Hannberg (Heßdorf)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Hannberg
Gemeinde Heßdorf
Koordinaten: 49° 38′ 15″ N, 10° 54′ 11″ O
Höhe: 303 m ü. NHN
Einwohner: 420 (1. Jul. 2013)
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 91093
Vorwahl: 09135
Blick auf die Hannberger Wehrkirche von Süden
Blick auf die Hannberger Wehrkirche von Süden

Hannberg ist ein Gemeindeteil der Gemeinde Heßdorf im Landkreis Erlangen-Höchstadt (Mittelfranken, Bayern).

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Pfarrdorf liegt im Seebachgrund, einer von Hügeln und Weihern geprägten Gegend, etwa zehn Kilometer von Erlangen und Herzogenaurach entfernt. Im Osten grenzt das Käferhölzlein an. Ansonsten ist der Ort unmittelbar von Acker- und Grünland umgeben. Im Westen wird die Flur Espach genannt, im Norden Klingen.

Die Staatsstraße 2240 verläuft nach Heßdorf (1,2 km südöstlich) bzw. nach Niederlindach (1,2 km nordwestlich). Die Kreisstraße ERH 26 verläuft nach Großenseebach (1,5 km südwestlich) bzw. über Röhrach zur Staatsstraße 2259 (1,8 km nordöstlich).[1]

Durch den Ort verläuft der Fränkische Marienweg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus dem Jahr 1065 stammt die erstmalige urkundliche Erwähnung von Hannberg unter dem Namen „Hagenenberc“ (ein von Dornen umfriedeter Berg) anlässlich einer Schenkung des Bischofs Gunther von Bamberg an sein Domkapitel. Vermutlich existierte der Ort schon früher, da „sechs Höfe“ in Hannberg in einem auf ca. 1040 datiertes Besitzverzeichnis des Benediktinerinnenkloster Kitzingen erwähnt sind. Im Ersten Markgrafenkrieg 1449/50 wurden Hannberg und der gesamte Seebachgrund weitgehend verwüstet. Im Jahr 1461 wurde während der Frühmesse des Patriziers Johann Igelthaler das Patronatsrecht auf die Stadt Nürnberg übertragen. In der Folge wurde zwischen 1461 und 1486 die Wehranlage erbaut.[2]

Hannberg war ab 1500 als Wallfahrtsort von Pilgern stark frequentiert, beschrieben 1653 in ausführlichen Berichten des Jesuitenpaters Gammas. Grund dafür war eine Pietà mit verschränkten Händen, verehrt als Hannberger Gnadenbild. Ab 1543 wurde der Ort zeitweise von protestantischen Pfarrern geführt und 1575 zur katholischen Pfarrei erhoben. Im Dreißigjährigen Krieg (1618–48) war Hannberg zunächst nicht verwickelt. Jedoch kam es im Jahr 1632 zu Plünderungen des Ortes und der Wehrkirche, bei denen der damalige Pfarrer entführt und nur gegen Lösegeld wieder freigelassen wurde.[3]

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Hannberg 8 Anwesen. Das Hochgericht übte das bambergische Centamt Herzogenaurach aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte die Oblei Hannberg des bambergischen Domkapitels inne. Grundherr über alle Anwesen war das Domkapitel Bamberg (Oblei Hannberg: 1 Hof, 1 Halbhof, 1 Gut, 1 Schenkstätte; Fragment Hannberg: 2 Höfe, 1 Schmiede, 1 Wirtshaus).[4]

1810 kam Hannberg an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1811 der Steuerdistrikt Hannberg gebildet, zu dem Dannberg, Großdechsendorf, Großenseebach, Heßdorf, Klebheim, Kleindechsendorf, Neuenbürg, Niederlindach, Röhrach und Untermembach gehörten. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstanden folgenden Ruralgemeinden:

  • Großdechsendorf mit Kleindechsendorf,
  • Großenseebach,
  • Hannberg mit Dannberg, Klebheim, Niederlindach und Röhrach,
  • Heßdorf mit Untermembach,
  • Neuenbürg an die Ruralgemeinde Reinersdorf.[5]

