Zhao (Staat)

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Zhao (chinesisch  / , Pinyin Zhào) war ein Staat des chinesischen Altertums während der Zeit der Streitenden Reiche, der 403 v. Chr. entstand und vom Staat Qin 228 v. Chr. annektiert wurde.

Er grenzte an die Staaten Qin, Wei und Yan. Seine Hauptstadt war Handan. Das Territorium umfasste Gebiete in der Heutigen Inneren Mongolei sowie den Provinzen Hebei, Shanxi und Shaanxi.

Gründung der Zhao-Dynastie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Entstehungszeit der Zhao-Dynastie wird im Hinblick auf die historischen Quellen die Gründungszeit der Zhou-Dynastie vermutet. Die Annalen der Zhao nennen Zhao Fu als Ahnherr der Zhao-Dynastie. Sie verzeichnen keine Regierungsdaten für ihn. Sie berichten jedoch, dass er im 10. Jh. v. Chr. z. B. als Pferdeausspanner (Stallmeister) in den Diensten von König Wu, dem Gründer der Zhou-Dynastie steht. Zhao Fu nimmt in dieser Zeit an Feldzügen für die Zhou gegen den Xu-Staat (heute: Anhui) teil. Für seine Verdienste belohnt ihn der Zhou-König Wu mit einem Lehen, das den Namen Zhao erhält, auf den der Name der Dynastie Zhao zurückgeht. Das Lehen wird in der heutigen Provinz Shanxi, nahe der Stadt Hongtong verortet.

Aufstieg der Zhao-Dynastie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zhao Fus Erben und Nachfolger dienen bis in die Zeit der Streitenden Reiche der Zhou-Dynastie. Sie unterstützen die Ausbreitung und Sicherung des Herrschaftsgebietes der Zhou. Sie erwerben dabei politischen und militärischen Einfluss, indem sie den Zhou-Königen oder anderen Vasallen z. B. in Schlachten, mit Truppen oder als Fluchthelfer gegen feindliche Verfolger beistanden. Yan Fu, Nachfolger von Zhao Fu, z. B. rettete dem Zhou König Xuan während einer Schlacht gegen mongolische Stämme das Leben. Sein Sohn stellte sich im Staat Jin in die Dienste des Herzogs Wen. Dessen Nachfolger Zhao Su beteiligt sich Jahrzehnte später an Schlachten gegen die kleinsten Vasallenstaaten Huo (霍), Wei und Geng (耿). Der Nachfolger Zhao Shuai steht einem Thronfolger von Jin als Berater bei, als jener in einem Nachbarstaat Asyl suchen muss. Sie verbringen zusammen dort 19 Jahre, heiraten und zeugen Kinder. Bei seiner Rückkehr wird der Thronfolger Herzog von Jin. Zhao Shuai berät ihn während seiner ganzen Regierungszeit (637-628).

Derartige Unterstützungen, denen im Laufe der Jahrhunderte viele weitere folgten, werden durch Lehen, rechtlich bindende Vergünstigungen und politisch nützliche Beziehungen belohnt. Es ergeben sich ehrgeizige Pläne, die verfolgt und umgesetzt werden. So gibt es ca. 400 Jahre nach der Entstehung der Zhao-Dynastie Berichte in den Annalen der Zhao, die belegen, wie der Kampf um Territorien anderer, um eigene Rechte und um politische Anerkennung heftiger wird.

So kam es z. B. in der Frage um die Nachfolge des Herzogs Ling von Jin, zu folgendem Konflikt. Zhao Dun, der dem Herzog Ling von Jin seit 621 v. Chr. als Ratgeber dient, fürchtet, dass dieser ihm nach seinem Leben trachtet. Da greift der Verwandte Zhao Chuan ein, tötet Herzog Ling (607 v. Chr.) und macht den Prinzen Heitung (später:Herzog Cheng) zum Nachfolger. Ein Günstling des ermordeten Herzogs von Ling will für den Mord an seinem Gönner Rache nehmen und plant das ganze Haus Zhao auszulöschen. Zhao Shuo, der militärisch sehr erfolgreich ist, wird von dem bevorstehenden Massaker in Kenntnis gesetzt. Doch er weigert sich zu fliehen. Er wird zusammen mit drei anderen Verwandten seines Hauses ermordet.[1]

Zhao vor der Vereinigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tendenz andere Staaten nicht nur militärisch zu besiegen, sondern auch ganz zu vernichten, bis hin zum Mord u. a. an Fürsten und Ministern, wird ausgeprägter. Zhao-Fürsten kümmern sich neben gesellschaftlichen Aufgaben vor allem um militärische Kenntnisse ihrer Generäle und Offiziere, sowie um Verbesserung ihrer Truppen, die nach Vorbild der Steppentruppen im Reitschießen und Schwertkämpfen trainiert wurden.[2]

Es kursierten unter den Regierenden und Beratern immer wieder Gerüchte, welche Truppen welchen Staates sich in Zukunft in Schlachten begegnen würden. So wird z. B. berichtet, dass ein gewisser Jizi von Yanling (aus dem Staat Wu) bei einem Besuch (ca. 545 v. Chr.) in Jin gesagt haben soll, dass die Fürsten von Zhao, Han und Wei die Jin-Dynastie auslöschen werden, was auch geschah. Der Staat Jin wurde in die Staaten Wei, Han und Zhao aufgeteilt.[3]

Eine ähnliche Aussage ist von einem Berater namens Yan Ying überliefert, der bei einem Besuch in Qi sagt, dass eines Tages die Herrscher von Qi den Familien der sechs leitenden Minister von Qi in die Hände fallen werden. Wenige Jahre später vernichteten die sechs leitenden Minister die Familien der Qi und der Yangshe und übernahmen deren Territorien.

