Simca

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Historisches Simca-Logo
Aktie der Automobiles Simca

Die Société Industrielle de Mécanique et Carrosserie Automobile, bekannt als SIMCA, war ein französischer Automobilhersteller. Das Unternehmen wurde 1934 gegründet, um Fiat-Fahrzeuge in Lizenz in Frankreich herzustellen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen eigene Modelle hinzu. Später übernahm Simca Automobiles Talbot und es begann eine Zusammenarbeit mit Chrysler, die 1971 in eine Übernahme durch den US-amerikanischen Hersteller mündete. Nach der Übernahme 1978 durch Peugeot wurde die Marke Simca aufgegeben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SIMCA wurde 1934 von Henri Théodore Pigozzi gegründet und fertigte ab 1935 in Nanterre bei Paris FIAT-Fahrzeuge in Lizenz: Zunächst den Fiat 500 Topolino, der in Frankreich als Simca 5 vertrieben wurde, dann bis 1950 weitere Modelle, Simca 8 und Simca 6. FIAT erhielt für die Lizenzen Anteile an Simca. Während des Zweiten Weltkriegs baute Simca im Auftrag der deutschen Besatzungsmacht unter anderem Teile für das NSU-Kettenkrad.

1952 übernahm Simca die Traktorenproduktion von MAP, 1954 übernahm Simca von Ford Frankreich das Automobilwerk Poissy bei Paris und baute dieses bis 1957 zur damals modernsten Automobilfabrik in Europa um. Ford erhielt beim Verkauf der französischen Tochtergesellschaft mitsamt ihren französischen Modellen im Gegenzug 15 % der Simca-Aktien. Die bisherigen Ford-Modelle Vedette und Comète liefen von da an unter dem Namen Simca Vedette und Simca Comète Monte Carlo weiter vom Band. Der LKW Ford Cargo F798WM wurde ab 1955 zum Simca Cargo. Der Simca Comète Monte Carlo wurde bereits ein Jahr später eingestellt, die Vedette - auch als Chambord, Marly und Présidence angeboten - wurde bis 1961 in Frankreich als großes Simca-Modell der Luxusklasse gefertigt. In Brasilien lief die Modellreihe anschließend bis zum Ende der 1960er Jahre vom Band. Durch den Kauf des Werkes Poissy und die zusätzliche Produktion der ehemaligen Ford-Modelle verdrängte Simca Peugeot vom dritten Platz der französischen Automobilhersteller und nahm nach Renault einen Platz neben Citroën ein. Die Lastwagenfabrik wurde mittels Zusammenarbeit mit Unic betrieben.

In den 1950er Jahren brachte Simca eigene Baureihen wie Simca Aronde (1951) und Simca Ariane (1957) heraus, ihnen folgten der Simca 1000 (1961) mit Heckantrieb, ab 1963 die 1300/1500er Baureihen, sowie der Simca 1100 (1967), der erste Simca mit quer eingebautem Frontmotor und Frontantrieb.

1958 kaufte Chrysler USA die noch von Ford USA gehaltenen 15 % der Simca-Aktien auf. Ebenso übernahm Chrysler Unic und gliederte diese als Nutzfahrzeugsparte von Simca ein, somit wurden die LKW-Modelle aus Frankreich nur noch als Unic vertrieben. Simca-Chrysler übernahm 1959 Talbot-Lago. Im selben Jahr gründeten Simca und Fiat ein Joint-Venture mit der marokkanischen Regierung: die Société Marocaine de Constructions Automobiles.[1] In Marokko sollten insgesamt mehr als 50.000 Einheiten der Baureihen 1000, 1100 und 1300/1500 produziert werden.[2] Bis 1971 vergrößerte Chrysler seinen Anteil an Simca auf knapp 100 %, die man größtenteils von FIAT übernahm. Das Unternehmen nannte sich nun offiziell Chrysler Europe, der Markenname Simca wurde jedoch beibehalten.

1978 wurde Simca an Peugeot verkauft. Diese führte die Modellreihen noch bis 1986 unter dem Markennamen Talbot fort. Aus dem Simca-Chrysler-Nachlass gingen zahlreiche neue Modelle hervor, u.a. der Peugeot 309, der als Nachfolger des Talbot Horizon gedacht war und in der Vorserien-Version schon den Namen Arizona hatte. In Zusammenarbeit mit Matra und den Erfahrungen von Chrysler auf diesem Gebiet (Chrysler Voyager) war eine Großraumlimousine entwickelt worden, die jedoch nicht von Peugeot übernommen wurde. Hieraus entstand der Renault Espace.

Modelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeitleiste der Clement Talbot/Automobiles Talbot/Talbot (PSA)/Chrysler Europe/Simca/Rootes/Matra-Modelle von 1945 bis 1986
Typ SIMCA bis 1957,
Rootes Group bis 1967 unabhängig
Einstieg von Chrysler, Bildung von Chrysler Europe Ab Ende 1978 Teil von PSA (Peugeot)
40er 50er 60er 70er 80er
5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9
Kleinwagen Imp / Imp Californian / Husky4 Sunbeam5 Sunbeam5
Chamois4
Stiletto4
5 / 6 1000/900/1005/1006 Samba8
Kompaktklasse Avenger5 Avenger5 Avenger5
8 / 8/1200 11007 11007
Horizon7 Horizon7 Horizon7 Arizona
Mittelklasse Minx (Mk I-Mk VII) / Husky Mk I Minx / Husky (SI-SIII)1 Minx / Super Minx / Husky2 New Minx / Hunter3 Hunter3 Hunter3
SM 1500 Hunter Gazelle1 Gazelle / Vogue2 New Gazelle/Vogue3
Ten/2L 80/90 (MkI) 90 (MkII) Mk III Rapier (SI–V)1 New Rapier / Rapier H1203
Sceptre I+II2 New Sceptre3 Solara6 Solara (GB: Minx / Rapier)6
Hawk (Mk I–III) Hawk (Mk IV–VI) Hawk (SI–IV) Alpine6 Alpine6 Minx / Rapier6
9 Aronde Aronde Aronde (P60) 1300/1500 1301/1501 1301/1501 1307/13086 15106 15106
Obere Mittelklasse Snipe / Super Snipe (I–III) Super Snipe (VI) Super Snipe (SI–V)
Baby Ariane 160/180 160/180/2L 1610/2L 1610/2L Tagora9
Oberklasse Pullman / Imperial (Mk I IV) Imperial
Record Vedette
Coupé / Cabrio Imp Sport4
1000 Coupé 1200 S
Alpine MkI/III Alpine SI–IV / Tiger New Alpine3
Comète America
Sportwagen T26 Grand Sport / Saoutchik Sport Djet Jet 530 Bagheera Bagheera Murena
SUV Rancho Rancho
Kastenwagen 1100 VF2/VF3 Citylaster Citylaster
Talbot-Lago, 1959 an Simca verkauft SIMCA: Lizenz- produktion von Fiat SIMCA: 1954 von Ford France SA hinzugekauft SIMCA: teilweise auf Basis von Fiat oder Ford weiterentwickelt Chrysler- Simca Humber, Marke der Rootes- Gruppe, wird 1976 eingestellt Sunbeam- Talbot, Marke der Rootes- Gruppe bis 1953 Sunbeam, Marke der Rootes- Gruppe ab 1953, wird 1976 eingestellt Singer, Marke der Rootes- Gruppe seit 1956, wird 1970 eingestellt Hillman, Marke der Rootes- Gruppe Chrysler Automobiles René Bonnet Sportwagen Matra Matra- Simca Talbot- Matra Talbot- Simca Talbot, Marke wird 1986 eingestellt

1gemeinsame Plattform der Rootes-Gruppe auf Basis des Hillman Minx 1956
2gemeinsame Plattform Audax der Rootes-Gruppe auf Bais des Hillman Super Minx
3gemeinsame Plattform Arrow der Rootes-Gruppe
4gemeinsame Plattform der Rootes-Gruppe auf Basis des Hillman Imp
5gemeinsame Plattform – Chrysler Avenger, Projekt 424
6gemeinsame Plattform – Chrysler Projekt C6
7gemeinsame Plattform – Chrysler Projekt C2
8gemeinsame PSA-Plattform mit Peugeot 104 und Citroën LN
9Chrysler Projekt C9, Technik weitgehend aus Peugeot 504/505/604

Simca-Fiat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 6cv (1932–1937) (Version des Fiat 508 Balilla)
  • 11cv (1934–1937) (Version des Fiat 518 Ardita)

