Gottfried Feder

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Gottfried Feder (1930)

Gottfried Feder (* 27. Januar 1883 in Würzburg; † 24. September 1941 in Murnau am Staffelsee) war ein deutscher Ingenieur und Wirtschaftstheoretiker. Er engagierte sich für die Deutsche Arbeiterpartei und die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Feders Vater und Großvater waren höhere Beamte des Königreichs Bayern. Nachdem er in Ansbach sein Abitur abgelegt hatte, studierte Feder Bauwesen mit einem Schwerpunkt auf Eisenbeton­bau an den Technischen Hochschulen in München, Charlottenburg und Zürich. Er wurde 1901 Mitglied des Corps Isaria und erwarb sich einen Ruf als Fechter. Eine bei einer Mensur erlittene Schädelverletzung machte ihn für den Militärdienst untauglich.[1]

Seit 1905 Diplomingenieur, wurde Feder 1908 Teilhaber und Leiter der Münchner Niederlassung der Baufirma Ackermann GmbH & Co. KG, für die er in Deutschland, Italien und Bulgarien Großbauten wie Lagerhäuser und Brücken baute, sowie im Ersten Weltkrieg Munitionsanstalten und Flugzeughallen. Außerdem widmete er sich der Konstruktion eines Schiffes aus Eisenbeton. Seine Tätigkeit als Bauunternehmer musste Feder jeweils mit Krediten finanzieren. Er begann, sich autodidaktisch mit Fragen der Finanztheorie auseinanderzusetzen. Im November 1918 schrieb er unter dem Eindruck der deutschen Niederlage sein im folgenden Jahr veröffentlichtes Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft des Geldes, in welchem er die Idee formulierte, die Wurzel allen Übels, das über Deutschland hereingebrochen war, seien die Zinsen.[2]

„Der Leihzinsgedanke ist die teuflische Erfindung des Großleihkapitals, sie ermöglicht allein das träge Drohnenleben einer Minderzahl von Geldmächtigen auf Kosten der schaffenden Völker und ihrer Arbeitskraft, sie hat zu den tiefen, unüberbrückbaren Gegensätzen, zum Klassenhaß geführt, aus dem der Bürgerkrieg und Bruderkrieg geboren ist.“

Gottfried Feder: Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft des Geldes (1919)[3]

Feder war kein grundsätzlicher Gegner von Kapital und Privatbesitz, unterschied aber im völkisch-antisemitischen Sinne zwischen „raffendem“ und „schaffendem“ Kapital. Unter ersterem verstand er das Handels- und Finanzkapital, das er in den Händen weniger Großkapitalisten wie der Rothschilds konzentriert sah. Das „schaffende Kapital“ sollte dagegen künftig allein vom Staat ausgegeben und kontrolliert werden. Deutschland solle den Staatsbankrott erklären und das Geldwesen verstaatlichen, um sich aus der internationalen Zinsknechtschaft zu lösen. Feder distanzierte sich vom Marxismus und postulierte die gemeinsamen Interessen von Arbeitern und Arbeitgebern am Ertrag der nationalen Volkswirtschaft. Zwar sah er „das bewußte Zusammenspiel der machtgierigen Großkapitalisten aller Völker“ als Teil einer jüdischen Weltverschwörung, ordnete die Ausschaltung des Judentums aber seinen ökonomischen Zielen unter.[4]

In den folgenden Jahren widmete sich Feder seiner politischen Mission. Er zog sich aus seinem Unternehmen zurück und siedelte 1920 von München nach Murnau am Staffelsee über. Seinen Lebensunterhalt bestritt er als Vortragsredner. Er kam mit der Thule-Gesellschaft und dem antisemitischen Schriftsteller Dietrich Eckart in Kontakt und arbeitete als Referent und Übungsleiter für die Nachrichten-, Presse- und Propagandaabteilung des Reichswehr-Gruppenkommandos 4. In einem seiner Kurse saß im Juni 1919 Adolf Hitler, der sich von Feders Thesen tief beeindruckt zeigte und diese für seine antisemitische Agitation adaptierte. Feder nahm im September 1919 auch an einer Versammlung der Deutschen Arbeiterpartei teil und wurde deren Mitglied.[5] Ungefähr zur selben Zeit (1919/20) gehörte er zu den wichtigsten Versammlungsrednern für den Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund.[6] Daneben war er – neben Alfred Rosenberg und Richard Euringer − Mitarbeiter der von Dietrich Eckart zwischen 1918 und 1921 verlegten Wochenschrift Auf gut deutsch.[7]

Zwar fanden im 25-Punkte-Programm der NSDAP Federsche Forderungen in den Punkten 10 und 11 Berücksichtigung, namentlich die „Brechung der Zinsknechtschaft“. Dass Feder aber unmittelbar am Parteiprogramm mitgewirkt hätte, lässt sich nicht eindeutig belegen. Feder blieb in der Partei offenbar ein Außenseiter. Er gründete im Januar 1920 seinen eigenen Deutschen Kampfbund zur Brechung der Zinsknechtschaft, der aber nur geringe Wirkung entfaltete.[8] Er suchte deshalb 1922 wieder engeren Kontakt zur NSDAP. Als eine Art wirtschafts- und finanzpolitischer Sprecher trat Feder im Januar 1923 auf dem Parteitag der NSDAP als Redner gleich nach Hitler auf. Er diente sich der Partei als Programmatiker an, traf aber auf Vorbehalte Hitlers, der auf gegenrevolutionäre Aktionen setzte und auf seinen eigenen Führungsanspruch achtete.[9]

Während des Hitlerputsches richtete Feder gemeinsam mit Max Amann und anderen nationalsozialistischen Propagandagrößen in den beschlagnahmten Geschäftsräumen der Bayerischen Siedlungs- und Landbank in der Kanalstraße ein Propagandahauptquartier ein, wo Plakate und Erlasse entworfen und öffentliche Versammlungen geplant wurden.[10] Nach der Neugründung der NSDAP im Februar 1925 erhielt Feder kein offizielles Parteiamt. Von 1924 bis 1936 gehörte er jedoch für die völkische Fraktion bzw. die NSDAP dem Deutschen Reichstag an.[9]

Feder gab sich zunehmend als „Programmatiker der Bewegung“. In den Auseinandersetzungen mit Gregor Straßer, der sich um eine Präzisierung der 25-Punkte bemühte, sorgte Feder um die Jahreswende 1925/26 dafür, dass Hitler die Versuche, ein innerparteiliches Forum für eine Programmdiskussion zu errichten, unterband. Hitler beauftragte ihn mit der „Wahrung der programmatischen Grundlagen“ der NSDAP. Auch erhielt Feder 1927 die Herausgeberschaft der neuen parteioffiziellen Schriftenreihe Nationalsozialistische Bibliothek. Exekutive Befugnisse innerhalb der Partei erhielt er jedoch nicht.[11]

Ende 1928 übernahm Feder vier süddeutsche NS-Gauzeitungen, darunter die Schriftleitung des Ingolstädter NS-Kampfblattes Der Donaubote. Wirtschaftlich erwies sich dies indes als Fehlschlag, bei dem Feder in den folgenden drei Jahren sein Privatvermögen verlor. Beim Ausbau der Reichsleitung der NSDAP erhielt er im November 1931 die Leitung des Wirtschaftsrates der NSDAP übertragen, konkurrierte aber mit der Wirtschaftspolitischen Abteilung unter Otto Wagener.[12] Ebenfalls 1931 gründete Feder zusammen mit Paul Schultze-Naumburg den Kampfbund deutscher Architekten und Ingenieure (KDAI), der innerhalb eines Jahres 2.000 Mitglieder gewinnen konnte.

Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 wandte sich die Wirtschaftspolitik der NSDAP von der antikapitalistischen, jedoch nicht von der antisemitischen Haltung Feders ab. Im Juni 1933 wurde er entgegen seinen Hoffnungen nur zum Staatssekretär im Reichsministerium für Wirtschaft ernannt, zudem bekam er mit Hans Posse einen zweiten Staatssekretär aus der Ministerialbürokratie an die Seite gestellt.[13] In dieser Zeit publizierte Feder das Buch Kampf gegen die Hochfinanz, das eine Sammlung seiner Veröffentlichungen und Reden enthält, sowie die Hetzschrift Die Juden (1933). Von März bis Dezember 1934 war Feder außerdem Reichskommissar für das Siedlungswesen; im Dezember 1934 wurde er in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Im November 1934 wurde Feder zum Honorarprofessor an der Technischen Hochschule Berlin ernannt, 1936 folgte die Ernennung zum beamteten außerordentlichen Professor an der Fakultät für Bauwesen der TH Berlin.[14] Daneben war er Mitglied der von Hans Frank gegründeten Akademie für Deutsches Recht,[15] die im Zuge der Gleichschaltung des Rechtswesens entstanden war.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buchausgabe, 6. Auflage 1935
  • "Das Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft des Geldes" in Kritische Rundschau (1919).
    • Expandierte Neuausgabe in An Alle, Alle! Nummer 1 (1919).
  • "Der Staatsbankrott die Rettung" in An Alle, Alle! Nummer 2 (1919).
  • Das Programm der N.S.D.A.P. und seine weltanschaulichen Grundgedanken.
  • Die Wohnungsnot und die soziale Bau- und Wirtschaftsbank als Retterin aus Wohnungselend, Wirtschaftskrise und Erwerbselend.
  • Der Deutsche Staat auf nationaler und sozialer Grundlage. (1923).
  • Was will Adolf Hitler? (1931).
  • Kampf gegen die Hochfinanz. (1933).
  • Der ständische Gedanke im Nationalsozialismus.
  • Grundriß einer nationalsozialistischen Volkswirtschaftstheorie.
  • mit Ferdinand Werner, Ernst Graf zu Reventlow u. a.: Das neue Deutschland und die Judenfrage. Diskussionsbeitrag. 228 S., Rüdiger (C. E. Krug), Leipzig 1933 (Originaltitel: Der Jud ist schuld)
  • Die neue Stadt. Versuch der Begründung einer neuen Stadtplanungskunst aus der sozialen Struktur der Bevölkerung. Verlag von Julius Springer, Berlin 1939.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joachim Lilla, Martin Döring, Andreas Schulz: Statisten in Uniform: Die Mitglieder des Reichstags 1933–1945. Ein biographisches Handbuch. Unter Einbeziehung der völkischen und nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten ab Mai 1924. Droste, Düsseldorf 2004, ISBN 3-7700-5254-4.
  • Sonja Noller: Feder, Gottfried. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 5, Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. 42 (Digitalisat).
  • Albrecht Tyrell: Gottfried Feder – Der gescheiterte Programmatiker. In: Ronald Smelser u. Rainer Zitelmann (Hg.): Die braune Elite. 22 biographische Skizzen. WBG, Darmstadt 1989, S. 28–40.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gottfried Feder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Albrecht Tyrell: Gottfried Feder – Der gescheiterte Programmatiker. In: Ronald Smelser u. Rainer Zitelmann (Hg.): Die braune Elite. 22 biographische Skizzen. WBG, Darmstadt 1989, S. 28 f..
  2. Albrecht Tyrell: Gottfried Feder – Der gescheiterte Programmatiker. In: Ronald Smelser u. Rainer Zitelmann (Hg.): Die braune Elite. 22 biographische Skizzen. WBG, Darmstadt 1989, S. 29 f..
  3. Zit. nach: Albrecht Tyrell: Gottfried Feder – Der gescheiterte Programmatiker. In: Ronald Smelser u. Rainer Zitelmann (Hg.): Die braune Elite. 22 biographische Skizzen. WBG, Darmstadt 1989, S. 30.
  4. Albrecht Tyrell: Gottfried Feder – Der gescheiterte Programmatiker. In: Ronald Smelser u. Rainer Zitelmann (Hg.): Die braune Elite. 22 biographische Skizzen. WBG, Darmstadt 1989, S. 30–32, zit. 32.
  5. Albrecht Tyrell: Gottfried Feder – Der gescheiterte Programmatiker. In: Ronald Smelser, Rainer Zitelmann (Hg.): Die braune Elite. 22 biographische Skizzen. WBG, Darmstadt 1989, S. 32–34.
  6. Uwe Lohalm: Völkischer Radikalismus : Die Geschichte des Deutschvölkischen Schutz- und Trutz-Bundes. 1919–1923. Leibniz-Verlag, Hamburg 1970, S. 127. ISBN 3-87473-000-X.
  7. Ernst Piper: Alfred Rosenberg. Hitlers Chefideologe. München 2005, S. 76, ISBN 3-89667-148-0.
  8. Albrecht Tyrell: Gottfried Feder – Der gescheiterte Programmatiker, in: Ronald Smelser, Rainer Zitelmann (Hgg.): Die braune Elite. 22 biographische Skizzen. Wissenschaftliche Buchgesellschaft WBG, Darmstadt 1989, S. 34. Spätere Neuaufl. - Ein Mitstreiter im Kampfbund war der Architekt Franz Lawaczeck
  9. a b Albrecht Tyrell: Gottfried Feder – Der gescheiterte Programmatiker. In: Ronald Smelser u. Rainer Zitelmann (Hg.): Die braune Elite. 22 biographische Skizzen. WBG, Darmstadt 1989, S. 35–37.
  10. Harold J. Gordon jr.: Hitlerputsch 1923. Machtkampf in Bayern 1923–1924. Bernard & Graefe, Frankfurt/M. 1971, S. 278, 295.
  11. Albrecht Tyrell: Gottfried Feder – Der gescheiterte Programmatiker. In: Ronald Smelser u. Rainer Zitelmann (Hg.): Die braune Elite. 22 biographische Skizzen. WBG, Darmstadt 1989, S. 37 f..
  12. Albrecht Tyrell: Gottfried Feder – Der gescheiterte Programmatiker. In: Ronald Smelser u. Rainer Zitelmann (Hg.): Die braune Elite. 22 biographische Skizzen. WBG, Darmstadt 1989, S. 38 f..
  13. Harold James: Deutschland in der Weltwirtschaftskrise 1924–1936. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1988, S. 346.
  14. Joachim Lilla u.a.: Statisten in Uniform. Die Mitglieder des Reichstags 1933–1945. Droste, Düsseldorf 2004, S. 133 f.
  15. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, S. 145.