Extinction Rebellion

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Logo (mit stilisierter Sanduhr) von Extinction Rebellion

Die Extinction Rebellion (kurz XR; englischRebellion gegen das Aussterben‘) ist eine Umweltschutzbewegung mit dem erklärten Ziel, mit Mitteln des zivilen Ungehorsams[1] Maßnahmen der Regierung gegen das Massenaussterben von Tieren und Pflanzen und das mögliche Aussterben der Menschheit als Folge der Klimakrise und der Vernichtung von Lebensraum zu erzwingen. Als Graswurzelbewegung ging sie im Jahr 2018 im Vereinigten Königreich aus Vorläufern hervor. Im April 2019 war sie laut Eigenaussage in 49 Ländern auf sechs Kontinenten mit 331 Ortsgruppen vertreten,[2] in Deutschland waren im Oktober 2019 rund 70 aktive Ortsgruppen ausgewiesen, in der Schweiz 14, in Österreich 7.[3][4][5] Die Bewegung sorgt allerdings auch immer wieder für negative Schlagzeilen, da viele ihrer Protestaktionen nicht legal sind. Aus diesem Grund gab es weltweit bereits Verhaftungen[6] beispielsweise erließ die Londoner Polizei ein Demoverbot.[7]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2015 gründeten Gail Bradbrook und George Barda im Vereinigten Königreich die Kapitalgesellschaft Compassionate Revolution Ltd.[8] (englisch für ‚mitfühlende Revolution‘),[9] die zunächst die Kampagne Rising Up! und schließlich Extinction Rebellion (XR) entwickelte.[10][11] XR wurde im Oktober 2018 gegründet und erlangte rasch durch zunächst in London organisierte Massenproteste, Flashmobs und Sitzstreiks ein weltweites Medienecho.[12] Das Logo wurde von dem unter seinem Pseudonym bekannten Streetart-Künstler ESP geschaffen. Es symbolisiert das durch menschliche Einflüsse hervorgerufene Artensterben. Der Kreis bildet die Erde als Lebensraum ab, das Sanduhr-Symbol steht dafür, dass die Zeit zur Rettung angeblich abläuft.[13]

XR erlangte rasch durch zunächst in London organisierte Massenproteste, Flashmobs und Sitzstreiks ein weltweites Medienecho.[12] Für Aufsehen sorgte am 17. November 2018, dem ersten von XR ausgerufenen Rebellion Day,[14] die Blockade der wichtigsten Brücken über die Themse durch 6000 Demonstranten, von denen 85 wegen Verkehrsbehinderung festgenommen wurden.[15] Im Rahmen dieser Veranstaltungen trat auch Greta Thunberg auf.[16] Am 9. Dezember 2018 wurde ein zweites offenes Unterstützungsschreiben veröffentlicht, das von weiteren hundert Wissenschaftlern unterzeichnet wurde.[17]

Im April 2019 erklärte Hannah Elshorst, Sprecherin von XR Deutschland, dass es viele Verbindungen zwischen XR und Fridays for Future (FFF) gebe. So nähmen Anhänger von XR auch an den Massendemonstrationen von FFF teil. Allerdings sei die Protestform von XR eine andere als die von FFF. „Die Schüler*innenstreiks haben zwar eine große Welle ausgelöst“, sie würden „aber in ihren Forderungen weitgehend ignoriert“.[18] Nach Aussagen von XR-Anhängern im Vereinigten Königreich ist es für sie selbstverständlich, in der Tradition Mahatma Gandhis zu riskieren, für Aktionen inhaftiert zu werden.[19] In der Karwoche 2019 nahm die Polizei in London fast 600 Aktivisten fest, die dort einem Aufruf von XR gefolgt waren, Straßen und Brücken zu blockieren.[20]

Im Juli 2019 gaben die US-amerikanischen Philanthropen Aileen Getty, Rory Kennedy und Trevor Neilson die Gründung der Stiftung Climate Emergency Fund (CEF) bekannt, angeblich auch inspiriert durch XR-Aktionen im Vereinigten Königreich. Die Stiftung unterstützt Aktionen von XR in den USA.[21] Auch andere Landesgruppen können sich um Fördermittel bewerben.[22]

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Symbol von Extinction Rebellion

