Zschadraß

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Koordinaten: 51° 8′ 16″ N, 12° 49′ 9″ O

Zschadraß
Stadt Colditz
Höhe: 222 m
Fläche: 1,37 km²[1]
Eingemeindung: 1. Januar 2011
Postleitzahl: 04680
Vorwahl: 034381
Kirche in Zschadraß

Zschadraß ist ein Ortsteil der Stadt Colditz im Süden des Landkreises Leipzig im Freistaat Sachsen. Zschadraß war bis zum 31. Dezember 2010 eine verwaltungsgemeinschaftsfreie Gemeinde mit Gemeindesitz in Hausdorf.

Geographie und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ehemalige Gemeinde liegt 2 km nordöstlich der Stadt Colditz inmitten des Sächsischen Burgen- und Heidelandes. Durch den Süden des früheren Gemeindegebietes verläuft die B 176.

Ortsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gemeinde gehörten die Ortsteile:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Gemeindewappen
Das Haus 15a der Zschadraßer Psychiatrie mit einem selbstironischen Plakat mit der Aufschrift „da wurde etwas Geschichte geschrieben“[2]

Zschadraß als Hauptort wird im Jahr 1294 erstmals als Zcadroz urkundlich erwähnt. Mehrere Ortsteile sind älter und wurden im Jahr 1215 erstmals urkundlich erwähnt. Zschadraß gehörte lange Zeit zur Stadt Colditz. Am 1. Januar 1995 vereinten sich die Gemeinden Hausdorf, Erlbach und Zschadraß zur Großgemeinde. Am 1. Januar 1996 schloss sich die Gemeinde Tanndorf an. Heute sind 18 Ortschaften Mitglied der Großgemeinde.

Hier gründete Friedrich August Hermann Voppel, als damals anerkannter Psychiater und gleichzeitig Direktor der Landesversorgungsanstalt (Irrenanstalt) auf Schloss Colditz im Jahr 1868 in Zschadraß eine agricole Außenkolonie. Auch danach blieb die Gemeinde eng mit seiner Klinik für Psychiatrie und Neurologie verbunden. Während der NS-Zeit diente die damalige Landesanstalt Zschadraß unter dem seinerzeit amtierenden Direktor Max Liebers (1879–1956) als Zwischenanstalt für das Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten. Mehr als 3400 Patienten wurden zwischen Juni 1940 und September 1941 in die Tötungsanstalten Pirna-Sonnenstein und Brandenburg weiterverlegt und dort ermordet. Die Anstalt wurde 1942 zur Lungenheilstätte mit einer psychiatrischen Abteilung umprofiliert und nannte sich ab da Lungenheilstätte Hainberg. Bis 1998 beherbergte Zschadraß eine weltweit anerkannte Lungenklinik, die 1999 nach Chemnitz umzog. Danach wurde die Klinik vom Diakoniewerk übernommen.

Am 1. Januar 1995 wurden die Gemeinden Erlbach und Hausdorf eingegliedert.[3] Zum 1. Januar 2011 wurden die Gemeinde Zschadraß und die Stadt Colditz zusammen mit vier ehemaligen Großbothener Ortsteilen zur Stadt Colditz zusammengefasst.

Deutschlandweit bekannt wurde Zschadraß durch den Hochstapler Gert Postel, der von 1995 bis 1997 in der örtlichen psychiatrischen Klinik als Oberarzt angestellt war.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl der Gemeinde Zschadraß (ab 2000 Stichtag 31. Dezember, Datenquelle: Statistisches Landesamt Sachsen):

Jahr Einwohner
1990 3.723 *
2000 3.839
2005 3.451
2006 3.360
2007 3.310
2010 3.247

* 3. Oktober

Fachkrankenhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fachkrankenhaus

Das Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie mit der Diakoniewerk Zschadraß gemeinnützige GmbH als Träger[4] verfügt über 110 Betten für die Psychiatrie und Psychotherapie sowie 30 Betten für die Neurologie. Außerdem werden je 15 tagesklinische Plätze in Rochlitz, Grimma und Borna vorgehalten. Das Krankenhaus ist Lehrkrankenhaus der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dentalhistorisches Museum
Wasserturm

sowie in den ehem. Ortsteilen:

  • Wasserschloss Podelwitz
  • Kirche Collmen
  • Kirche Erlbach
  • Alte Bergscheune Podelwitz
  • Heimatturm Terpitzsch
  • Zschirlaer Tiergartentor
  • Kirche Zschirla

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnergemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Stöttwang in Bayern besteht eine Partnerschaft.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zschadraß im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen.;
    Die Summe der Flächenangaben des Historischen Ortsverzeichnisses für die vier Orte Collmen, Commichau, Skoplau und Zschadraß liegt mit 679 ha rund 2 % über dem mit 664,3 ha ausgewiesenen Flächenwert der Gemeinde Zschadraß (Stand: 1990) im Regionalregister Sachsen. Abgerufen am 28. Februar 2015.
  2. „ort jenseits der strasse“ – Ein faszinierendes Kunstprojekt auf dem Gelände der Psychiatrie Zschadraß, in: Leipziger Volkszeitung, 31. Dezember 2003, abgerufen am 12. November 2014
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1995
  4. Website des Diakoniewerks
  5. Website des Dentalhistorischen Museums

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zschadraß – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Zschadraß im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen.