Yitzhak Melamed

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Yitzhak Yohanan Melamed (* 7. März 1968) ist ein israelisch-amerikanischer Philosoph und Hochschullehrer an der Johns Hopkins University in Baltimore.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Melamed wurde in einer russisch-israelischen Familie geboren.[1]

Nach dem Studium an der Universität Tel Aviv von 1990 bis 1996 ging Melamed an die Yale University. Dort promovierte er 2005 bei Michael Della Rocca über das Thema The Metaphysics of Substance and the Metaphysics of Thought in Spinoza (Die Metaphysik der Substanz und die Metaphysik des Denkens bei Spinoza).[1]

Von 2005 bis 2008 war er Assistenzprofessor an der University of Chicago. Im Jahr 2008 wechselte er an die Johns Hopkins University in Baltimore. 2010 wurde er dort Associate Professor, 2013 Full Professor.[1]

Antisemitischer Angriff in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Melamed wurde am 11. Juli 2018 im Bonner Hofgarten mit antisemitischem Hintergrund angegriffen, weil er als gläubiger Jude eine Kippa trug.[2] Laut Aussage des Professors schubste ihn der 20-jährige Angreifer, beleidigte ihn und schlug ihm mehrmals die Kippa vom Kopf. Unter anderem habe der Angreifer „I fuck Jews“ und „Keine Juden in Deutschland“ gerufen. Die herbeigerufenen Polizeibeamten hielten Melamed, der den weglaufenden Angreifer verfolgte, für den Täter, fixierten ihn, schlugen ihm anschließend mehrmals in das Gesicht und nahmen ihn fest. Über die Anzahl der Schläge gibt es unterschiedliche Angaben, einige Medien berichten von „wenigen Dutzend“, Melamed selbst spricht von ungefähr 50 bis 70 Schlägen ins Gesicht.[2] Laut Aussagen der Beamten und der Pressemeldung der Bonner Polizei soll sich Melamed gegen die Polizeimaßnahmen gewehrt haben, was er bestritten hat.[3][4] Ein Zeuge berichtete von einem „äußerst brutalen“ Verhalten des Polizisten,[5] der daraufhin versetzt wurde.[6] Die Bonner Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa und NRW-Innenminister Herbert Reul entschuldigten sich am Tag darauf bei dem Professor. Es wurden Ermittlungen gegen die vier am Einsatz beteiligten Polizisten, die zwischen 25 und 28 Jahren alt waren, aufgenommen, inzwischen wurden sie alle in andere Abteilungen versetzt.[7] Neben dem Vorwurf der Körperverletzung wird auch wegen möglicher Strafvereitelung im Amt ermittelt, da die Beamten Melamed zunächst davon abhalten wollten, sich über den Einsatz zu beschweren.[8] Trotz des Vorfalls hielt der Professor noch am selben Tag seinen geplanten Gastvortrag an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität.[9] Gegen den mutmaßlichen Täter, einen 20-jährigen Deutschen palästinensischer Abstammung, war bereits zuvor wegen eines Raubüberfalles ein Haftbefehl ausgestellt und wieder außer Kraft gesetzt worden. Nach dem Angriff auf Melamed wurde der Tätverdächtigte zunächst festgenommen, dann aber wieder freigelassen. Am 17. Juli bedrohte er ebenfalls im Hofgarten in Bonn Passanten mit einem Messer, weshalb der Haftbefehl wegen Wiederholungsgefahr in Kraft gesetzt wurde.[10] Am 19. Juli haben etwa 600 Menschen in Bonn beim „Tag der Kippa“ gegen Antisemitismus wegen des Vorfalls demonstriert.[11]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herausgeber

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c CV, Stand 11. Dezember 2017.
  2. a b Diana Zinkler und Johanna Rüdiger: Antisemitismus-Opfer kritisiert: „Das ist abscheuliches Polizeiverhalten“. In: Hamburger Abendblatt. Hamburg 14. Juli 2018 (abendblatt.de [abgerufen am 17. Juli 2018]).
  3. DerWesten - derwesten.de: Antisemitischer Angriff – Polizei verwechselt Opfer mit Täter. (derwesten.de [abgerufen am 17. Juli 2018]).
  4. Bonn: Israelischer Professor erhebt weitere Vorwürfe gegen Polizei. In: ZEIT ONLINE. (zeit.de [abgerufen am 17. Juli 2018]).
  5. Bonn reagiert mit "Tag der Kippa" auf antisemitischen Angriff, General-Anzeiger, 17. Juli 2018
  6. Schwere Vorwürfe nach antisemitischem Vorfall: Bonner Polizist nach Attacke auf Kippa-Träger versetzt, rp-online.de, 16. Juli 2018
  7. Philipp Königs: Jüdischer Professor attackiert – Bonn reagiert mit „Tag der Kippa“ auf antisemitischen Angriff. In: General-Anzeiger Bonn. Bonner Zeitungsdruckerei und Verlagsanstalt H. Neusser GmbH, Bonn 17. Juli 2018 (general-anzeiger-bonn.de [abgerufen am 17. Juli 2018]).
  8. Philipp Königs: Antisemitischer Vorfall - Vier Polizisten nach Kippa-Attacke in Bonn versetzt. In: General-Anzeiger Bonn. Bonner Zeitungsdruckerei und Verlagsanstalt H. Neusser GmbH, Bonn 17. Juli 2018 (general-anzeiger-bonn.de [abgerufen am 17. Juli 2018]).
  9. Antisemitische Tat am Hofgarten - "Als Jude in Bonn hat man sich an die Gefahr gewöhnt". In: General-Anzeiger Bonn. Bonner Zeitungsdruckerei und Verlagsanstalt H. Neusser GmbH, Bonn 12. Juli 2018 (general-anzeiger-bonn.de [abgerufen am 17. Juli 2018]).
  10. Nach Übergriff auf Professor in Bonn: 20-Jähriger zückt Messer und wird verhaftet. In: Spiegel Online. 18. Juli 2018 (spiegel.de [abgerufen am 18. Juli 2018]).
  11. KNA: „Tag der Kippa“ in Bonn: „Judenfeindlichkeit ist bei uns in Deutschland angekommen“. In: welt.de. 19. Juli 2018, abgerufen am 7. Oktober 2018.