Extinction Rebellion formuliert drei Ziele, für deren Erreichung sich ihre Aktivisten engagieren, und fordert von den Regierungen:[23]

  1. Tell the truth – „Sagt die Wahrheit“: Die Wahrheit der klimatischen Veränderung und deren Folgen soll ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt werden, um die Dringlichkeit eines sofortigen Kurswechsels klarzumachen. Es wird das Ausrufen des Klimanotstands gefordert.
  2. Act Now – „Handelt jetzt“: Mit einem sofortigen Umsteuern in der Klimapolitik soll die Netto-Null-Treibhausgas-Emission bis zum Jahr 2025 erreicht werden.[24][25] Das Artensterben soll gestoppt werden. Der ökologische Raubbau soll eingedämmt und möglichst umgekehrt werden.
  3. Beyond Politics – „Politik neu leben“: Auf Basis von partizipatorischer Demokratie in Form von Bürgerversammlungen sollen Wege zur Überwindung der Klimakrise entwickelt werden.

Gewaltfreiheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aktivisten von XR wollen Druck auf die politischen Entscheidungsträger ausüben, damit diese wirksam gegen die Zerstörung von Lebensräumen vorgehen. Dies soll durch gewaltfreie Aktionen des zivilen Ungehorsams passieren. So möchten zum Beispiel die XR-Gruppen im Vereinigten Königreich die logistische Infrastruktur der britischen Wirtschaft durch Brückenbesetzungen lahmlegen, um Aufmerksamkeit für ihre Ziele zu schaffen.[12][18]

Roger Hallam zufolge, einem der Gründer von XR, sollen „Massenverhaftungen möglichst viel mediale Aufmerksamkeit auf sich ziehen – und eine politische Krise herbeiführen.“ XR gibt an, keine Gewalt anwenden zu wollen. Vor den Blockaden in Berlin im Oktober 2019 erklärte Tino Pfaff, Mitglied des Bundespresseteams von XR Deutschland, dass hunderte von Personen bereit seien, sich für Straßenblockaden und andere Protestformen festnehmen zu lassen. Nach seinen Worten begehen die Teilnehmer „keine Straftaten, maximal Delikte“.[26]

Aktionen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktion in Tower Hill, London im November 2018
Die-in in München, 2019
„Ice on the Rope“ Performance von XR-Aktivisten in München, 2019

Extinction Rebellion rief für die Woche ab dem 15. April 2019 international zu Aktionen auf. In mindestens 33 Ländern auf 6 Kontinenten waren Protestaktionen geplant, darunter Deutschland, das Vereinigte Königreich, Frankreich, Schweiz, Kolumbien, Kanada, die Vereinigten Staaten, Ghana, Australien und Neuseeland.[27][2] Das Ziel der Rebellion ist, Regierungen zu zwingen, die Forderungen von Extinction Rebellion in die Tat umzusetzen. Für die Rebellionswoche waren verschiedenste Aktionen des gewaltfreien zivilen Ungehorsams geplant, unter anderem Brücken-, Straßen- und Hafenblockaden, außerdem kreative Proteste wie Die-in, Trauermärsche, Theater-Flashmobs.[2] Die Polizeieinsätze gegen die Blockaden führten zu über 600 Verhaftungen.[28]

In Deutschland fiel bisher besonders die Aktion am 11. Juni 2019 auf, als sich eine Reihe von Aktivisten von XR mit Fahrradschlössern um den Hals an den Zaun des Kanzleramts in Berlin ketteten.[29]

In der Schweiz machte die Organisation am 6. Juni 2019 bei einer Aktion mit Kunstblut vor dem Bundeshaus in Bern auf sich aufmerksam[30] und am 10. September 2019 färbte die Gruppierung die Limmat in Zürich mit Uranin giftgrün.[31][32]

Extinction Rebellion rief für den 20. September 2019 gemeinsam mit Fridays for Future zum globalen Klimastreik auf.[33] In der folgenden Woche wurde unter anderem mit United4Earth, IWW Environmental Unionist Caucus und Demand Utopia der Earth Strike am 27. September 2019 veranstaltet.[34]

