Wie man eine Pipeline in die Luft jagt

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Wie man eine Pipeline in die Luft jagt. Kämpfen lernen in einer Welt in Flammen ist ein 2021 in englischer Sprache als How to Blow Up a Pipeline. Learning to Fight in a World on Fire veröffentlichtes Buch des schwedischen Humanökologen, Politikjournalisten und Sachbuchautors Andreas Malm (* 1977). Malm spricht sich für eine Eskalation im Klimaaktivismus aus. Neben rein gewaltlosen Flügeln in der Bewegung brauche es auch solche, die Taktiken wie Sabotage einsetzen. Er wendet sich außerdem gegen fatalistische Stimmen, die eine massive Erderwärmung und ihre Folgen bereits als unabwendbar ansehen.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Buch ist in drei Kapitel gegliedert.

Kapitel 1 - Learning from Past Struggles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Klimakatastrophe unterscheide sich von anderen Problemen durch ihre Dringlichkeit. Je länger gewartet werde, umso drastischere Mittel müssten eingesetzt werden, um immer verheerendere Folgen abzuwenden. Bisher hätten allerdings die bisherigen „Zyklen“ im Klimaaktivismus das Ergebnis drastischer Emissionsreduktionen nicht erreicht:

  1. Zyklus: 2006–2009, von den ersten Klimacamps im Vereinigten Königreich bis zur UN-Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 (COP15).
  2. Zyklus: 2011–2018, Proteste in den USA u. a. gegen das Pipelineprojekt Keystone XL, People's Climate March 2014 usw.
  3. Zyklus: ab 2018, geprägt durch Greta Thunberg und Fridays for Future.

Alle drei Zyklen seien bisher geprägt von Gewaltlosigkeit und vom Verzicht auf Sabotageaktionen. Malm nimmt Bezug auf einen Essay von John Lanchester, und stellt die Frage, warum Klimaaktivismus bisher keine Sabotageakte hervorgebracht habe.[1] Dies sei umso verwunderlicher, auf Grund der apokalyptischen Auswirkungen der Klimakatastrophe und der relativen Einfachheit von Sabotageaktionen. Er führt Beispiele anderer sozialer Kämpfe an, in denen Gewalt als eines von verschiedenen Mitteln zum Ziel geführt habe:

Kapitel 2 - Breaking the Spell[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im zweiten Kapitel wird Malm konkreter was das Ziel möglicher Sabotageaktionen angeht. Er differenziert zwischen verschiedenen Arten von Emissionen auf Grundlage des Grads ihrer Unvermeidbarkeit. Unter „Subsistenzemissionen“ versteht er Emissionen, die schwer vermeidbar sind (z. B. Emissionen auf dem Arbeitsweg, beim Heizen oder Kochen). Als „Luxusemissionen“ bezeichnet er leichter vermeidbare Emissionen, die beispielsweise verursacht werden durch Freizeitkonsum reicher Menschen (z. B. Yachten oder SUVs). Er ergänzt, dass durch die Menge des bereits emittierten CO2 zwar alle Arten von Emissionen reduziert werden müssten - angefangen allerdings bei den überflüssigsten Luxusemissionen. Als mögliche Ziele von Sabotageaktionen nennt Malm Kohleminen, Luxusyachten und SUVs. Bei solchen Zielen sei das es wahrscheinlicher, dass die Öffentlichkeit Sabotageaktionen wohlwollend betrachte. Er berichtet beispielhaft von einer Sabotageaktion gegen SUVs im Stockholmer Stadtteil Östermalm, bei der Flugblätter auf Windschutzscheiben von SUVs verteilt wurden und die Luft aus ihren Reifen gelassen wurde. Malm argumentiert, dass soziale Bewegungen häufig davon profitieren, wenn sie sowohl komplett gewaltlose Flügel, als auch radikalere Flügel umfassen, die beispielsweise Sabotage einsetzen.

Kapitel 3 - Fighting Despair[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im letzten Kapitel argumentiert Malm gegen fatalistische Stimmen, die sich bereits darauf einstellen, dass die Klimakatastrophe unabwendbar ist, sich deshalb auf das Ende menschlicher Zivilisation vorbereiten und nicht dagegen ankämpfen.[3] Klimafatalismus sei eine sich selbsterfüllende Prophezeiung, da eine Abwendung der Klimakatastrophe umso wahrscheinlicher werde, je mehr Menschen von ihrer Unabwendbarkeit überzeugt seien. Dem Argument, dass individuelle Verhaltensänderungen gegenüber massiven CO2-Emissionen zu geringe Auswirkungen hätten, hält er die Sorites-Paradoxie entgegen: Einzelne Verhaltensänderungen würden tatsächlich kaum etwas bewirken, jedoch käme es ab einer größeren Menge an individuellen Verhaltensänderungen oder durch kollektives Handeln auch zu messbaren Änderungen.

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andreas Malm: How to Blow Up a Pipeline: Learning to Fight in a World on Fire, Verso 2021, ISBN 978-1839760259 (englisch).

  • deutsch: Wie man eine Pipeline in die Luft jagt. Kämpfen lernen in einer Welt in Flammen, Matthes & Seitz, Berlin 2020, übersetzt von David Frühauf, ISBN 978-3-7518-0305-2.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rezensionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Interviews[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. John Lanchester: Warmer, Warmer. In: London Review of Books. Band 29, Nr. 06, 22. März 2007, ISSN 0260-9592 (lrb.co.uk [abgerufen am 14. Dezember 2021]).
  2. Siehe dazu z. B.: Jana Günther: Die Suffragetten. Mit Militanz zum Frauenstimmrecht. In: APuZ. 12. Oktober 2018, abgerufen am 12. Dezember 2021 (Quelle für weitere Informationen zu Sabotage in der Suffragettenbewegung).
  3. Siehe z. B. folgende von Malm erwähnte Bücher: Roy Scranton: Learning to die in the Anthropocene : reflections on the end of a civilization. San Franciso, CA 2015, ISBN 978-0-87286-670-6. und Roy Scranton: We're doomed. Now what? : essays on war and climate change. New York, NY 2018, ISBN 978-1-61695-936-4.