Črnomelj

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Črnomelj
Wappen von Črnomelj Karte von Slowenien, Position von Črnomelj hervorgehoben
Basisdaten
Staat: Slowenien
Historische Region: Bela krajina
Statistische Region: Jugovzhodna Slovenija (Südostslowenien)
Koordinaten: 45° 34′ N, 15° 11′ O45.57388888888915.189166666667174Koordinaten: 45° 34′ 26″ N, 15° 11′ 21″ O
Höhe: 174 m. i. J.
Fläche: 339,7 km²
Einwohner: 14.936 (2008)
Bevölkerungsdichte: 44 Einwohner je km²
Postleitzahl: 8340
Kfz-Kennzeichen: NM
Struktur und Verwaltung
Webpräsenz:

Črnomelj (deutsch Tschernembl, italienisch Cernomeli) ist eine Stadt in der slowenischen Region Bela krajina. Der Altstadtkern liegt auf einem schmalen Damm zwischen den Flüssen Lahinja und Dobličica. Die Stadt hat 5.799 Einwohner (2002); die gleichnamige Gemeinde bildet mit 14.580 Einwohner die größte der drei Gemeinden der Bela krajina. Der Fluss Kolpa bildet die natürliche Grenze zu Kroatien.

Lage[Bearbeiten]

Gemeinsam mit den Gemeinden Metlika und Semič bildet Črnomelj die Region Weißkrain/Bela Krajina. Westlich der Stadt liegt das historische Gottscheer Ländchen mit dem Hauptort Kočevje, nördlich trennt der Höhenzug Gorjanci von der Region Unterkrain mit der größten Stadt Novo mesto.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort war schon in der Hallstatt-Epoche besiedelt. 1407 wird Črnomelj wegen der bevorstehenden Türkengefahr mit Mauern und einem Burggraben umgeben. 1529 wird es Stützpunkt für Gegenstöße gegen die Türken. Diese Zeit ist der Beginn seines Aufschwungs, der bis 1579 andauert, ehe die Truppen nach der neuen Stadt Karlovac verlegt werden. Die Burg (komenda) wurde im Jahr 1165 von Otto Kraški an einer Stelle errichtet, von wo man die Zugänge zur Stadt schützen konnte. In späterer Zeit wurde sie mehrfach umgebaut. Bis zum Ende des Habsburgerreichs gehörte die Stadt zum Kronland Krain, wobei Črnomelj eine selbständige Gemeinde im Gerichtsbezirk Tschernembl (politischer Bezirk Tschernembl) bildete und Sitz des Bezirksgerichts sowie der Bezirkshauptmannschaft war.

Die Pfarrkirche Sankt Peter stammt wahrscheinlich aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, blickt aber eindeutig auf eine sehr lange Tradition zurück, was auch die altslawischen Gräber in unmittelbarer Nähe zeigen.

Die Altstadt selbst ist ein archäologisches Denkmal, das wegen der reichhaltigen Funde auch „Stadt über der Stadt“ genannt wird. Die Überreste von Gebäuden und Stadtmauern aus der Spätantike und dem Mittelalter sind nämlich durch einen Glasboden zu besichtigen. Interessant ist weiterhin das sanierte Malerič-Haus, wo Kunsthandwerksartikel zum Verkauf angeboten werden.

Das Geburtshaus des Dichters und Schriftstellers Miran Jarc in der Ulica Mirana Jarca Nr. 3 wird gegenwärtig restauriert. Zuletzt war darin die Musikschule untergebracht. Das Gebäude wurde im Jahre 1844 auch als Schulgebäude errichtet. Später wurde es aber für unterschiedlichste Zwecke genutzt, u. a. als Bank, Wohngebäude, Gesundheitszentrum usw. Zukünftig soll sie eine Sammlung des Stadtmuseums beherbergen. In den Räumlichkeiten wurden Wandbemalungen entdeckt, die zwischen den Jahren 1897 und 1907 entstanden sind und deren Struktur aufgrund ihrer dreidimensionalen Wirkung an Textiltapeten erinnert. Die Restaurierungsarbeiten sollen bis zum August des Jahres 2012 abgeschlossen sein.[1]

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Das Denkmal des Volksbefreiungskrieges am Grab von 1250 gefallenen Kämpfern und Opfern des Faschismus ist ein Werk des bekannten Bildhauers Jakob Savinšek (1961). Auch da Eingangsportal des Kulturhauses, das typische Szenen aus der Bela krajina darstellt stammt von ihm.

