Rütli

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Die Rütliwiese von Brunnen aus gesehen
Die Rütliwiese aus einer anderen Perspektive
Das Ortsschild bei der Rütliwiese in den vier Landessprachen der Schweiz (Deutsch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch) sowie in englischer Sprache
Luftbild von 1951

Das Rütli («kleine Rodung», auch: Grütli, daher franz. le Grütli[1]) ist eine Bergwiese (ca. 480 m ü. M.) auf dem Grund der Urner Gemeinde Seelisberg in der Schweiz am westlichen Ufer des Urnersees, eines Arms des Vierwaldstättersees. Auf dieser Wiese soll der Legende nach das Bündnis der drei Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden (Ob- und Nidwalden) geschlossen worden sein, der so genannte Rütlischwur.

Geschichte, Legende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rütli Wiese 1887 als Bleistift-Zeichnung von Wilhelm Kretschmer

Es ist nicht bekannt, zu welchem Zeitpunkt und auf welche Weise die Vertreter von Uri, Schwyz und Unterwalden den Beistandspakt besiegelt haben sollen. Ein Rütli – am Mythen – wird erst 1307 erwähnt. Dort hätten die Urner nachts zu den Schwyzern stossen können, um im Morgengrauen nördlich ins Territorium des Klosters Einsiedeln einzufallen.

Als «Wiege der Schweiz» hat die etwa fünf Hektar grosse Wiese den Charakter eines Nationaldenkmals. Auf dem Rütli finden sich ein Gasthaus, eine Picknickwiese, der Dreiländerbrunnen und eine kleine Ausstellung zur Geschichte des Ortes. Über eine Anlegestelle lässt sich das Rütli vom Urnersee aus erreichen, dagegen ist der Zugang von Land her zeitraubend und mühsam.

Ermöglicht wurde die Erhaltung des Rütlis in seiner historischen Form durch eine Sammlung der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG) im Jahr 1859, die damit das Gelände kaufte und der Schweizerischen Eidgenossenschaft als unveräusserliches Nationaleigentum unter dem Vorbehalt der Verwaltung durch die SGG übergab. Der Anstoss für diese Aktion war der Versuch, an dieser Stelle ein Hotel zu bauen. Damit wurde das Rütli, das alte Symbol für die Gründung der alten Eidgenossenschaft, zwölf Jahre nach dem Sonderbundskrieg zum Symbol des neu entstandenen liberalen Bundesstaates. In der Folge verteilte die SGG 100'000 Grafiken vom Rütli an Schulkinder der Schweiz. Der bereits früh entstandenen Legende, dass die Schulkinder für das Rütli gesammelt hätten, wurde nicht entgegengetreten; sie verstärkte die Identifikation mit dem Rütli und damit mit der (modernen) Schweiz.

Dass die Bedeutung des Rütlis über die Schweiz hinausreicht, zeigen neben den internationalen Besuchern auch die zahlreichen kulturellen Auseinandersetzungen mit dem Rütli, von Friedrich Schiller über Queen Victoria bis zu Mark Twain. Seit der 700-Jahr-Feier 1991 ist das Rütli ein Höhepunkt des Wanderwegs Weg der Schweiz rund um den Urnersee.

Rütlirapport, Rütlifeier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Tradition als nationales Symbol und der Einheit während der Bedrohung durch die Achsenmächte im Zweiten Weltkrieg fand am 25. Juli 1940 auf dem Rütli der Rütlirapport durch General Henri Guisan statt.

Seit den späten 1940er Jahren findet unter der Ägide der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG) alljährlich am 1. August eine Bundesfeier auf dem Rütli statt, jeweils im ähnlichen Rahmen und mit einer Ansprache im Zentrum.

Im Jahr 1975 hielt erstmals eine Frau die Festansprache, die Urner Landrätin Hildegard Simmen-Schmid. Als erster Redner, welcher nicht aus den Innerschweizer Kantonen kam, sprach beim Jubiläum 1991 der damalige Nationalratspräsident Ulrich Bremi. Die Luzernische Ständerätin Josi Meyer war die erste Frau mit einer nationalen Funktion[2] und im 2005 sprach mit Samuel Schmid erstmals ein Bundespräsident.

