Warp-Antrieb

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Unter einem Warp-Antrieb (englisch to warp „verzerren“, „krümmen“) versteht man einen hypothetischen Antriebsmechanismus, der Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit durch gezieltes Krümmen der Raumzeit ermöglicht. Warp-Antriebe sind in verschiedener Ausführung aus der Science-Fiction-Literatur bekannt, wo sie Voraussetzung für interstellare Raumfahrt sind.

Die Vereinbarkeit dieses Antriebskonzepts mit der allgemeinen Relativitätstheorie ist umstritten. In der physikalischen Fachliteratur wird diese Möglichkeit immer wieder diskutiert, wobei die Autoren zu unterschiedlichen Ergebnissen gelangen.

Warp-Antrieb in der Science-Fiction[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schauplätze von Science-Fiction-Erzählungen befinden sich oft in Planetensystemen, Nebeln oder Galaxien, die viele Lichtjahre voneinander entfernt sind. Um die Handlung schlüssig darzustellen wird eine Antriebsart benötigt, die Reisen über astronomisch große Entfernungen in einer nach menschlichen Maßstäben kurzen Zeit ermöglicht. Dazu ist eine Fortbewegung mit einem Vielfachen der Lichtgeschwindigkeit notwendig, was aber nach den Aussagen der Relativitätstheorie – dem heute allgemein anerkannten und vielfach experimentell bestätigten Stand der Wissenschaft – unmöglich ist. Unter anderem folgt aus der Relativitätstheorie, dass für eine so schnelle Fortbewegung unendlich viel Energie benötigt würde und dass die Reisenden sich aus Sicht eines Dritten, der zum Beispiel am Ankunftsort auf sie wartet, rückwärts durch die Zeit bewegen würden; sie kämen früher an, als sie losgeflogen sind. Unter diesen Umständen wären in den fiktiven Erzählungen keine konsistenten Handlungen mehr möglich.

Der Warp-Antrieb löst dieses Dilemma gemäß Darstellung in der Science-Fiction-Literatur, indem er statt einer Bewegung durch Raum und Zeit die Raumzeit selbst so verändert, dass ein Raumschiff in relativ kurzer Zeit extrem große Entfernungen zurücklegt, ohne sich mit hoher Geschwindigkeit bewegt zu haben. So lässt er die fiktiven Handlungen plausibel erscheinen.

Begriffsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Science-Fiction-Autor Gene Roddenberry griff für seine Fernsehserie Star Trek auf das Konzept des Warp-Antriebs zurück, um die Bewältigung großer Entfernungen zu anderen Sternensystemen zu beschreiben (→ Warp-Antrieb bei Star Trek). Der Begriff ist heute in der Science-Fiction allgemein bekannt, wird aber je nach Autor unterschiedlich ausgelegt. Auch wenn das Konzept eines die Raumzeit verzerrenden Antriebs heute allgemein mit Star Trek assoziiert wird, ist die grundlegende Idee bedeutend älter. So beschrieb bereits Chester S. Geier in seinem 1948 erschienenen Roman The Flight of the Starling einen ähnlichen Antrieb – dort als „Warp-Generator“ bezeichnet:

“[The warp-generators] … create a warp in space around the ship … a moving ripple in the fabric of space.”

„[Die Warp-Generatoren] … erzeugen eine Krümmung im Raum rund um das Schiff herum … eine sich bewegende Welle in der Struktur des Raums.“

Auch Stephen Baxters Roman Die letzte Arche beschreibt die Verwendung eines Warp-Antriebs. Die Protagonisten erzeugen dort mit mehreren Kilogramm Antimaterie ein winziges „Taschenuniversum“, das jedoch aus der Perspektive der Raumschiffbesatzung einen Durchmesser von mehreren hundert Metern hat.

Theorien zur Machbarkeit eines Warp-Antriebs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Raumzeit in der Relativitätstheorie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der allgemeinen Relativitätstheorie wird die Gravitation auf geometrische Eigenschaften der Raumzeit zurückgeführt. Diese Eigenschaften werden durch die Einsteingleichungen beschrieben.

Hierbei ist die klassische Gravitationskonstante, die Lichtgeschwindigkeit und der Ricci-Tensor. Weiterhin ist der Krümmungsskalar und der metrische Tensor. Letzterer enthält die Metrik der Raumzeit und induziert ein Abstandsmaß. Die Quelle des Gravitationsfeldes ist der Energie-Impuls-Tensor .

Die Theorie des Warp-Antriebs nach Alcubierre und Van den Broeck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veranschaulichung der Warp-Metrik nach Alcubierre

Ein funktionsfähiger Warp-Antrieb müsste das Raumzeitgebiet um ein Raumschiff herum derart verändern, dass der Abstand zwischen Start- und Zielpunkt verringert wird. Die Raumzeit müsste in Reiserichtung gestaucht und nach Passage des Schiffs wieder expandiert werden. Diese Veränderungen müssten sich – im Gegensatz zu natürlichen Veränderungen der Raumzeit durch Gravitationswellen – überlichtschnell ausbreiten, und das Raumschiff würde in dieser „Warp-Blase“ mitreisen.

