Zementfabrik Lägern

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Portland-Cement-Fabrik Lägern
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1894
Auflösung 1902
Auflösungsgrund Konkurs
Sitz Oberehrendingen, SchweizSchweiz Schweiz
Mitarbeiterzahl 400
Branche Baumaterial

Die Zementfabrik Lägern war ein Unternehmen in Ehrendingen im Schweizer Kanton Aargau, das die Kalk- und Tonmergelvorkommen der Lägern abbaute und daraus Zement herstellte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zementfabrik Lägern, im Hintergrund die Seilbahn nach Niederweningen
Verladestation Niederweningen der Seilbahn der Zementfabrik Lägern
Lagekarte der Zementfabrik Lägern und deren Seilbahn, Kartenhintergrund 2017

Die Gipsvorkommen an der Lägern wurden seit dem Mittelalter abgebaut und in den Mühlen im Dorf und in der Tiefenwaag gemahlen. Mit der Zunahme der Nachfrage nach Baustoffen Ende des 19. Jahrhunderts wurde 1892/93 die Reinhard Frei & Co. gegründet, um industriell Zement herzustellen. Das Unternehmen wurde 1894 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Eine Fabrik wurde gebaut, in der bis zu 400 Arbeiter, davon etwa 250 Fremdarbeiter,[1] beschäftigt waren.[2]

Im Jahr 1896 wurde eine 3,8 Kilometer lange[3] elektrisch betriebene Lorenseilbahn zwischen der Fabrik und dem damaligen Bahnhof Niederweningen der Wehntalbahn in Betrieb genommen. Dieser Bahnhof wurde bei der Verlängerung der Wehntalbahn 1938 in Niederweningen Dorf umbenannt. Die Seilbahn diente einerseits dazu, die Kohle für die Zementöfen zur Fabrik zu bringen, andererseits die fertigen Produkte abzuführen. Eine Lore der Seilbahn fasste etwa 300 kg Material.[2] Die Seilbahn wurde von Fritz Marti in Winterthur errichtet, der die Vertretung der deutschen J. Pohlig AG für die Schweiz und Italien innehatte.[4] Die Zweiseilumlaufbahn verwendete Gewichtshebelkupplungen, um die Loren mit dem Zugseil zu verbinden. Bei diesem System wird die Schraubklemme, welche den Wagen mit dem Seil verbindet, durch einen Gewichtshebel betätigt. Der Hebel wurde in den Endstationen durch Führungsschienen umgeworfen.[5] 1897 kam es zu einem Elektrounfall beim Antriebsmotor der Seilbahn, wobei zwei Arbeiter getötet wurden.[6]

Die Zementfabrik Lägern war bereits 1899 stark verschuldet und musste 1902 Konkurs anmelden. Die ganze Anlage wurde von den Jura-Cement-Fabriken, einem Konkurrenten der Zementfabrik Lägern, aufgekauft und die Produktion eingestellt. Im Jahre 1904 wurde das gesamte Fabrikareal an die Gebrüder Bertschinger in Wallisellen verkauft, wobei das Areal mit einem Servitut belastet wurde, dass es nicht mehr für die Herstellung von Zement, Kalk oder anderen Bindemitteln verwendet werden darf.[2]

1909 wurden die Gebäude der Zementfabrik durch eine Sappeurkompagnie gesprengt; einzig das Verwaltungsgebäude blieb erhalten.[2] Die Materialseilbahn wurde an die Zementfabrik von Gottlieb Spühler in Rekingen verkauft und dort weiterverwendet.[6]

Erhaltene Gebäude und Überreste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem ehemaligen Verwaltungsgebäude an der Gipsstrasse 55[7] sind die Gebäude der beiden ehemaligen Gaststätten Eintracht (Gipsstrasse 53)[8] und Frohsinn (Gipsstrasse 60) erhalten. Weiter steht an der Gipsstrasse 44[9] ein Arbeiterwohnhaus, das wegen der kinderreichen Familien und den daraus resultierenden vielen zum Trocknen aufgehängten Stoffwindeln im Volksmund als Windleburg bezeichnet wurde.[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zementfabrik Lägern – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Patrick Zehnder: Oberehrendingen. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  2. a b c d Cyprian Schnoz: Die Seilbahn von Niederweningen – ein kurzes Stück Industriegeschichte. In: Zürcher Unterländer. 4. Februar 2016 (zuonline.ch [abgerufen am 26. Dezember 2017]).
  3. Inserat: Gelegenheits-Kauf: Zementfabrik Lägern. In: Staatssekretariat für Wirtschaft (Hrsg.): Schweizerisches Handelsamtsblatt. Band 20, Nr. 341, 1902, S. 1363 (e-periodica.ch).
  4. Otto'sche Drahtseilbahnen. Inserat. In: Schweizerische Bauzeitung. Band 26, Nr. 14, 5. Oktober 1895 (ETH e-periodica).
  5. Heinrich Aumund: Hebe- und Förderanlagen:. 2. Auflage. Band 1: Allgemeine Anordnung und Verwendung. Springer-Verlag, Berlin 1926, ISBN 978-3-642-50697-0, S. 157–158 (Google Books [abgerufen am 27. Dezember 2017]).
  6. a b Reinhard Frei & Co. Zementfabrik. In: Datenbank Industriekultur. VAMUS, abgerufen am 26. Dezember 2017.
  7. Bürogebäude der Zementfabrik. In: Online-Inventar der Kantonalen Denkmalpflege Aargau. Kanton Aargau, 2014, abgerufen am 26. Dezember 2017.
  8. Ehem. Restaurant „Zur Frohburg“. In: Online-Inventar der Kantonalen Denkmalpflege Aargau. Kanton Aargau, 2014, abgerufen am 26. Dezember 2017.
  9. Arbeiterwohnhaus der Zementfabrik (entlassen). In: Online-Inventar der Kantonalen Denkmalpflege Aargau. Kanton Aargau, 2014, abgerufen am 26. Dezember 2017.
  10. Jolanda Hasler: Hätten Sie es noch gewusst? Wo einst 44 kinder lebten. In: Ehrendinger. Nr. 24, November 2009 (pdf).