Die Gemeinde Hannberg war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Herzogenaurach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Erlangen. Am 1. Oktober 1847 wurde die Finanzverwaltung vom Rentamt Herzogenaurach übernommen.[6] Ab 1862 gehörte Hannberg zum Bezirksamt Höchstadt an der Aisch (1938 in Landkreis Höchstadt an der Aisch umbenannt) und weiterhin zum Rentamt Herzogenaurach (1919–1929: Finanzamt Herzogenaurach, seit 1929: Finanzamt Erlangen) verwaltet. Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Herzogenaurach (1879 in das Amtsgericht Herzogenaurach umgewandelt), seit 1959 ist das Amtsgericht Erlangen zuständig. Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 9,450 km².[7]

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde Hannberg mit allen Gemeindeteilen am 1. Juli 1972 in die Gemeinde Heßdorf eingegliedert.[8]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wehrkirche Hannberg

Wehrkirche Hannberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche Geburt Mariens ist eine Wehrkirche und besitzt einen 50 Meter hohen Kirchturm mit vier „Schwarwachttürmchen“ und einem 22 Meter hohen Walmdach. Die gesamte Wehranlage aus dem Jahr 1486 ist weitgehend in ihrer ursprünglichen Form erhalten und hat eine geschlossene Ringmauer mit den Ausmaßen von 73,50×56,20 Metern. Besonderes Kennzeichen sind die vier integrierten Verteidigungstürme mit Schießscharten nach außen und nach innen. Die Kirche besitzt spätgotische Steinaltäre und Skulpturen der heiligen Jungfrauen Katharina und Margareta (1475) und Barbara (1485) sowie die zentrale Figur der Muttergottes mit dem Jesuskind (1485). Darüber hinaus sind mehrere Skulpturen aus dem Barock aus der Zeit um 1720 vorhanden.

Unterirdische Gänge 1960
von Gagern-Gräber

Von Gagern-Gräber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Innenhof der Wehrkirche befinden sich die Gräber der Familie von Gagern, Nachkommen des Heinrich von Gagern, der am 19. Mai 1848 zum Präsidenten der deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche gewählt wurde. Eine Gedenktafel erinnert an Ernst Freiherr von Gagern, der Nachfolger des Kommandanten der Emden in der Seeschlacht am Skagerrak war.

Unterirdische Gänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterirdische Gänge aus der Wehrkirche Hannberg wurden bei Straßenarbeiten im Jahr 1960 entdeckt. Der freigelegte Tunnel zu der Wehrkirche ist durch Neubauten nicht mehr sichtbar. Im historischen Verteidigungsfall konnte sich die eingeschlossene Bevölkerung durch den Tunnel außerhalb des Ortes flüchten. Die Gänge sind noch nicht allgemein zugänglich.[9]

Flurdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Hannberg befinden sich zwei historisch relevante Bildstöcke, eine Steinmarter am Kirchenplatz von 1575 und ein spätgotischer Bildstock an der Röhrracher Straße von 1480. Darüber hinaus gibt es am Ausgang von Hannberg Richtung Heßdorf ein Steinkreuz, das Pflugreutmarterl, entstanden zu Beginn des 16. Jahrhunderts.[10]

Hannberger Keller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden bis zu 100 Meter tiefe Keller in die Sandsteinhügel von Hannberg gehauen. Sie dienten in der Regel zur Kühlung von Bier. Sie sind noch in der Röhrracher Straße zu finden.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinde Hannberg

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970
Einwohner 298 385 357 355 361 360 368 352 385 407 386 394 383 411 422 437 426 432 414 596 628 612 543 629
Häuser[11] 51 66 74 74 74 83 92
Quelle [12] [13] [13] [13] [14] [13] [15] [13] [13] [16] [13] [13] [17] [13] [13] [13] [18] [13] [13] [13] [19] [13] [7] [20]

Ort Hannberg

Jahr 001818 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987 002013
Einwohner 79 88 90 87 92 87 187 154 208 379 420
Häuser[11] 12 18 19 18 20 25 80
Quelle [12] [14] [15] [16] [17] [18] [19] [7] [20] [21]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort war bis Anfang des 20. Jahrhunderts rein katholisch und ist seit 1574 nach Geburt Mariens (Hannberg) gepfarrt. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Kilian (Kairlindach) gepfarrt.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kulturelle Veranstaltungen und Feste in Hannberg mit Bedeutung für den gesamten Landkreis Erlangen-Höchstadt sind:

