Weiberfastnacht

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Weiberfastnacht – auch Weiberfasching, Wieverfastelovend (Kölsch), Fettdonnerstag (Aachener Raum), Schwerdonnerstag (Koblenz) oder Weiberfasnet (Schwäbisch) genannt – markiert den Übergang vom Sitzungs- zum Straßenkarneval am Donnerstag vor Aschermittwoch. Er wird auch als Altweiberfasching, Altweiberfastnacht oder einfach Altweiber (Krieewelsch: Aalwiewer) sowie in der alemannischen Fastnacht als Schmotziger Dunschtig bezeichnet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemein ist allen Bräuchen zur Weiberfastnacht, dass den Frauen für einen Tag die Macht zugestanden wird. Diese Idee, dass an einem Tag in der Fastnacht den Frauen das Regiment überlassen wird, gibt es seit dem Mittelalter. In einer Zeit, als die Frauen den Männern in allem untergeordnet waren, in der die Männer über die Frauen die Geschlechtsvormundschaft ausübten, galt es als "verkehrte Welt", wenn den Frauen die Macht überlassen wurde. In vielen Orten entwickelte sich diese Weiberfastnacht auch aus den Weiberzechen, auf denen die Frauen von der Herrschaft zu Wein eingeladen wurden.[1]

Viele Belege deuten darauf hin, dass im Mittelalter in vielen Orten der heutige Aschermittwoch der Tag war, an dem die Frauen ihre Fastnacht feierten.[2] Mit der der Herausnahme der Sonntage aus der Fastenzeit und der Verschiebung der Fastnacht auf den heutigen Termin, etablierte sich im Rheinland der Donnerstag vor Aschermittwoch als Tag der Weiberfastnacht, im Bereich der schwäbisch-alemannischen Fastnacht wird die Weiberfastnacht zu unterschiedlichen Terminen begangen bzw. ging ganz unter.

Weiberfastnacht im Rheinland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traditionell haben sich die Frauen als alte und hässliche Frauen verkleidet und maskiert, haben den Männern Haushalt und Kinder überlassen und unter sich gefeiert. Aus dieser Tradition heraus haben sich die Möhnenvereine gegründet, in denen sich die Frauen heute zunehmend nicht mehr alt und hässlich machen, sondern eher im Kleid der Bürgersfrau im 19. Jahrhundert laufen. Ähnlich gekleidet sind auch die Greesen im Saarland.[3]

Das Hauptverbreitungsgebiet von Weiberfastnacht ist heute das Rheinland, die Eifel und der Hunsrück. Als Hochburg der rheinischen Wieverfastelovend gilt Köln; an diesem Tag wird der Straßenkarneval eröffnet.

„Die Vorfeier des Carnevals begann mit dem sogenannten Weiberfastnacht am Donnerstag vor demselben. Dann herrschte die ganz eigentümliche Sitte, dass Frauen und Mädchen sich untereinander die Hauben abrissen, was man Mötzenbestohl nannte. Nachmittags bewegte sich der Bellegeck, eine echt kölnische Maske, mit vielen Schellen behängt, in den Straßen herum […]“

Abschnitt „Der Carneval in Köln vor 1823“ aus Köln Walters Werk

Vorläufer der heutigen Wieverfastelovend ist das Mötzebestot der Marktfrauen auf dem Alter Markt in Köln im 18. Jahrhundert. Beteiligt haben sich daran die Marktfrauen und die Arbeiterinnen. Pünktlich um 12 Uhr rissen sich die Frauen ihre Haube, die Mötz, vom Kopf und schmissen sie - oft zusammen mit Kohlköpfen - durch die Gegend. Damit waren die Frauen nicht mehr "unter der Haube" und erlaubten sich manche Freiheiten.[4]

Beueler Damenkomitee, ca. 1900

Im Bonner Stadtteil Beuel feiern traditionell die Frauen die Beueler Weiberfastnacht. Einen Tag im Jahr ruhte die Arbeit in den Beueler Wäschereien, und zwar am Donnerstag vor Karneval. 1824 schlossen sich die Beueler Wäscherinnen zum Alten Damenkomitee von 1824 e. V. zusammen, um eine Teilnahme am bislang rein männlichen Karneval zu erfechten. Während anderswo die Weiberfastnacht nur eine Vorfeier ist, wurde und blieb sie in Beuel die Hauptsache. Auch heute noch stürmt nach einem großen Weiberfastnachtsumzug die Beueler Wäscheprinzessin mit ihrem Damenkomitee das Beueler Rathaus und übernimmt symbolisch die Macht. Der Sturm auf das Rathaus wird vom WDR Fernsehen live übertragen. Die Erstürmung der Rathäuser durch die Frauen ist in vielen Städten und Gemeinden im Rheinland und in Westfalen Tradition geworden.

