Ken Follett

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Ken Follett

Ken Follett (* 5. Juni 1949 in Cardiff, Wales) ist ein britischer Schriftsteller, der seine Werke im Stil der klassischen Thriller-Dramaturgie verfasst. Follett wurde durch seinen Roman Die Nadel bekannt, der in 30 Sprachen übersetzt wurde. Dieses Werk verkaufte sich rund zwölf Millionen Mal, wurde mit dem Edgar Award ausgezeichnet und mit Donald Sutherland verfilmt. Bis heute konnte Follett weltweit über 130 Millionen Bücher verkaufen.[1]

Leben[Bearbeiten]

Ken Follett wurde als erstes von drei Kindern des Ehepaares Veenie und Martin Follett geboren. Als er zehn Jahre alt war, zog seine Familie nach London. Die streng religiösen Eltern erlaubten ihren Kindern weder Fernsehen noch Radio, und so lernte Follett schon früh lesen und vertiefte sich in die Geschichten und Erzählungen seiner Mutter. Viel Freude bereiteten ihm Bücher, und die Bücherei wurde zu seinem Lieblingsort. In London beendete er später seine Schullaufbahn. Anschließend studierte er Philosophie am University College London, da er als Teenager schon sehr an Religion interessiert war. Er hoffte, mit Hilfe der Philosophie die Frage der Existenz von Gott und seines Glaubens daran beantworten zu können.[2] Als seine Freundin Mary schwanger wurde, heiratete das junge Paar zum Ende von Folletts erstem Semester an der Universität. Im Juli 1968 kam ihr Sohn Emanuele zur Welt. Während des Vietnamkrieges entdeckte Follett seine Leidenschaft für Politik und besuchte im September 1970, gleich nach der Universität, einen dreimonatigen Journalistenkurs, der ihn langsam auf die Laufbahn des Schriftstellers brachte. Vorerst arbeitete Ken Follett jedoch als Reporter für die Zeitung South Wales Echo in Cardiff. Nach der Geburt seiner Tochter Marie-Claire 1973 arbeitete er dann als Kolumnist für die Evening News in London.

Als Follett merkte, dass er als „Enthüllungsjournalist“ ungeeignet war, begann er, an den Abenden und Wochenenden Kurzgeschichten und Romane zu schreiben. Im Jahre 1974 verließ er das Zeitungsgeschäft und nahm bei dem kleinen Londoner Verlag Everest Books eine Stellung an. Seine Feierabend-Schriftstellerei führte zwar zur Veröffentlichung einiger Bücher, aber keines verkaufte sich gut. Dann aber wurde 1978 sein Roman Die Nadel veröffentlicht, der Follett zum Bestseller-Autor machte. Der Erfolg dieses Buches ermöglichte es ihm, seinen bisherigen Beruf aufzugeben, sich eine Villa in Frankreich zu mieten und sich völlig seinem nächsten Roman Dreifach zu widmen. Drei Jahre später zog Follett mit seiner Familie nach Surrey, wo er sich bei der Beschaffung von Geldern und der Wahlkampagne der Labour Party engagierte. Hier traf er Barbara Broer, die damalige Sekretärin des lokalen Parteibüros, in die er sich verliebte und die er 1985 nach seiner Scheidung heiratete. Das Ehepaar zog in ein altes Pfarrhaus in Hertfordshire, und Follett spielte in der Band „Damn Right I’ve Got the Blues“ Bassgitarre. In den folgenden Jahren verfasste Ken Follett weitere Romane und übernahm nebenbei auch soziale Aufgaben in verschiedenen Vereinen und Verbänden.

Follett ist in zweiter Ehe mit Barbara Follett, einer ehemaligen Abgeordneten des britischen Unterhauses, verheiratet. Follett lebt heute mit seiner Frau in Chelsea (London) und in Hertfordshire.

Arbeitsweise und Schreibstil[Bearbeiten]

Ken Follett wird in der Literaturszene bezüglich Auflage und Umsatz neben Stephen King, Dan Brown, John Grisham oder Michael Crichton als einer der international erfolgreichsten „Schreib- und Epenunternehmer“ gesehen.[3] Dank seines einfachen und allgemeinverständlichen Satzbaus konnten die Romane in viele Sprachen übersetzt werden, was maßgeblich zu seinem Erfolg beigetragen hat.