  • Ballonmeeting
ist eine jährlich in der Regel Ende Juni vom Stammtisch der Nimmermüden organisierte Veranstaltung. Sie wird mit einem Johannisfeuer gefeiert, an dem über tausend Besucher teilnehmen.
  • Fasching der Stammtische
Die Mehrzweckhalle Seebachgrund ist jährlich Veranstaltungsort der größten Faschingsveranstaltung im Landkreis Erlangen-Höchstadt. Sie wird von den Stammtischen der Ortschaften Hannberg, Heßdorf und Niederlindach organisiert.
  • Open Air in Hannberg
ist eine jährlich stattfindende Veranstaltung, organisiert vom Jugendteam der katholischen Kirche Hannberg
  • Hannberger Kirchweih
am zweiten Wochenende im September

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schule und Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundschule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundschule 1963

Im Jahr 1656 wurde die erste Schule in Hannberg in den Räumlichkeiten der Wehrkirche eingerichtet, die bis ins Jahr 1963 für den Schulunterricht verwendet wurden. Ab 1879 wurde ein weiteres Schulgebäude im Nordwesten des Ortes gebaut und bis zum Jahr 1963 verwendet. Im Jahr 1963 wurde ein neues Gebäude für die Volksschule gebaut und im Jahr 1978 erweitert. Gegenwärtig wird es als Grundschule mit vier Klassen und ca. 90 Kindern verwendet. Eine Sanierung ist ab 2014 geplant.

Kindergarten St. Marien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1977 wurde der Kindergarten St. Marien gebaut. Träger ist die katholische Kirche Geburt Mariens in Hannberg. Aktuell werden 92 Kinder in vier Gruppen im Alter von zwei bis sechs Jahren betreut.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hannberg (Heßdorf) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hannberg im BayernAtlas. Entfernungsangaben jeweils Luftlinie.
  2. Robert Noppenberger, Thomas Willert "Hannberg", Gemeinde Heßdorf 2019, ISBN 978-3-00-064396-5
  3. F. Krug (Hrsg.): Der Landkreis Erlangen-Höchstadt, S. 126f. = G. Daßler (Hrsg.): Landkreis Höchstadt a. d. Aisch, S. 73f. Ergänzt durch Hans Schaub: Wehrkirche zu Hannberg und Website über die Wehrkirche Hannberg.
  4. H. H. Hofmann: Höchstadt-Herzogenaurach, S. 67.
  5. Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, S. 49 (Digitalisat).
  6. H. H. Hofmann: Höchstadt-Herzogenaurach, S. 142.
  7. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, Abschnitt II, Sp. 679 (Digitalisat).
  8. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 484.
  9. Homepage Wehrkirche Hannberg, www.wehrkirche-hannberg.de
  10. Dr. Ed. Rühl, Kulturkunde des Regnitzgrundes, Frankenverlag Lorenz Spindler, Nürnberg, 3. Auflage, 1982
  11. a b Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  12. a b Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 36 (Digitalisat). Für die Gemeinde Hannberg zuzüglich der Einwohner und Feuerstellen von Dannberg (S. 17), Klebheim (S. 48), Niederlindach (S. 64) und Röhrach (S. 76).
  13. a b c d e f g h i j k l m n o Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis : Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952 (= Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192). München 1954, DNB 451478568, S. 145, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  14. a b Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 876, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  15. a b Kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. Adolf Ackermann, München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen vom 1. Dezember 1871, Viehzahlen von 1873), Sp. 1049–1052, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  16. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1888, Abschnitt III, Sp. 994 (Digitalisat).
  17. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1043 (Digitalisat).
  18. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1076–1077 (Digitalisat).
  19. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, DNB 453660975, Abschnitt II, Sp. 923 (Digitalisat).
  20. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, S. 173 (Digitalisat).
  21. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, S. 334 (Digitalisat).