Zuckerbrot und Peitsche

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Zuckerbrot und Peitsche ist eine Redewendung, die eine Form der Einflussnahme auf andere Personen oder Organisationen umschreibt. Übersetzt kann das z. B. heißen: „Gehorche mir und ich werde dir Gutes tun; widersetzt du dich mir, dann wird dir Böses widerfahren.“ Das entscheidende Moment dabei ist, dass die manipulative Einflussnahme aus taktischen Gründen sowohl in angenehmer als auch in unangenehmer Weise für den Betroffenen erfolgt. Die inhaltliche Betonung der Methode liegt auf dem und.

Da es in einem Rechtsstaat niemandem (auch dem Staat als Inhaber des staatlichen Gewaltmonopols nicht) erlaubt ist, andere Menschen auszupeitschen, wird durch die Verwendung der Formulierung „Zuckerbrot und Peitsche“ vom Sprecher bzw. Schreiber, sofern es sich um einen Anhänger des demokratischen Rechtsstaats handelt, die Ansicht zum Ausdruck gebracht, dass das Subjekt der entsprechend bewerteten Maßnahmen nicht legitimiert sei, diese auszuführen.

Häufig wird die Auffassung vertreten, wonach das Prinzip Fördern und Fordern dem Prinzip Zuckerbrot und Peitsche entspreche und wonach erstere Formulierung eine euphemististische Umschreibung von letzterer darstelle, aber dieselben Sachverhalte bezeichne. Die These, wonach derjenige, der von „Fördern und Fordern“ spreche, lediglich die Absicht habe, auf autoritäre Weise Herrschaft über die Objekte seiner Maßnahmen auszuüben, ist jedoch umstritten.

Geschichte der Bezeichnung und des Bezeichneten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Praxis der Ausgabe von Zuckerbrot an Sklaven[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Herstellung von Zucker aus Zuckerrohr wird die Zuckerlösung (ausgepresstes Zuckerrohr) durch Erhitzen „eingekocht“. Im Topf ganz unten entwickelt sich die größte Hitze, was dazu führt, dass der Zucker karamellisiert. Den karamellisierten Zuckerklumpen nennt man Zuckerbrot. Dieses Zuckerbrot wurde bis zum 19. Jahrhundert oft den Sklaven (als Belohnung) gegeben, die die Arbeiten in (vor allem US-amerikanischen) Zuckerfabriken erledigen mussten. Die Sklaven wurden also mit Zuckerbrot belohnt und mit der Peitsche bestraft.

Auch diejenigen, die heute diesen historischen Hintergrund nicht kennen, müssen damit rechnen, dass diejenigen, denen sie eine Strategie von „Zuckerbrot und Peitsche“ attestieren, sich als Quasi-Sklavenhalter diffamiert fühlen.

Häufige Anwendung auf die Politik Otto von Bismarcks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Redewendung „Zuckerbrot und Peitsche“ wird oft im Zusammenhang mit Bismarcks Politik genannt, welche eine Reaktion auf die stürmische Industrialisierung war. Bismarck führte im gesamten Deutschen Reich eine Sozialgesetzgebung ein, welche eine Kranken-, Unfall-, Invaliditäts- und Altersversicherung umfasste.[1] Die politische Funktion der von Bismarck veranlassten Sozialgesetzgebung lag darin, die Arbeitermassen der Sozialdemokratie abspenstig zu machen. Bismarcks Strategie, einerseits die sozialistische Bewegung (durch die „Peitsche“ der Sozialistengesetze) zu unterdrücken und gleichzeitig (durch das „Zuckerbrot“ der Sozialpolitik) in den monarchisch-autoritären Obrigkeitsstaat zu integrieren, erwies sich jedoch nur als bedingt erfolgreich.

1930 verfasste Kurt Tucholsky unter seinem Pseudonym Theobald Tiger ein Gedicht mit diesem Titel in der Weltbühne.[2]

Siehe auch: Soziale Sanktion

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. hierzu die 40-bändige Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914 von Wolfgang Ayaß, Florian Tennstedt u.a.
  2. Die Weltbühne, 9. Dezember 1930, Nr. 50, S. 872.