Wolfgang Niederhöfer

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Wolfgang Niederhöfer (* 16. April 1932 in Kleinkarlbach; † 2. Dezember 2017) war ein deutscher Heimatforscher und Mühlenexperte, der sich auch einen Namen machte als Lokal- und Regionalpolitiker der SPD. Zudem war er noch bis ins hohe Alter in der Seniorenpolitik des Landes Rheinland-Pfalz aktiv.[1][2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während seines Berufslebens arbeitete Niederhöfer als Starkstromelektriker beim Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen. Er lebte in seinem pfälzischen Geburtsort Kleinkarlbach und war Vater von vier Kindern. Sohn Reinhold, wie sein Vater SPD-Mitglied, war in der Verbandsgemeinde Grünstadt-Land, die am 1. Januar 2018 in der neu gebildeten Verbandsgemeinde Leiningerland aufging, von 2010 bis zum 31. Dezember 2017 Bürgermeister.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heimatgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

VG Grünstadt-Land

Im Auftrag seiner Heimatgemeinde zeichnete Niederhöfer für die Präsentation der Ortsgeschichte im Internet verantwortlich.[3] In seiner Funktion als Archivar des im Nachbarort ansässigen Heimat- und Kulturvereins Neuleiningen wirkte er an der Erstellung zahlreicher Gemeindechroniken der Gegend mit.[4] Beim Heimatjahrbuch des Landkreises Bad Dürkheim zählte er zu den regelmäßigen Autoren.[4]

Im Landesarchiv Speyer sichtete Niederhöfer historische Dokumente und Urkataster und wertete die Daten wissenschaftlich aus.[4] Lange Jahre beschäftigte er sich mit den Wappen der Ortsgemeinden des pfälzischen Leiningerlandes. Die erworbenen Kenntnisse ermöglichten ihm in den 1970er Jahren, Vorlagen für das Wappen der damals neuen Verbandsgemeinde Grünstadt-Land zu erstellen.[5][4]

Regionale Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegweiser am Eckbach-Mühlenwanderweg mit dem Logo
Dorfmühle Großkarlbach, das Mühlenmuseum

Als Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (DGM) setzte sich Niederhöfer vor allem für den Fortbestand der 23 noch ganz oder teilweise erhaltenen Mühlen am Eckbach im Leiningerland ein.

In jahrelangen Verhandlungen mit den Verbandsgemeinden Grünstadt-Land und Hettenleidelheim, die 2018 zur neuen Verbandsgemeinde Leiningerland fusionierten, erreichte er, dass der Eckbach-Mühlenwanderweg eingerichtet und am 12. Oktober 1997 durch den damaligen rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck eingeweiht wurde.[6] Bis ins Alter veranstaltete Niederhöfer regelmäßig Führungen auf dem Wanderweg. Bei diesen Gelegenheiten trug er das Festgedicht des Mundartpoeten Albert H. Keil von der Einweihung 1997 gerne im Wortlaut[7] vor.

Das Logo des Wanderwegs besteht aus einem stilisierten Gebäude, das durch die Silhouette eines Mühlrads typisiert wird; die darunter liegende Wellenlinie symbolisiert den Eckbach. Das Logo, das die hölzernen, von Hand gefertigten Hinweisschilder kennzeichnet, stammt aus einem Schülerwettbewerb. Diesen hatte Niederhöfer 1996 angestoßen, und das Motiv hatte Cosmas Kösters aus Kirchheim entworfen.[6] In einem etwa 50-seitigen Handbuch hielt Niederhöfer die Historie der Eckbachmühlen fest.[4]

Knapp zehn Jahre nach der Schaffung des Wanderwegs, am 22. Juni 2007, wurde die auf Niederhöfers Initiative restaurierte Dorfmühle in Großkarlbach durch den damaligen rheinland-pfälzischen Innenminister Karl Peter Bruch eröffnet und als Mühlenmuseum Leiningerland in Betrieb genommen.[8] In einem Teil des Gebäudes wurden auch Räume für die Gemeindeverwaltung und ein Sitzungs­zimmer eingerichtet.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niederhöfer wurde schon früh SPD-Mitglied und war von 1972 bis 1987 Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Kleinkarlbach.[4] Er vertrat seine Partei als gewähltes Ratsmitglied jahrelang in seinem Wohnort sowie von 1974 bis 1994 auch in der Verbandsgemeinde Grünstadt-Land.[9]

Innerparteilich wurde Niederhöfer bis auf die Landesebene bekannt durch sein Engagement in der Arbeitsgemeinschaft 60 plus der SPD. Als er sich 2011 als 79-Jähriger aus Krankheitsgründen aus seinen Ämtern in der AG zurückzog, betraf dies die Funktionen als deren Vorsitzender im SPD-Unterbezirk Neustadt an der Weinstraße,[10] als stellvertretender Vorsitzender im Regionalverband Pfalz[11] sowie als Vorstandsmitglied im Landesverband Rheinland-Pfalz, den er auch mitbegründet hatte.[11]

