Walter Kohl (Unternehmer)

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Walter Kohl auf der Leipziger Buchmesse 2011

Walter Kohl (* 16. Juli 1963) ist ein deutscher Unternehmer und Autor, der die persönlichen Differenzen mit seinem Vater Helmut Kohl in der Öffentlichkeit ausgetragen und als Autor verarbeitet hat.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walter Kohl ist der Sohn des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers Helmut Kohl und dessen erster Ehefrau Hannelore Kohl und der ältere Bruder von Peter Kohl. Die Familie lebte zunächst in Ludwigshafen-Gartenstadt und zog 1971 in den Stadtteil Oggersheim um.[1]

Nach dem Abitur am staatlichen Carl-Bosch-Gymnasium in Ludwigshafen 1982 diente er zwei Jahre als Reserveoffiziersanwärter bei einer Jägereinheit der Bundeswehr. Von 1985 bis 1989 studierte er an der Harvard University (USA) Volkswirtschaft und Geschichte. Das Studium absolvierte er mit einem Bachelor of Arts (als Doppelabschluss). Ein Aufbaustudium zum Diplom-Volkswirt an der Universität Wien schloss er im Sommer 1990 ab. Anschließend arbeitete er als Financial Analyst bei der US-amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley in deren New Yorker Firmenzentrale in den Bereichen Corporate Finance (Sektor Öl und Gas) sowie Kapitalmärkte (Börsengänge). 1993 schloss er eine MBA-Ausbildung am INSEAD in Frankreich ab.

Nach mehr als neun Jahren im Ausland, davon sechs in den USA, kehrte Walter Kohl 1994 nach Deutschland zurück. In den folgenden zehn Jahren arbeitete er in leitender Position als Controllingverantwortlicher bei der Kaufhof Holding und der Metro in Köln, später als Controllingleiter bei der Metro Immobilien sowie der Deutschen Vermögensberatung in Frankfurt.[2] 1999 gründete er zusammen mit seinem Vater Helmut Kohl eine Unternehmensberatung.[3] 2005 machte er sich selbständig und gründete mit seiner zweiten Ehefrau, der Koreanerin Kyung-Sook Kohl (geb. Hwang), die Firma Kohl & Hwang, einen Lieferanten für Stanz- und Umformwerkzeuge aus Südkorea für die europäische Automobilindustrie.[3] Ab 2007 war er für das in chinesischer Hand befindliche Unternehmen Plastic Solution Ningbo Europe GmbH aktiv, das Kunststoffspritzgusswerkzeuge für automobile Anwendungen liefert, dort bis Juni 2011 als Geschäftsführer.

Im Januar 2011 legte er ein Buch mit dem Titel Leben oder gelebt werden vor, in dem er seinen persönlichen Werdegang und den Umgang mit den besonderen Herausforderungen seiner Herkunft beschreibt. Das Buch löste ein umfangreiches Medienecho aus und war wochenlang auf Platz eins der Bestsellerlisten.[4] 2011 erhielt Walter Kohl für sein Buch beim Health Media Award einen „Sonderpreis ‚Mut zur Courage‘“.[5] Kohls zweites Buch mit dem Titel Leben was du fühlst erschien im Mai 2013. Es ist laut dem Autor „als Praxisbuch konzipiert“. Er wolle damit konkrete Anregungen geben, „den Weg der Versöhnung ganz praktisch zu gehen und Schritt für Schritt aktiv und eigenverantwortlich Lebensthemen in die Hand zu nehmen und Frieden zu finden.“[6]

Aus seiner ersten, geschiedenen Ehe hat er einen Sohn.[3]

Auseinandersetzung mit seinem Vater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein erstes öffentliches Interview gab Kohl im August 2008 in der Zeitschrift Bunte. Er äußerte Befremden darüber, dass er und sein Bruder Peter nicht zur Hochzeit seines Vaters mit Maike Richter im Mai desselben Jahres eingeladen worden waren.[7] Maike Kohl-Richter wurde vorgeworfen, sie sei darauf fixiert, um Kohl „eine Mauer zu bauen.“ Daraus resultiere auch die Entfremdung der beiden Söhne Kohls von ihrem Vater.[8][9]

Bis zum Tod seines Vaters kam es nicht zu einer Versöhnung;[10] in der Folge kritisierte er die offiziellen Trauerfeierlichkeiten und nahm an diesen nicht teil.[11] Am 29. August 2017 war Kohl zu Gast bei Markus Lanz in dessen gleichnamiger Sendung, wo er weitere Details offenbarte, so u.a., dass die Ausgrenzung von ihm und seinem Bruder durch die Witwe seines Vaters initiiert wurde und diese nach wie vor an keinem Kontakt interessiert sei. Er gab allerdings auch an, mittlerweile seinen Frieden mit dem Verhältnis zu seinem Vater und dessen zweiter Ehefrau geschlossen zu haben. Des Weiteren erklärte er, die Erbauseinandersetzung über das Vermögen seines Vaters sei für alle Beteiligten zufriedenstellend und im Einvernehmen geregelt.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Walter Kohl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Profil auf randomhouse.de
  2. Zentrum für eigene Lebensgestaltung, Königstein: Walter Kohl – Mein Lebensweg
  3. a b c Walter Kohl - Der verlorene Sohn und das Leben im Schatten des Vaters, Hamburger Abendblatt, 28. Januar 2011.
  4. FAZ-Buchempfehlung 3. Februar 2011
  5. Health Media Award: Preisträger abgerufen am 22. Februar 2017
  6. focus.de: Interview (30. Mai 2013)
  7. Kohl-Sohn „befremdet“
  8. Jochen Arntz: Mein Kanzler. In: Süddeutsche Zeitung. 21. Juli 2012, S. 3 (bdzv.de [abgerufen am 23. Juni 2017]).
  9. Hanns-Bruno Kammertöns: Eckhard Seeber: „Ecki, komm sofort!“ In: Zeit Online. 22. Juni 2017; abgerufen am 23. Juni 2017.
  10. Die Welt: Walter Kohl äußert sich zum Tod seines Vaters, 16. Juni 2017
  11. FAZ: Kritik an Trauerakt - Walter Kohl will an Beisetzung seines Vaters nicht teilnehmen, 23. Juni 2017