaft. Neben einer normalen Banktätigkeit unterhält sie weiterhin das WIR-System, das die KMU fördern soll.

Verhältnis zur Freigeld-Theorie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das WIR-System ist ein Komplementärgeldsystem, das nach Hugo Godschalk wichtige Unterschiede zu Silvio Gesells Freigeldsystem aufweist: Es handelt sich um Privatgeld, nicht um Staatsgeld, es ist kein Schwundgeld und kein Bargeld, sondern Giralgeld. Einzige Gemeinsamkeit ist die Zinskritik und die Zinslosigkeit, die allerdings nicht nur von der Freigeldtheorie vertreten wurde. Das ursprüngliche Wir-System hat mehr Ähnlichkeit mit den Bankprogrammen Gottfried Feders, Otto Dickels und Ludwig Herpels.[5]

Zahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Per Ende 2017 wies die WIR Bank eine Bilanzsumme von 5,36 Milliarden Franken aus, davon rund 768 Millionen Franken auf Kredite in WIR (Währungskürzel CHW) und 3,84 Mrd. auf Kredite in Schweizer Franken (CHF). Insgesamt wurden 2017 rund 1,12 Milliarden äquivalente Franken mit WIR umgesetzt. Die Kundeneinlagen in WIR und CHF betrugen 3,94 Milliarden Franken. Daraus resultierte ein Gewinn von 15,2 Millionen Franken.

Das WIR-Verrechnungssystem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das WIR-System stellt mit dem WIR-Geld im Teilnehmerkreis gebundene Kaufkraft dar. Gemäss den Statuten bezweckt es, die angeschlossenen Teilnehmer zu fördern, ihre Kaufkraft durch das WIR-System einander dienstbar zu machen und in den eigenen Reihen zu halten, um damit den Teilnehmern zusätzlichen Umsatz zu verschaffen.

Das WIR-Verrechnungssystem funktioniert als bargeldloser Zahlungsverkehr unter den WIR-Teilnehmern. Guthaben und Belastungen auf den Konten der Teilnehmer werden am Hauptsitz der WIR Bank in Basel verbucht. Ein scheckartiges Papier, der Buchungsauftrag, oder der WIR-Zahlungsschein dienen dabei als Zahlungsmittel. Mit der WIR-Karte, die vor allem in der Gastronomie und im Detailhandel zum Einsatz kommt, tätigen die Kunden reine WIR-Zahlungen, kombinierte WIR-/CHF-Zahlungen und reine CHF-Zahlungen. Zahlungen in WIR und CHF können auch mittels Electronic Banking und seit Mitte 2008 mittels Internet-Banking ausgeführt werden.

Das WIR-Netzwerk zählt 40'000 Akteure, davon rund 30'000 KMU aus allen Branchen und Landesteilen der Schweiz. Jeder WIR-Teilnehmer legt seinen individuellen WIR-Annahmesatz fest, den Prozentsatz zwischen 3 und 100 Prozent, zu welchem er Zahlungen in WIR entgegennehmen will. Dabei wird ein WIR-Franken einem Schweizer Franken gleichgesetzt.

Potenzielle WIR-Geschäftspartner sind auf dem elektronischen WIRmarket (Weblösung sowie App für iPhone und Android) und in der Print-Publikationen WIRinfo zu finden. Ausserdem wird in der Schweiz jährlich eine WIR-Verkaufsmesse in Zürich durchgeführt, an der die WIR-Teilnehmer als Aussteller und Kunden auftreten.

Der WIR-Franken erhielt 2004 den dreistelligen Buchstabencode CHW nach ISO 4217 in Entsprechung zur Landeswährung CHF (Schweizer Franken). An Laden- oder Hoteleingängen in der Schweiz wird mit dem WIR-Signet auf die Möglichkeit hingewiesen, die Leistungen ganz oder teilweise in WIR-Geld zu bezahlen.

Nach einer kompletten Modernisierung des WIR-Systems im November 2016 soll es keine «stillen» (unsichtbaren) WIR-Teilnehmer mehr geben.

WIR-Geldschöpfung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

WIR-Guthaben werden mittels Krediten von der WIR Bank geschaffen. Die Prüfung (Kreditwürdigkeit/Kreditfähigkeit) des Kreditnehmers und der Sicherheiten erfolgt auch für den WIR-Anteil nach üblichen Richtlinien.

Die Kredite stammen aus direkter, eigener Geldschöpfung der WIR Bank. Die WIR Bank hat im WIR-System eine ähnliche Geldschöpfungsfunktion wie die Schweizerische Nationalbank als Zentralbank der Schweizer Franken. Konten werden häufig entweder im Rahmen eines ersten Geschäftsabschlusses mit WIR-Geld oder eines Kredits eröffnet.

WIR-Guthaben verfügen über keine Deckung durch Schweizer Franken. Die WIR-Kredite werden, je nach Art des Kredites, durch Grundpfandrechte, Bankgarantien, Lebensversicherungen usw. abgesichert. Im WIR-Bereich werden unter anderem Bau-, Hypothekar-, Kontokorrent- und Investitionskredite angeboten.

Der WIR Bank entstehen aus ihrer Geldschöpfung keine Kredit- bzw. Refinanzierungskosten. Sie selbst muss für die vergebenen Kredite also keine Zinsen aufbringen. Genau aus diesem Grund kann sie ihre Kredite gegen besonders niedrige Zinssätze zur Verfügung stellen.

Obwohl ein WIR-Franken einem Schweizer Franken gleichgesetzt wäre, wird der WIR-Franken in der Praxis immer zu 50 % des Wertes gegenüber dem Schweizer Franken bewertet und verkauft.

Öffnung für Nichtmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1997 erfolgte der schrittweise Einstieg der WIR Bank ins Schweizer Bankengeschäft. Herkömmliche Bankprodukte im Bereich Sparen und Vorsorge wurden in die Angebotspalette der WIR Bank aufgenommen. Im Jahr 2000 erfolgte die Öffnung der WIR Bank für das breite Publikum. Seit jenem Zeitpunkt sind die Anlage- und Vorsorgeprodukte sowie der inländische Zahlungsverkehr der WIR Bank auch für Privatpersonen zugänglich, die keine Beziehung zur WIR-Verrechnung haben.

Die Kundengelder stellen für die WIR Bank eine wichtige Refinanzierungsquelle für die CHF-Kredite dar, welche wiederum den angeschlossenen KMU-Kunden und Privatkunden zugänglich sind. Neu- und Umbauten sowie Renovation finanziert die WIR Bank mit kombinierten Gesamtfinanzierungen in Form von WIR- und CHF-Krediten. Diese werden seit 2005 unter bestimmten Voraussetzungen auch Privatkunden angeboten.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag der «WIR Bank Genossenschaft» im Handelsregister des Kantons Basel-Stadt
  2. a b Eintrag im Bankenstamm der Swiss Interbank Clearing
  3. Jahresbericht 2017 / WIR Bank – Medienmitteilungen
  4. WIR Bank: Meilensteine / Chronologie
  5. Hervé Dubois: Faszination Wirtschaftsring (WIR) - Resistent gegen Krisen, Spekulationen und Profitgier. Lenzburg/Schweiz 2014. Rezension von Hugo Godschalk in: Zeitschrift für Sozialökonomie 184/185 2015, S. 82f