Wilde Ehe

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Als wilde Ehe bezeichnete man mit negativer Konnotation die Beziehung von Paaren, die unverheiratet in einem Haushalt zusammenlebten. Der Begriff Wilde Ehe ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für eine lose Liebesbeziehung.

In der Nachkriegszeit in Deutschland entstand die Bezeichnung „Bratkartoffelverhältnis“ für ein Verhältnis, das von einem Mann wegen „bestimmter äußerer Annehmlichkeiten“ ohne wirkliche Bindung unterhalten wird.[1] Die juristische Bezeichnung lautet heute eheähnliche Gemeinschaft.

In der Schweiz wird diese Lebensform heute positiv konnotiert als Konkubinat bezeichnet.[2]

In landesrechtlich bzw. kantonal geregelten Konkubinatsverboten, welche vorwiegend in Süddeutschland und in der Deutsch- und Westschweiz existierten und meist in den 1970er-Jahren abgeschafft wurden, war diese Lebensform untersagt worden.[3]

Situation in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einer der Gründe, eine Beziehung ohne die Absicht einer dauernden Bindung aufzunehmen, war es, bürgerliche Moralvorstellungen bewusst abzulehnen, aber auch andere persönliche Entscheidungen führten dazu. Im Ergebnis der beiden Weltkriege kamen auch finanzielle Überlegungen wie der mögliche Verlust von Versorgungsansprüchen (wie Witwenrenten) durch eine offizielle Heirat oder die vage Aussicht auf Rückkehr des verschollenen Lebensgefährten.[4]

Bratkartoffelverhältnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verbreitung der „Wilden Ehe“ beruht vermutlich auf den Auswirkungen des Ersten Weltkrieges für aus der Not geborene Zweckbeziehungen, bei denen es einigen Männern vor allem um die regelmäßige Versorgung mit warmen Mahlzeiten ging und eine Heirat von vornherein nicht geplant war.[5]

Die Bezeichnung „Bratkartoffelverhältnis“ für diese Form des Zusammenlebens wurde besonders zum Ende der 1940er Jahre verbreitet. Der Begriff bezeichnete nach dem Zweiten Weltkrieg Beziehungen zwischen heimkehrenden Soldaten und Witwen, die in wilder Ehe lebten, um den Verlust der Witwenrente zu vermeiden.[6]

Sittenwidrigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Zusammenleben von unverheirateten Paaren unter einem Dach war auch in Bundesländern, in denen kein Konkubinatsverbot bestand, bis zur Einführung des § 180 Abs. 3 StGB im Jahr 1927 faktisch unmöglich. Vorher konnte der Vermieter einer Wohnung wegen Kuppelei belangt werden, wenn er einem nicht verheirateten Paar oder einer Prostituierten eine Wohnung vermietete oder überhaupt, wenn er in seiner Wohnung anderen Unzucht gestattete. Erst ab dem Urteil des BGH vom 17. April 1970 (Az. I ZR 124/68) wurden solche Mietverträge auch zivilrechtlich als nicht sittenwidrig und damit wirksam anerkannt. Es war daher üblich, dass sich der Vermieter vor Abschluss eines Mietvertrags zum Beispiel den Trauschein des Paares vorlegen ließ. Beherbergungsbetriebe (zum Beispiel Hotels) fielen nicht unter die Ausnahme des § 180 Abs. 3, da ein Hotelzimmer keine ständige Wohnung ist. Somit machten sich der Inhaber oder Mitarbeiter bis 1968 (DDR) bzw. 1973 (Bundesrepublik Deutschland) wegen Kuppelei strafbar, wenn sie einem unverheirateten Paar ein gemeinsames Zimmer vermieteten. Deshalb gaben sich dort oft unverheiratete Paare als Ehepaar aus.

Mit dem Wandel der Sexualmoral vorrangig im Ergebnis der 68er-Bewegung wurden diese Lebensformen zunehmend toleriert und in Deutschland als nichteheliche Lebensgemeinschaften auch fortschreitend rechtlich anerkannt. Im Recht der Sozialhilfe gelten diese als Bedarfsgemeinschaft.

Heutiger Gebrauch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff der wilden Ehe wird heute umgangssprachlich verwendet, um eine Lebensgemeinschaft ohne Trauschein (konsensuale Lebensgemeinschaft) zu charakterisieren. Daneben wird der Begriff auch im übertragenen Sinn für Kooperationen ohne vertragliche Grundlage verwendet.

Vereinigte Staaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im US-amerikanischen Recht wird die wilde Ehe als Common-law marriage bezeichnet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Duden: Bratkartoffelverhältnis
  2. Artikel Konkubinat Wilde Ehe - was gilt? Abgerufen am 22. September 2011
  3. Anne-Lise Head-König / CN: Konkubinat. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  4. N-TV (14. Mai 2008): Nicht nur die Liebe zählt Abgerufen 22. September 2011
  5. Olga Ejikhine: Beim Wort genommen: der Sprachführer durch die Welt der Redewendungen. Verlag Digitalis Books, 2006, ISBN 9077713050, (online).
  6. Kirsten Plötz: Als fehle die bessere Hälfte: „alleinstehende“ Frauen in der frühen BRD 1949–1969, Verlag Helmer, 2005, ISBN 3-89741-053-2, S. 305 Fn. 37, (online).