Za dom spremni

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Emblem der Ustascha mit dem Wahlspruch „Za Dom – Spremni!“ über dem Eingang eines Messegeländes in Zagreb (1942).

Za Dom! (Für die Heimat!) ist ein kroatischer Schlachtruf, der erstmals im 16. Jahrhundert während der Türkenkriege verwendet wurde. Er findet sich als militärischer Gruß sowie in Rede, Literatur, Poesie, Musik und Sport.

Die bekannteste Variante ist Za Dom – Spremni! (Für die Heimat – Bereit!). Seit den 1930er Jahren war dies der Wahlspruch und Gruß der faschistischen Ustascha, die auch die abgewandelte Langform Za Poglavnika i Dom – Spremni! (Für den Führer und die Heimat – Bereit!) verwendete.[1] Mit „Poglavnik“ ist dabei Ante Pavelić gemeint, der Führer der Ustascha und Diktator des Unabhängigen Staates Kroatien (NDH) war.

Seit dem Kroatienkrieg (1991 bis 1995) findet Za Dom – Spremni! wieder Verwendung, ist jedoch als Äquivalent des faschistischen Grußes äußerst umstritten.[2][3] Die Verwendung des Grußes kann in Kroatien gegen das Gesetz über die öffentliche Ordnung, das Versammlungsrecht und das Gesetz zur Verhinderung von Unruhen bei Sportwettkämpfen verstoßen und zu strafrechtlicher Verfolgung führen.[4][5]

Ursprünge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der kroatische Gruß bzw. Aufruf Za dom (Für die Heimat) ohne die Erwiderung Spremni! (Bereit!), findet sich mehrfach in der kroatischen Geschichte ohne faschistischen oder nationalistischen Hintergrund.

So findet sich der Aufruf Za dom mehrfach in Paul Ritter Vitezovićs Werk Odiljenje sigetsko aus dem Jahr 1684, welches sich mit der Belagerung von Szigetvár und dem dabei gefallenen kroatischen Feldherrn Nikola Šubić Zrinski befasst.[6]

Unabhängiger Staat Kroatien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zunächst nur Gruß der Ustascha, sollte Za Dom – Spremni! nach der Machtübernahme und Errichtung einer totalitären Diktatur in Form des Unabhängigen Staats Kroatien zum verbindlichen Gruß aller werden. Dieser von 1941 bis 1945 bestehende Ustascha-Staat war für Rassengesetze und den Genozid an verschiedenen ethnischen Gruppen, hauptsächlich Serben, Juden und Roma, und die Ermordung zahlreicher politischer Oppositioneller verantwortlich. Analog zum Hitlergruß („Deutscher Gruß“) wurde er im Sprachgebrauch der Ustascha auch als „Kroatischer Gruß“ bezeichnet und beispielsweise offizielle Schreiben an deutsche Behörden mit der Grußformel „Mit kroatischem Gruß, Za dom spremni!“ beendet.[7] In Annäherung an das faschistische Königreich Italien und das nationalsozialistische Deutschland wurde er als gesprochener Gruß mit der Geste des erhobenen rechten Armes („Römischer Gruß“) verbunden. Er wurde auf parteiinternen und staatlichen Abzeichen, Orden und Ehrenzeichen sowie auf Schriftstücken als abschließende Grußformel (beispielsweise bei Ordensverleihungen) verwendet. Die staatliche Propaganda ließ unter anderem verlauten:

„U Poglavnikovoj Hrvatskoj pozdravlja je jedino ustaškim pozdravom: Za dom – spremni!“

„Im Kroatien des Poglavnik grüßt man sich einzig mit dem Ustascha-Gruß: Für die Heimat – Bereit!“

sowie auch

„Naš pozdrav je: Za dom – spremni!, Za poglavnika i za dom – spremni!“

„Unser Gruß ist: Für die Heimat – Bereit!, Für Führer und Heimat – Bereit!“[8]

Einem deutschen Wehrmachts-Offizier der „Kroatischen Legion“ wurde über den Gruß berichtet:

„Za dom! Das heißt: Für die Heimat! – Das ist der kroatische Gruß in diesem Kriege, sozusagen der Gruß der Bewegung, entsprechend unserem Heil Hitler.“ […] ‚Die Antwort‘, fuhr der Leutnant fort, „lautet: Spremni! Wir sind bereit! – An der Art, wie es herauskommt, merkt man schon, wes Geistes Kind die Leute sind.“[9]

Kroatien- und Bosnienkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abzeichen der HOS-Miliz (1990er-Jahre)

Während des Kroatien- und Bosnienkriegs verwendeten einige kroatische Militäreinheiten den Wahlspruch „Za Dom!“ oder „Za Dom – Spremni!“ beispielsweise auf ihren Abzeichen. Die rechtsradikale kroatische HOS-Miliz verwendete ihn daneben verbindlich auch als gesprochenen Gruß zusammen mit der Geste des erhobenen rechten Arms.

