Wertung

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Unter Wertung bzw. Bewerten versteht man Überlegungen und Feststellungen, wieweit ein Vorgang oder Sachverhalt, eine Eigenschaft von Objekten bzw. Personen oder eine Idee mit damit verknüpfbaren Wertvorstellungen übereinstimmt. Wertungen können je nach Situation, gesellschaftlichem Umfeld und beteiligten Personen stark voneinander abweichen.

Eine Alternative zur Wertung ist die wertfreie Beschreibung. Z. B. gibt es in der Wissenschaft neben normativen auch deskriptive Ansätze / Theorien; siehe Phänomenologie (Methodik).

Wertungen können basieren

  • auf bindenden Vereinbarungen (etwa im Rechtswesen) und/oder
  • auf mehrheitlich akzeptierten Vorstellungen, z. B. im Naturrecht
  • auf eigenen (praktischen) Erfahrungen oder auf Gelerntem (Erziehung, Überlieferung / Tradition)
  • auf individuellen oder gesellschaftlichen Idealen.

Religionsgemeinschaften haben einen Wertekanon; er basiert u. a. auf Schriften wie Bibel oder Koran bzw. auf deren Auslegung (Exegese).

Manche Beurteilungen basieren auf Messungen, beispielsweise in vielen Bereichen der Technik oder im Sport. Hier können subjektive Werturteile und Interpretationen in ein annähernd objektives Bild des Geschehens münden.

Technik und Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bewertungen im technischen Bereich (Materialien, Geräte, Methoden) erfolgen überwiegend auf Basis von Messungen oder auf einer Beurteilung nach Normen bzw. mit speziellen Prüfmitteln. Zu allgemeinen Qualitäts-Kriterien treten Eigenschaften wie Zuverlässigkeit und Genauigkeit, bei Materialien und Bauten die Bruchfestigkeit, Gefahrlosigkeit und verschiedene Aspekte der Haltbarkeit, bei Geräten vielfach die gute Benützbarkeit und ansprechendes Design, bei Messgeräten neben der Präzision auch Eigenschaften wie Verlässlichkeit, Temperaturbeständigkeit und Eichung.

Im Leistungssport basieren Wertungen überwiegend auf

  • exakter Zeitmessung -- z. B. bei Laufdisziplinen, Radrennen oder Schwimmen
  • auf Distanzmessungen -- z. B. Sprungbewerbe oder Kugelstoße
  • oder auf Zählungen (Tore/Netzwürfe im Fußball/Basketball, Fehler im Tennis usw.)

Weniger objektiv sind Bewertungen in Disziplinen, wo Stil, Schönheit oder Fairness eine große Rolle spielen -- etwa bei Tanzbewerben, Kunsteislauf oder im Boxen.

Kulturgeschichte und Wissenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Laufe der Kulturgeschichte sind Wertentscheidungen oft zu einem konstitutiven Element der Kultur geworden, insbesondere wenn sie innerhalb eines größeren Sozialsystems Sinnzuschreibungen festlegen. Umgekehrt besteht eine gesellschaftliche Kultur auch darin, Bewertungsmaßstäbe weiterzugeben oder der Zeit anzupassen, wie es etwa im Bereich der Menschenrechte, der Verhaltensweisen im Alltag oder der Bräuche erfolgt.

Zu den Wissenschaften, welche die Grundlagen von Bewertungen erarbeiten oder erforschen, gehören u. a.

Normung und Standardisierung hängen von vielen Faktoren ab; bei ihnen können z. B. ökonomische Interessen und Patentfragen eine Rolle spielen.

Definitionen nach Eisler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach R.Eisler (Wörterbuch der philosophischen Begriffe) besteht die Setzung des Wertens (Schätzens) [...] in der gefühlsmäßig-unmittelbaren oder urteilenden (beurteilenden) Beziehung eines Objects auf ein (wirkliches oder mögliches, einzelnes oder allgemeines) Wollen, Bedürfen, Zwecksetzen. Die Definition bezieht auch die Brauchbarkeit für einen zwecksetzenden Willen und das Bedürfnis des Beurteilers nach dem zu bewertenden Gegenstand ein.
Neben diesen subjektiven Bewertungsmaßstäben nennt Eisler auch allgemein-objective (allgemeingültige, anerkannte) Werte, die es für jedes gleichorganisierte Wesen sind oder sein sollen. Er unterscheidet ferner eingebildete und echte, wahre Werte sowie Eigen- und Fremdwert. Als Wertfundament bezeichnet er dasjenige, um dessentwillen etwas gewertet wird. Hinter dem Werturteil können wirtschaftliche, ethische, ästhetische und andere Werte stehen. Art und Intensität des Wertens unterlägen einem geschichtlichen Wandel und seien causale Factoren der Culturentwicklung. Etwas als unwert Erkanntes habe negativen Wert, nicht bloß einen Wertmangel.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur und Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der neue Brockhaus, 3. Auflage (v. a. Band V, Stichworte Wert...), Wiesbaden 1960
  • Rudolf Eisler, Wörterbuch der philosophischen Begriffe, siehe Stichwörter Wert, Wertschätzung etc.
  • H.P. Dürr, W. Pannenberg et al.: Weltauffassungen. Teil III (p.157-212) von Gott, der Mensch und die Wissenschaft, Pattloch 1997
  • Wikipedia-Artikel zu Wert, Qualität, Prüfung und techn.Themen