Nach der italienischen Kapitulation im Zweiten Weltkrieg wurde die Bela krajina sog. "befreites Gebiet" und dauerhaft von den Partisanen gehalten. In Črnomelj tagte am 19. Februar 1945 im heutigen Kulturhaus (Kino) der slowenische Volksbefreiungsrat SNOS, was zu dieser Zeit eine Art Parlament darstellte.[2]

Am 3. Oktober 1943, einem Sonntag Nachmittag, wurde die Stadt überraschend von einem deutschen Flugzeug bombardiert. Vermutlich nur um die Bevölkerung einzuschüchtern wurden vier Bomben auf das Zentrum abgeworfen. Dabei wurden zwölf Frauen und Kinder getötet, neun Häuser zerstört sowie zwei schwer beschädigt. Neunzehn weitere Gebäude wurden leichter beschädigt. Es gab vermutlich deswegen nicht mehr Opfer, weil viele ihrer Arbeit in den Weinbergen nachgingen. Die Autorin Alma Karlin, die sich damals in die Bela krajina geflüchtet hatte beschrieb als Augenzeugin dieses Ereignis auf die in der Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag in der ehemaligen Kirche Sveti Duh (Heilig Geist) erinnert wurde.[3]

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Črnomelj wurden in den Zeiten Jugoslawiens Kompressoren für Kühlschränke von der Firma Iskra in Lizenz vom dänischen Unternehmen Danfoss hergestellt. Danfoss übernahm im Jahre 1993 die dortige Produktion. Im November 2010 schließlich hat die Holding Aurelius AG mit Sitz in München, das gesamte Haushaltskompressorenprogramm des dänischen Unternehmens Danfoss übernommen. Dieser hatte weitere Produktionsstandorte in Flensburg und in der Slowakei. Das durch die Übernahme von Aurelius entstandene Unternehmen heißt Secop Compressors und die Niederlassung in Črnomelj Secop kompresorji. Anfang des Jahres 2011 waren in Črnomelj 960 Mitarbeiter beschäftigt. Wegen der Verlagerung der Produktion in die Slowakei sollten bis Ende des Jahres 2012 etwa 460 Mitarbeiter die Arbeit in Črnomelj verlieren. Von den Anfang des Jahres 2014 übrig gebliebenen 360 Mitarbeitern sollten schrittweise bis Ende April weitere 80 und bis Ende des September 2014 die restlichen verbleibenden 110 Mitarbeiter entlassen werden.Meldung in Dolenjski list (online) vom 23. April 2014 "Secop v likvidaciji do konca meseca ob skoraj sto zaposlenih" (deutsch: Secop in Insolvenz wird bis zum Ende des Monats 100 Mitarbeiter verlieren) Von der ursprünglichen Belegschaft sollten etwa 40 Mitarbeiter durch das Unternehmen Polycom aus Škofja Loka übernommen werden, das eine Werkshalle von Secop in Črnomelj angemietet hat. Die Produktionshallen in Črnomelj wurden mittlerweile vom slowenischen Auspuffhersteller Akrapovič aus Ivančna Gorica gekauft, das seine Produktionskapazitäten erweitern will. Es ist nicht bekannt, wieviele ehemalige Mitarbeiter von Danfoss/Secop übernommen werden.[4] Im August 2013 hat das Unternehmen größere Investitionsprojekte gestoppt. Davon betroffen ist auch der Bau eines Lager- und Produktionsobjektes in Črnomelj. Das Unternehme droht ins Ausland zu gehen, wenn ihm der Staat nicht stabile Rahmenbedingungen für mindestens 10 Jahre garantiert, was die Besteuerung und sonstige Unternehmensbelastungen angeht. Ursprünglich war die Verlegung der kompletten Produktion nach Črnomelj geplant.[5]

Infrastruktur[Bearbeiten]

Im Gebäude der früheren Apotheke an der Kandija Straße soll möglichst bald ein Dialysezentrum des Krankenhauses Novo mesto entstehen. Aufgrund der ungeklärten Besitzverhältnisse, wurde versucht, weitere Verzögerung dadurch zu verhindern, dass man dieses Gebäude dem Krankenhaus zunächst auf fünf Jahre verpachte´t.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. M. Bezek-Jakše, „Pod 17 beleži čakalo presenečenje“ (deutsch: Unter 17 Schichten von Farbe wartete eine Überraschung), Dolenjski list, 17. Mai 2012, S. 8
  2. M.Bezek-Jakše, "70-letnica zasedanja SNOS. Ko so postavili temelje države" (deutsch: 70. Jahrestag der Sitzung des SNOS. Als man die Fundamente des Staates gesetzt hat), Dolenjski list, Novo mesto, 27. Februar 2014, S. 2
  3. M. Bezek-Jakše, ""Ko so na Črnomelj padala bombe" (deutsch: Als auf Črnomelj die Bomben fielen), Dolenjski list, 10. Oktober 2013, S. 8
  4. M. Bezek-Jakše: V Črnomelju upanje na boljše čase (deutsch: Hoffnung auf bessere Zeiten in Črnomelj), in der slowenischen Wochenzeitung Dolenjski list, Novo mesto, S. 3, 16. August 2012
  5. M. B.-J., "Bo poslovno okolje stabilno? (deutsch: Wird das wirtschaftliche Umfeld stabil sein?), Dolensjkis list, 10. Oktober 2013, S. 8
  6. M. B. J., "Komaj čakajo na dializni center" (deutsch: Man wartet sehnlichst auf eine Dialysezentrum). Dolenjski list, 6. Februar 2014, S. 9

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Črnomelj – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien