ZAP Fanzine

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ZAP Fanzine
Beschreibung deutsches Hardcore-Punk-Fanzine
Verlag Eigenvertrieb
Hauptsitz Homburg
Erstausgabe Juni 1988
Einstellung ca. 1998
Erscheinungsweise monatlich / 14-tägig
Verkaufte Auflage 2.000–3.000 Exemplare
Chefredakteur Moses Arndt
Herausgeber Moses Arndt

Das Zap Fanzine (Eigenschreibweise: ZAP, zeitweiliger Untertitel: Hardcore Magazin - Kampfblatt des internationalen Rotzlöffeltums, politisch korrekt und antisexistisch) war ein deutsches Fanzine, das sich schwerpunktmäßig mit der Hardcore-Punk-Szene auseinandersetzte. Herausgeber und Chefredakteur war Moses Arndt aus Homburg. Zur Zeit seines Bestehens zwischen 1988 und 1998 galt es als das „wichtigst[e] deutsch[e] Fanzine für Hardcore jener Zeit“.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fanzine wurde erstmals im Juni 1988 herausgegeben.[2] Es erschien im Regelfall monatlich in einer schwankenden Auflage von 2.000 bis 3.000 Stück. In den 1990er Jahren versuchte man sich auch einige Zeit an einer 14-tägigen Veröffentlichungsweise, die sich jedoch nicht durchsetzen konnte. Der Schwerpunkt war von Beginn an auf die Hardcore-Punk-Szene gelegt[3], wobei auch weitere Themen aus dem Underground behandelt wurden. So engagierte sich Arndt auch für die politisch linke Hip-Hop-Szene um ihre Protagonisten Public Enemy, Anarchist Academy, Advanced Chemistry und die Absoluten Beginner.[4] Zu Beginn war vorrangig Arndt für den Inhalt verantwortlich.[3] Im Laufe der Jahre schrieben auch weitere Autoren für das Zap, so unter anderem Spermbirds-Sänger Lee Hollis, Hilmar Bender, Klaus N. Frick, der später das En-Punkt herausgeben sollte, sowie Martin Büsser. Letzterer führte für das Magazin um die 100 Interviews, darunter unter anderem mit Henry Rollins, Courtney Love, Nirvana, Sonic Youth und den Butthole Surfers. Er öffnete das Magazin auch für schwer zu fassende Künstler wie Heiner Goebbels und John Zorn.[5]

Das Zap galt von Beginn an als linksautonom geprägt und verstand sich als militantes Punk- und Hardcore-Zine mit antifaschistischer Grundtendenz. Bekannt wurde insbesondere eine Sonderausgabe im Mai 1994 im Vorfeld des Revivals der Chaostage im August des gleichen Jahres, die federführend von Arndt und vom späteren APPD-Kanzlerkandidaten Karl Nagel verfasst wurde. Bereits zu diesem Zeitpunkt stand ein Termin für die Chaostage 2000 fest, die parallel zur Expo 2000 in Hannover stattfinden sollten.[6] Zeitweise stand das Zine auf Grund von pornographischen Abbildungen und sexistischen Texten in der Kritik.[7]

Gegen Ende der 1990er verlor das Fanzine an Bedeutung. Der Versuch einer wöchentlichen Ausgabe scheiterte. Moses Arndt kümmerte sich von da an vorrangig um sein Piercing-Studio AK47 und veröffentlichte nach der letzten regulären Ausgabe circa 1998 das Fanzine in weitaus kleinerer Auflage als sogenanntes „Egozine“ weiter, bis er dieses ebenfalls einstellte.[8]

Kompilationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es erschienen mehrere Kompilationen in Zusammenarbeit mit verschiedenen Independent-Labeln. Am bekanntesten dürfte der Sampler Nazis raus! von 1991 sein, der über Weird System erschien und verschiedene antifaschistische Punklieder versammelte, darunter einige unveröffentlichte und rare Stücke. Auf dem Sampler sind unter anderem Die Toten Hosen, Slime und Die Goldenen Zitronen vertreten.[9] Im gleichen Jahr erschien außerdem Laugh & Hate - ZAP Hardcore Fanzine on Vinyl Vol. 1, ebenfalls mit Die Toten Hosen, der saarländischen Band Crowd of Isolated, außerdem vertreten Beck’s Pistols, Spermbirds und Yuppicide. Der LP-Sampler erschien über Rough Trade Records.[10] Ein Jahr später erschien wieder über Weird System der Surfpunk-Sampler Off Limits mit unter anderem den Ramones, den Hard-Ons sowie The Dickies.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Miteinander e.V. / Arbeitsstelle Rechtsextremismus (Hrsg.): Sirenen des Hasses. NS Hardcore aus Sachsen-Anhalt. Magdeburg/Halle (Saale) 2010, S. 6 (miteinander-ev.de).
  2. Thomas Lau: Die heiligen Narren: Punk 1976–1986. Zugl. Diss. Fernuniv. Hagen; de Gruyter, Berlin New York 1992, ISBN 978-3-11-178392-5, S. 191
  3. a b Interview mit Moses Arndt von Lee Hollis. Veröffentlicht 1988 im Video-Fanzine „Tribal Area #3“. Onlineabrufbar unter Tribalarea.de
  4. Sascha Verlan/Hannes Loh: 25 Jahre Hiphop in Deutschland. Hannibal, Höfen 2006, S. 241.
  5. Biografie Martin Büsser. icantrelaxin.de, abgerufen am 20. Dezember 2016 (PDF).
  6. Oliver Herbertz: Chaostage und Facebook-Partys: ›Organisiertes Chaos‹ in Zeiten des Web 2.0. In: Philipp Meinert, Martin Seeliger (Hrsg.): Punk in Deutschland: Sozial- und kulturwissenschaftliche Perspektiven. transcript Verlag, 1993, S. 114.
  7. ZAP in der Datenbank des deutschsprachigen Anarchismus (DadA)
  8. Matthias Mader: This is Boston, not New York. Eine Hardcore Punk Enzyklopädie. I.P. Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-931624-19-6, S. 74.
  9. Various – Nazis Raus! Discogs, abgerufen am 20. Dezember 2016.
  10. Various – Laugh & Hate - ZAP Hardcore Fanzine On Vinyl Vol. 1. Discogs, abgerufen am 20. Dezember 2016.
  11. Various – Off Limits. Discogs, abgerufen am 20. Dezember 2016.