Wolfgang Schleidt

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Wolfgang Schleidt (2015)

Wolfgang M. Schleidt (* 18. Dezember 1927 in Wien) studierte Zoologie und Anthropologie und ist tätig als Forscher auf dem Gebiet der klassischen Ethologie.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon für seine Doktorarbeit untersuchte Schleidt am Beispiel von Rötelmäusen u. a. angeborene Auslösemechanismen in der Kommunikation von Müttern und ihren Neugeborenen, was ihn rasch zu einem international anerkannten Experten speziell für die Ultraschall-Kommunikation bei Nagern machte. Seinen ersten funktionsfähigen Apparat zur Aufnahme und Registrierung hochfrequenter Mäusetöne hatte er sich 1949 aus weggeworfenen Radioteilen zusammengebastelt. Schleidt erforschte ferner mit Hilfe von Attrappen, anhand welcher Merkmale Enten, Gänse und Truthühner Fressfeinde erkennen, und er analysierte die Balzbewegungen der Truthühner. Er veröffentlichte beispielhafte quantitative Untersuchungen angeborener Verhaltensweisen, und seine darauf begründeten Überlegungen betreffend die Rolle von Signalen bei der Erhaltung sozialer Bindungen als „tonische Kommunikation“ fanden besondere Beachtung. Hingegen stießen seine Bemühungen um eine rigorose quantitative Beschreibung des individuellen Verhaltens und der persönlichen Umwelt des einzelnen Lebewesens eher auf Unverständnis. Schleidt war ein loyaler „Kumpan“ von Konrad Lorenz und hat sich nach dessen Ableben in der Diskussion um seine politische Vergangenheit wiederholt zu Wort gemeldet. Seine Kritik der vorherrschenden Theorien betreffend die Domestikation der Hunde und sein Hinweis auf die Möglichkeit einer Koevolution von Menschen und Wölfen fand ein erstaunlich weites Echo.

1950 wurde Schleidt Assistent von Konrad Lorenz und baute mit diesem sowie mit Ilse und Heinz Prechtl und Irenäus Eibl-Eibesfeldt zunächst die Max-Planck-Forschungsstelle für vergleichende Verhaltensforschung in Buldern / Westfalen auf und später von 1955 bis 1958 das Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie in Seewiesen. In Seewiesen war Schleidt jahrelang auch für die Abwicklung vieler „bürokratischer“ Notwendigkeiten zuständig. Von 1965 bis 1985 war er Professor an der University of Maryland, College Park und Leiter der ersten ethologischen Forschergruppe an der Ostküste, die sich vor allem mit Bioakustik und Kommunikationsforschung befasste.

1985 kehrte er nach Wien zurück und war bis 1992 Direktor des Konrad Lorenz Institut für vergleichende Verhaltensforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Seit 1989 ist er zudem außerordentlicher Professor an der Universität Wien, steht aber wegen seiner Schwerhörigkeit seit dem Ende des SS 2003 den Studenten nur noch per E-Mail zur Verfügung.

Als „Privatgelehrter“, wie er sich heute selbst nennt, arbeitet er auf seinem Bauernhof in Moosbrunn, Niederösterreich.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reaktionen auf Töne hoher Frequenz bei Nagern. In: Die Naturwissenschaften. Band 39, 1952, S. 69–70.
  • mit Hanna-Maria Zippelius: Ultraschall-Laute bei jungen Mäusen. In: Die Naturwissenschaften. Band 43, 1956, S. 502.
  • Reaktionen von Truthühnern auf fliegende Raubvögel und Versuche zur Analyse ihres AAM's. In: Zeitschrift für Tierpsychologie. Band 18, 1961, S. 534–560.
  • mit Dietrich Burkhardt und Helmut Altner: Signale in der Tierwelt. Vom Vorsprung der Natur. Moos & Partner, Gräfelfing 1966, ISBN 3-89164-053-6.
  • mit Peter H. Klopfer: Ökologie und Verhalten. Psychologische und ethologische Aspekte der Ökologie. Urban & Fischer, München 1968.
  • Tonic communication: continual effects of discrete signs. In: Journal of Theoretical Biology. Band 42, 1973, S. 359–386.
  • How „fixed“ is the Fixed Action Pattern? In: Zeitschrift für Tierpsychologie. Band 36, 1974, S. 184–211.
  • mit J. N. Crawley: Patterns in the behavior of organisms. In: Journal of social and biological structures. Band 3, 1980, S. 1–15.
  • mit G. Yakalis, M. Donnelly und J. McGarry: A proposal for a standard ethogram, exemplified by an ethogram of the bluebreasted quail (Coturnix chinensis). In: Zeitschrift für Tierpsychologie. Band 64, 1984, S. 193–220.
  • Learning and the description of the environment. In: T. D. Johnston und A. T. Pietrewicz (Hrsg.): Issues in the Ecology of Learning. New Jersey Lawrence Erlbaum Associates, Hillsdale 1985, S. 305–325.
  • als Herausgeber: Der Kreis um Konrad Lorenz. Ideen, Hypothesen, Ansichten. Parey, Berlin / Hamburg 1988, ISBN 3-489-63336-9.
  • Imponierende Uniformen: Kleidung als Signal. In: M. Liedtke (Hrsg.): Kulturethologie. Über die Grundlagen kultureller Entwicklungen. Gedenkschrift für Otto Koenig. Realis Verlag, München 1994, S. 256–281, ISBN 978-3-930048-05-2.
  • mit Michael D. Shalter: Co-evolution of humans and canids: An alternative view of dog domestication: Homo Homini Lupus? In: Evolution and Cognition. Band 9, 2003, S. 57–72, Volltext (PDF)
  • Epilog: Wer war der „Vater der Graugänse“ wirklich? In: Konrad Lorenz: Eigentlich wollte ich Wildgans werden. Aus meinem Leben. Piper, München, Zürich 2003, S. 101–122, ISBN 978-3-492-04540-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wolfgang Schleidt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien