Gottfried Feder

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Gottfried Feder (1930)

Gottfried Feder (* 27. Januar 1883 in Würzburg; † 24. September 1941 in Murnau am Staffelsee) war ein deutscher Ingenieur und Wirtschaftstheoretiker. Er engagierte sich für die Deutsche Arbeiterpartei und die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei.

Leben[Bearbeiten]

Feder studierte Ingenieurwissenschaft an der TH München und wurde 1902 Mitglied des Corps Isaria.[1] Seit 1905 Diplomingenieur, wurde er 1908 Teilhaber einer Baufirma in München. 1918 baute er als einer der Ersten ein Eisenbetonschiff.

1919 veröffentlichte Feder „Das Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft“[2] und gründete den „Deutschen Kampfbund zur Brechung der Zinsknechtschaft. Die Geschäftsstelle hatte ihren Sitz in Polln, das heute ein Teil der Stadt Dachau ist. Die erste Veranstaltung hierzu fand im Hörhammerbräu 1919 auf Einladung des Rates der geistigen Arbeiter und des Kartells der freien Gewerkschaften statt; hier sprach Feder zum Thema „Zinsknechtschaft“. Hauptforderung dieses Kampfbundes war die Verstaatlichung der Banken und die Abschaffung der Zinsen. Feder gehörte zudem zu den ersten Mitgliedern der am 5. Januar 1919 gegründeten Deutschen Arbeiterpartei (DAP). Ungefähr zur selben Zeit (1919/20) gehörte er zu den wichtigsten Versammlungsredern für den Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund.[3] Daneben war er – neben Alfred Rosenberg und Richard Euringer − Mitarbeiter der von Dietrich Eckart zwischen 1918 und 1921 verlegten Wochenschrift Auf gut deutsch.[4]

Feder war verschwägert mit dem Historiker Professor Karl Alexander von Müller, dessen Vater Ludwig August von Müller ebenfalls aus Dachau stammte und Polizeipräsident in München und später bayerischer Innenminister war.

1923 nahm Feder am Hitlerputsch teil. Dessen ungeachtet blieb er eine der führenden Persönlichkeiten der bereits 1920 in NSDAP umbenannten Partei und wurde 1924 für die Nationalsozialistische Freiheitspartei in den Deutschen Reichstag gewählt; diesem gehörte er bis 1936 an. Hier machte Feder sich für die Enteignung der Juden und das Einfrieren der Zinssätze stark. Bei der Wahl am 29. März 1936 kandidierte er erneut, erhielt allerdings kein Mandat mehr.

Mit seiner 1927 verfassten Schrift Das Programm der NSDAP und seine weltanschaulichen Grundlagen machte sich Feder zum Wortführer der Wirtschaftspolitik der NSDAP und wurde deren wirtschaftspolitischer Sprecher. 1929 übernahm er für kurze Zeit die Schriftleitung des Ingolstädter NS-Kampfblattes Der Donaubote. 1931 wurde er Vorsitzender des Wirtschaftsrates der NSDAP, im gleichen Jahr verfasste er die Schrift Das Programm der NSDAP. Ebenfalls 1931 gründete Feder zusammen mit Paul Schultze-Naumburg den „Kampfbund Deutscher Architekten und Ingenieure (KDAI)“, der innerhalb eines Jahres 2.000 Mitglieder gewinnen konnte.

Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 wandte sich die Wirtschaftspolitik der NSDAP von der antikapitalistischen, jedoch nicht von der antisemitischen Haltung Feders ab. Der Wirtschaftsexperte wurde zunehmend kaltgestellt. Im Juni 1933 wurde er entgegen seinen Hoffnungen nur zum Staatssekretär im Reichsministerium für Wirtschaft ernannt, zudem bekam er mit Hans Posse einen zweiten Staatssekretär aus der Ministerialbürokratie an die Seite gestellt.[5] In dieser Zeit publizierte Feder das Buch Kampf gegen die Hochfinanz, das eine Sammlung seiner Veröffentlichungen und Reden enthält, sowie die Hetzschrift Die Juden (1933). Von März bis Dezember 1934 war Feder außerdem Reichskommissar für das Siedlungswesen; im Dezember 1934 wurde er in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Im November 1934 wurde Feder zum Honorarprofessor an der Technischen Hochschule Berlin ernannt, 1936 folgte die Ernennung zum beamteten außerordentlichen Professor an der Fakultät für Bauwesen der TH Berlin.[6] Daneben war er Mitglied der von Hans Frank gegründeten Akademie für Deutsches Recht,[7] die im Zuge der Gleichschaltung des Rechtswesens entstanden war.

Feder hielt am 30. Mai 1934 als Reichssiedlungskommissar und Staatssekretär in einer Kundgebung im Preußischen Herrenhaus einen Vortrag über die Zielsetzungen der nationalsozialistischen Neuordnung des deutschen Lebensraumes. Das auf die neue Ideologie ausgerichtete Konzept entwickelte er in seiner Zeit als Professor der Technischen Hochschule Berlin und Leiter der Berliner Reichsarbeitsgemeinschaft für Raumordnung weiter und veröffentlichte seine Ergebnisse 1939 in dem Buch Die Neue Stadt. Darin erarbeitete er Vorschläge zur Umsetzung von Stadtgründungen und stellte umfangreiches Zahlenmaterial über Strukturdaten für neue Städte zusammen. Feder hat seiner Meinung nach zur städtebaulichen Theorienbildung beigetragen, indem er gegen das „seelenlose Schachbrettsystem der amerikanischen Riesenstädte“ und die „planlosen Stadterweiterungen der liberalistischen Epoche“[8] eine Anpassung an landschaftliche Gegebenheiten mit organischen Siedlungen von jeweils 20.000 Einwohnern in den Vordergrund stellte. Er starb mit 58 Jahren.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Buchausgabe, 6. Auflage 1935
  • "Das Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft des Geldes" in Kritische Rundschau (1919).
    • Expandierte Neuausgabe in An Alle, Alle! Nummer 1 (1919).
  • "Der Staatsbankrott die Rettung" in An Alle, Alle! Nummer 2 (1919).
  • Das Programm der N.S.D.A.P. und seine weltanschaulichen Grundgedanken.
  • Die Wohnungsnot und die soziale Bau- und Wirtschaftsbank als Retterin aus Wohnungselend, Wirtschaftskrise und Erwerbselend.
  • Der Deutsche Staat auf nationaler und sozialer Grundlage. (1923).
  • Was will Adolf Hitler? (1931).
  • Kampf gegen die Hochfinanz. (1933).
  • Der ständische Gedanke im Nationalsozialismus.
  • Grundriß einer nationalsozialistischen Volkswirtschaftstheorie.
  • mit Ferdinand Werner, Ernst Graf zu Reventlow u. a.: Das neue Deutschland und die Judenfrage. Diskussionsbeitrag. 228 S., Rüdiger (C. E. Krug), Leipzig 1933 (Originaltitel: Der Jud ist schuld)
  • Die neue Stadt. Versuch der Begründung einer neuen Stadtplanungskunst aus der sozialen Struktur der Bevölkerung. Verlag von Julius Springer, Berlin 1939.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gottfried Feder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kösener Corpslisten 1960, 109, 871
  2. Der komplette Text ist hier nachlesbar
  3. Uwe Lohalm: Völkischer Radikalismus : Die Geschichte des Deutschvölkischen Schutz- und Trutz-Bundes. 1919 - 1923. Leibniz-Verlag, Hamburg 1970, S. 127. ISBN 3-87473-000-X.
  4. Ernst Piper: Alfred Rosenberg. Hitlers Chefideologe, München 2005, S. 76, ISBN 3-89667-148-0.
  5. Harold James: Deutschland in der Weltwirtschaftskrise 1924–1936. Deutsche Verlangs-Anstalt, Stuttgart 1988, S. 346.
  6. Joachim Lilla u.a.: Statisten in Uniform. Die Mitglieder des Reichstags 1933–1945. Droste, Düsseldorf 2004, S. 133 f.
  7. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, S. 145.
  8. Gottfried Feder: Die neue Stadt. Versuch der Begründung einer neuen Stadtplanungskunst aus der sozialen Struktur der Bevölkerung. Verlag von Julius Springer, Berlin 1939, S. 479.