Werner Türk

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Werner Türk (geboren am 1. Mai 1901 in Berlin; gestorben nach 1947) war ein deutscher Schriftsteller und Emigrant der Zeit des Nationalsozialismus.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werner Türk war der Sohn eines Berliner jüdischen Kaufmanns. Über seine Schulzeit ist nichts bekannt. Er studierte Musik, musste aber sein Studium wegen ökonomischer Schwierigkeiten abbrechen. In der Zeit der Inflation arbeitete er als Gehilfe eines Börsenmaklers, später als Angestellter in einem Konfektionsbetrieb und als Kontorist in einer Bank. Türk schrieb für verschiedene Tageszeitungen, so für das Berliner Tageblatt, die Arbeiter Illustrierte Zeitung oder auch Die Rote Fahne.[1] Um 1930 wurde er Mitglied des Schutzverbandes deutscher Schriftsteller.[2] Seine beruflichen Erfahrungen verarbeitete er in seinem Roman „Konfektion“. Im März 1933 emigrierte er nach Prag. Er gehörte zu den Autoren, deren Bücher am 10. Mai 1933 verbrannt wurden. In Prag schrieb er den Roman „Kleiner Mann in Uniform“, der den Weg eines Kleinbürgers in die SA beschreibt. Ende 1936/37 reiste er nach Norwegen und arbeitete dort für den norwegischen Rundfunk. Er schrieb hier ein Buch über Mozarts Zauberflöte,[3] dass 1941 beschlagnahmt wurde.[4] Nach der deutschen Besetzung Norwegens durch die Wehrmacht 1940 floh er nach England. Als Deutscher wurde er hier auf der Isle of Man u. a. gemeinsam mit Alfred Sohn-Rethel[5] interniert und während des Krieges nach Australien deportiert.[6] 1947 erhielt er die britische Staatsbürgerschaft.[7] Er arbeitete als freier Autor in London. 1962 soll er noch gelebt haben.[8] Sein Todesdatum ist nicht bekannt.[9]

Stefan Zweig nannte ihn im März 1930 „einen der begabtesten der jungen Talente“.[10]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Arbeitslöwe. Arta Verlag, Berlin 1924.
  • Hyäne. Erzählung. Arta Verlag, Berlin 1926.
  • Das Tagebuch Richard Dehmels. In: Die Literatur. 29 Jg. 6. März 1927.
  • Kellernächte. In: Die Rote Fahne. Berlin 1928, Nr. 100–106 und 108.
  • Ein Arbeitslosen-Roman . Bruno Nelissen-Haken: „Der Fall Bundhund“. In: Berliner Tageblatt. 31. Oktober 1930.[11]
  • Konfektion. Roman. Agis-Verlag, Berlin/ Wien 1932.[12]
  • Ehe im Streik. In: Wieland Herzfelde (Hrsg.): Dreißig neue Erzähler des neuen Deutschland. Junge deutsche Prosa (1932). Malik Verlag, Berlin 1932, S. 144–170. (Nachdruck Röderberg Verlag, Frankfurt am Main 1983 Inhaltsverzeichnis)
  • Kleiner Mann in Uniform. Roman. Michal Kacha, Prag 1934.
    • Kleiner Mann in Uniform. Roman. (= Universum-Bücherei. 133 a). Universum-Bücherei für Alle, Basel 1934.
  • Der Sinn dieser Emigration. In: Die Neue Weltbühne. Jg. 3, 1934, Nr. 19, S. 588–591.
  • Erziehung vor Verdun. In: Die Neue Weltbühne. 7. November 1935.[13]
  • Dichter im Exil. In: Das Wort. III/5. Moskau 1938, S. 122–125.
  • Tryllefløten. Mozarts livseventyr fortalt for alle unge. Aschehoug, Oslo 1939, DNB 993454623.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Türk, Werner. In: Lexikon sozialistischer deutscher Literatur. Von Anfängen bis 1945. Monographisch-biographische Darstellungen. Verlag Sprache und Literatur, Halle (Saale) 1963, S. 492–493.
  • Türk, Werner. In: Proletarisch-revolutionäre Literatur 1918 bis 1933. Ein Abriß. (= Schriftsteller der Gegenwart. 9). Volk und Wissen, Berlin 1970, S. 324–325.
  • Frank Meyer: Schreiben für die Fremde. Politische und kulturelle Publizistik des deutschsprachigen Exils in Norwegen und Skandinavien 1933–1940. Klartext, Essen 2000, ISBN 3-88474-816-5, S. 141 ff.
  • Zlata Fuss Phillips: German's children's and youth literature in exile 1933–1950. Biographies and bibliographies. De Gruyter Saur, Berlin/ Boston 2011, S. 250 f. (Digitalisat)
  • Volker Weidermann: Das Buch der verbrannten Bücher. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2015. Digitalisat

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zlata Fuss Phillips, S. 250.
  2. Lexikon sozialistischer deutscher Literatur. S. 492.
  3. Tryllefløten. Mozarts livseventyr fortalt for alle unge.
  4. Zlata Fuss Phillips, S. 251.
  5. Stefan Berkholz: Ein Marxist in der Höhle der Kapitalisten. Ein Besuch bei dem Sozialphilosophen Alfred Sohn-Retnel. In: Die Zeit. 24. November 1989.
  6. Lexikon sozialistischer deutscher Literatur. S. 492.
  7. Zlata Fuss Phillips.
  8. Proletarisch-revolutionäre Literatur 1918 bis 1933. S. 2 und 325.
  9. P.E.N. Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland. In memoriam. Wir gedenken unserer verstorbenen Mitglieder. (Memento des Originals vom 7. Januar 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.exilpen.net
  10. Susanne Buchinger: Stefan Zweig – Schriftsteller und literarischer Agent. Die Beziehungen zu seinen deutschsprachigen Verlegern (1901–1942). Buchhändler-Vereinigung, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-7657-2132-8, S. 124.
  11. Bibliografischer Nachweis.
  12. Rezension von Siegfried Kracauer: Zu einem Roman aus der Konfektion. Nebst einem Exkurs über die soziale Romanreportage. In: Frankfurter Zeitung. 5. Juni 1932. (Literaturblatt) (Digitalisat)
  13. Rezension zu Erziehung vor Verdun.