Kuppelei

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Dieser Artikel behandelt den Begriff aus dem Strafrecht. Zum sozialen Phänomen siehe Heiratsvermittlung. Zum deutschen Maschinenbauer, Ingenieur und Hochschullehrer siehe Conrad Georg Kuppler.

Kuppelei (lateinisch lenocinium) ist die vorsätzliche Vermittelung und Beförderung der Unzucht. Da sich Kuppelei speziell auf Anbefohlene (Kinder, Mündel, u.ä) bezieht, umfasst der Begriff auch die Heiratsvermittlung Minderjähriger. In Verbindung mit Geldzahlungen gehört Kuppelei auch in den Kontext der Prostitution.

Entwicklung des Begriffes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Kupplerin Gemälde von Jan Vermeer

Kuppelei war als Straftatbestand schon seit dem Hochmittelalter bekannt.[1]

Das Vorschubleisten zu fremder Unzucht bedeutete das Herbeiführen günstigerer Bedingungen als die bisher vorhandenen. Dies konnte durch Vermittlung oder Gewährung bzw. die Verschaffung von Gelegenheit sein. Die Abgrenzung zur Zuhälterei und Prostitution war zeitweise sehr vage.

Obwohl der Straftatbestand der Kuppelei in der Geschichte mehrfach variierte, wurde er fast immer in einfache Kuppelei und schwere (qualifizierte) Kuppelei aufgeteilt. Erstere wurde als das nur einfache Vorschubleisten der Unzucht weit weniger hart bestraft, wobei hierbei oft die Vollendung nötig war, es mussten zwischen den Verkuppelten also wirklich sexuelle Handlungen vorgenommen werden. Als schwere Kuppelei, bei der der Versuch schon strafbar war, galt die gewohnheitsmäßige, aus Eigennutz entstandene, eine mit Kunstgriffen oder die besondere Vertrauensstellung des Kupplers. Die gewohnheitsmäßige wie die Kuppelei aus Eigennutz kamen zumeist bei Bordellen und ihren Betreibern zur Anwendung. Hierbei blieb es immer eine Kontroverse und wurde unterschiedlich geurteilt, ob dies auch für (staatlich) zugelassene Bordelle gelten könne. Als Kunstgriffe galten eine Täuschung, das Überlisten oder auch das Betrunkenmachen der Verkuppelten, um den Geschlechtsverkehr herbeizuführen. Die Vertrauensstellung war gegeben, wenn der Kuppler Elternteil, Ehemann oder Ehefrau, erziehende Person (Lehrer, Pfarrer) oder die Verkuppelten Pflegebefohlene waren. Fast durchgängig war es umstritten, ob Verkupplung von zwei Verlobten auch als qualifiziert zu gelten hatte.

Auch die Bedeutung des Wortes Unzucht veränderte sich in Beziehung zum Begriff der Kuppelei stark. Einmal waren damit vorehelicher Geschlechtsverkehr oder beischlafähnliche Handlungen (z. B. Oralverkehr, Petting) gemeint, dann wieder nur der vollendete Beischlaf und später nur noch der Verkehr unter Jugendlichen (Unzucht Minderjähriger). Unter die Kuppelei fiel dann beispielsweise auch die Vermittlung von Seitensprüngen in den Rendezvous-Häusern der Belle Époque.[2] Unbedeutend für die Bestrafung der Kuppelei war es, ob die Unzucht an sich eine Straftat darstellte, da die Kuppelei als eigenes Delikt und nicht als Teilnahmehandlung galt.[3]

