Waschnussbaum

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Waschnussbaum
Waschnussbaum (Sapindus saponaria var. saponaria)

Waschnussbaum (Sapindus saponaria var. saponaria)

Systematik
Eurosiden II
Ordnung: Seifenbaumartige (Sapindales)
Familie: Seifenbaumgewächse (Sapindaceae)
Unterfamilie: Sapindoideae
Gattung: Seifenbäume (Sapindus)
Art: Waschnussbaum
Wissenschaftlicher Name
Sapindus saponaria
L.

Der Waschnussbaum (Sapindus saponaria), wie manch andere Pflanzenart auch Seifenbaum genannt, ist eine Pflanzenart innerhalb der Familie der Seifenbaumgewächse (Sapindaceae).[1] Sie kommt in tropischen und subtropischen Regionen Süd- und Mittelamerikas sowie in der Karibik vor. Das wertvollste Pflanzenteil ist ihre Frucht, die seit Jahrtausenden zum Waschen verwendet wird.[2]

Ähnlich ist die Indische Waschnuss Sapindus mukorossi sowie Sapindus trifoliatus aus Indien und Südostasien.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blütenstände und gefiederte Laubblätter von Sapindus saponaria var. saponaria
Weibliche Blüten
Reife Früchte

Der Waschnussbaum wächst als meist immergrüner Baum, der Wuchshöhen von bis zu 20 Meter erreicht und siebzig Jahre und älter werden kann. Der gerade, zylindrische Stamm erreicht einen Umfang von 1,5 bis zu 5,5 Meter, es können aber auch Brettwurzeln ausgebildet werden. Die Borke ist bei jungen Bäumen bräunlich bis hellgrau und glatt, bei älteren gräulich und rissig bis schuppig oder abblätternd.

Die wechselständigen Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die Blattspreite ist meist paarig gefiedert mit 8 bis 16 kurz gestielten, dünnen, ganzrandigen und spitzen bis zugespitzten, eiförmigen bis -lanzettlichen oder lanzettlichen, papierigen Blättchen. Die Blättchen sind teils sichelförmig gebogen und etwa 7–17 Zentimeter lang, die Spreite ist teils etwas ungleich. Der fast kahle Blattstiel ist bis etwa 4–8 Zentimeter lang. Die Rhachis und der Blattstiel sind manchmal kurz geflügelt, gerade bei jungen Blättern.

Es werden lange, feinhaarige und rispige Blütenstände gebildet. Die grün-weißlichen, kurz gestielten, leicht duftenden, meist eingeschlechtlichen, fünfzähligen und sehr kleinen Blüten sind mit doppelter Blütenhülle. Zwei der petaloiden Kelchblätter sind kleiner wie die anderen drei. Die Kronblätter sind meist bewimpert. Die etwa 8 Staubblätter besitzen im unteren Teil haarige Staubfäden. Der gestielte, fast kahle Fruchtknoten ist oberständig und die Narbe ist dreilappig. Es ist ein kahler Diskus vorhanden. Bei den männlichen Blüten ist ein Pistillode und bei weiblichen sind Staminodien ausgebildet.

Die Blüten sind überwiegend männlich, mit einigen weiblichen Blüten und auch einigen zwittrigen.

Im Alter von zehn Jahren trägt der Baum die ersten Früchte, erst orangefarbene, klebrige, rundliche und leicht runzlige Steinfrüchte mit einem durchscheinenden, gelatinösen und ledrigen Perikarp. Die rundlichen Früchte erscheinen meist einzeln oder bis zu dritt in einer Spaltfrucht. Die einzelnen Teilfrüchte sind etwa 1,2–1,8 Zentimeter groß und werden im September geerntet. Nach dem Trocknen sind die Fruchtschalen der Früchte „nuss“hart und nicht mehr klebrig und rot- bis dunkelbraun. Sie enthalten meist nur einen großen, schwarzen und glatten, sehr harten, etwa 9–14 Millimeter großen, feinstgrubigen, auf einer Seite abgeflachten Steinkern, der ziemlich frei in der Fruchthülle liegt. Die Fruchthülle und die Samen enthalten bis 15–30 % Saponine, wobei die Qualität von der Erntezeit und dem Alter des Baums bestimmt wird. Die Früchte bleiben oft noch sehr lange am Baum hängen. Die Steinkerne (Samen) gelten als giftig.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28.[3]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Waschnussbaum ist ursprünglich vom mittleren bis nördlichen Südamerika bis Mittelamerika und in der Karibik verbreitet. Er bevorzugt einen sonnigen Standort und gut durchlässige Böden. Er wächst auf verschiedenen Böden gut, auch auf steinigen oder trockenen und nährstoffarmen. Ältere Pflanzen sind auch trockenheitsresistent und ertragen auch salzhaltige Winde.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 1, S. 367.[4] Sie ist die Lectotypusart der Gattung.[5] Der Gattungsname Sapindus leitet sich von lateinisch sapo = Seife und indicus für Indien ab, das Epitheton saponaria stammt von lateinisch sapo hier für saponinhaltig.

Synonyme von Sapindus saponaria L. sind: Cupania saponarioides Sw., Sapindus abruptus Lour., Sapindus divaricatus Cambess., Sapindus forsythii DC., Sapindus inaequalis DC., Sapindus inaequialis DC., Sapindus indica Poir., Sapindus peruvianus var. dombeyanus Walp., Sapindus peruvianus var. meyenianus Walp., Sapindus peruvianus Walp., Sapindus rigidus Mill., Sapindus saponaria fo. genuinus Radlk., Sapindus stenopterus DC., Sapindus thurstonii Rock, Sapindus turczaninowii Vidal.