Theoretisch lässt sich dies durch die Definition eines bestimmten Energie-Impuls-Tensors beschreiben. Eine solche Beschreibung, die konsistent mit dem Formalismus der allgemeinen Relativitätstheorie ist, wurde erstmals 1994 von dem mexikanischen Physiker Miguel Alcubierre aufgestellt.[1] Sie ist jedoch keine strenge Lösung der Einsteingleichungen, sondern wurde direkt mit den gewünschten Eigenschaften konstruiert. Um die Gleichungen zu erfüllen, wäre ein Treibstoff mit negativer Energiedichte erforderlich, welcher auch als exotische Materie bezeichnet wird.

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Da das Alcubierr’sche Antriebskonzept etwa zehn Milliarden mal mehr exotische Materie benötigen würde, als das sichtbare Universum insgesamt an normaler Materie besitzt, wurde es von dem niederländischen Physiker Chris van den Broeck[2] dementsprechend verbessert. Dazu schloss er die Alcubierre'sche Warp-Blase um zwei weitere Blasen herum. Seine Berechnungen kamen zu dem Ergebnis, dass sich der Bedarf an exotischer Materie auf einige Sonnenmassen reduzieren würde. Die äußere Blase, also die eigentliche Alcubierre-Warp-Blase, wird dabei als sehr klein (R = 3 · 10−15 m) angesetzt. Die innerste Blase besitzt dafür jedoch eine Oberfläche, die einer Blase von 200 m Durchmesser entspricht. Diese scheinbar paradoxe Diskrepanz soll durch eine vierdimensionale Geometrie ermöglicht werden. Die Materiedichte ist bei beiden Antrieben jedoch so hoch, wie sie im Universums kurz nach dem Urknall war.

Alcubierre und Broeck gingen von einer vorher ungekrümmten Raumzeit aus. Ist die Raumzeit hingegen gekrümmt, so sollen nach Sergei Krasnikow bereits 10 kg exotischer Materie genügen, um solch ein System aus Warp-Blasen zu erzeugen. Krasnikov behauptet sogar, durch weitere Modifikation der Van-den-Broeck-Metrik die notwendige Menge an exotischer Materie auf einige Milligramm reduziert zu haben.[3][4]

Untersuchungen von Finazzi, Liberati und Barceló stellten die Stabilität der Warp-Blase in Frage.[5][6]

McMonigal, Lewis und O'Byrne von der University of Sydney kamen zu dem Ergebnis, dass beim Abbremsen eine für die Umgebung tödliche Strahlung entsteht.[7][8]

Forschung der NASA: Breakthrough Propulsion Physics Project[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1996 bis 2002 finanzierte die NASA das Breakthrough Propulsion Physics Project zur Evaluierung exotischer Antriebskonzepte. Innerhalb dieses Projektes wurden auch verschiedene spekulative Konzepte des Warp-Antriebs beschrieben und mathematisch beziehungsweise über Computermodelle erforscht. 2008 stellte die NASA dieses Projekt endgültig ein,[9] finanzierte jedoch weitere universitäre Grundlagenforschung.[10]

Experimente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Nachgang des Breakthrough Propulsion Physics Project versuchte der NASA-Physiker Harold White, kleinste Krümmungen der Raumzeit im Labor zu messen,[11] was jedoch nicht gelang.[12]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

WiktionaryWiktionary: Warp-Antrieb – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alcubierre, 1994.
  2. Chris van den Broeck: A 'warp drive’ with more reasonable total energy requirements. Classical and Quantum Gravity 16 (12), 1999, S. 3973–3979, doi:10.1088/0264-9381/16/12/314, arxiv:gr-qc/9905084v5.
  3. Serguei Krasnikov: Hyperfast Interstellar Travel in General Relativity. Phys.Rev. D57 (1998) 4760-4766, arxiv:gr-qc/9511068v6; Allen Everett, et al.: Time travel and warp drives – a scientific guide to shortcuts through time and space. Univ. of Chicago Pr., Chicago 2012, ISBN 978-0-226-22498-5, S. 122ff.
  4. Sergei Krasnikov: The quantum inequalities do not forbid spacetime shortcuts. Physical Review D, 67, 2003, doi:10.1103/PhysRevD.67.104013, arxiv:gr-qc/0207057. (Van Den Broeck’s trick Seite 18–19)
  5. Stefano Finazzi, Stefano Liberati, Carlos Barceló: Semiclassical instability of dynamical warp drives. Physical Review D, 79 (12), 2009, doi:10.1103/PhysRevD.79.124017, arxiv:0904.0141v2.
  6. Carlos Barceló, Stefano Finazzi, Stefano Liberati: On the impossibility of superluminal travel: the warp drive lesson., 2010. arxiv:1001.4960v1.
  7. Brendan McMonigal, Geraint F. Lewis, Philip O’Byrne: The Alcubierre Warp Drive: On the Matter of Matter. Physical Review D, im Druck (Stand 4. Juni 2012), arxiv:1202.5708v1.
  8. Warp Antrieb: Gefahr für Zivilisation am Reiseziel. (Memento vom 17. Juni 2012 im Internet Archive) Wissenschaft aktuell, 14. März 2012 (Zusammenfassung der Studie von McMonigal et al.; abgerufen am 4. Juni 2012)
  9. Breakthrough Propulsion Physics Project. NASA, 19. November 2008.
  10. Keith Cowing: Clarifying NASA's Warp Drive Program. SpaceRef, 12. April 2013.
  11. A Lab Experiment to Test Spacetime Distortion. centauri-dreams.org.
  12. Jeff Lee, Gerald Cleaver: The Inability of the White-Juday Warp Field Interferometer to Spectrally Resolve Spacetime Distortions. 29. Juli 2014, arxiv:1407.7772.