Weisses Buch von Sarnen

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Das Weisse Buch von Sarnen

Das Weisse Buch von Sarnen wurde von 1470 bis 1472 vom Obwaldner Landschreiber Hans Schriber[1] handschriftlich auf Papier verfasst mit Nachträgen von ihm bis 1474 sowie Nachträgen von 5 weiteren Händen von 1481 bis 1607. Es wird im Staatsarchiv von Obwalden im Hexenturm in Sarnen aufbewahrt (Signatur: A.02.CHR.0003).

Inhalt[Bearbeiten]

Hexenturm in Sarnen

Das Weisse Buch von Sarnen enthält im ersten Teil von etwa 350 Seiten Abschriften von für Obwalden relevanten Urkunden und Verträge aus der frühen Eidgenossenschaft. Die Texte handeln von verschiedenen Städten, Orten, Fürsten, Bischöfen, französischen und deutschen Königen, Entscheide zum Fischen, der Regelung der Schifffahrt von Alpnach nach Luzern (von 1424), der Regelung der Grenzen zum Entlebuch sowie anderen Dokumentabschriften ab 1315.

Der zweite Teil von 22 Seiten bzw. 706 Zeilen beschreibt die Geschichte der Urner, Schwyzer und Unterwaldner. Das Buch greift auf ältere Vorlagen zurück, die in einzelnen Teilen bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen. Auf 66 Zeilen des zweiten Teils werden die später immer wieder ausgeschmückten Sagenmotive beschrieben, untermauert von Personen- und Ortsnamen. Hier finden sich die ältesten Darstellungen der verschiedenen Elemente der Befreiungssagen: böse Vögte, welche ihre ihnen zustehenden Kompetenzen überschritten haben, gequälte Untertanen und verschiedene geheime Zusammenkünfte auf dem Rütli.

So berichtet es von einem «Thall» (Wilhelm Tell) und einem «Gijssler» (Hermann Gessler), «dero von Urij und Schwijtz landvogt», der bei der Linde in Altdorf einen Hut auf eine Stange hat stecken lassen.

Name[Bearbeiten]

Der Name des Buches könnte sich durch seinen Einband aus weiss-bräunlichem Schweinsleder erklären. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass der Name daher rührt, dass das Buch unterweisen sollte, nämlich über Rechtsverhältnisse (erster Teil) und mythisch-historische Ereignisse (zweiter Teil).[2]

Geschichte und Rezeption[Bearbeiten]

Der Chronist Petermann Etterlin übernahm Texte aus dem Weissen Buch, insbesondere die Tell-Geschichte, in seine eidgenössische Chronik von 1507. Auch der Glarner Aegidius Tschudi hatte im 16. Jahrhundert die Sarner Chronik mit einigen ihm bekannten Urkunden in sehr freier Weise vereinigt und zu einer für Jahrhunderte massgebenden Schweizergeschichte, dem Chronicon Helveticum, umgestaltet. Über den Wirklichkeitsgehalt dieser aus verschiedensten Quellen zusammengesetzten Erzählungen besteht keine Klarheit. Durch das Drama Wilhelm Tell von Friedrich Schiller wurde die Geschichte des Wilhelm Tells weltberühmt. Der ursprüngliche Autor der Tell-Geschichte, Hans Schriber, geriet in Vergessenheit.

Das Weisse Buch wurde im Oktober 1854 «auf dem Dachboden, in Bergen von alten Akten» wiederentdeckt. Der Zürcher Staatsarchivar Gerold Meyer von Knonau wurde damals nach Sarnen gerufen und erkannte sofort, um welch unschätzbaren Fund es sich handelte. Auf dem Buchdeckel aus weissem Schweinsleder war handschriftlich vermerkt: «Das sogenante älteste weiße Buch oder Abschriften der alten Bündnüßinen». Im Anschluss erfuhr auch der Zürcher Geschichtsprofessor Georg von Wyss vom Fund. Beide wollten als Entdecker des Buches gelten und stritten um die Erstveröffentlichung.[3] Erst 1928 identifizierte der Nidwaldner Staatsarchivar Robert Durrer im Historisch-Biografischen Lexikon der Schweiz Hans Schriber als eigentlichen Verfasser der Chronik und der Tellsgeschichte.[4]

Seit 2012 kann der gesamte Text des Weissen Buches als Faksimile online eingesehen werden, siehe Abschnitt Weblinks. Für den Chronik-Teil liegt eine Transkription vor.

«Das Weisse Buch von Sarnen ist für die nationale Identitätsfindung der Schweiz ein bedeutendes Werk», schrieb der Historiker Roger Sablonier.[5] Der Germanist Peter von Matt schrieb in Bezug auf den Autor des Buches: «Kein Schweizer Autor hat je ein Werk von grösserer Wirkung verfasst.»[5]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Angelo Garovi: Schriber, Hans im Historischen Lexikon der Schweiz
  2. Vorwort zu Das Weisse Buch von Sarnen. Text des chronikalischen Teils, siehe Weblinks
  3. Tells Geschichte reist nach Zürich, Artikel der Zentralschweiz am Sonntag vom 6. April 2014
  4. Angelo Garovi 2013, siehe Weblinks
  5. a b Das Weisse Buch von Sarnen im Landesmuseum Zürich vom 5. April bis 4. Mai 2014 (PDF), Medienmitteilung des Kantons Obwalden vom 10. Februar 2014