Wehrkirche Hannberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Die Wehrkirche Hannberg

Die Wehrkirche Hannberg ist eine befestigte Wehranlage der Kirche Geburt Mariens in Hannberg (Gemeinde Heßdorf), zehn Kilometer westlich der Stadt Erlangen in Mittelfranken. Der Ort Hannberg spielte bereits im 11. Jahrhundert wegen seiner Lage an der Handelsstraße zwischen Bamberg, Würzburg und den Königsgütern in Büchenbach und Herzogenaurach eine strategische Rolle. Hannberg wurde erstmals im Jahr 1065 urkundlich unter dem Namen „Hagenberch“ in einer Geschenkurkunde des Bamberger Bischofs erwähnt[1].

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wehrkirche gilt mit ihren Ausmaßen von 73,5×56,2 Metern auf einer Grundfläche von 0,37 ha als drittgrößte Kirchenburg Deutschlands. Lediglich die Kirchenburgen in Ostheim und Rohr haben noch größere Grundflächen [2].

Als weitere Besonderheit der Wehranlage gilt das moderne Verteidigungskonzept. Während vergleichbare Kirchenburgen zum Ende des 15. Jahrhunderts auf Wehrgänge und Wassergräben setzten, wurden in Hannberg die Wehrtürme mit Schießscharten nach innen und außen ausgestattet, damit die Bevölkerung auch innerhalb der Anlage verteidigt werden konnte. Als letzter Ausweg wurde ein unterirdischer Gang gebaut, der das Kirchengebäude mit der Außenwelt verband[3].

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Hannberg kann bereits seit 1300 eine steinerne Kapelle nachgewiesen werden. Die erste urkundliche Bestätigung der Kapelle stammt aus dem Jahr 1348. In dieser Kapelle führte ein Messner aus der Nachbarpfarrei Büchenbach regelmäßig Gottesdienste für die Gläubigen von Hannberg und den Nachbarorten des Seebachgrundes durch.

Ausgelöst durch kriegerische Auseinandersetzungen zwischen der Stadt Nürnberg und dem Markgrafen Albrecht Achilles von Bayreuth-Ansbach im Ersten Markgrafenkrieg 1449/50 war eine Befestigung der Kirche notwendig. Es entstand bis zum Jahr 1464 eine in Franken und Süddeutschland einzigartige Wehranlage[4]. Um die Reformation von katholischen Kirchen zum Protestantismus zu verhindern, wurde Hannberg im Jahr 1574 zur eigenen Pfarrei mit dem Namen Geburt Mariens erhoben. Die Kirche Geburt Mariens wurde eine stark frequentierte Wallfahrtskirche mit einer Maria mit dem Kinde und eines Gnadenbilds Maria mit verschränkten Händen. Am Dreikönigstag 1865 verursachte ein Blitzeinschlag im Turm einen Brand, bei dem ein Großteil des Kirchturms abbrannte; der neugebaute Turm wurde um ca. fünf Meter verkürzt.

Historischer Wallfahrtsort Hannberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wehrkirche Hannberg wurde seit ihrer Erbauung im 15. bis 17. Jahrhundert als Wallfahrtsort verehrt. Laut einem Bericht des Jesuitenpriesters P. Gamans aus dem Jahr 1653 war hierbei insbesondere ein Hannberger Gnadenbild, eine Pietà mit verschränkten Händen, der Anziehungspunkt für Pilger aus dem Gebiet zwischen Hannberg, Herzogenaurach und Büchenbach. Das Hannberger Gnadenbild ist seit 1890 in einer Kapelle in Hammerbach zu sehen.

Wehranlage Hannberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hannberg (Heßdorf) Kirchenburg

Bereits die früheste Kapelle hatte zwei Stockwerke und eine Grundfläche von 8,30×8,70 Metern. Sie bildet die Grundsubstanz der Kirche in Hannberg, wie sie noch heute besteht. Im Zeitraum von 1384 bis 1425 wurde die Kapelle sukzessive mit einem 52 Meter hohen Kirchturm und einem Langhaus von 29 Metern ausgebaut. Der gotische Kirchturm hat vier Stockwerke und ein eindrucksvolles Spitzdach. Als Fünfknopfturm mit vier Scharwachttürmen auf den Ecken ist es ein regional typischer Verteidigungsturm des frühen 15. Jahrhunderts.[5]

Die Wehranlage in Hannberg ist mit einer geschlossenen Ringmauer mit sechs Meter hohen Mauern und einem für die damalige Zeit modernen Verteidigungskonzept ausgestattet. Eine Besonderheit der Wehranlage in Hannberg sind die drei runden und ein viereckiger Wehrturm, die eine Verteidigung nach außen und nach innen ermöglichen. Insgesamt stellt die Wehrkirche mit den Ausmaßen 73,50 Meter×56,20 Meter eine einzigartige Wehranlage dar, die über Franken hinaus ihresgleichen sucht. Die Kirche ist innerhalb der Wehranlage durch 550 Jahre alte unterirdische Gänge mit dem Torhaus und Stellen außerhalb der Wehranlage verbunden.

Kirche Geburt Mariens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das aktuelle Innere der Kirche ist durch eine barocke Ausstattung des Hauptaltars und der Seitenaltäre geprägt. Historisch war die erste Ausstattung der Kirche durch spätgotische Elemente bestimmt; drei Steinaltäre, die der Heiligen Katharina und der Mutter Gottes gewidmet waren, sind nicht erhalten. Erhalten sind einige wertvolle spätgotische Skulpturen wie z. B. die Maria mit dem Kinde im Hauptaltar, die Figur Maria Siegerin auf dem linken Seitenaltar und die drei Heiligen Katharina, Barbara und Margarethe, die als die „drei Madl“ in Hannberg und Umgebung verehrt wurden[6].

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wehrkirche Hannberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans Schaub "Die Wehrkirche zu Hannberg, 2007
  2. Thomas Willert "Deutschlands größte Kirchenburgen, http://wehrkirche-hannberg.de/archive/1629, 2014
  3. Robert Noppenberger "Wehrkirche Hannberg – Erste moderne Wehranlage der Neuzeit,http://wehrkirche-hannberg.de/archive/1667, 2014
  4. Hans Schaub: Die Wehrkirche zu Hannberg, 2007
  5. Monika Stark: Die Wehrkirche in Hannberg, 1972, Universität Würzburg
  6. Eduard Rühl, „Kulturkunde des Pegnitztales und seiner Nachbargebiete“, Frankenverlag, Nürnberg 1961

Koordinaten: 49° 38′ 13″ N, 10° 54′ 4,9″ O