Am 3. Oktober 2019 wollten Aktivisten der Extinction Rebellion mithilfe eines alten Tanklöschfahrzeuges das britische Finanz- und Wirtschaftsministerium in London großflächig mit Kunstblut vollspritzen, verloren jedoch die Kontrolle über Feuerwehrschlauch und Strahlrohr, so dass überwiegend Straßengrund und Mitprotestanten mit der rot gefärbten Flüssigkeit bespritzt wurden. Es wurden fünf Frauen und drei Männer verhaftet.[35][36]

Am 5. Oktober 2019 besetzten mehrere Hundert Aktivisten ein Einkaufszentrum im 13. Arrondissement in Paris.[37] Zudem wurde am gleichen Tag mit dem Aufbau eines Klimacamps vor dem Kanzleramt in Berlin begonnen.[38] Am 7. Oktober 2019 blockierten 1000 Aktivisten während des Berufsverkehrs den Großen Stern.[39] Weitere 2000 Aktivisten blockierten den Verkehr am Potsdamer Platz.[40] Der Verkehr sollte eine Woche lang gestört werden.[41][42] Nach eigenen Angaben nahmen bis zum 13. Oktober bis zu 6000 Aktivisten an verschiedenen Blockaden in Berlin teil.[43][44]

Am 17. Oktober 2019 wurden in der Londoner Station Canning Town bei einer U-Bahn-Blockade der Jubilee Line zwei Aktivisten der Extinction Rebellion von wütenden Pendlern vom Dach des Zuges gezogen und verprügelt, bevor sie von der Polizei verhaftet wurden. Der Bürgermeister Sadiq Khan verurteilte die Blockade nachdrücklich und gab an, dass diese Blockadeaktion eine unfaire Belastung für die ohnehin schon überlasteten Polizei sei.[45]

Am 16. November 2019 blockierten rund 100 Aktivisten für zweieinhalb Stunden die Zugänge zum General Aviation-Terminal am Flughafen Genf, um gegen Privatjets zu protestieren.[46] Am 14. Dezember hat Extinction Rebellion mit rund 500 Aktivisten eine zentrale Straße in Lausanne blockiert.[47][48]

Aktion Heathrow Pause[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Extinction Rebellion äußerte die Absicht, im Sommer 2019 den Flughafen London Heathrow als „größte britische Quelle von Treibhausgasen“ durch gezieltes Einfliegenlassen von ferngesteuerten Drohnen in den für solche Luftfahrzeuge gesperrten Luftraum des Flughafens für einen oder mehrere Tage vollständig lahmzulegen. Durchgeführt werden sollte die Aktion in Form eines riesigen Drohnen-Picknicks, bei dem die Teilnehmer Drohnen mitbringen. Diese Absicht wurde innerhalb der Organisation kontrovers diskutiert und fand nicht die Zustimmung der gesamten Bewegung.[49] Wegen der als Heathrow Pause betitelten Aktion sollen Mitgründer Roger Hallam und ein weiteres Mitglied am 12. September 2019, einen Tag vor dem verlautbarten Beginn, festgenommen worden sein.[50] Nach BBC-Angaben wurden fünf Verdächtige vorbeugend festgenommen,[51] am 14. September wurden bereits 19 Festnahmen gemeldet. Der Flugbetrieb sei zu diesem Zeitpunkt nicht beeinträchtigt gewesen.[52]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterstützung durch Offene Briefe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Extinction Rebellion wurde wiederholt durch offene Briefe Unterstützung zuteil. Ein erster Brief wurde am 26. Oktober 2018 in der britischen Zeitung The Guardian veröffentlicht und war von 94 Prominenten unterschrieben, überwiegend britische Wissenschaftler. Zu den Unterzeichnenden gehörten Prominente wie Alison Green, Joy Carter, Rowan Williams, Danny Dorling, Jem Bendell, Ian Gibson, Susie Orbach, David Drew, Molly Scott Cato und Shahrar Ali.[53] Im Brief heißt es:

