Waldorfpädagogik

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Die Waldorfpädagogik wurde um 1920 durch Rudolf Steiner auf der Grundlage der Anthroposophie entwickelt. Sie wird der Reformpädagogik zugerechnet.

Steiner konzipierte die Waldorfpädagogik an der 1919 in Stuttgart eröffneten Betriebsschule für die Kinder der Arbeiter und Angestellten der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik (heute Freie Waldorfschule Uhlandshöhe). Nach diesem Vorbild entstanden bald auch an anderen Orten sogenannte Waldorfschulen, zunächst in Deutschland, dann aber auch in anderen Ländern. Heute wird sie weltweit praktiziert.

Im Jahre 1973 wurde das Institut für Waldorf-Pädagogik in Witten gegründet.[1]

Als theoretische Fundierung dient die Waldorfpädagogik für die Waldorfschulen und -kindergärten. Daneben gibt es auch Schulen in Einrichtungen der anthroposophischen Heilpädagogik.[2]

In Deutschland gibt es 556 Waldorfkindergärten (Stand April 2015[3]) und 232 Waldorfschulen (Stand März 2014[4]). Weltweit existieren ca. 2000 Waldorfkindergärten in 60 Ländern (davon 29 in Österreich und 64 in der Schweiz) und 1039 Waldorfschulen.

Grundlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Waldorfpädagogik gründet sich im Wesentlichen auf das von Rudolf Steiner Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte anthroposophische Menschenbild. Im Sinne der sozialen Dreigliederung versucht Steiner, die Grundsätze der Freiheit der Kultur, die Gleichheit in der politischen Gemeinschaft und die Brüderlichkeit im wirtschaftlichen Leben in die Praxis umzusetzen.[5]

Zu Steiners anthropologischen Hypothesen gehören die Lehren von der Drei- und Viergliederung des Menschen und die Temperamentenlehre.

Die Dreigliederung des Menschen in Geist, Seele und Leib und die Einteilung der Seelenfähigkeiten in Denken, Fühlen und Wollen zieht im pädagogischen Bereich die Forderung zur gleichberechtigten Schulung von „Denken, Fühlen und Wollen“ nach sich.[6]

Die Viergliederung des Menschen beschreibt neben dem physischen Körper drei weitere „Wesensglieder“ des Menschen, die nur übersinnlich wahrnehmbar sind. Der Ätherleib sei Träger der Wachstumskräfte, der Astralleib Träger des Seelenlebens und das Ich ein unsterblicher, geistiger Kern im Menschen. Jedes dieser Glieder verlässt zu einem bestimmten Zeitpunkt des Lebens seine übersinnliche Hülle, werde also „geboren“, wie der physische Leib geboren wird, indem er die leibliche Hülle der Gebärmutter verlässt. Diese übersinnlichen Geburten erfolgten in Abständen von sieben Jahren, weshalb die anthroposophische Anthropologie die Entwicklung des Kindes in Jahrsiebte einteilt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Steiner: Erziehungskunst. Seminarbesprechungen und Lehrplanvorträge, Dornach 1984, ISBN 978-3727429507.
  • Frans Carlgren: Erziehung zur Freiheit. Die Pädagogik Rudolf Steiners. Stuttgart: Verlag Freies Geistesleben, 2009, ISBN 978-3772516191.
  • Volker Frielingsdorf (Hrsg.): Waldorfpädagogik kontrovers - Eine Reader, Beltz Juventa, Weinheim und Basel, 2012, ISBN 978-3-7799-2433-3.
  • Stefan Leber: Die Pädagogik der Waldorfschule und ihre Grundlagen. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 1996, ISBN 978-3534083213.
  • Klaus Prange: Erziehung zur Anthroposophie. Darstellung und Kritik der Waldorfpädagogik, Klinkhardt, Bad Heilbrunn, 2000, ISBN 978-3-7815-1089-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.wittenannen.net/unser-institut/wir-ueber-uns/historie
  2. Verband für anthroposophische Heilpädagogik, Sozialtherapie und soziale Arbeit e. V.
  3. Waldorfkindergärten in Deutschland. Vereinigung der Waldorfkindergärten, abgerufen am 19. April 2015.
  4. Bund der Freien Waldorfschulen: Weltliste der Waldorf- und Rudolf-Steiner-Schulen. PDF-Datei, Stand: März 2014.
  5. Heiner Ullrich: Rudolf Steiner. In: Heinz-Elmar Tenorth (Hrsg.): Klassiker der Pädagogik 2. Von John Dewey bis Paulo Freire. Verlag C.H. Beck, München 2003, ISBN 3-406-49441-2, S. 68.
  6. Heiner Ullrich: Rudolf Steiner. In: H.E. Tenorth (Hrsg.): Klassiker der Pädagogik 2. 2003, S. 66.