Die Rütlifeier wurde ab Ende des 20. Jahrhunderts häufiger durch Rechtsextreme gestört. Im Jahr 2004 wurde anstelle einer Bundesfeier Schillers Wilhelm Tell durch das Deutsche Nationaltheater Weimar aufgeführt und es gab nur eine kurze Begrüssungsrede durch Judith Stamm von der SGG.[3] Den Höhepunkt weiterer Störungen bildete die Feier vom 1. August 2005, an der Bundespräsident Samuel Schmid beschimpft und niedergeschrien wurde. Aufgrund dieser Vorkommnisse wurde der Zugang zur Feier 2006 von einem Grossaufgebot der Polizei kontrolliert. Seit diesem Jahr benötigen die Besucher Zutrittskarten.

Im Jahr 2007 begrüssten mehr als 2000 Personen als erste Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey auf dem Rütli, welche gemeinsam mit der Präsidentin des Nationalrates Christine Egerszegi auftrat. Im Vorfeld erschienen in ausländischen Medien laut NZZ inkonsistente («Die Rütli-Geschichte der Neuzeit wird jedoch in jedem Blatt anders erzählt») Berichte über einen «Zank». Die New York Times,[4] der spanische El Mundo, der französische Le Monde und die Wiener Zeitung nahmen das Thema auf. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb, es handle sich dabei um «eine konservative Männerriege in Bern und den Kantonen, die versuche, die erste Rede von Frauen sowie einer sozialdemokratischen Bundespräsidentin an der Traditionsstätte der Eidgenossenschaft zu verhindern». Auch das österreichische Radio sprach von einem «Wahlkampfgeplänkel».[5] Die WOZ schrieb, die acht anwesenden Nazis hätten «die Rolle von Zooaffen» für hundert Journalisten inne gehabt.[6]

Im Februar 2008 wurde im Kanton Uri eine Volksinitiative eingereicht, welche verlangte, dass keine nationalen Bundesfeiern auf dem Rütli mehr bewilligt werden dürfen. Genehmigt werden sollten nur Feiern der Gemeinde Seelisberg, bei denen keine ausserkantonalen Festredner auftreten. Die Initiative wurde später als ungültig erklärt.

2008 hielt der Urner Regierungsrat Josef Dittli die Rede, 2009 der Germanist und Schriftsteller Peter von Matt. Im Jahr 2010 war die Festrednerin Annemarie Huber-Hotz, die Präsidentin der SGG. In diesem Jahr feierte die SGG ihr 200-Jahr-Jubiläum; es war aber auch das 150-Jahr-Jubiläum der Schenkung des Rütlis an die Schweizerische Eidgenossenschaft.

Seit dem Jahr 2011 lädt die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft (SGG) zur Gestaltung der Bundesfeier vom 1. August jeweils bedeutende Schweizer Organisationen und eine Person für die Festrede ein:[2]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Rütli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die älteste überlieferte Schreibung (um 1470) ist im rüdlin, zu mhd. riuten "reuten, roden"; die deutsche Schreibung Grütli taucht im 19. Jahrhundert nur gelegentlich auf.
  2. a b Liste der FestrednerInnen seit 1949, Internetseite Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft, abgerufen am 31. März 2020
  3. «Wilhelm Tell» als Bundesfeier auf dem Rütli. NZZ, 24. Juli 2004.
  4. John Tagliabue: In Peaceful Switzerland, Trouble at a Historic Meadow. In: New York Times, 23. Juli 2007.
  5. Simon Gemperli: «Swiss shrine of freedom under fire». Wie ausländische Medien den Streit ums Rütli deuten. In: Neue Zürcher Zeitung. 24. Juli 2007.
  6. Wir waren die Rütli-Nazis. WOZ, 26. Juli 2007.
  7. Bundesfeier 2020 auf der Website der SGG, abgerufen am 9. Juli 2020

Koordinaten: 46° 58′ 8″ N, 8° 35′ 34″ O; CH1903: 687828 / 202625