„Die Wissenschaft ist eindeutig, die Fakten sind unumstößlich und es ist für uns unerhört, dass unsere Kinder und Kindeskinder die schreckliche Last einer beispiellosen Katastrophe tragen müssen, die wir selbst verursacht haben. […] Unsere Regierung trägt eine Mitschuld an der Missachtung des Vorsorgeprinzips und am Versagen bei der Feststellung, dass ein unendliches Wirtschaftswachstum auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen nicht machbar ist. […] Wenn eine Regierung absichtlich ihre Verantwortung aufkündigt, ihre Bürger vor Schaden zu schützen und die Zukunft der kommenden Generationen zu sichern, hat sie ihre wichtigste Verantwortungspflicht nicht erfüllt. Der ‚Sozialvertrag‘ wurde gebrochen, und es ist daher nicht nur unser Recht, sondern unsere moralische Pflicht, die Untätigkeit und eklatante Pflichtverletzung der Regierung zu umgehen und zur Verteidigung des Lebens an sich zu rebellieren. Wir erklären daher unsere Unterstützung für die am 31. Oktober 2018 ins Leben gerufene Extinction Rebellion. Wir stehen voll hinter den Forderungen, dass die Regierung den Bürgern die harte Wahrheit sagt. Wir fordern, dass eine Bürgerversammlung mit Wissenschaftlern auf der Grundlage der vorhandenen Beweise zusammenarbeitet und im Einklang mit dem Vorsorgeprinzip dringend einen glaubwürdigen Plan für eine schnelle vollständige Entkarbonisierung der Wirtschaft entwickelt.“[53]

Ein zweiter offener Brief wurde wenige Wochen darauf, am 9. Dezember 2018, ebenfalls im Guardian veröffentlicht, und er war diesmal von 100 Wissenschaftlern, Verfassern, Politikern und Aktivisten aus aller Welt unterzeichnet, darunter Prominenten wie Vandana Shiva, Naomi Klein, Noam Chomsky, A.C. Grayling, Philip Pullman, Rowan Williams, Bill McKibben, Tiokasin Ghosthorse, Esther Stanford-Xosei, Jonathon Porritt, Alison Green, Lily Cole, Chris Packham, Susie Orbach, Joy Carter und Jayati Ghosh Jawaharlal.[54] Hierbei heißt es im Brief:

„Politische Führungen scheitern weltweit an der Thematisierung der Umweltkrise. Falls der weltweite Unternehmenskapitalismus die internationale Wirtschaft weiterhin antreibt, ist eine weltweite Katastrophe unausweichlich. […] Wir fordern zudem besorgte Weltbürger auf, gegen die gegenwärtige Selbstgefälligkeit in ihren jeweiligen Zusammenhängen, einschließlich der Verteidigung indigener Völker, der Entkolonialisierung und der wiedergutmachenden Gerechtigkeit, aufzustehen und sich dagegen zu organisieren – sich somit der globalen Bewegung anzuschließen, die sich nun gegen das Aussterben auflehnt (z. B. Extinction Rebellion im Vereinigten Königreich). Wir müssen gemeinsam alles tun, was gewaltlos notwendig ist, um Politiker und Wirtschaftsführer von der Aufgabe ihrer Selbstgefälligkeit und Leugnung zu überzeugen. Ihr ‚weiter so wie bisher‘ stellt keine Option mehr dar. Weltbürger werden dieses Versagen unserer planetaren Pflicht nicht länger hinnehmen. Jeder von uns, insbesondere in der materiell privilegierten Welt, muss sich zur Akzeptanz einer Notwendigkeit verpflichten, milder zu leben, deutlich weniger zu konsumieren und nicht nur die Menschenrechte, sondern auch unsere Verantwortung gegenüber dem Planeten zu achten.“[54]

Anfang Oktober 2019 wurde ein an die Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland gerichteter offener Brief veröffentlicht. Dieser wurde von 90 Prominenten, darunter Anna Loos, Christian Ulmen, Fahri Yardım, René Pollesch, Christian Schwochow, Bela B, Rocko Schamoni und Bodo Wartke, unterzeichnet.[55][56]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Soziologe Dieter Rucht schätzte die Bedeutung der Gruppe in Deutschland laut Die Zeit vom 5. Oktober 2019 als gering ein. Sie sei hierzulande relativ klein und die von ihr selbst angegebene Größe „ein Stück weit aufgeblasen, mehr Schein als Sein“. Da jedermann mit wenigen Mausklicks eine „Ortsgruppe in Gründung“ auf der Website angeben könne, sei „die Präsenz weitgehend eine Webpräsenz und keine physische Präsenz“.[57]

