Wilfried Kirschl

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Wilfried Kirschl im Atelier, 1967

Wilfried Kirschl (* 27. April 1930 in Wörgl; † 28. Januar 2010 in Innsbruck) war ein österreichischer Maler und Kunstpublizist.

Er studierte von 1948 bis 1952 an der Wiener Akademie der bildenden Künste bei Josef Dobrowsky und Herbert Boeckl sowie im Jahre 1957 an der Académie André Lhote in Paris.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Nischenstilleben II, 1964
Imeroviglion, Santorin, 1966

Wilfried Kirschl wurde 1930 als jüngstes von drei Kindern in eine Wörgler Kaufmannsfamilie geboren. Nach der Trennung der Eltern übersiedelte er 1938 mit seiner Mutter, der Schwester des Malers und Bildhauers Sepp Orgler (1911–1943), nach Innsbruck.

Während der Wiener Akademiejahre von 1948 bis 1952 gingen von Herbert Boeckl als Leiter des Abendakts entscheidende Impulse aus, hingegen blieb Kirschls Verhältnis zu Josef Dobrowsky, der seine Malereiklasse leitete, künstlerisch eher distanziert. Ab 1950 arbeitete der junge Maler im später von Max Weiler bezogenen Turmatelier in Ateliergemeinschaft mit Rudolf Schönwald und Alfred Hrdlicka.

Unmittelbar nach Abschluss des Studiums inspirierten Frankreichaufenthalte (u.a. Arles und Saint-Rémy-de-Provence, 1952/1953) zur intensiven Auseinandersetzung mit nachimpressionistischen Vorbildern, die im Duktus und der Farbigkeit des Frühwerks der 1950er Jahre deutlichen Niederschlag fanden. Von Beginn an waren Landschaft, Architekturlandschaft und Stilleben die bevorzugten Bildthemen, in den frühen Jahren entstand zudem eine Reihe von Portraits von Persönlichkeiten des Tiroler Geisteslebens im Umfeld des Brenner-Kreises.

Formale Experimente unter dem Einfluss des Kubisten André Lhote, an dessen Académie Lhote Kirschl 1957 auf Anregung Gerhild Diesners studierte, führten zu Ende der 1950er/Anfang der 1960er Jahre zu einer eigenen, in der Formensprache reduzierten und auch in der Farbigkeit zurückhaltenden Anschauung. Unter dem Eindruck der besonderen Lichtverhältnisse in den Ländern des Mittelmeerraumes (u.a. Italien, Griechenland, Syrien, Jordanien, Ägypten und Tunesien), die der Künstler ab 1960 wiederholt bereiste, hellte sich seine Palette auf. Zunehmend bestimmten Fragen der Brechung des Lichts und des dem Bildbau zugrunde liegenden Formgefüges seine Malerei, sein Schaffen kreiste um die Dreiheit von "Raum, Licht und Volumen", der er sich während der sehr produktiven 1960er Jahre in Darstellungen von Landschaft und Architekturraum ebenso anzunähern suchte wie in mehreren Serien von quasi-monochromen Stilleben.

Nach mehreren Studienaufenthalten in Griechenland (zwischen 1966 und 1973) sowie in New York City (1967/1968) und Marokko (1968), wo auch wieder stärker farbige Arbeiten entstanden, widmete sich Kirschl in den 1970ern einige Jahre lang beinahe ausschließlich kuratorischer und schriftstellerischer Tätigkeit.

Erst ab 1980 entstanden neben grafischen Arbeiten auch wieder Ölgemälde. Die Architekturlandschaften und Stilleben dieser erneut sehr produktiven, reifen Schaffensphase der 1980er und 1990er Jahre bilden eine eigene, sehr homogene Werkgruppe, die durch den Kontrast von formaler Strenge und fein modulierter, pastelltonig lichter Farbigkeit gekennzeichnet ist.

Publizistische und kuratorische Tätigkeit[Bearbeiten]

Kirschl war 1964 Mitbegründer der Galerie im Taxispalais Innsbruck und kuratierte mit Paul Flora, Oswald Oberhuber und Peter Weiermair zahlreiche Ausstellungen. Als Autor und Kunstpublizist widmete er sich unter anderem der Erforschung von Werk und Leben der Tiroler Maler Albin Egger-Lienz und Carl Moser.

Werke im öffentlichen Raum[Bearbeiten]

  • 1953: Sgraffito Auferstehung Christi an der Gedächtniskapelle im neuen Friedhof St. Anton am Arlberg[1]
  • 1965–1967: drei Chorfenster der Heiligkreuzkirche in Hall in Tirol[2]
  • Wandmosaike an der Volksschule in Wörgl[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten]

  • Wilfried Kirschl (Monografie). Wien: Edition Tusch, 1980.
  • Wilfried Kirschl. Arbeiten aus den Jahren 1950 bis 1996. (Ausstellungskatalog). Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, 1997

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Kolozs (Hrsg.): Wilfried Kirschl – Künstler, Sammler, Kulturvermittler (=Tiroler Identitäten Bd. 11). Kyrene, Innsbruck 2010.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wilfried Kirschl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dehio Tirol 1980, S. 662.
  2. Dehio Tirol 1980, S. 314.
  3. Liste der denkmalgeschützten Objekte in Wörgl