Weltchronik

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Heinrich von München: Weltchronik, Bayern um 1400

Eine Weltchronik war ein für die Spätantike und das Mittelalter typisches Geschichtswerk, das den Anspruch erhob, die gesamte Weltgeschichte von der „Erschaffung der Welt“ oder des Menschen über die Antike bis in die jeweilige Gegenwart des Chronisten zu schildern. Charakteristisch ist die Verflechtung biblischer und profaner Ereignisse, wodurch die Weltgeschichte als Heilsgeschichte gedeutet wird. Den Schwerpunkt der Darstellung bildeten meist die Herrschergeschichten der griechisch-römischen und der christlichen Ära.

Die ältesten Fragmente einer Weltchronik stammen aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. und sind als Leipziger Weltchronik eines anonymen (vielleicht christlichen) Autors bekannt. Die christliche Chronographie setzte vor allem mit Sextus Iulius Africanus im 3. Jahrhundert ein. Weitere Beispiele für antike Weltchroniken sind die Chronik des Eusebius von Caesarea, Johannes Malalas und das Chronicon Paschale. Bedeutend sind außerdem byzantinische Weltchroniken, wie die des Georgios Synkellos und des Theophanes aus dem 9. Jahrhundert; im 12. Jahrhundert schrieb Johannes Zonaras eine populäre Chronik.

Im lateinischen Mittelalter wurden, oft aufbauend auf der Eusebius-Bearbeitung des Kirchenvaters Hieronymus, ebenfalls zahlreiche Weltchroniken verfasst. Viele davon (wie etwa die Chronica sive Historia de duabus civitatibus des Otto von Freising) versuchten ihrer Zeit einen Platz im göttlichen Heilsplan zuzuweisen. Weitere bedeutende Werke sind die Chroniken des Richer von Reims, des Frutolf von Michelsberg und seines Fortsetzers Ekkehard von Aura, des Annalista Saxo (aus dem Kloster Berge zu Magdeburg) oder des Gottfried von Viterbo. Für die spätmittelalterliche Entwicklung charakteristisch sind die Werke eines Vinzenz von Beauvais, eines Martin von Troppau oder die anonymen Flores temporum. Von den volkssprachlichen Chronisten fanden Rudolf von Ems, Heinrich von München, Jans der Enikel oder Heinrich Taube von Selbach zahlreiche Leser. Am Ende des Mittelalters zeugt die Schedelsche Weltchronik (Nürnberg), die gedruckt sowohl in deutscher als auch in lateinischer Sprache veröffentlicht wurde, vom anhaltenden Interesse an dieser Gattung der Historiographie.

Literatur[Bearbeiten]

  • William Adler: Time immemorial. Archaic history and its sources in Christian chronography from Julius Africanus to George Syncellus (= Dumbarton Oaks Studies. Bd. 26). Dumbarton Oaks Research Library and Collection, Washington DC 1989, ISBN 0-88402-176-9.
  • Richard W. Burgess, Michael Kulikowski: Mosaics of Time. The Latin Chronicle Traditions from the First Century BC to the Sixth Century AD. Band 1: A Historical Introduction to the Chronicle Genre from its Origins to the High Middle Ages (= Studies in the early Middle Ages. Bd. 33). Brepols, Turnhout 2013, ISBN 978-2-503-53140-3.
  • Anna-Dorothee von den Brincken: Studien zur lateinischen Weltchronistik bis in das Zeitalter Ottos von Freising. Triltsch, Düsseldorf 1957 (Zugleich: Münster, Universität, Dissertation, 1956).
  • Heinrich Gelzer: Sextus Julius Africanus und die byzantinische Chronographie. 2 Teile in 1 Band (in Lieferungen). Hinrichs, Leipzig 1880–1898 (Nachdruck. Gerstenberg, Hildesheim 1978, ISBN 3-8067-0748-0).
  • Karl H. Krüger: Die Universalchroniken (= Typologie des sources du moyen age occidental. Bd. 16, ISSN 0775-3381). Brepols, Turnhout 1976.
  • Martin Wallraff (Hrsg.): Welt-Zeit. Christliche Weltchronistik aus zwei Jahrtausenden in Beständen der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena. de Gruyter, Berlin u. a. 2005, ISBN 3-11-018480-X.

Weblinks[Bearbeiten]