Die Publizistin Jutta Ditfurth kritisierte die Gruppierung Anfang Oktober 2019. XR sei eine Kapitalgesellschaft, keine Graswurzelbewegung, sondern eine „esoterische Weltuntergangssekte“; das begründete sie laut Spiegel damit, die Bewegung sei „intellektuellenfeindlich“ und betreibe „Hyperemotionalisierung“; es handele sich nicht um ein „kritisches, rationales, linkes Projekt“, die Bewegung sei anschlussfähig nach rechts.[58] Die Gruppe unterscheide sich durch eine eschatologische Weltsicht, Intellektuellenfeindlichkeit und Unklarheit in ihren Forderungen und Aussagen sowohl zum Staat als auch zum Kapitalismus von unterstützenswerten Bewegungen wie Fridays for Future und Ende Gelände und sei daher nicht zu empfehlen.[58] Ditfurth sieht in XR ein „Projekt aus der PR-Retorte“ mit einer „sehr plumpen politischen Strategie“, die darauf basiere, Ängste zu schüren. XR hänge der Ideologie der so genannten Tiefenökologie an, die „ihre Wurzeln in einem faschistischen Menschenbild“ habe.[59]

Ditfurths Thesen widersprach in der FAZ ausdrücklich die Autorin Stefanie de Velasco. „Die alteingesessene Linke scheint verunsichert durch diese neue Form des Protests“, so de Velasco, die im Alter von 15 Jahren bei den Zeugen Jehovas ausgetreten war. „Als jemand, der mit dem Glauben an den Weltuntergang groß geworden ist, der die perfide Suggestion fiktiver Ängste von klein auf kennt, verwundert mich diese Kritik. Sie alarmiert mich jedoch in erster Linie, weil sie die Wirklichkeit auf den Kopf stellt und damit das aktuelle Dilemma linker Bewegungen verdeutlicht.“[60][61]

Ein Artikel in The Guardian kritisierte, dass die Organisation überwiegend aus Mitgliedern mit weißer Hautfarbe bestehe und keine inklusive Kultur aufweise.[62] Die Aktionen seien vor allem auf die Bedürfnisse und Erfahrungen der weißen Mittelschicht abgestimmt. So sei es unverantwortlich, Aktivisten mit schwarzer Hautfarbe dazu aufzurufen, sich von der Polizei verhaften zu lassen.[62]

Der Journalist Simon Sales Prado bezog sich im Oktober 2019 in einem TAZ-Artikel auf ein wenige Tage zuvor in der Zeit[63] veröffentlichtes Interview mit Roger Hallam, dem Mitbegründer der britischen XR. Hallam hatte demnach gesagt, dass bei der XR auch Leute mitmachen könnten, die „ein bisschen rassistisch oder sexistisch“ denken würden. Umweltschutz sei das oberste Ziel. Prado kommentierte, die Extinction Rebellion sei, „wie so viele Klimabewegungen vor allem eines: weiß.“ Eine Bewegung, die sich selbst ernst nehme, müsse jedoch intersektional denken, Rassismus und Sexismus ablehnen und sie müsse auch den Kapitalismus kritisieren.[64] Dem entgegneten die Sprecher von XR Deutschland, Hannah Elshorst und Tino Pfaff, man sei sich bewusst, dass man Teil von ausbeuterischen Strukturen sei, die auf Rassismus und Sexismus gründeten, allerdings sollte beides bei XR nicht geduldet werden.[65]

Der konservative britische Think Tank Policy Exchange publizierte im Juli 2019 einen Report über die Ideologie und Taktik der Extinction Rebellion. Neben einer ehrlichen Besorgnis über den Klimaschutz bei vielen XR-Aktivisten stehe demnach in der Führungsebene der Bewegung eine „subversive Agenda, die in einem politischen Extremismus aus Anarchismus, Ökosozialismus und antikapitalistischem Ökologismus wurzelt“. Die Taktik des bewussten Gesetzesbruchs führe zur Destabilisierung der demokratischen Ordnung und des Rechtsstaates. Einer der Autoren, Richard Walton, ist ehemaliger Leiter der Terrorismusbekämpfungs-Einheit des Metropolitan Police Service.[66]

Der stellvertretende Chefredakteur des Independent Sean O’Grady meinte, XR werde im Endeffekt wenig bewegen, da sie nicht zwischen Protest und Überzeugung unterscheide. Die Extinction Rebellion entfremde sich von den Menschen, sie sehe lediglich aus wie „eine Gruppe zorniger Leute, die schreien und Dinge werfen. Ihr Übermaß an Leidenschaft kompensiert nicht ihre Seltsamkeit, und sie scheitern dabei, ordentliche Leute zu überzeugen, die mit ihrem Anliegen sympathisieren, aber keine Mörder der Erde sind. […] Es braucht politische Aktivitäten, innerhalb des Mainstreams des politischen Systems - Gesetze, Regeln, Steuern, Anreize, keine direkten Aktionen.“[67]

Medienberichterstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Analyse der „Rebellion Wave“ im Oktober 2019 zeigt, dass die Bewegung mehr als 70.000 Mal in Online-Medienberichten erwähnt wurde. Davon entfielen 43,5 % der Online-Berichterstattung auf das Vereinigte Königreich, gefolgt von 15,2 % auf Deutschland, 14,6 % auf Australien und 12,1 % auf die USA.[68]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sina Kamala Kaufmann u. a. (Hrsg.): Wann wenn nicht wir* – Ein Extinction Rebellion Handbuch. Aus dem Englischen von Ulrike Bischoff (This is not a Drill). S. Fischer, Frankfurt am Main 2019, ISBN 978-3-10-397003-6.
  • Extinction Rebellion Hannover: „Hope dies – Action begins“: Stimmen einer neuen Bewegung. transcript, Bielefeld 2019, ISBN 978-3-8376-5070-9 (PDF; 0,3 MB).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Extinction Rebellion – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nico Kuhlmann: Ziviler Ungehorsam gegen die Klimakrise. In: Legal Tribune Online. 5. Oktober 2019, abgerufen am 5. Oktober 2019.
  2. a b c Monday 15 April: Extinction Rebellion’s International Rebellion to begin in over 80 cities across at least 33 countries. In: Extinction Rebellion. 14. April 2019, abgerufen am 14. April 2019 (britisches Englisch).
  3. Website-Übersicht zu den XR-Ortsgruppen
  4. Website von XR Schweiz, abgerufen am 21. September 2019.
  5. Website von XR Österreich, abgerufen am 21. September 2019.
  6. Quelle: Welt, Mehr als 250 Festnahmen bei Klimaprotesten in London und Amsterdam
  7. Alexander Eydlin: Klimaprotest: Londons Polizei erlässt Demoverbot für Extinction Rebellion. In: Die Zeit. 15. Oktober 2019, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 11. Januar 2020]).
  8. Register-Anmeldung von Compassionate Revolution Limited
  9. Jamie Wiseman: New online political venture the Compassionate Revolution to be launched in Stroud. In: Stroud News & Journal. 22. Juni 2015, abgerufen am 26. Januar 2019 (englisch).
  10. Dr Gail Bradbrook. In: BBC. Abgerufen am 26. Januar 2019 (englisch, Video).
  11. Jochen Buchsteiner: Aufbegehren gegen das Massensterben. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. Oktober 2019.
  12. a b c Robert Raymond: Klimawandel: Jungen Aktivisten haben einen Plan, der uns alle retten soll. In: Focus. 29. Dezember 2018, abgerufen am 26. Januar 2019.
  13. Emily Gosling: Extinction Rebellion On Its Striking Protest Graphics. In: Creative Review, 16. April 2019 (englisch).
  14. Today – Extinction Rebellion London Calling. In: Extinction Rebellion. 17. November 2018, abgerufen am 21. April 2019 (englisch).
  15. Wolfgang Pomrehn: „Die Pflicht zu rebellieren“. In: Telepolis. 21. November 2018, abgerufen am 26. Januar 2019.
  16. Andrea Germanos: 'This Is Our Darkest Hour': With Declaration of Rebellion, New Group Vows Mass Civil Disobedience to Save Planet. In: Common Dreams. 31. Oktober 2018, abgerufen am 21. April 2019 (englisch).