Simca[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Simca 5 (1936–1948) (Unter Lizenz gebauter Fiat 500; gebaut in Nanterre)
  • Simca 8 (1937–1951) (Version des Fiat 508C oder Fiat 1100)
    • Simca 8 Coupé (1939)
    • Simca 8-1200 (1949–1951)
    • Simca 8-1200 Cabrio (1949–1951)
    • Simca 8 Sport Coupé/Cabrio (1949–1952)
  • Simca 6 (1948–1950) (Unter Lizenz gebaute Variante des Fiat 500C)
    • Simca 6 Decapotable (1947–1950)
Simca Aronde (1954)
  • Simca 9/Aronde (1951–1964)
    • Simca 9 (1. Generation)
      • Simca 9 Sport Coupé (1951–1955)
      • Simca 9 Sport (1952–1955)
      • Simca Aronde 1200 (1951–1955)
    • Simca Aronde (2. Generation 60A)
      • Simca Aronde 1300 (1956–1959)
      • Simca Aronde Coupé (1956–1960)
      • Simca Aronde Oceane (1956–1962)
      • Simca Aronde Commerciale (1956–1960)
      • Simca Aronde Plein Ciel (1956–1962)
      • Simca Aronde Monaco Coupé (1958–1962)
    • Simca Aronde (3. Generation P60)
      • Simca Aronde P.60 (1959–1963)
      • Simca Aronde Ranch P.60 (1960–1963)
      • Simca Aronde Montlhery (1959–1963)
Simca Vedette Chambord (1960)
  • Simca Vedette (1955–1962)
    • Régence
    • Versailles
    • Trianon
    • Marly (Break) (1956–1962)
    • Présidence (1959–1960)
    • Chambord
    • Beaulieu (1957–1961)
Simca 1200S Coupé (1967)
Simca 1100 LS (1974)
  • Simca 1000 (1961–1978)
    • Simca 1000 (1961–1968)
    • Simca Abarth 1150 (1962–1963)
    • Simca 1000 Coupé Bertone (1962–1967)
    • Simca 1200 S Coupé Bertone (1967–1971)
    • Simca 4 CV (1969–1972)
    • Simca 1000 GL/1005 LS (1977)
    • Simca 1000 Spécial (1969)
    • Simca 1006 GLS (1977)
    • Simca 1000 Rallye (1970–1971)
    • Simca 1000 Rallye 1 (1972)
    • Simca 1000 Rallye 2 (1973)
    • Simca 1000 Rallye 3 (1978)
  • Simca 1300-1500-1301-1501 (1963–1976)
    • Simca 1300-1500 (1963–1967)
    • Simca 1301-1501 (1967–1976)
    • Simca 1501 Tourisme´ (1967–1970)

Chrysler-Simca[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chrysler 160 (1970)
Matra-Simca Rancho (1977)

Matra-Simca/Talbot-Matra[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Talbot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwendung von Simca-Technik durch andere Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vielfach nutzten auch andere Automobilunternehmen Motoren, Fahrwerkskomponenten und/oder Karosserien von Simca für grundlegend überarbeitete oder eigene Fahrzeugmodelle. In enger Kooperation mit Simca nutzte der französische Hersteller Gordini in seinen Anfängen von 1935 bis 1951 umfassend Simca-Technik für Sportwagen bis hin zu Grand-Prix-Rennwagen, zum Teil auch noch nach dem Ende der offiziellen Partnerschaft. Im ebenfalls französischen Symetric-Arbel fand zwischen 1951 und 1958 ein Simca-Motor Verwendung, der die Elektromotoren für den Antrieb speiste.

Im Jahr 1963 präsentierte die Carrozzeria Sibona-Basano aus Turin den Simca Cerbiatto, einen zweisitzigen Spider auf Basis des Simca 1000, sowie den Simca Mistral 1500, ein 2 + 2-sitziges Cabriolet auf Basis des Simca 1300/1500, die jedoch vermutlich nur Einzelstücke blieben. Der italienische Automobilhersteller Abarth baute von 1963 bis 1965 mit der grundlegend überarbeiteten Technik und der Serienkarosserie des Simca 1000 in größerer Serie den Simca Abarth 1150 / 1150 S / 1150 SS / 1150 Corsa. Von 1962 bis 1966 entstanden auf der modifizierten Bodengruppe inklusive Fahrwerkskomponenten des Simca 1000 die Rennsportcoupés Abarth Simca 1300 GT / 1600 GT / 2000 GT in vermutlich größeren zweistelligen Stückzahlen mit Leichtmetallkarosserien der Carrozzeria Beccaris und der Carrozzeria Sibona-Basano. Mit der gleichen Simca-Basis entstanden ferner die Rennsportcoupés Abarth 1300OT / 1600OT / 2000OT mit Kunststoffkarosserien von Sibona-Basano, von denen 1965/1966 insgesamt 50 Exemplare gebaut worden sein sollen.

Auch der französische Hersteller Chappe et Gessalin nutzte die Bodengruppe und den Antrieb des Simca 1000 für seine sportlichen Coupés und Cabriolets CG Spider 1000 / Sport 1000 / 1200 S von 1966 bis 1974. Ein weiteres Beispiel für die Nutzung der Bodengruppe und des Antriebs des Simca 1000 stellt der 1970 präsentierte Beach Buggy Shake von Bertone dar.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jean-Paul Rousseau, Jacques Rousseau: SIMCA Histoire d'une marque, Fontainebleau 1996, ISBN 2-84078-039-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Simca – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. La SOMACA et l’usine Berliet-Maroc lancent l’industrie automobile, in Le Monde diplomatique, Juni 1962, S. 15.
  2. Ghassan Khaber: Somaca: Bye bye Taylor, in: L'économiste 331 vom 21. Mai 1998.