Es gibt drei Varietäten der Art:[1][6]

  • Sapindus saponaria var. drummondii (Hook. & Arn.) L.D.Benson (Syn.: Sapindus drummondii Hook. & Arn.) (von einigen Autoren als eigene Art): Colorado, New Mexico
  • Sapindus saponaria var. inaequalis Radlk.: Guyana, Surinam und Französisch-Guayana
  • Sapindus saponaria L. var. saponaria

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Getrocknete „Waschnüsse“ mit schwarzen Steinkernen

Für die Wäsche werden nur die getrockneten, „nuss“harten Fruchthüllen in einem Baumwollsäckchen zur Wäsche in die Trommel gegeben. Je nach Waschtemperatur und Wasserhärte variiert die benötigte Menge von drei bis sieben „Nuss“hälften für eine Waschmaschinenladung. Die Waschnüsse können bei Wäschen bis zu 40 °C für zwei Waschgänge verwendet werden. Anders als herkömmliche Waschmittel haben Waschnüsse keine Wasser enthärtende oder textilbleichende Wirkung und geben keine Geruchsstoffe an die Wäsche ab. Bei Bedarf werden daher der Wäsche zusätzlich Bleichmittel, Wasserenthärter und/oder Duftstoffe (beispielsweise ätherische Öle) zugegeben. Alternativ zum Wasserenthärter kann die Waschlösung mit Zitronensäure angesäuert werden, da Saponin auch in saurer Lösung wirksam ist.

Die Waschwirkung von Waschnüssen bei der Reinigung von Textilien ist umstritten.[7] Stiftung Warentest ermittelte in einem Test sehr schlechte Fleckenentfernung und starke Vergrauung der Wäsche.[8]

Da die Wirkstoffe bei Anwendung in der Wäschetrommel auch während der Spülgänge an das Wasser abgegeben werden, gelangen Wirkstoffe auch während der Endphase der Reinigung in die Wäsche und können daher nicht komplett ausgewaschen werden. Bei modernen Maschinen kann man jedoch mit der Spülstopp-Taste waschen, das Wasser abpumpen lassen, das Säckchen mit Nüssen entnehmen und erst dann den Spülgang starten. Ein Waschgang erfordert Waschnüsse im Wert von etwa 0,10 EUR.

Der Sud von in Wasser aufgekochten Waschnüssen kann als Duschmittel, Shampoo oder Allzweckreiniger für den Haushalt verwendet werden. Vom Wasserextrakt der Waschnussschale soll eine Wirkung gegen verschiedene phytopathogene Pilze ausgehen. Der Kern der Waschnuss und nach der Anwendung verbleibende Reste der Schale können kompostiert werden. Die waschaktiven Substanzen der Waschnuss gelten als biologisch leicht abbaubar.

Marktentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den steigenden Gebrauch von Waschnüssen in Westeuropa versechsfachte sich deren Preis im Herkunftsland Indien zwischen den Jahren 2003 und 2008, so dass die Preiswürdigkeit der Waschnuss als Waschmittel gegenüber anderen Waschmitteln abnahm.[9][10]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den in Waschnüssen enthaltenen Saponinen wird Fischgiftigkeit nachgesagt.[11] Ein von der Stiftung Warentest durchgeführter Vergleich mit herkömmlichen Waschmitteln brachte ein vernichtendes Ergebnis zur Waschwirkung von Waschnüssen.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Sapindus saponaria im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 31. August 2013.
  2. R. Langdon: The soapberry, a neglected clue to Polynesia's prehistoric past. In: The Journal of the Polynesian Society. 105(2), 1996, S. 185–200, online.
  3. Sapindus saponaria bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  4. Erstveröffentlichung eingescannt bei biodiversitylibrary.org.
  5. Sapindus saponaria bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 31. August 2013.
  6. Sapindus saponaria bei Kew Science.
  7. Waschnüsse & Co. - Reinigungswirkung von alternativen Waschverfahren (PDF) Studie der Universität Bonn, 2013, abgerufen am 12. Januar 2018.
  8. a b Waschnüsse und -kastanien: Die graue Art zu waschen. In: Stiftung Warentest test. August 2019, S. 58–59, online.
  9. Schmutzwäsche durch Bio-Boom. In: Taz Online. 11. März 2008.
  10. Oliver Nagel: Reines Gewissen − Umweltbewusste Europäer machen indische Waschnüsse unbezahlbar. In: Thomas Osterkorn, Andreas Petzold (Hrsg.): Neon. Hamburg Juni 2008, S. 31.
  11. Eberhard Breitmaier & Günther Jung: Organische Chemie. Thieme Verlag, 1978, 2005, ISBN 3-13-541505-8, Abschnitt 42.5.5.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nora Kircher: Waschnüsse & Co. – Waschmittel, die man pflücken kann. Frank Jaspers Verlag, Bawinkel 2008, ISBN 978-3-938090-22-0.
  • James Macfadyen: The Flora of Jamaica. Vol. I, 1837, S. 159 f, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.
  • Forrest Shreve, Ira L. Wiggins: Vegetation and Flora of the Sonoran Desert. Band 1, Stanford Univ. Press, 1964, ISBN 0-8047-0163-6, S. 855.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Waschnussbaum (Sapindus saponaria) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien