Waltendorf

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Waltendorf
9. Stadtbezirk von Graz
AUT Graz COA.svg
Basisdaten [1]
Fläche: 4,48 km²
Einwohner: 11.812 (1. Jänner 2017)
Bevölkerungsdichte: 2.629 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 8010, 8042, 8043, 8047
Geografische Lage: 47° 4′ N, 15° 28′ OKoordinaten: 47° 4′ N, 15° 28′ O
Lage in Graz
Karte von Waltendorf
Bezirksamt: St. Peter-Hauptstraße 85
8042 Graz
Bezirksvorsteher: Peter Mayr (ÖVP)[2]
1. Bezirksvorsteher-Stv.:
2. Bezirksvorsteher-Stv.:
Öffentliche Verkehrsmittel: Straßenbahnlinien: 3, 13
Buslinien: 60, 61, 63, 68
N3
Foto
Eisteichsiedlung
Eisteichsiedlung

Waltendorf ist der 9. Grazer Stadtbezirk. Er liegt im Osten der Stadt auf dem Höhenrücken zwischen Ragnitz- und Peterstal, aus welchem die Kuppen des Ruckerlberg und des Lustbühel hervorragen. Die Herkunft des Namens steht nicht genau fest. Manche meinen, der Name leitet sich von "Wald-Dorf" ab, da der Ortskern vor der Eingemeindung hinter einem Wald lag. Andere leiten ihn vom ersten "Siedlungsbeauftragten" des Markgrafen, Waltfried her (Anfang 12. Jahrhundert).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Lustbühel um 1830, Lith. Anstalt J.F. Kaiser, Graz

Das Gut Sparbersbach existiert hier seit etwa 1100. Später erhielt es seinen heutigen Namen Hallerschloss nach seinem Besitzer im 18. Jahrhundert, Friedrich Haller. Als Siedlung erwähnt ist Waltendorf erstmals um 1230, benannt wurde Waltendorf nach einem Ansiedler namens Walto, Waltfried oder Walter.[3] Die Spiritistin Maria Silbert wurde in den Jahren nach 1920 als „Seherin von Waltendorf“ bekannt.

Ursprünglich existierten die Ortsteile Waltendorf und Ruckerlberg, bekannt für seine Villen, als eigenständige Gemeinden, die später fusioniert wurden. 1929 wurde der Gemeinde Waltendorf-Ruckerlberg das Marktrecht verliehen und das Wappen entworfen, welches das Hallerschloss auf grün-silbernem Grund zeigt. 1938 erfolgte die Eingemeindung zu Graz, 1946 wurden die heutigen Bezirksgrenzen festgelegt, die auch einen Teil erfassen, der ehemals zur Gemeinde Hart gehörte. Der Name Ruckerlberg verschwand aus dem offiziellen Bezirksnamen, er ist jedoch als Ortsteilname erhalten geblieben.

In den 1960er-Jahren wurde hier eine der größten Grazer Wohnsiedlungen, der Berliner Ring, errichtet. Der Name wurde aus Solidarität mit der geteilten Stadt Berlin vergeben.[4] Sie befindet sich im Ragnitztal an der Grenze zum Bezirk Ries. Für diese Siedlung wurde bis zum Winter 2002/2003 eine ölbefeuerte zentrale Heizanlage betrieben, die im Sommer 2003 durch Grazer Fernwärme ersetzt wurde. Ab 2004 ging hier auf den Dächern die damals größte Solaranlage mit 2600 m² Wärmekollektorfläche in Betrieb und liefert über das Jahr 10 % des Wärmeumsatzes der Anlage.[5]

Die Wohnsiedlung Berliner Ring vom Schöckl her gesehen.

Die Bezeichnung Eisteichsiedlung (Geplant 1958–1964) nahe der Eisteichgasse erinnert an die winterliche Gewinnung von Natureis für Kühlzwecke in Lehmgruben der ehemals hier bezirksangrenzend liegenden Ziegelwerke Eustacchio. Weiter nordöstlich lagen Teiche, wo heute die Straßenbezeichnungen Obere und Untere Teichstraße daran erinnern.

Die Marktgasse war lange Zeit Teil der Einfallstraße vom Osten her, bis um 1960 die Waltendorfer Hauptstraße mit einem geknickten Stück Richtung Südwesten an die Plüddemanngasse herangeführt wurde. Die mit Allgemeinem Fahrverbot belegte schmale Marktgasse wurde auf Betreiben eines Alltagsradlers um 1995 für den Radverkehr legalisiert. Ihre Verlängerung, die Schörgelgasse, eine alte Straßenroute radial ins Zentrum, ist seit etwa 1993 mit Tempo-30 und Kfz-Einbahnen beruhigt und eine entsprechend beliebte Radroute nach Waltendorf.

Seit einigen Jahren hat es Planungen für eine Aufweitung der Waltendorfer Hauptstraße zu einem örtlichen Platz gegeben, die auch den Abriss des markanten Gebäudes der Bäckerei Kotzbeck vorsah. Trotz Widerständen insbesondere gegen diesen Abriss wurde das Kotzbeck-Gebäude mit zahlreichen Nebengebäuden im Sommer 2017 abgetragen.[6] Neben diesem Großprojekt wurden in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Villen abgetragen und zugunsten von modernem Wohnbau ersetzt. Damit einher geht auch der massive Verlust von Grünraum im Bezirk.

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1914–1918 Car Pack
  • 1918–1919 Robert Frh. v. Fellner
  • 1919–1920 Franz Robier
  • 1921–1922 Josef Pirsch
  • 1923–1932 Franz Schischek
  • 1932–1938 Rudolf Eichberger[7]

Die Bürgermeister konnten anhand der Gemeinderatsprotokolle und Amtskalender zumindest seit 1914 rekonstruiert werden.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rekonstruktion für den späteren Stadtbezirk:[8]

  • 1869: 1640
  • 1880: 1776
  • 1890: 2197
  • 1900: 2885
  • 1910: 4112
  • 1920: 4455
  • 1923: 4381
  • 1934: 5001

Wirtschaft, Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Waltendorf

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alois Kölbl, Wiltrud Resch: Wege zu Gott; Die Kirchen und die Synagoge von Graz. Verlag Styria, Graz 2002, ISBN 3-222-13105-8, S. 185–188.
  • Karl A. Kubinzky: Waltendorf, in: Historisches aus Graz. Leykam, Graz 2010, S. 212–216.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Waltendorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bezirke auf graz.at
  2. Bezirksräte im Bezirk Waltendorf auf graz.at
  3. Karl A. Kubinzky: Historisches aus Graz. Leykam, Graz 2010, S. 212.
  4. Karl A. Kubinzky/Astrid M Wentner (1998): Grazer Straßennamen. Herkunft und Bedeutung. Graz: Leykam, 2. Auflage, Seite 60.
  5. Christian Holter et al., Solaranlage Berliner Ring in Graz, in: Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie Dachverband, 2012, abgerufen am 20. Dezember 2014.
  6. Jetzt wird das Kotzbeckhaus abgerissen, Kleine Zeitung, abgerufen am 4. Juni 2017
  7. Waltendorf und Ries : Geschichte und Alltag ; Broschüre zur gleichnamigen Bezirksausstellung, Herbst 1990
  8. Waltendorf und Ries : Geschichte und Alltag ; Broschüre zur gleichnamigen Bezirksausstellung, Herbst 1990