Willy Bleissem

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Geschäftsanzeige 1912/1913

Wilhelm Bleissem (* 22. Januar 1885 in Köln; † 22. September 1964 in Westum)[1] war ein deutscher Kaufmann und als Autohändler ein Pionier in Deutschland.[2] In den 1920er Jahren beteiligte er sich auch wiederholt auf Automobilen der Adler-Werke erfolgreich an Berg- und Flachrennen sowie Zuverlässigkeitsfahrten.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Nachkomme einer bereits seit mehr als 600 Jahren in Köln ansässigen Familie, sein Vater war der Kupferschläger Dionis Bleissem, absolvierte Willy Bleissem nach seinem Schulabschluss zunächst eine kaufmännische Ausbildung bei dem örtlichen Installations-Büro der AEG. Anschließend wurde er im Alter von 18 Jahren Mitarbeiter der benachbarten Filiale der Adler-Werke. Seit 1905 im Besitz eines Führerscheins war Willy Bleissem seit 1910 Generalvertreter für den Kölner Raum der Automobile unter der Marke Adler.[2] 1913 lagen die Räumlichkeiten der 1908[3] gegründeten “Adler Automobil-Verkaufs-Gesellschaft Voigt und Bleissem mbH” – deren alleiniger Geschäftsführer Bleissem war – noch beengt in der Kölner Neustadt.[4] Doch war Bleissem mit seiner Vorstellung der Autopräsentation, nämlich diese in großzügigen modernen Räumlichkeiten den Interessenten zur Schau zu stellen, unter den Ersten seiner Branche.[2] Mit Fertigstellung des von Jacob Koerfer geplanten und in Eigenregie erbauten Hansa-Hochhauses am Kölner Hansaring bezog Bleissem 1925 das Erdgeschoss des Bauwerks und ließ darin einen Salon für die Automobile der Adler-Werke einrichten.[5][2] Die inzwischen in Ehrenfeld an der Venloer Straße 217 gelegenen Betriebswerkstatt wurden um 1927 um eine Großgarage ergänzt, die nach einer Werbeanzeige aus dem Jahr 1929 die „größte Garagenanlage Westdeutschlands“ war. Den Entwurf zu dieser Anlage hatte der Kölner Architekt Georg Falck ausgearbeitet, die Ausführung lag in Händen von dessen eigener Gesellschaft, der “Rheinischen Bauunternehmung G.m.b.H.”.[6] 1929 wurde dann nach einem vorherigen Umbau des bestehenden gründerzeitlichen Hauses ein Autosalon am Hohenzollernring 90, ebenfalls in der Neustadt-Nord eingerichtet. Zu diesem Zeitpunkt verfügte die Firma über Zweigstellen in fünf Städten und erzielte einen Jahresumsatz von 5 Millionen Mark. Die Wirtschaftskrise und in der Folge die schweren Zerstörungen während des Zweiten Weltkriegs blieben auch für das Autohaus Bleissem nicht ohne Folgen. In den 1950er Jahren wurden dann die Marken Magirus, Hanomag und DKW-Auto Union vertreten. 1959/60 folgt die Errichtung eines Geschäftshausneubaus am Kaiser-Wilhelm-Ring, unweit des früheren Autosalons am Hohenzollernring. Zum Zeitpunkt von Bleissem’s 75. Geburtstag beschäftigte die nunmehrige “Automobil-Verkaufs-Gesellschaft Willy Bleissem m.b.H.” – als älteste Kölner Fachfirma – rund 400 Mitarbeiter und zählte zu den größten Automobilhändlern in der Bundesrepublik.[2] 1967 firmierte das Unternehmen unter “Automobil-Verkaufsgesellschaft Willy & Hubert Bleissem m.b.H.” mit Ausstellungsräumlichkeiten im “Bleissem-Haus” am Kaiser-Wilhelm-Ring 6–8 sowie der Werkstatt in Ehrenfeld. Als weitere Marke war Simca in den Vertrieb aufgenommen worden.[7] Im Jahr 2000 wurden Pläne zu einer Neubebauung des inzwischen ungenutzten Areals des Autohauses Bleissem in Ehrenfeld (Piusstraße 22/24 – Venloer Straße 217) bekannt.[8] Auf dem Areal entstand nach einem vorausgegangenen Architektenwettbewerb ein neues Wohnquartier, das “Pius-Carré”.[9][10]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Willy Bleissem gehörte als Mitgründer, Vorsitzender, Vorstands- und Beiratsmitglied verschiedensten Gremien an. Im Jahr 1955 erhielt er als Auszeichnung für seine Verdienste um die Kraftfahrzeugwirtschaft das Bundesverdienstkreuz am Bande.[2]