Außerhalb der Parteiarbeit war Niederhöfer am 24. September 1997 einer der Gründungsväter des Seniorenbeirats Grünstadt-Land e. V.[12] und fungierte in den ersten Jahren als 2. Vorsitzender[2][9] sowie als Ansprechpartner für Politik und Medien.[13] In den Monaten vor seinem Tod betätigte sich auch noch an den Vorarbeiten zur Ausdehnung des Vereins als Seniorenbeirat Leiningerland e. V. auf die neue Verbandsgemeinde. Das vom Verein seit Dezember 1997[14] herausgegebene Periodikum „Spätlese“, eine Zeitung von Senioren für Senioren, geht maßgeblich auf sein Betreiben zurück.[4]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Niederhöfer und Verbandsgemeinde Grünstadt-Land (Hrsg.): Festschrift zur Eröffnung des Mühlenwanderweges. Kleinkarlbach und Grünstadt 1997 (ohne ISBN).
  • Wolfgang Niederhöfer und Erwin Martin: Großkarlbach am Eckbach-Mühlenwanderweg. In: Erwin Martin (Hrsg.): Pfälzische Dorfgeschichte. Walter E. Keller Verlag, Treuchtlingen 1998, ISBN 3-924828-95-4, S. 43–65.
  • Wolfgang Niederhöfer: Die Triebwerke entlang des Eckbach-Mühlenwanderweges in der Verbandsgemeinde Grünstadt-Land. 2. Auflage. Kleinkarlbach 1999 (ohne ISBN).
  • Verbandsgemeinde Hettenleidelheim (Hrsg.): Das Wandern ist des Müllers Lust… (mit fünf Beiträgen von Wolfgang Niederhöfer). Hettenleidelheim 1999 (ohne ISBN).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. jös (Autorenkürzel): Wolfgang Niederhöfer ist verstorben. In: Die Rheinpfalz, Lokalausgabe Unterhaardter Rundschau. Nr. 280. Ludwigshafen 4. Dezember 2017, S. 22.
  2. a b Seniorenbeirat Grünstadt-Land (Hrsg.): Spätlese. Festschrift zum 20-jährigen Jubiläum. Nr. 21.1. Grünstadt 7. April 2017, S. 4–7 (Präambel).
  3. Wolfgang Niederhöfer: Geschichte. www.kleinkarlbach.de, abgerufen am 18. Dezember 2017 (Chronik von Kleinkarlbach).
  4. a b c d e f g h i jös (Autorenkürzel): Wolfgang Niederhöfer ist verstorben. www.rheinpfalz.de, 4. Dezember 2017, abgerufen am 5. Januar 2018.
  5. Seniorenbeirat Grünstadt-Land (Hrsg.): Spätlese. Festschrift zum 20-jährigen Jubiläum. Nr. 21.1. Grünstadt 7. April 2017, S. 20 (Wappen).
  6. a b Einweihung des Eckbach-Mühlenwanderweges. (Nicht mehr online verfügbar.) www.gruenstadt-land.de, Oktober 1997, archiviert vom Original am 17. Juni 2016; abgerufen am 20. Dezember 2017.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gruenstadt-land.de
  7. Albert H. Keil: E klänni Mihleg’schicht. Verlag PfalzMundArt, abgerufen am 18. Januar 2018.
  8. Thema am Samstag: Die Dorfmühle in Großkarlbach wird eingeweiht. In: Die Rheinpfalz, Lokalausgabe Frankenthaler Zeitung. Ludwigshafen 23. Juni 2007.
  9. a b c d Wolfgang Niederhöfer 75. www.spd-ubnw.de, April 2007, abgerufen am 20. Dezember 2017.
  10. Wolfgang Niederhöfer geht von Bord. spd-ag60plus-suedpfalz.de, Oktober 2011, abgerufen am 20. Dezember 2017.
  11. a b c Wolfgang Niederhöfer ist tot. spd-ag60plus-suedpfalz.de, Dezember 2017, abgerufen am 20. Dezember 2017.
  12. Seniorenbeirat Grünstadt-Land (Hrsg.): Spätlese. Festschrift zum 20-jährigen Jubiläum. Nr. 21.1. Grünstadt 7. April 2017, S. 21 (Chronik).
  13. Seniorenbeirat Grünstadt-Land (Hrsg.): Spätlese. Festschrift zum 20-jährigen Jubiläum. Nr. 21.1. Grünstadt 7. April 2017, S. 25 (Ansprechpartner).
  14. Seniorenbeirat Grünstadt-Land (Hrsg.): Spätlese. Festschrift zum 20-jährigen Jubiläum. Nr. 21.1. Grünstadt 7. April 2017, S. 23 (Spätlese seit 12/1997).