Wilhelm Kissel

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Wilhelm Kissel (* 22. Dezember 1885 in Haßloch; † 18. Juli 1942 in Überlingen) war von 1924 bis 1926 Abteilungsdirektor der Benz & Cie. und zwischen 1926 und 1942 Vorstand der Daimler-Benz AG.

Wilhelm Kissel (1929)

Leben[Bearbeiten]

Der Sohn eines Eisenbahners machte nach der Mittleren Reife eine kaufmännische Ausbildung in einer Firma in Neustadt an der W. Danach arbeitete er ab 1904 bei Benz & Cie. in Mannheim. Bereits 1908 wurde er dort Einkaufsleiter und erlangte Verdienste in der Rohstoffbeschaffung für das Werk während des Ersten Weltkrieges. 1917 wurde er Prokurist und 1922 Abteilungsdirektor. Zwei Jahre später wurde er in den Vorstand der Benz & Cie. berufen.

Als sein Arbeitgeber durch die Machenschaften des Börsenspekulanten und Mehrheitsaktionärs Jacob Schapiro in finanzielle Schwierigkeiten geriet, bemühte sich Kissel um eine Zusammenarbeit mit dem Konkurrenten Daimler-Motoren-Gesellschaft in Stuttgart. Er war treibende Kraft der 1926 erfolgten Fusion beider Firmen zur Daimler-Benz AG. Damit gilt er neben Carl Benz und Gottlieb Daimler als einer der Gründerväter dieses Automobilherstellers. 1930 wurde er zum Vorstandsvorsitzenden der Aktiengesellschaft bestimmt. Zusammen mit dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates und Chefs der Deutschen Bank, Emil Georg von Stauß, betrieb er erfolgreich die Trennung von Schapiro. Ab März 1932 saß er in Vorbereitung einer möglichen Fusion ebenfalls im Aufsichtsrat der BMW AG; ein Sitz, den er bis zu seinem Tod behielt. Die geplante Fusion mit BMW scheiterte allerdings.

Nach Aussage[1] seines Nachfolgers Wilhelm Haspel soll Kissel erklärter Gegner der Nazis gewesen sein. 1933 trat Kissel jedoch in die SS ein, wo er im November 1940 schließlich zum SS-Obersturmbannführer befördert wurde. 1934 wurde er NSDAP-Mitglied und betonte die „langjährige Verbundenheit mit der nationalsozialistischen Bewegung“. Der DAF versicherte er, den Betrieb „mit der Partei immer mehr verbinden und verschmelzen“ zu wollen. Im Vorstand von Daimler-Benz wurde ihm Jakob Werlin zur Seite gestellt, langjähriger Freund und Förderer Hitlers.

Auf Drängen Werlins wurden 1936 die ersten 30 Versuchsfahrzeuge des KdF-Wagens („VW 30“, der spätere VW Käfer) im Werk Sindelfingen gebaut, obwohl der Konstrukteur des Wagens, Ferdinand Porsche, schon Ende 1928 im Streit mit Kissel die Daimler-Benz AG verlassen hatte.

Kissel hatte sich immer für eine klare Aufteilung von Karosserie- und Motorenbau, sowie Pkw- und Lkw-Herstellung zwischen den einzelnen Werken der Gesellschaft eingesetzt. Die Verwirklichung dieser Idee war ihm nie gelungen. Als die Daimler-Benz AG im Rahmen der Kriegsproduktion verpflichtet wurde, den „Opel Blitz“-Lastwagen und verschiedene Ersatzteile für andere Hersteller zu fertigen, sah Kissel seine Bemühungen gänzlich konterkariert. Der Aufgabe, die Ende 1941 angeordnete Produktion von Daimler-Benz Flugmotoren in dem neuen Werk Ostmark aufzubauen und der Tod seines einzigen Sohnes im Felde belasteten seine Gesundheit so sehr, dass er am 18. Juli 1942 an den Folgen eines Herzinfarktes starb. Andere Quellen[2] sprechen von Suizid.

Ehrungen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fabian Müller: Daimler-Benz. Seite 85, Ullstein Taschenbuch, ISBN 3-548-35946-9.
  2. Fabian Müller: Daimler-Benz. Seite 88, Ullstein Taschenbuch, ISBN 3-548-35946-9.

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Oswald: Mercedes-Benz Personenwagen 1886–1986. 4. Auflage, Motorbuch Verlag Stuttgart (1987), ISBN 3-613-01133-6
  • Hans Pohl, Stephanie Habeth, Beate Brüninghaus: Die Daimler-Benz AG in den Jahren 1933 bis 1945. In:Zeitschrift für Unternehmensgeschichte, Herausgegeben von Hans Pohl und Wilhelm Treue, Beiheft 47, Franz Steiner Verlag 1987, ISBN 3-515-04733-6.
  • Hans Christoph Graf von Seherr-Thoß: Kissel, Wilhelm. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 11, Duncker & Humblot, Berlin 1977, ISBN 3-428-00192-3, S. 685–687 (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten]