William Thomas Mulvany

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William Thomas Mulvany

William Thomas Mulvany (* 11. März 1806 in Dublin, Irland; † 30. Oktober 1885 in Düsseldorf) war ein irischer Unternehmer in Deutschland.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mulvany war eines von sieben Kindern einer bürgerlichen katholischen Familie in Dublin. Sein Vater war Kunstmaler. 1832 heiratete er Alicia Winslow, die Tochter eines Großgrundbesitzers aus Fermanagh. Er hatte fünf Kinder mit ihr. Von 1855 bis zu seinem Tode lebte Mulvany in Düsseldorf, wo er im Stadtteil Pempelfort das Knappengut bewohnte. Ab 1872 residierte er sommers auf Haus Goldschmieding in Castrop-Rauxel, wo er einen Landschaftspark und eine Pferderennbahn anlegen ließ. Um 1875 ließ er in Herne ferner die „Mulvany-Villa“ errichten, allerdings ist nicht bekannt, dass er dort auch gewohnt hat.[1] Er starb 1885 und wurde auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof beigesetzt. Die Stadt Gelsenkirchen ernannte ihn bereits 1880 zum Ehrenbürger. In Herne wurde 1908 eine in der Nähe der ehemaligen Zeche Shamrock liegende Straße nach ihm benannt.[2] Auch Castrop-Rauxel, Recklinghausen, Gelsenkirchen und Düsseldorf benannten Straßen nach dem Unternehmer. Ein Irish Pub in Marl[3] und eine Biermarke einer Oberhausener Hausbrauerei [4] tragen ebenfalls seinen Namen. 2015 benannte sich das „Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung der Stadt Herne mit Wirtschaftsgymnasium“ in Mulvany Berufskolleg Herne[5] um.

Laufbahn in Irland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mulvany qualifizierte sich durch praktische Erfahrungen zum Ingenieur. Er lernte technisches Zeichnen bei einem Architekten und trat im Alter von 20 Jahren als Landvermesser in die Dienste des Irischen Vermessungsamtes. 1836 wurde er Mitarbeiter des Board of Public Works, einer dem britischen Schatzamt unterstellten Behörde zur Verbesserung der Infrastruktur im rückständigen Irland. Mulvany war nacheinander für Projektionierung von Wasserstraßen und die Modernisierung des Fischereiwesens zuständig, vor allem aber für die Entwässerung großer Flächen zwecks landwirtschaftlicher Nutzbarmachung. Während der großen irischen Hungersnot 1845–1849 waren die Unternehmungen des Board of Works gleichzeitig Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für die leidende Landbevölkerung. Die Kosten wurden vom Staat und den Großgrundbesitzern getragen. 1853 wurden die Arbeiten wegen zu hoher Kosten eingestellt. Mulvany quittierte daraufhin den Staatsdienst.

Unternehmer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1855 kam Mulvany als Repräsentant und Teilhaber einer irischen Investorengruppe nach Deutschland, um am Steinkohlebergbau im Ruhrgebiet zu partizipieren. Zur Erschließung der Zechen Hibernia in Gelsenkirchen und Shamrock in Herne stellte er englische Fachleute an und ließ von ihnen neue Abbaumethoden einführen.

Sein besonderes Augenmerk richtete Mulvany auf Transport, Vertrieb und die Erschließung neuer Märkte für die im Ruhrgebiet geförderte Kohle. Das trug ihm die Anerkennung der Öffentlichkeit ein, optimierte aber nicht die Rendite der Zechen. 1864 wurde er von den Eigentümern von Hibernia und Shamrock entlassen. Als 1873 die Bergwerksgesellschaft Hibernia verkauft wurde, setzte die neue Aktiengesellschaft Mulvany als Vorstandsvorsitzenden ein.

Das Grab von William Thomas Mulvany liegt auf dem „Millionenhügel“ des Düsseldorfer Nordfriedhofs. Eine 1985 errichtete Stele vor der Christ Church an der Rotterdamer Straße in Düsseldorf erinnert ebenfalls an ihn.

Bereits neben seiner Tätigkeit für die Investoren hatte Mulvany neue Bergwerkserschließungen auf eigene Rechnung geplant. 1866 gründete er zusammen mit anderen Unternehmern die Preußische Bergwerks- und Hütten-Aktiengesellschaft (PBHAG). Die PBHAG umfasste die Zechen Hansa und Zollern und die neu angelegte Erin, sowie Erzbergwerke und die Eisenhütte Vulcan. Aufgrund kostenintensiver technischer Probleme beim Ausbau der Zechen und aufgrund eines stockenden Ausbaus der Eisenbahnverbindungen machte die PBHAG Verluste und musste während der Gründerkrise 1877 Konkurs anmelden.

Verbandspolitiker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon als Unternehmer arbeitete Mulvany eng mit den deutschen Bergbaubehörden zusammen und informierte sie regelmäßig über die unter seiner Leitung durchgeführten Arbeiten. Daher ist der Transfer englischer Bergbautechnologie, die den Bergbau im Ruhrgebiet nachhaltig modernisierte, besonders mit seiner Person verbunden.

Als Verbandsmitglied und mit Denkschriften setzte sich Mulvany weiterhin für den Ausbau des Verkehrswesens ein. Er gewann somit einen gewissen Einfluss auf die im Entstehen begriffenen industriellen Interessenverbände. 1871 wurde er Vorsitzender des „Verein zur Wahrung der Interessen rheinischer und westfälischer Unternehmer Rheinland und Westfalen“, für den Bismarck die Bezeichnung „Langnamverein“ prägte. Mulvany wirkte 1874 an der Gründung eines Börsenvereins in Düsseldorf mit. So trug er maßgeblich dazu bei, dass Düsseldorf durch die Ansiedlung weiterer Verbände und Interessenorganisationen schließlich die zentralörtliche Stellung eines „Schreibtisches des Ruhrgebietes“ erwarb.[6]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • William Otto Henderson: William Thomas Mulvany - ein irischer Unternehmer im Ruhrgebiet 1806-1885. (= Kölner Vorträge zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Heft 12). Forschungsinstitut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Universität zu Köln, Köln 1970 (Digitalisat)
  • Evelyn Kroker: Mulvany, William Thomas. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 18, Duncker & Humblot, Berlin 1997, ISBN 3-428-00199-0, S. 577 f. (Digitalisat).
  • Olaf Schmidt-Rutsch: William Thomas Mulvany - Ein irischer Pragmatiker und Visionär im Ruhrgebiet 1806-1885. (= Schriften zur rheinisch-westfälischen Wirtschaftsgeschichte, Bd. 42). Köln 2003

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mulvany-Villa. Aufstieg und Niedergang des Ruhrbergbaus. Fremde Impulse. Website im Portal lwl.org des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe, abgerufen am 10. Februar 2013
  2. Stadt Herne - Straßen in Herne
  3. [1] Eintrag der Gaststätte bei Qype
  4. [2] Informationen zu den Bieren des Brauhaus Zeche Jacobi in Oberhausen
  5. WAZ 12. Januar 2015 Herner Berufskolleg benennt sich nach dem Iren Mulvany
  6. Hugo Weidenhaupt: Kleine Geschichte der Stadt Düsseldorf. Triltsch Verlag Düsseldorf, 9. Auflage 1983, S. 121

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]