Finanztechnologie

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Finanztechnologie (auch verkürzt zu Fintech bzw. FinTech) ist ein Sammelbegriff für moderne Technologien im Bereich der Finanzdienstleistungen. Fintech ist ein Kofferwort und setzt sich aus den Wörtern financial services und technology zusammen. Lösungen für den Versicherungsbereich werden als Versicherungstechnologie (auch InsurTech) bezeichnet.

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Finanztechnologie bezeichnet neuartige Lösungen von Anwendungssystemen, die eine Neu- oder Weiterentwicklung im Finanzdienstleistungsbereich darstellen. Diese unterscheiden sich mindestens in fünf Gestaltungsbereichen.[1][2] Ein erster betrifft mit der Banken- und der Versicherungsindustrie die unterschiedlichen Sektoren der Finanzindustrie. Ein zweiter betrifft den fachlichen Anwendungsbereich, wobei sich die meisten FinTech Start-up-Unternehmen häufig auf einen der Bereiche Zahlen, Absichern, Anlegen, Vorsorgen, Finanzieren oder Beraten konzentrieren. Beispiele sind etwa mobile Bezahllösungen oder Social Trading-Lösungen für den Anlagebereich. Ein dritter Bereich betrifft das adressierte Kundensegment. Beispiele sind Anwendungen für das Peer-to-Peer Lending im Retail Banking oder elektronische Marktplätze für Unternehmensfinanzierungen für das Corporate Banking. Eine vierte Unterscheidung betrifft die Interaktionsform, bei welcher etwa Community-Banking Ansätze für den C2C-Bereich oder Online Portfolio Management-Systeme im B2C-Bereich anzutreffen sind. Fünftens unterscheiden sich die Ansätze hinsichtlich ihrer Positionierung gegenüber Finanzdienstleistern. Eine erste Form sind von Banken oder Versicherungen selbst angebotenen Lösungen wie etwa Personal Finance Management-Systeme, während ein zweiter Typ auf kooperative oder konkurrierende Angebote gegenüber Banken oder Versicherungen fokussiert.[3]

Sektor Anwendungsbereich Kundensegment Interaktionsform Positionierung
  • Bank/Versicherung
  • Nicht-Bank/Versicherung – Bank/Versicherung-Kooperation
  • Nicht-Bank/Versicherung – Bank/Versicherung-Konkurrenz

Ziele und Potenziale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Finanztechnologie wird meist von Startups und jungen Unternehmen angewandt. Diese versuchen, etablierten Wettbewerbern wie beispielsweise Banken Marktanteile abzunehmen. Hierbei streben die neuen Anbieter typischerweise an, ihr Geschäft ohne Banklizenz betreiben zu können, da die hohen Anforderungen der Bankenregulierung eine deutliche Markteintrittshürde darstellen. Den Verbrauchern wird ermöglicht, ohne Mittelsmann direkt über das Internet beispielsweise Geld anzulegen, einen Kredit aufzunehmen, Bezahlvorgänge abzuschließen oder eine Finanzberatung (vgl. Robo-Advisory) in Anspruch zu nehmen. Begünstigt werden Fintechs von Entwicklungen im Bereich Big Data und Cloud-Computing, sowie der rasanten Verbreitung von Smartphones, Laptops und Tablets in Verbindung mit nahezu ständigem Zugriff auf das Internet. So ist es auch jungen und kleinen Unternehmen möglich, etablierte Unternehmen zu attackieren, oder eine Nische im Markt zu besetzen. Finanztechnologie wird seit dem Aufkommen des Internets als eine potenziell disruptive Technologie beschrieben, die bestehende Dienstleistungen nahezu vollständig ersetzen könnte.[4]

„Banking is necessary, banks are not“ (Bill Gates, deutsch: „Bankgeschäfte sind notwendig, Banken nicht“)[5]

Die Marktanteile der Finanztechnologie-Unternehmen am Gesamtmarkt liegen dagegen im Promille-Bereich.

Da die Regeln zur Bankenregulierung auch dem Verbraucherschutz dienen, wird in der Öffentlichkeit ein Unterlaufen dieser Verbraucherschutzvorschriften durch Finanztechnologie diskutiert. Es bestehe das Risiko, dass Anleger zu hohe Risiken tragen, die Kreditnehmer Wucherzinsen zahlen.[6]

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2012 wurden weltweit schon 11 Milliarden Britische Pfund in Fintech-Unternehmen investiert. Allein drei Milliarden Pfund flossen dabei an Unternehmen aus Großbritannien, die somit 30 % der Gesamtinvestitionen auf sich vereinen konnten. Zu den bekanntesten britischen Fintech-Unternehmen zählen Crowdlending-Pionier Zopa und Microfinance-Anbieter Wonga.[7] Großbritannien zählt damit zu den Vorreitern der Entwicklung und beherbergt zudem rund die Hälfte der im Jahr 2014 laut „FinTech 50“-Rangliste vielversprechendsten europäischen Unternehmen in diesem Wirtschaftssegment.[8] Weltweit führend sind allerdings die USA mit einem Anteil von 60 %, Deutschland kommt lediglich auf einen Anteil von 0,6 % aller Investitionen.[9]

Fintech in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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In Deutschland haben sich bereits einige Finanztechnologie-Unternehmen etabliert.[10] Regionale Schwerpunkte sind Berlin, Frankfurt, München, Köln, Düsseldorf und Hamburg.[11] Zu den bekanntesten deutschen Finanztechnologie-Unternehmen zählen die Mobile-Payment-Anbieter Payleven, der Wirtschaftsauskunftei Kreditech, die Crowdlending-Plattform Auxmoney und die Direktbank Fidor Bank. Risikokapital sammelten bislang vor allem Raisin (20 Millionen Euro),[12] Payleven (10 Millionen Euro), Online-Payment-Anbieter Paymill (14 Millionen Euro) und Auxmoney (12 Millionen Euro) ein. 2010 startete der erste Kurzzeitkreditanbieter Vexcash sein Geschäftsmodell in Deutschland.[13] Rocket Internet gründet seit 2013 in Deutschland ansässige, aber international agierende Fintech-Startups wie Lendico und Zencap.[14]

Fintech in der Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Bis auf die Existenz der benannten Initiativen ist nichts belegt. Insbesondere wäre unabhängig zu belegen, dass das NextGFI „die erste Fintech-Beteiligungsgesellschaft in Europa“ war, andernfalls die Entfernung oder ggf. Umformulierung entspr. WP:NPOV vorzunehmen.

Auch in der Schweiz gibt es eine Fintech-Bewegung, welche primär von der Finance-2.0-Initiative[15] und der Vereinigung Swiss Finance Startups[16] getrieben wird. Des Weiteren sitzt mit Next Generation Finance Invest die erste Fintech-Beteiligungsgesellschaft in Europa in der Schweiz (in Zug, gegründet im 2009). Im März 2016 gründete sich der Schweizer FinTech Verband.[17]

Fintech in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Österreich wurden Fintech-Startups gegründet, die sich vor allem auf drei Bereiche konzentrieren. Anbieter wie Fonmoney, Wallegro, Bluecode und K-Wallet fokussieren sich darauf, mobiles Bezahlen und Geldüberweisungen mit dem Smartphone zu erleichtern. Auf das Thema Finanzprodukte und Crowdinvesting setzen unter anderen Finnest, Conda und, Wikifolio. [18] Der dritte Entwicklungsstrang geht in Richtung Vergleich zwischen Banken. Anbieter wie finpoint.at versuchen, für Unternehmen die Suche nach Fremdfinanzierung zu erleichtern. baningo.com bietet eine Plattform, auf der Banken ihre Berater online stellen. Sowohl Privat- als auch Geschäftskunden können diese kontaktieren. [19] gut-oder-schlecht.at verfolgt einen ähnlichen Ansatz, legt den Schwerpunkt aber auf die Bewertung von selbstständigen Vermögens- und Finanzberatern. [20] Zur Unterstützung von Neugründern haben sich in Österreich, sowohl für Fintechs als auch für Startups aus anderen Branchen, private und öffentliche Initiativen gebildet. Die Wirtschaftskammer stellt über gründerservice.at Informationen und Beratung für Startups in der Anfangsphase bereit. StartupLeitner bietet für junge Unternehmen Unterstützung in rechtlichen, kaufmännischen und strategischen Fragen. Als Plattform zur Vernetzung in der österreichischen Startup-Szene und zur Interessensvertretung entstand AustrianStartup.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Puschmann, Thomas: Digitalisierung der Finanzindustrie steht erst am Anfang
  2. Alt, R., Puschmann, T. (2012). The rise of customer-oriented banking - electronic markets are paving the way for change in the financial industry. Electronic Markets, 22(4), 203-2015.
  3. wiwo.de: Startups sagen Banken den Kampf an, 18. November 2013
  4. BBC News: Start-ups challenge big banks' technology, 27. Januar 2014
  5. Offline-Banking, in: Die Zeit 50/20007, 13. Dezember 2000
  6. Philipp Alvares de Souza Soares und Tim Bartz: Digitale Wucherkredite - www.Kredithai.com; in: SPON vom 1. Juli 2015
  7. The Independent: The booming FinTech 50 businesses are exploring the use of new technologies – and many are British, 24. Januar 2014.
  8. FinTech City London: The 2014 FinTech 50
  9. finextra.com: Germany's FinTech rising stars – and their investors, 4. September 2013.
  10. Paymentbanking.com: Mindmap deutscher Fintech-Startups, 19. November 2013.
  11. Bankstil-Blog: 1st Study of FinTech Startups & Innovators in Germany, Austria and Switzerland, 3. März 2014.
  12. Lucy England: This Berlin fintech firm has raised €20 million to take its simple-but-brilliant savings product across Europe. Business Insider UK, 6. August 2015, abgerufen am 22. Juli 2016.
  13. http://t3n.de/news/startup-trend-fintech-kleinen-578012/
  14. finextra.com
  15. Finance 2.0
  16. Swiss Finance Startups
  17. Finanzbranche gründet Schweizer Fintech-Verband | cash. In: www.cash.ch. Abgerufen am 8. Juni 2016.
  18. Vgl.Fintech:Technologie made in Austria.[1] abg. 10.2.2016
  19. vgl. Baningo-entstaubte Bankgeschäfte. [2] abg. 10.2.2016
  20. vgl. Gut oder schlecht - das erste Bewertungsportal für Finanzberater in Österreich. [3] abg. 10.2.2016