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rechtsradikales Graffiti in Kroatien: das vereinfachte Ustascha-Emblem und „Za Dom“ (2008)

In den Stadien Kroatiens wird seit den 1990er Jahren regelmäßig der Ustascha-Gruß zelebriert.[10]

Nach der geglückten Qualifikation zur WM 2014 am 19. November 2013 sorgte der kroatische Nationalspieler Josip Šimunić für einen Eklat. Der Abwehrspieler nahm sich nach dem 2:0-Sieg im Rückspiel in Zagreb gegen Island das Stadion-Mikrofon und rief in Richtung der Fans fünf Mal „Za Dom“, woraufhin ihm das Publikum jeweils mit „Spremni!“ antwortete. Am darauffolgenden Wochenende riefen mehrere tausend Anhänger von Hajduk Split, die Torcida Split, den Ustascha-Gruß beim Heimspiel gegen den NK Osijek im Poljud-Stadion sowie „Auf geht’s, Ustaschas!“. Der Sangesgruß war Šimunić gewidmet.[11] Im Dezember 2013 wurde Šimunić für die öffentliche Verwendung der Grußformel bei einer Stadiondurchsage von der FIFA für die Fußballweltmeisterschaft 2014 gesperrt, mit Stadionverbot belegt und zur Zahlung von einer Geldstrafe in Höhe von 30.000 Schweizer Franken verurteilt. Die Fifa-Disziplinarkommission kam in ihrem Urteil zu dem Schluss, „dass dieser Gruß diskriminierend sei und die Würde einer Gruppe von Personen unter anderem in Bezug auf Rasse, Religion oder Herkunft verletze“. Die kroatische Justiz hatte Šimunić bereits im November 2013 zu einer Geldstrafe von umgerechnet 3200 Euro verurteilt.[12]

Zu Konzerten der umstrittenen kroatischen Rockband Thompson erscheinen Fans der Band teils in schwarzer Kleidung und anderen Symbolen der „Schwarzen Legion“ der Ustascha. Der Gruß wird dabei häufig skandiert.[13]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marko Samardžija: Hrvatski jezik u Nezavisnoj Državi Hrvatskoj [Die kroatische Sprache im Unabhängigen Staat Kroatien]. Hrvatska Sveučilišna Naklada, 1993, ISBN 978-953-169-003-4.
  • General Drinjanin (d. i. Vjekoslav Luburić): Naš vojnički pozdrav [Unser soldatischer Gruß]. In: Drina. Nr. 1. Spanien 1963.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marko Samardžija: Jezični purizam u NDH : Savjeti Hrvatskoga državnog ureda za jezik [Sprachpurismus im NDH : Richtlinien des Kroatischen Staatsamtes für Sprache] (= Biblioteka Jezikoslovlje, Nakladnički projekt Verbum Croaticum). Hrvatska Sveučilišna Naklada, 1993, ISBN 978-953-169-005-8, S. 23.
  2. Spiegel online: Simunic jubelt mit faschistischer Ustascha-Parole. Abgerufen am 20. November 2013.
  3. derstandard.at: Josip Šimunić sorgt für Empörung. Abgerufen am 20. November 2013.
  4. Norbert Mappes-Niediek: Der Gruß von Simunic verstößt gegen drei Gesetze. In: Die Welt, 17. Dezember 2013. Abgerufen am 15. März 2014.
  5. Ivanka Toma: Zbog 'Za dom spremni' dosad podignuto 13 prekršajnih prijava. In: Večernji list, 22. November 2013. Abgerufen am 15. März 2014.
  6. Paul Ritter Vitezović: Oddiljenja Sigetskoga čentiri děla : S uvodom životu Nikole kneza Zrinjskoga. Zagreb 1836, S. 44, 50 (google.hr).
  7. Hans-Christoph Seidel: Zwangsarbeit im Bergwerk: Dokumente. Hrsg.: Klaus Tenfelde, Hans-Christoph Seidel, Jens Adamski. (= Band 2 von Zwangsarbeit im Bergwerk: Der Arbeitseinsatz im Kohlenbergbau des Deutschen Reiches und der besetzten Gebiete im Ersten und Zweiten Weltkrieg, Veröffentlichungen des Instituts für Soziale Bewegungen: Arbeitseinsatz und Zwangsarbeit im Bergbau). Klartext, 2005, ISBN 978-3-89861-390-3, S. 657.
  8. Marko Samardžija: Hrvatski jezik u Nezavisnoj Državi Hrvatskoj [Die kroatische Sprache im Unabhängigen Staat Kroatien]. Hrvatska Sveučilišna Naklada, 1993, ISBN 978-953-169-003-4, S. 57.
  9. Adolf von Ernsthausen: Die Wölfe der Lika : Mit Legionären, Ustaschi, Domobranen und Tschetniks gegen Titos Partisanen : Erlebnisse in Kroatien 1944. Kurt Vowinckel Verlag, Neckargemünd 1959, S. 24.
  10. Wiener Zeitung: Vergangenheit spielt mit
  11. Neue Osnabrücker Zeitung: Jubel von Fußballer Simunic wühlt Kroatien auf. Abgerufen am 29. November 2013.
  12. Šimunić bleibt nach „kroatischem Gruß“ WM verwehrt, Süddeutsche Zeitung vom 16. Dezember 2013
  13. Die Welt: Mit dem Ustaschagruß auf große Fahrt