Wenger Carrosserie/Fahrzeugbau

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Carrosserie A. Wenger & Cie.
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Rechtsform Kommanditgesellschaft[1]
Gründung 1919
Sitz Basel, SchweizSchweiz Schweiz
Leitung Arno Wenger[2]
Website www.carrosserie-wenger.ch

Firmengelände in der Anfangszeit
Nutzfahrzeug mit Pritsche für die Firma Fleig
Firmenfahrzeug für die Firma Maggi
Unfallschaden an einem Taxi
Standort Allschwilerstrasse
Standort Klingentalstrasse

Die Carrosserie A. Wenger & Cie. ist ein Schweizer Familienunternehmen, das in Basel ansässig ist und in der vierten Generation in privater Hand geführt wird. Das Unternehmen wurde 1919 als Wagnerei von Dominique Wenger gegründet.

In den Gründerjahren war die Unternehmung für Lastwageninnenausbauten und -aufbauten bekannt. Später kamen Sattlerarbeiten, Einbau von Schiebedächern, Umbau von Personenwagen zu Lieferwagen bis hin zum Bau von Stahlkabinen für Geländewagen hinzu. Inzwischen konzentriert sich der Betrieb auf die Bereiche Karosserie- und Fahrzeugbau. Wenger ist das einzige verbliebene Unternehmen in Basel, das Fahrzeugaufbauten herstellt, und einer der grössten Karosseriebetriebe in der Region Basel.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1910er bis 1940er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dominique Wenger gründete nach seinem Diplomabschluss als Wagner in Paris und einigen Wanderjahren als Wagnermeister sein eigenes Unternehmen. Den Erfahrungsschatz für das Gründungsvorhaben erarbeitete er sich als Leiter in einer Wagnerei in Strasbourg und später in einer Karosserieunternehmung als Leiter Fahrzeugbau in Bellinzona. Während des Ersten Weltkrieges stieg die Nachfrage nach Nutzfahrzeugen rapide an, da sich die Strasse neben den klassischen Transportwegen wie Schifffahrt oder Eisenbahn schnell weiterentwickelte. Von dieser Entwicklung – und als neutrales Land unabhängig vom Kriegsgeschehen – profitierte die Schweiz. Sie transportierte viel Kriegsmaterial mit Nutzfahrzeugen ins Ausland oder exportierte Lastwagen in die umliegenden Länder. Diesen Trend bemerkte auch der Lastwagenbauer Saurer, der seine Produktion massiv steigern konnte. 1914 stellte Saurer in Arbon als nunmehr wichtigster Lastwagenhersteller in der Schweiz Dominique Wenger als ersten Wagnermeister ein. Bis dahin produzierte die Unternehmung nur die Mechanik und die fahrbaren Chassis mit Motor für Lastwagen. Mit dem erfahrenen Wagnermeister Dominique Wenger ergaben sich jedoch neue Möglichkeiten, insbesondere im Verkauf von kompletten Nutzfahrzeugen mit Aufbauten nach Kundenwunsch.

Das Kriegsende führte in der Schweiz zu einem Produktionsrückgang. Dominique Wenger entschied sich 1919, am grenznahen Standort Basel eine Wagnerei als eigenes Unternehmen zu gründen. Das Betriebsgelände hatte das Jungunternehmen zu Beginn an der Hochstrasse in Basel, hinter dem Bahnhof SBB, wo sich heute das Ausbildungszentrum der UBS befindet. 1924 bezog Wenger die neu gekauften Werkstätten an der Allschwilerstrasse 15 im Gotthelf-Quartier. Hier wurden der Wagnerei bald eine Karosseriespenglerei, eine Autolackierabteilung, eine Autosattlerei sowie der Fahrzeugbau angegliedert. Die Grundlagen der Unternehmung unter der Leitung von Dominique Wenger waren der Umbau von älteren Personenwagen zu Lieferwagen, Neuaufbauten von Limousinen-Karosserien mit dem ganzen Innenausbau sowie Liefer- und Lastwagenaufbauten. Auch Lastwagenkabinen und Brückenaufbauten entstanden nach den Plänen von Dominique Wenger. Insbesondere während der Krisenjahre war das Militär ein wichtiger Kunde.

1950er bis 1970er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1950er Jahren übernahm Maurice Wenger mit seinem Bruder René Wenger das Unternehmen. Maurice Wenger als diplomierter Sattlermeister und René Wenger als Kaufmann teilten sich die Aufgabengebiete. Zu dieser Zeit, nach dem Zweiten Weltkrieg, fertigte das Unternehmen Cabriolet-Verdecke, Schiebedächer nach eigenem Patent und Innenpolsterungen. Zwischen 1947 und 1984 fertigte Wenger über 1000 Stahlkabinenaufbauten für die damals offenen Jeep- und Geländewagen. Eine grosse Bestellung mit 30 Kabinen wurde bis in den hohen Norden zu einem Kunden nach Finnland geliefert.

1958 wurde eine 80°-Einbrennkabine an der Allschwilerstrasse in Betrieb genommen. 1970 folgten zwei weitere Spritzkabinen. Optisch wurde auch die Front des Firmengeländes zur Allschwilerstrasse modernisiert und mit einem grossen Schaufenster versehen, um Qualitätsarbeiten, Oldtimer und Sonderanfertigungen auszustellen. Auch interessante Vernissagen oder Kunstausstellungen fanden dort Platz. Bekannt war auch die eingemietete Metzgerei der Bell AG, die das Basel-Gotthelf-Quartier mit ihren Produkten versorgte. 1964 kamen an der Klingentalstrasse 77 im Kleinbasel eine Karosseriespenglerei mit Autolackierabteilung und 1971 der Fahrzeugbau für schwere Nutzfahrzeuge in Reinach BL als weitere Firmenstandorte hinzu.

1980er bis 2000er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis in die 1980er Jahre beschäftigte das Unternehmen bis zu 70 Mitarbeiter unter der Betriebsleitung von César Weissen. Der Geschäftsmann war für alle drei Standorte zuständig und führte die Integration der Carrosserie Heimburger in das Unternehmen in den 1990er Jahren durch.

Mit dem Kauf des ganzen Areals an der Klingentalstrasse 77 im Jahre 1984, dem heutigen Standort, wurde die Möglichkeit geschaffen, zukünftig die ganzen Dienstleistungen der Unternehmung an einem Ort zu bündeln. Nach dem Standort Reinach wurden auch die Aktivitäten am Firmengelände an der Allschwilerstrasse ganz an den Hauptsitz an die Klingentalstrasse verlegt.

2000er Jahre bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn des neuen Jahrtausends führte mit Ruedi Wenger die dritte Generation ein strenges Qualitätsmanagement in das Unternehmen ein. Der diplomierte Karosserietechniker verbesserte neben der umweltfreundlichen Wärmezufuhr durch Fernwärme der IWB nicht nur die Heiztechnik, sondern modernisierte auch die elektrischen Anlagen sowie die Tore und Fenster. Neben dem Neubau der Spenglerei 2002 folgte der Einzug in einen neuen Verkaufsraum und 2004 in den neuen Empfang mit Büro und Showplatz im Neubau zur Klingentalstrasse. In dieser Zeit erfolgte die Zertifizierung als VSCI-Eurogarant-Betrieb.

2009, zum 90-jährigen Firmenjubiläum, übernahm Arno Wenger die Leitung des nunmehr einzigen Fahrzeugbaubetriebes in der Stadt Basel. Der diplomierte Betriebsökonom, der nach seinem Studium 2004 und dem Besuch der Ferdinand-Braun-Schule für Karosserie- und Fahrzeugbau in Fulda in den väterlichen Betrieb einstieg, obliegt neben der kaufmännischen Leitung auch die Leitung der Abteilung Fahrzeugbau.

