White Ship

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White Ship
Cotton Claudius dii, f45v. (12. Jahrhundert, British Library)

Cotton Claudius dii, f45v. (12. Jahrhundert, British Library)

p1
Schiffsdaten
Schiffstyp Segelschiff
Verbleib Am 25. November 1120 gesunken

White Ship (deutsch: Weißes Schiff; auf Anglonormannisch Blanche-Nef) war der Name eines normannischen Schiffes, das am 25. November 1120 im Ärmelkanal an der Küste der Normandie bei Barfleur sank. Unter den Opfern befand sich William Ætheling, der einzige legitime Sohn des Königs Heinrich I. von England.

Untergang[Bearbeiten]

Der Grund für den Untergang blieb unklar. Zu den verschiedenen Geschichten um ihn gehören ein Trinkgelage der Mannschaft und der Passagiere, es wird erwähnt, dass Priester an Bord nicht erlaubt waren, um das Schiff in der üblichen Art zu segnen.

William Ætheling

Ordericus Vitalis beschreibt den Untergang des White Ship im vierten Band der Historia ecclesiastica. Auf dem Schiff waren fast dreihundert Leute, darunter viele Barone. William Ætheling habe Wein ausgeteilt und die Besatzung sei betrunken gewesen. Das Schiff des Königs hatte zuerst abgelegt. Die betrunkene Meute verlangte nun vom Schiffsführer, das Schiff des Königs einzuholen. Vor lauter Eifer habe niemand auf das Meer geachtet, bis die linke Flanke des Schiffes einen Felsen rammte, der zwei Planken eindrückte. Wasser drang in das Schiff und es sank sehr schnell. Es gelang nur zwei Männern sich an der Rah festzuklammern, einem Metzger namens Bérold (oder Guéroult nach Wace[1]) aus Rouen und einem jungen Adligen namens Goisfred, dem Sohn von Gislebert de L’Aigle. Die Nacht war sehr kalt, nach ein paar Stunden verließen Goisfred die Kräfte und er sank in die Fluten. Am Morgen wurde Bérold als einziger von drei Fischern gerettet. Später an Land erzählte er einem Geistlichen, was passiert war.[2]

Wilhelm von Malmesbury schrieb: „Hier verschwand mit William auch Richard, ein anderer der Söhne des Königs [Heinrich I.], den eine Frau ohne Rang ihm vor seiner Thronbesteigung geboren hatte, ein tapferer Jüngling, und geliebt von seinem Vater wegen seines Gehorsams; Richard d'Avranches, 2. Earl von Chester und sein Bruder Otheur; Gottfried Ridel; Walter von Everci; Gottfried, Erzdiakon von Hereford; [Mathilde] die Gräfin von Le Perche, die Tochter des Königs; die Gräfin von Chester; [Lucia von Blois], des Königs Nichte; und viele andere...“

Das Schiffswrack wurde später geborgen. Die Leichen von Richard d’Avranches und einigen anderen wurden im Dezember in der Nähe von Mortain gefunden. Man erkannte sie nur noch an der Kleidung.[2]

Folgen[Bearbeiten]

Stephan von Blois, König Heinrichs Neffe, hatte das Schiff angeblich kurz vor dem Ablegen verlassen. Als Folge von Williams Tod gelangte er später auf den englischen Thron. Es entbrannte ein Erbfolgekrieg, in dem Stephan von Blois mit Matilda, Williams Schwester, um die Vorherrschaft stritt.

Moderne Rezeption[Bearbeiten]

In Ken Folletts Roman Die Säulen der Erde wird der Untergang des Schiffes thematisiert. Follett erfand als Ursache für das Unglück eine Verschwörungstheorie: Die anglo-normannischen Barone hätten erhofft, durch den Tod der Nachkommen Heinrichs Anarchie und eine Möglichkeit zur Vergrößerung ihrer Macht herbeizuführen. In den Romanen Das zweite Königreich und Hiobs Brüder von Rebecca Gablé wird das Schiff ebenfalls erwähnt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Victoria Chandler, The Wreck of the White Ship, in The final argument : the imprint of violence on society in medieval and early modern Europe, herausgegeben von Donald J. Kagay und L. J. Andrew Villalon (1998)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.gutenberg.org/files/24519/24519-h/24519-h.htm
  2. a b  Ordericus Vitalis: Histoire de Normandie. 4, J.-L.-J. Brière, Paris 1825-1827 (übersetzt von Louis-François Du Bois (1773-1855)), S. 353-361 (auf Gallica). (französisch)