Die kleineren und kleinsten Staaten verschwanden und schließlich waren zu Beginn der Periode der Streitenden Reiche nur noch ca. 10 Staaten übrig. Unter diesen war Zhao. Am Ende dieser Periode steht die Vereinigung aller noch vorhandenen Staaten zu einem Staat.[1]

Zhao 222 v. Chr. als Teil der zu vereinigenden Territorien.

Vernichtung des Zhao-Staates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 3. Jh. v. Chr. ist Zhao trotz mancher militärischen Niederlage ein gesellschaftlich erfolgreich reformierter Staat, besitzt ein ausgedehntes und gegen Angriffe von Steppenvölkern durch eine Mauer geschütztes Territorium, verfügt über renommierte Offiziere und Generäle, die als erfolgreiche Militärstrategen bekannt sind, sowie über gut ausgebildete Truppen. Dies war u. a. König Wuling (reg. 325-299) zu verdanken.

Die Fürsten und Minister des Staates Qin wollen alle noch verbliebenen Territorien unter ihrer Führung zu einem Staat vereinigen. Sie sehen in Zhao das Haupthindernis, das den Zugang zu den landwirtschaftlich wichtigen Ebenen im Nordwesten verwehrt und die Vereinigung des ganzen Landes blockiert. 260 v. Chr. greifen Truppen Qins Changping an, das zum Gebiet von Zhao gehörte. Die Schlacht von Changping wird eine der bedeutungsvollsten Auseinandersetzungen im Prozess der Vereinigung der Territorien unter Quin.[4]

Das Massaker von Changping[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Angriff bereitet man sich in Qin gründlich auf die militärische Begegnung vor. Die Qin bestechen einen Minister der Zhao und erfahren die Verteidigungspläne. Dann verbreiten sie das Gerücht, dass die Qin niemanden unter den Gegnern mehr fürchten als General Zhao Kuo, Sohn eines namhaften Generals. Den Truppen wird Geheimhaltung der eigenen Vorbereitung auferlegt. Zhao Huo nimmt auf Befehl seines Fürsten die Herausforderung an und wird mit der militärischen Leitung betraut. Er verwirft den ursprünglichen Plan eines Hinterhaltes für die Qin, der von einem hochbetagten General stammt. Zhao Huo hat seinen eigenen Plan: Er will Qin angreifen. Seine Entscheidung hat Entlassungen von Offizieren zu Folge und ruft Unzufriedenheit in der Truppe hervor.

Zhao Huo befiehlt den Angriff. Die Qin täuschen vor, zu verlieren und ziehen sich zurück. Die Truppen Zhao’s verfolgen sie bis in deren Garnison. Dort begegnen sie unerwartetem Widerstand. Sie werden gleichzeitig angegriffen und der Fluchtweg wird ihnen abgeschnitten. Schließlich sind Zhao’s Truppen eingekreist. Sie werden mit Unterstützung weiterer - auch aus anderen Staaten herbeigerufener - Soldaten erfolgreich in Schach gehalten. Nach 40 Tagen haben Zhao’s Truppen nichts mehr zu essen. Bei einem Ausbruchsversuch einiger Soldaten wird Zhao Huo getötet und schließlich alle 400 000 Soldaten eingekesselt. Der General der Qin lässt sie bei lebendigem Leib begraben.

Nach diesem Massager war Zhao vollständig vernichtet, seiner Soldaten und finanziellen Mitteln beraubt. Die noch unbesiegten anderen Staaten sind in Angst und Schrecken versetzt. Ihr Widerstandsgeist ist gebrochen.[5]

Das Ende der Zhao-Dynastie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

228 v. Chr. wird die Hauptstadt Handan erobert und der regierende König Zhao Qian gefangen gesetzt. Sein Sohn Zhao Jia flieht nach Dai, wo er sich zum König ausruft. 222 v. Chr. besetzt General Wang Ben aus Qin diesen letzten Rückzugsort des Hauses Zhao.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Liyuan Wang-Scheerer: Shows aus China: ein Beitrag zur transkulturellen Kommunikation. Diss. Hamburg 2007.
  • Michael Weiers: Geschichte Chinas: Grundzüge einer politischen Landesgeschichte. Stuttgart 2009.
  • Qizhi Zhang: An Introduction to Chinese History and Culture. Berlin/Heidelberg 2015.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Ulrich Theobald: The Feudal State of Zhao In: ChinaKnowledge.de – An Encyclopaedia on Chinese History, Literature and Art.
  2. Vgl. Liyuan Wang-Scheerer: Shows aus China: ein Beitrag zur transkulturellen Kommunikation. Diss. Hamburg 2007, S. 33-37.
  3. Vgl. Michael Weiers: Geschichte Chinas: Grundzüge einer politischen Landesgeschichte. Stuttgart 2009, S. 24 -28.
  4. Vgl. zu diesem Abschnitt: Qizhi Zhang: An Introduction to Chinese History and Culture. Berlin/Heidelberg 2015, S. 29f. Auch: Ulrich Theobald: Zhao.
  5. Vgl. zu diesem Abschnitt: Qizhi Zhang, S. 230–232.
  6. Vgl. Qizhi Zhang, ebd.