Karosserie-Abteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spenglerarbeiten an Karosserien waren bereits zu Beginn der Unternehmung eine der Haupttätigkeiten des Betriebes. Im Laufe der Jahre kamen Verdecke für Limousinen und Sattlerarbeiten hinzu. Heute sind neben Unfallreparaturen wie Blech-, Aluminium-, Kunststoff- und Glasreparaturen auch Lackier- und Unterhaltsarbeiten die wesentlichen Aufgaben des Karosserienbereichs. Alle diese Arbeiten werden für PKW und Nutzfahrzeuge angeboten.

Fahrzeugbau-Abteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Wenger aufgebaut: Monteverdi Sierra (1977–1982)

Der Bereich Fahrzeugbau ist von Anfang an ein wichtiger Teil der Tätigkeiten des Unternehmens. Baute man zu Beginn hauptsächlich Pritschenaufbauten, waren es in der Nachkriegszeit vor allem Geländewagenaufbauten, die grosse Nachfrage hatten. Später waren neben kleineren Nutzfahrzeug- auch Lastwagenaufbauten im Angebot. Wenger konzentriert sich vorrangig auf Nutzfahrzeuge mit einem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen und bietet neben Fahrzeugaufbauten auch Anhänger an. Neben normalen Ein- oder Zweiachsanhängern sind dies Sattelanhänger. Das heutige Angebotsspektrum bei den Fahrzeugaufbauten reicht von Kippern, Brücken und Pritschen über Planen- bis hin zu Kofferaufbauten. Auch für Kühlfahrzeuge werden Kofferaufbauten und Kastenausbauten gefertigt.

Für den öffentlichen Dienst bietet das Unternehmen z. B. Aufbauten für den kommunalen Einsatz an. Auch Polizeifahrzeuge, Gefangenentransporter oder Fahrzeuge für die Grenzwache werden ausgerüstet. Den Ausbau von Feuerwehrfahrzeugen und der Bau von Wechselladebehälter runden das Angebot für den öffentlichen Dienst ab.

Zur Produktpalette des Unternehmens im Fahrzeugbaubereich gehört auch der Innenausbau von Fahrzeugen. So bietet Wenger unterschiedliche Regalssysteme, Werkbänke, Halterungen und Gitter zur Befestigung des Transportguts an.

Zeitweise montierte Wenger komplette Fahrzeuge für Automobile Monteverdi.[4] Insgesamt entstanden etwa 20 Monteverdi Sierra bei Wenger.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Donald Brun: 50 Jahre Verband der Schweizerischen Carrosserie-Industrie 1919-1969. Hallwag, Bern 1969, Seite 41 (Herstellung des Salmson Sport 1923).
  • Schweizerischer Carrosserieverband VSCI (Hrsg.): Schweizerische Carrosseriegeschichte von 1919-1994: kreativ und sicher. Huber, Frauenfeld 1994, Seite 78 (Herstellung des Monteverdi 375S Berlineta).
  • Klaus Fischer: Feuerwehrfahrzeuge in der Schweiz. Verlag Technik, Berlin 2000, Seite 70.
  • Andres Furger: Kutschen und Schlitten in der Schweiz. Neue Zürcher Zeitung, Zürich 1993, Seite 288.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wenger Basel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Handelsregister Basel
  2. Persönlichkeiten
  3. Wenger Carrosserie/Fahrzeugbau (Memento vom 13. April 2011 im Internet Archive)
  4. Bericht in der Swiss Classics Revue, Nr. 20-4, Dezember 2008, Seite 38 (auch online verfügbar) abgerufen am 24. Februar 2012
  5. Bericht auf Allpar.com (englisch) abgerufen am 24. Februar 2012

Koordinaten: 47° 33′ 53″ N, 7° 35′ 50″ O; CH1903: 611938 / 268244