Möhne in Düsseldorf, 2011

Im gesamten Rheinland gilt Weiberfastnacht als inoffizieller Feiertag, an den meisten Arbeitsplätzen wird ab mittags nicht mehr gearbeitet. Die Feiern beginnen meist um 11:11 Uhr. Im Unterschied zum Rosenmontag und den anderen Tagen gibt es in der Regel an Weiberfastnacht keine Umzüge, es wird kostümiert in den Kneipen und auf den Straßen gefeiert. Es ist an diesem Tag seit Mitte des 20. Jahrhunderts Brauch, dass Frauen den Männern die Krawatte als Symbol der männlichen Macht abschneiden. So laufen die Männer nur noch mit einem Krawattenstumpf herum, wofür sie mit einem Bützchen (Küsschen) entschädigt werden. Sofern der Träger der Krawatte dem Abschneiden nicht zuvor zugestimmt hat, kann eine Eigentumsverletzung vorliegen, wie das Amtsgericht Essen zugunsten eines Klägers entschied, dem als Kunde eines Reisebüros in Essen die Krawatte abgeschnitten wurde. Das Einverständnis könne allerdings unterstellt werden, wenn er sich im Karnevalstreiben befände und mitfeiere – und wissen müsste, dass dieser Brauch an Weiberfastnacht verbreitet ist.[5]

Alemannisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bereich der schwäbisch-alemannischen Fastnacht wird die Weiberfastnacht an unterschiedlichen Terminen gefeiert. So gibt es zum Beispiel am zweiten Januar-Wochenende in Meisterschwanden in der Schweiz die Meitli-Zyt, wo die Frauen für drei Tage die Herrschaft übernehmen und die Männer mit ihren Grasbogen einfangen.[6] In verschiedenen Schweizer Städten feiert man den Einzug der Wyber (Weiber), die durch Sprüche oder ähnliches zum Ärgern motiviert werden. In der Gemeinde Mels feiert man das Ih-Huttle, in Walenstadt gibt es die Röllis.

In einigen Orten hat sich aus den Weiberzechen heraus ein Damenkaffeeklatsch entwickelt. Das ist zum Beispiel in Überlingen[7] oder in Bad Säckingen[8] der Fall.

Der Donnerstag vor Aschermittwoch, an dem im Rheinland Weiberfastnacht gefeiert wird, heißt hier Schmotziger oder Fettiger Donnerstag. Der Name erinnert daran, dass der Donnerstag der Haupt-Schlachttag war, an dem vor den Feierlichkeiten der Fastnacht und vor der Fastenzeit geschlachtet und gebacken wurde.

Datum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weiberfastnacht findet im Rheinland immer am Donnerstag vor Aschermittwoch statt, welcher immer am 46. Tag vor Ostersonntag ist. Der frühestmögliche Termin ist der 29. Januar, der spätestmögliche ist der 4. März.

  • 2017: 23. Februar
  • 2018: 08. Februar
  • 2019: 28. Februar
  • 2020: 20. Februar
  • 2021: 11. Februar
  • 2022: 24. Februar

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Renate Matthaei: Matronen, heilige Jungfrauen und wilde Weiber. Zur Geschichte der Kölner Weiberfastnacht. Landpresse, Weilerswist 2001, ISBN 3-935221-05-3.
  • Petra Pluwatsch: Weiberfastnacht. Die Geschichte eines ganz besonderen Tages. KiWi, Köln 2007, ISBN 978-3-462-03805-7.
  • Elisabeth Skrzypek: "Toll trieben es die Weiberschaften..." Frauen feiern die fünfte Jahreszeit, Reutlingen 2016, ISBN 978-3-88627-691-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Weiberfastnacht – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Elisabeth Skrzypek: "Toll trieben es die Weiberschaften" Frauen feiern die fünfte Jahreszeit. Reutlingen 2016, S. 232 f.
  2. Hans Moser: Städtische Fastnacht des Mittelalters. In: Volksleben. Band 18, 1967, S. 189.
  3. Rainer Müller: Unsere Faasenacht. 400 Jahre närrisches Treiben im Saarland. Saarbrücken 1984, S. 15 f.
  4. Petra Pluwatsch: Weiberfastnacht. Die Geschichte eines ganz besonderen Tages. Köln 2007.
  5. Schadensersatz für abgeschnittenen Schlips an „Weiberfastnacht“ – kostenlose-urteile.de
  6. Home - Meitlisonntag Vereinigung Fahrwangen. Abgerufen am 1. März 2017 (de-de).
  7. Frauenkaffee - Home. Abgerufen am 1. März 2017 (deutsch).
  8. Elisabeth Skrzypek: "Toll trieben es die Weiberschaften" Frauen feiern die fünfte Jahreszeit. Reutlingen 2016.