Bedeutung hatte der Kuppelei-Paragraph in Deutschland bis in die 1960er Jahre. Der Kuppelei machten sich nach damaliger Rechtsprechung auch diejenigen Eltern schuldig, die ihren Kindern den Kontakt mit ihren möglichen Sexualpartnern im elterlichen Haus erlaubten oder durch Vernachlässigung der Aufsichtspflicht zuließen. Die teilweise widersprüchlichen staatlichen Regelungen und eine veränderte gesellschaftliche Moral führten dann zu einer Strafrechtsreform.[4]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Der Abschnitt gibt leider keine Information darüber, bis in welches Jahr Eltern in der BRD von Gerichten nach § 180 (egal in welcher Fassung) tatsächlich verurteilt wurden, wenn sie sexuelle Aktivitäten ihrer heranwachsenden Kinder geduldet hatten, die mit Prostitution nichts zu tun hatten.
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Kuppelei wird meistens als Förderung von vorehelichem Geschlechtsverkehr (Unzucht) verstanden und war seit dem Kaiserreich durch den § 180 a.F. StGB verboten. In Meyers Konversations-Lexikon wurde Kuppelei folgendermaßen beschrieben:

„Dieselbe erscheint als strafbares Vergehen (einfache Kuppelei), wenn sie gewohnheitsmäßig oder aus Eigennutz durch Vermittelung oder durch Gewährung oder Verschaffung von Gelegenheit zur Unzucht begangen wird, und soll nach dem deutschen Strafgesetzbuch mit Gefängnis von 1 Tag bis zu 5 Jahren bestraft werden. Auch kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und auf Zulässigkeit von Polizeiaufsicht erkannt werden.“

„Als Verbrechen, dessen bloßer Versuch schon strafbar ist, erscheint die Kuppelei (schwere Kuppelei) dann, wenn dabei hinterlistige Kunstgriffe angewendet wurden, oder wenn der Schuldige zu den Personen, mit welchen die Unzucht getrieben worden, in dem Verhältnis von Eltern zu Kindern, von Vormündern zu Pflegebefohlenen, von Geistlichen, Lehrern oder Erziehern zu den von ihnen zu unterrichtenden oder zu erziehenden Personen steht. Die Kuppelei wird alsdann, selbst wenn sie weder gewohnheitsmäßig noch aus Eigennutz verübt wurde, mit Zuchthaus von 1 bis zu 5 Jahren und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte bestraft; auch kann auf Zulässigkeit von Polizeiaufsicht erkannt werden.“

Rechtliche Lage bis 1967[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der damalige Tatbestand des § 180 StGB hatte folgenden Wortlaut:

(1) Wer gewohnheitsmäßig oder aus Eigennutz durch seine Vermittlung oder durch Gewährung oder Verschaffung von Gelegenheit der Unzucht Vorschub leistet, wird wegen Kuppelei mit Gefängnis nicht unter einem Monat bestraft; auch kann zugleich auf Geldstrafe, auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte sowie auf Zulässigkeit von Polizeiaufsicht erkannt werden. Sind mildernde Umstände vorhanden, so kann die Gefängnisstrafe bis auf einen Tag ermäßigt werden.

(2) Als Kuppelei gilt insbesondere die Unterhaltung eines Bordells oder eines bordellartigen Betriebs.

(3) Wer einer Person, die das achtzehnte Lebensjahr vollendet hat, Wohnung gewährt, wird auf Grund des Absatzes 1 nur dann bestraft, wenn damit ein Ausbeuten der Person, der die Wohnung gewährt ist, oder ein Anwerben oder ein Anhalten dieser Person zur Unzucht verbunden ist.

Das Zusammenleben von unverheirateten Paaren unter einem Dach (sog. Wilde Ehe) war bis zur Abschaffung dieses Strafrechts-Paragrafen faktisch unmöglich. Denn dies wurde in Deutschland als Verstoß gegen die guten Sitten angesehen. Mietverträge über die Vermietung einer Wohnung an ein unverheiratetes, nicht wenigstens verlobtes Paar wurden als Begünstigung zur Kuppelei angesehen und konnten daher unwirksam sein. Zudem konnte der Vermieter einer Wohnung wegen Kuppelei belangt werden, wenn er einem nicht wenigstens verlobten Paar eine Wohnung vermietete. Es war daher üblich, dass sich der Vermieter vor Abschluss eines Mietvetrags z.B. den Trauschein des Paares vorlegen ließ. Auch in Beherbergungsbetrieben wurde die Vorlage von Dokumenten verlangt, wenn Doppelzimmer gebucht wurden, da die Vermittlung von Prostitution unterstellt wurde.

Gesetzesreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der DDR entfiel der Tatbestand der Kuppelei mit der Strafrechtsreform von 1968.[5] Auch in der Bundesrepublik wurde durch die Große Strafrechtsreform von 1969 das Gesetz geändert. Seit 1973 ist im § 180 (n.F.) nur noch die Kuppelei mit unter 16-Jährigen als Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger unter Strafe gestellt. Sorgeberechtigte machen sich nur strafbar, wenn sie dadurch gleichzeitig ihre Erziehungspflicht gröblich verletzen. Damit wurde die Gesetzgebung dem Prinzip der im deutschen Strafrecht i. d. R. mit der Vollendung des 14. Lebensjahres als vorhanden angesehenen Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung angepasst.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Österreich ist Kuppelei heute speziell derjenige Tatbestand, in der jemand eine Person, zu der er in einem Autoritätsverhältnis steht, „zu einer geschlechtlichen Handlung mit einer anderen Person verleitet oder die persönliche Annäherung der beiden Personen zur Vornahme einer geschlechtlichen Handlung herbeiführt.“ Das ist im § 212Vorlage:§/Wartung/RIS-Suche Kuppelei geregelt, der zugrundeliegende Mißbrauch eines Autoritätsverhältnisses im § 212. Er bezieht sich auf minderjährige leibliche Kinder, Wahlkinder, Stiefkinder oder Mündel, wie auch medizinisch, erzieherisch und amtlich betraute Personen, für die man Obsorge hat.

Kuppelei wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren bestraft, handelt der Täter, „um sich oder einem anderen einen Vermögensvorteil zu verschaffen“ (Zuhälterei), beträgt die Freiheitsstrafe sechs Monate bis zu fünf Jahre. Jedes Verleiten zu schmerz- oder qualvollen sexuellen Handlungen oder zum Zwecke, Dritte geschlechtlich zu erregen oder zu befriedigen, fällt dann schon unter sexuellen Missbrauch Unmündiger respektive Jugendlicher.

Siehe auch:

  • § 208a Anbahnung von Sexualkontakten zu Unmündigen (Verführung Minderjähriger, siehe auch Cyber-Grooming)
  • § 214 Entgeltliche Vermittlung von Sexualkontakten mit Minderjährigen und § 215a Förderung der Prostitution und pornographischer Darbietungen Minderjähriger (siehe Kinderprostitution)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Kuppelei – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerhard Köbler: Zielwörterbuch europäischer Rechtsgeschichte, 4. Auflage, Stichwort Kuppelei. (PDF-Datei; 6,2 MB)
  2. Vergl. hierzu Karl Kraus: Kuppelei als Ehrenbeleidigung. In: Die Fackel, Nr. 194, VII. Jahr, Wien, 31. Jänner 1906; wiedergeben in Karl Kraus: Sittlichkeit und Kriminalität. Ausgewählte Schriften I, 1908, Kapitel Rund um den Schandlohn. (online auf textlog.de).
  3. Alfred Bacharach: Der Begriff der Kuppelei. In: Strafrechtliche Abhandlungen, Heft 127, Reprint Keip (u. a.) 1977, Original Breslau 1911
  4. Vergl. etwa Gesetze / Kuppelei: Viel Unruhe. In: Der Spiegel 16/1968 (15. April 1968), dort ab Absatz So großzügig der Staat es hinnimmt, daß in zweckgebundenen Etablissements an professioneller Prostitution verdient wird, so sittenrichterlich spielt er sich auf, wenn es um unentgeltliche Intimbeziehungen geht.
  5. Peter Borowsky: Die DDR in den sechziger Jahren, in: Informationen zur politischen Bildung, Heft 258
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