  17. Letters: Act now to prevent an environmental catastrophe | Letter. In: The Guardian. 9. Dezember 2018, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 23. November 2019]).
  18. a b Andrew Müller: „Es braucht radikale Veränderung“. In: Die Tageszeitung. 19. April 2019, abgerufen am 20. April 2019.
  19. Extinction Rebellion: The activists risking prison to save the planet. In: Deutsche Welle. Abgerufen am 20. April 2019 (englisch).
  20. Greta Thunberg erobert Rom. In: Spiegel Online. 19. April 2019, abgerufen am 20. April 2019.
  21. Matthew Taylor: US philanthropists vow to raise millions for climate activists. In: The Guardian, 12. Juli 2019 (englisch),
  22. Malte Kreutzfeldt: Rebellen-Streit über Großspenden. In: Die Tageszeitung. 18. August 2019, abgerufen am 6. Oktober 2019.
  23. Unsere Forderungen. Extinction Rebellion Deutschland, abgerufen am 17. Oktober 2019.
  24. Susanne Schwarz: Was „Extinction Rebellion“ fordert. In: Klimareporter. 19. April 2019, abgerufen am 23. September 2019.
  25. Christian Mihatsch: Klimaneutralität kommt 2050 zwei Jahrzehnte zu spät. In: Klimareporter. 17. August 2019, abgerufen am 23. September 2019.
  26. Laura Hofmann, Leonard Scharfenberg: Wo und wann die Aktivisten blockieren. In: Der Tagesspiegel. 5. Oktober 2019, abgerufen am 6. Oktober 2019.
  27. Rebellionswoche April 2019 | Extinction Rebellion. Abgerufen am 17. März 2019.
  28. Extinction Rebellion: Police move in on London protesters. In: BBC News, 20. April 2019, abgerufen am 21. April 2019 (englisch).
  29. Klimaschutzaktivisten ketten sich an Zaun vor Kanzleramt. In: Die Welt. Abgerufen am 11. Juli 2019.
  30. Alexander von Däniken: Luzerner im Kampf gegen Klimawandel – «Es braucht Katastrophenalarm». In: Luzerner Zeitung, 14. August 2019.
  31. Die Limmat ist plötzlich giftgrün. In: Tages Anzeiger, 11. September 2019.
  32. Die grüne Limmat war erst der Anfang. In: Schweizer Radio und Fernsehen. 20. September 2019, abgerufen am 4. Oktober 2019.
  33. Join the Global Climate Strike. Extinction Rebellion Webseite, abgerufen am 17. September 2019 (englisch).
  34. Our Partners and Supporters. Website von Earth Strike, abgerufen am 26. Januar 2019 (englisch).
  35. Extinction Rebellion 'lose control of fake blood hose'. In: BBC News, 3. Oktober 2019 (englisch).
  36. Gareth Davies: Extinction Rebellion spray fake blood on Treasury building as police arrest eight for criminal damage In: The Telegraph, 3. Oktober 2019 (englisch).
  37. Umweltaktivisten besetzen Shoppingmall in Paris. In: Die Welt. 5. Oktober 2019, abgerufen am 5. Oktober 2019.
  38. Umweltaktivisten errichten Klimacamp vor Kanzleramt. In: Die Zeit. 5. Oktober 2019, abgerufen am 5. Oktober 2019.
  39. Sebastian Gubernator, Tina Kaiser: Potsdamer Platz geräumt, Großer Stern weiterhin blockiert. In: Die Welt. 7. Oktober 2019, abgerufen am 7. Oktober 2019.
  40. Jona Spreter, Tina Groll, Tilman Steffen, Alexandra Endres, Amna Franzke: Extinction Rebellion: Polizei räumt Potsdamer Platz. In: Die Zeit. 7. Oktober 2019, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 26. Oktober 2019]).
  41. Klimaaktivisten blockieren Potsdamer Platz und Großen Stern. In: rbb24. 7. Oktober 2019, abgerufen am 7. Oktober 2019.
  42. An der Siegessäule wird vorerst nicht geräumt. In: Der Tagesspiegel. 7. Oktober 2019, abgerufen am 7. Oktober 2019.
  43. Klima-Rebellen planen weitere Aktionen in Berlin. In: rbb24.de. rbb, 15. Oktober 2019, abgerufen am 26. Oktober 2019.
  44. Silvia Stöber: „Extinction Rebellion“: Warum der Protest ins Leere lief. In: tagesschau.de. 15. Oktober 2019, abgerufen am 26. Oktober 2019.
  45. Wütende Pendler verprügelten in London Klimaaktivisten wegen U-Bahn-Blockade. In: Der Standard. 17. Oktober 2019, abgerufen am 17. Oktober 2019.
  46. Extinction Rebellion in Genf - Aktivisten blockierten Flughafenterminal für Privatjets. In: Schweizer Radio und Fernsehen. 16. November 2019, abgerufen am 16. November 2019.
  47. Rund 500 Aktivistinnen - Extinction Rebellion blockiert zentrale Strasse in Lausanne. In: Schweizer Radio und Fernsehen. 14. Dezember 2019, abgerufen am 14. Dezember 2019.
  48. Philippe Reichen: Polizei griff bei Klimademo durch – jetzt kommt das Nachspiel. In: tagesanzeiger.ch. 27. Dezember 2019, abgerufen am 27. Dezember 2019.
  49. Christian Mihatsch: Heathrow-Aktion spaltet Aktivisten. In: Die Tageszeitung, 13. Juni 2019.
  50. Raphael Thelen: Mitgründer von „Extinction Rebellion“ in London festgenommen. In: Spiegel Online. 12. September 2019, abgerufen am 12. September 2019.
  51. Heathrow drone protest: Five arrested over planned disruption. In: BBC News. 12. September 2019, abgerufen am 13. September 2019 (englisch).
  52. Heathrow climate change drone protest arrests rise to 19. In: BBC News. 14. September 2019, abgerufen am 15. September 2019 (englisch).
  53. a b Alison Green, Molly Scott Cato: Facts about our ecological crisis are incontrovertible. We must take action. In: The Guardian. 26. Oktober 2018, abgerufen am 26. Januar 2019 (englisch).
  54. a b Act now to prevent an environmental catastrophe. In: The Guardian. 9. Dezember 2018, abgerufen am 26. Januar 2019 (englisch).
  55. Boris Herrmann: Prominente solidarisieren sich mit radikalen Klimaschützern. In: Süddeutsche Zeitung. 3. Oktober 2019, abgerufen am 4. Oktober 2019.
  56. Der Brief im Wortlaut. In: Süddeutsche Zeitung. 3. Oktober 2019, abgerufen am 4. Oktober 2019.
  57. Deutsche Presse-Agentur: Protestforscher: Extinction Rebellion „mehr Schein als Sein“. In: Zeit Online. 5. Oktober 2019, abgerufen am 7. Oktober 2019.
  58. a b Arno Frank: So einfach, so ausweglos. In: Spiegel Online. 7. Oktober 2019, abgerufen am 7. Oktober 2019.
  59. Katja Thorwarth: Jutta Ditfurth: „Extinction Rebellion ist eine Weltuntergangssekte“. In: FR Online. 16. Oktober 2019, abgerufen am 16. Oktober 2019.
  60. Stefanie de Velasco: Die Erde rettet man nicht mit Machtspielen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. Oktober 2019, abgerufen am 28. Oktober 2019.
  61. Stefanie de Velasco: Die Erde rettet man nicht mit Machtspielen. In: humanistisch.net. 31. Oktober 2019, abgerufen am 31. Oktober 2019.
  62. a b Damian Gayle: Does Extinction Rebellion have a race problem. In: The Guardian. 4. Oktober 2019, abgerufen am 8. Oktober 2019 (englisch).
  63. Laura Cwiertnia: Extinction Rebellion: Er hat einen Plan. In: Die Zeit, Nr. 37/3019, 5. September 2019, abgerufen am 9. September 2019 (Interview mit Roger Hallam).
  64. Simon Sales Prado: Ausschluss garantiert. In: Die Tageszeitung, 9. Oktober 2019, abgerufen am 9. Oktober 2019.
  65. Katharina Schwirkus: „Wir sind uns einig, dass es Grenzen geben muss“. In: Neues Deutschland. 12. September 2019, abgerufen am 26. Oktober 2019.
  66. Tom Wilson/Richard Walton: Extremism Rebellion: A review of ideology and tactics. Policy Exchange, 16. Juli 2019 (englisch; PDF).
  67. Extinction Rebellion would get a hell of a lot further if they infiltrated the Tory Party. In: The Independent, 8. Oktober 2019, abgerufen am 14. Oktober 2019 (englisch).
  68. Mark Townsend Home Affairs Editor: Tube protest was a mistake, admit leading Extinction Rebellion members. In: The Observer. 20. Oktober 2019, ISSN 0029-7712 (theguardian.com [abgerufen am 23. November 2019]).