Walnussfruchtfliege

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Walnussfruchtfliege
Walnussfruchtfliege (Rhagoletis completa), Weiblich.jpg

Walnussfruchtfliege (Rhagoletis completa)

Systematik
Ordnung: Zweiflügler (Diptera)
Unterordnung: Fliegen (Brachycera)
Familie: Bohrfliegen (Tephritidae)
Unterfamilie: Trypetinae
Gattung: Rhagoletis
Art: Walnussfruchtfliege
Wissenschaftlicher Name
Rhagoletis completa
(Cresson, 1929)

Die Walnussfruchtfliege (Rhagoletis completa, Syn.: Rhagoletis suavis ssp. completa) ist eine Fliege aus der Familie der Bohrfliegen (Tephritidae).

Sie ist ein aus Nordamerika stammender Schädling an Walnussgewächsen (und selten am Pfirsich). Die Fliege breitet sich gegenwärtig als Neozoon in Europa aus.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fliegen werden 8 bis 10 Millimeter lang. Sie haben einen gelblichen bis weißlichen Körper mit bräunlichen Streifen. Die Flügel sind durchsichtig und gezeichnet mit drei schwarzen Binden - von denen die an der Flügelspitze eine „V“-Form aufweist. Die Flügelzeichnung[1] ist wohl ein Mimikri und erinnert von hinten gesehen und durch die Bewegungen beim Laufen auf den Früchten und den Walnussblättern an die vorderen Beinpaare einer Springspinne (evtl. an die der Zygoballus sexpunctatus).

Die Larven erreichen eine Länge von vier bis sechs Millimetern und haben einen gelblich gefärbten Körper mit schwarzen Mundwerkzeugen.

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Larven

Die Larven der Fliegen entwickeln sich in den Früchten verschiedener Walnussgewächse, in Nordamerika u. a. der Schwarznuss, Juglans californica und Juglans hindsii. In Europa wird insbesondere die Echte Walnuss (Juglans regia) befallen, selten auch Pfirsiche.

Die Weibchen der Walnussfruchtfliege legen gesamt bis 400 Eier und je Nuss bis 15 Eier, zusammen mit einem Pheromon als Kennzeichnung für andere Weibchen,[2] als Gelege unterhalb der Epidermis von unreifen Nüssen ab, wo nach ca. fünf Tagen die gelblichen Larven schlüpfen und für drei bis fünf Wochen im Fruchtfleisch der Walnuss (der grünen Schale über der Nuss) fressen. Ausgewachsen verlassen die madenartigen Larven die Walnüsse, lassen sich zu Boden fallen und graben sich einige Zentimeter tief in den Erdboden ein, wo sie sich verpuppen und überwintern. Die meisten Fliegen schlüpfen von Juli bis September des nächsten Jahres - einige verbleiben auch für zwei oder mehrere Jahre im Boden.

Schadwirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folge des Befalles der Echten Walnuss (Juglans regia) durch die Walnussfruchtfliege (Rhagoletis completa) - schwarz verfärbtes, angetrocknetes, sich nicht / sehr schlecht von der Nuss ablösendes Fruchtfleisch / Fruchthülle

Das Fruchtfleisch der befallenen Nüsse beginnt durch die Fraßtätigkeit der Larven zu faulen und sich schwarz zu verfärben - wobei es eine weiche Konsistenz annimmt oder auch bisweilen antrocknet. Die Schäden sind teils beträchtlich. Es sind in der Regel bis zu 3/4 des Ertrags eines Baumes betroffen.

Je später der Befall erfolgt, umso besser kann sich die Nuss entwickeln. Allerdings lässt sich das Fruchtfleisch kaum vollständig entfernen, weshalb ein Verzehr unattraktiv wird. Zudem ist die Lagerfähigkeit der Nüsse eingeschränkt.

Verbreitung in Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Walnussfruchtfliege wurde als Neozoon aus Nordamerika eingeschleppt und erstmals Ende der 1980er-Jahre in der Schweiz festgestellt. Von dort verbreitete sie sich zunächst nach Süden (Italien) und Südosten (Slowenien und Kroatien). 2004 wurde der erste Befall in Deutschland im Raum Freiburg im Breisgau festgestellt - von dort breitet sich die Fliege nach Norden aus, wobei sie - dem Verlauf des Rheines folgend - Hessen und den Raum um Köln erreicht hat. Der erste Befall in Frankreich wurde 2007, der erste Befall in Österreich 2008 festgestellt. Seit Herbst 2013 ist die Fliege auch im Berlin-Brandenburger Raum nachgewiesen[3] und führte in 2015 bereits zu erheblichen Ernteausfällen.

Bekämpfung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insektizide zur Bekämpfung der Walnussfruchtfliege sind in Europa bisher noch nicht zugelassen.

Die Bekämpfung ist schwierig und aufwändig. Die wichtigste Maßnahme ist die Vernichtung der befallenen Früchte, wobei diese nicht auf den Komposthaufen, sondern entweder in den Restmüll gebracht oder ggf. verbrannt werden sollen. Eine weitere Maßnahme ist die Bodenabdeckung unter dem befallenen Nussbaum, einmal im Frühsommer (ab ca. Mitte Juni) vor dem Schlupf der Fliegen, um das Schlüpfen bzw. Ausfliegen der Fliegen zu verhindern (da sie im Boden als Puppe überwintert). Andererseits sollte der Boden bedeckt werden vor dem Fruchtfall im Sommer/Herbst (ca. Ende August bis Mitte Anfang/Mitte Oktober), damit die Larven nicht zur Verpuppung bzw. Überwinterung in den Boden gelangen können. [4]

Auch das Aufhängen von Gelbtafeln in der Flugzeit der Insekten (Anfang Juli bis August) kann zu einer Verringerung der Populationsdichte führen, jedoch ist bei dieser Methode der Beifang von anderen Insekten recht groß. Außerdem ist mit Gelbtafeln nur eine Reduktion der Fliegen zu erreichen, aber keine ausreichende Bekämpfung.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Artikel von Helmut Riedel zu Walnut husk fly auf Webseite der Washington State University
  2. im Thurgauer Bauer, Ausgabe 44, 2009 (Artikel online)
  3. Akltuelle Schaderreger im Stadtgebiet Berlin - Walnussfruchtfliege, Pflanzenschutzamt Berlin 1. November 2013.
  4. Ministerium für Umwelt etc. Baden-Württemberg