Er arbeitet mit einem zwanzigköpfigen Mitarbeiterstab zusammen, den er als Follett Office bezeichnet. Während Follett für die kreative Arbeit des Schreibens zuständig ist, erledigen seine persönlichen Berater, Agenten, Rechercheure und Historiker administrative Aufgaben, die den Buchprojekten Struktur geben. Follett gibt für seine Projekte acht Monate für Recherche und Planung, acht Monate für den ersten Entwurf und weitere acht Monate für die Überarbeitung an. Danach wird fristgerecht an den Verlag geliefert. In seinen Werken, die aus verschiedenen Perspektiven erzählt werden, liefert Follett dem Leser Interpretationsmodelle für die Gegenwart. Ziel seiner Romantrilogie „Sturz der Titanen“, „Winter der Welt“ und „Kinder der Freiheit“ ist es, das welthistorische Ganze zu erfassen und eine Art Globalliteratur zu schreiben. Zu seinen Grundsätzen gehört neben größtmöglicher Sorgfalt und Planung im Vorfeld eine akkurate historische Recherche, wobei er die Handlung seiner Geschichte an den historischen Rahmen anpasst und nicht umgekehrt. Zu seiner Schreibphilosophie gehört das Ansprechen einer möglichst breiten Leserschaft. Um das Interesse des Lesers aufrechtzuerhalten, baut er in bestimmten Abständen Wendepunkte in seinen Geschichten ein. Ein guter Roman muss, so Follett, fünfzig dramatische Szenen enthalten.[4] Neben der Erzählperspektive springt die Geschichte zwischen verschiedenen Personen und Handlungssträngen hin und her, wobei die individuellen Hintergründe der Figuren näher und ausführlich beleuchtet werden.

Seine Charaktere sind zumeist junge, charismatische Helden, wobei Follett eine Präferenz für starke Frauenfiguren hat, die gegen die Hemmnisse ihrer jeweiligen Zeit anzukämpfen haben. Kritisiert wird dabei häufig, dass Follett einen starken Fokus auf Sex und explizite Gewaltdarstellung legt. Zu seinen stilistischen Markenzeichen gehören „kenntnisreiche Solidität und substantielle Sachlichkeit, jeweils in leicht verständlicher Sprache dargeboten, also mit einem Minimum an Fachvokabular“.[5]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Ernennungen[Bearbeiten]

  •  ? Fellow of the Royal Society of Arts
  • 1994: Fellow of University College, London
  • 1996: Trustee, National Literacy Trust
  • 1998: Governor, Roebuck Primary School & Nursery, Stevenage
  • 1998–2009: President, Dyslexia Action
  • 1998–1999: Chair, National Year of Reading
  • 2000: Patron, Stevenage Home-Start
  • 2002: Vice-President, Stevenage Community Trust
  • 2003: Chair of the Advisory Committee, Reading Is Fundamental RIF UK
  • 2003: Board Member, National Academy of Writing
  • 2011: Fellow of Yr Academi Gymreig – the Welsh Academy

Preise[Bearbeiten]

  • 1979: Edgar Award, für Eye of the Needle - Die Nadel (Best Novel)
  • 2003: Corine-Award, für Jackdaws - Die Leopardin (Leserpreis)
  • 2008: Olaguibel Prize

Ehrendoktortitel[Bearbeiten]

  • 2007 Honorary D. Litt. docorate from University of Glamorgan, Wales
  • 2007 Honorary Degree of Doctor of Letters from Saginaw Valley State University
  • 2008 Honorary D. Litt. docorate from from the University of Exeter

Hörbuch-Award[Bearbeiten]

  • 2009: Die Tore der Welt (Gold), Deutschland: Hörbuch-Award[6]
  • 2015: Die Nadel (Gold), Deutschland: Hörbuch-Award

Werke[Bearbeiten]

(in Klammern die englischen Originaltitel)

Verfilmungen[Bearbeiten]

Hörspiele[Bearbeiten]

Spiele[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Albert Zuckerman: Bestseller: Der Agent von Ken Follett über die Kunst und das Handwerk, einen Bestseller zu schreiben. Lübbe, 2000. ISBN 978-3-404-94008-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ken Follett – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. bookreporter.com Ken Follett - Biography (engl.) Abgerufen am 20. August 2014
  2. Jakob Buhre: Interview mit Ken Follet. In: planet-interview.de. Planet Interview GbR, 9. April 2008, abgerufen am 25. Oktober 2010.
  3. Jochen Hieber: Ken Follett zum Sechzigsten: Seine Erzählqualitäten dulden keine Zweifel. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Feuilleton. 5. Juni 2009, abgerufen am 13. Oktober 2015.
  4. Paul Ingendaay: Ken Follett hält Hof. Wendepunkt auf Seite sechs. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Feuilleton. 11. September 2012, abgerufen am 13. Oktober 2015.
  5. Jochen Hieber: Der neue Follett: Krieg, Sex und andere Katastrophen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Feuilleton. 18. September 2012, abgerufen am 13. Oktober 2015.
  6. Gold-/Platin-Datenbank des Bundesverbandes Musikindustrie, 10. Dezember 2015