1924/1925 ließ sich Bleissem vis-á-vis der Marienburg im Kölner Stadtteil Marienburg eine Villa (Parkstraße 20) nach einem Entwurf des Architekten Paul Pott erbauen, an deren innerer Ausgestaltung nachhaltig der Bildhauer Willy Meller sowie die Kunstmaler Josef Mangold und Heinrich Kron mitwirkten.[11][12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfram Hagspiel: Köln. Marienburg. Bauten und Architekten eines Villenvororts. (= Stadtspuren, Denkmäler in Köln, Band 8.) 2 Bände, J.P. Bachem Verlag, Köln 1996, ISBN 3-7616-1147-1, Band 2.
  • Wolfram Hagspiel: Marienburg. Ein Kölner Villenviertel und seine architektonische Entwicklung. (mit Fotografien von Hans-Georg Esch) J.P. Bachem Verlag, Köln 2007, ISBN 978-3-7616-2012-0.
  • Wolfram Hagspiel: Köln und seine jüdischen Architekten. J.P. Bachem Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-7616-2294-0, S. 166.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Personstandsarchiv Rheinland, Personenstandsregister, Standesamt Köln, Geburten, 1885, Urk. Nr. 364.
  2. a b c d e f g Das älteste Kölner Autohaus. Willy Bleissem wird 75 Jahre alt und feiert goldenes Geschäftsjubiläum. In: Kölnische Rundschau Nr. 17 vom 21. Januar 1960.
  3. Automobil-Verkaufs-Ges. Willy Bleissem mbH auf ebn24.com, abgerufen am 11. März 2013.
  4. Adressbuch von Köln und Umgegend 1913. Greven’s Adressbuch-Verlag, Köln 1913, IV. Teil, S. 141.
  5. Klemens Klemmer: Jacob Koerfer (1875–1930). Ein Architekt zwischen Tradition und Moderne. (Beiträge zur Kunstwissenschaft. Band 23) scaneg Verlag, München 1987, ISBN 3-89235-013-2, S. 130.
  6. Wolfram Hagspiel: Köln und seine jüdischen Architekten.
  7. Greven’s Kölner Adressbuch 1967. 106. Auflage, Greven’s Adressbuch-Verlag Köln, Köln 1967, II. Teil, S. 19.
  8. Tagesordnung der Bezirksvertretung des Stadtbezirks 4 (Ehrenfeld) vom 4. September 2000 auf bv-4.de, abgerufen am 11. März 2013.
  9. Pius-Carré uf kulturkoeln30.de abgerufen am 13. März 2013.
  10. Stadtentwicklung Köln. Sanierungsgebiet Ehrenfeld-Ost. Abschlussdokumentation. Stadt Köln, Köln 2009, S. 18 f (PDF; 2,2 MB) abgerufen am 13. März 2013.
  11. Wolfram Hagspiel: Köln. Marienburg. Bauten und Architekten eines Villenvororts. S. 606–611
  12. Wolfram Hagspiel: Marienburg. Ein Kölner Villenviertel und seine architektonische Entwicklung. S. 73–76