Karlovac

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Karlovac. Zur Biografie der kroatischen Schauspielerin Selma Karlovac, siehe unter ihrem eingedeutschten Namen Elma Karlowa.
Karlovac
Wappen von Karlovac
Karlovac (Kroatien)
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45.49299166666715.555780555556112Koordinaten: 45° 29′ 35″ N, 15° 33′ 21″ O
Basisdaten
Staat: Kroatische Flagge Kroatien
Gespanschaft: Wappen der Gespanschaft Karlovac Karlovac
Höhe: 112 m. i. J.
Fläche: 402,00 km²
Einwohner: 55.705 (2011)
Bevölkerungsdichte: 139 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+385) 047
Postleitzahl: 47 000
Kfz-Kennzeichen: KA
Struktur und Verwaltung
(Stand: 2013, vgl.)
Gemeindeart: Stadt
Bürgermeister: Damir Jelić (HDZ)
Koalitionspartner: HSS, HSP AS, HSLS
Postanschrift: Banjavčićeva 9
47000 Karlovac
Webpräsenz:
Sonstiges
Schutzpatron: Hl. Josef (Sv. Josip)
Karlovac3.JPG
Dreifaltigkeitskirche (Crkva svetoga trojstva) von Karlovac mit Pestsäule und Terrakottabrunenanlage

Karlovac [ˈkarlɔʋats] (deutsch veraltet Karlstadt, Carlstadt; ungarisch Károlyváros, italienisch Carlostadio) ist eine Stadt in Zentral-Kroatien mit 55.705 Einwohnern (Volkszählung von 2011). Die Mehrheit der Bevölkerung stellen heute mit 88,21 Prozent die Kroaten.

Karlovac ist Verwaltungssitz der Gespanschaft Karlovac (kroatisch Karlovačka županija). Die Vier-Flüsse-Stadt liegt an der Korana, der Kupa, der Mrežnica und der Dobra. Wegen der guten Wasserqualität kann man an mehreren Stellen in den Flüssen baden.

Im Straßennetz ist Karlovac 56 km von Zagreb, der Hauptstadt Kroatiens, und 130 km von Rijeka, der größten Küstenstadt an der nördlichen Adria, entfernt.

Karlovac, heute die neunt-größte Stadt Kroatiens mit seinen insgesamt 4.2 Millionen Einwohnern, zählt zu den jüngsten Städten Kroatiens (Gründung 1579 durch den steirischen Erzherzog Karl II. von Innerösterreich, der Befehlshaber der kroatisch-slawonischen Mark). Es entstand als große Festung auf dem sumpfigen Gelände am Zusammenfluss der vier Flüsse Kupa, Korana, Dobra und Mrežnica. Ihr Bau begann 1579 unter der Leitung von Matija Gambon.

Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die Militärfestung von Martin Stier modernisiert. Die Festung ist ein hervorragendes Beispiel für die Baukunst der Renaissance als eine der wenigen erhaltenen sogenannten Idealen Städte. Nach den Kriegen von 1683–1689 und dem türkischen Rückzug verlor Karlovac militärisch an Bedeutung. Durch seine Vorzüge als Knotenpunkt auf dem Verkehrsweg zwischen nördlicher Adria und der Vojvodina entwickelte sich Karlovac jedoch im 18. Jahrhundert zu einer Handelsstadt.

Karlovac ist die Heimat des kroatischen Bieres Karlovačko, das in vielen Lokalen ausgeschenkt wird.

Eine dionysische Landschaft liegt zwischen Zagreb und Karlovac. Dies kontinentale Hinterland Kroatiens birgt neben verspieltem Barock, Holzkapellen, Thermalquellen und klösterlicher Stille auch ungeahnte Weinschätze. Als Pannonische Tiefebene (auch Pannonisches Becken oder Karpatenbecken) benennt man das ausgedehnte Tiefland im südlichen Ostmitteleuropa, das vom Mittellauf der Donau und vom Unterlauf der Theiß durchquert wird. Das Becken liegt großteils in Ungarn, doch haben fünf weitere Staaten, so auch Kroatien, Anteil daran.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  1. Die Stadt wurde im 16. Jahrhundert mit seiner Altstadt in einer sechs-Spitzen Sterne Form gegründet. Von diesem damals modischen Grundriss, die Karlovac, damals Karlstadt, sich mit den zeitgleich entstandenen Städten von Palmanova in der Region Friaul-Julisch Venetien in der Provinz Udine (Italien) und Nové Zámky (vormals: Neuhäusel, Deutsch), eine Stadt im Südwesten der Slowakei, teilt, sind nur noch Spuren vorhanden.
  2. In der Stadt Karlovac hatte 1991 die damalige Jugoslawische Volksarmee eine große Kaserne mit 600 Armeeangehörigen und 50 Panzern. Die Kroaten hatten damals diese Kaserne blockiert und serbische Einheiten sollten diese Blockade durchbrechen und Soldaten und Panzer der jugoslawischen Volksarmee aus der Kaserne holen. Dies war hier der Beginn erbitterter Kämpfe. Während des Kroatien-Krieges wurde durch serbischen Artilleriebeschuss auch die barocke Altstadt stark beschädigte. Kroatische Soldaten sprengten nicht nur die serbisch-orthodoxe Nikolauskirche von Karlovac. In den letzten Jahren wurde die Altstadt wiederaufgebaut, bzw. saniert, doch sind die Narben des Bruderkampfes immer noch sichtbar.
  3. Der zentrale Strossmayer-Platz mit seinen repräsentativen Monumenten.
  4. Von der Burg Dubovac hat man eine sehr schöne Aussicht auf die Stadt.
  5. Das Stadtmuseum Museum der Stadt in einem ehemaligen Palast der Frankopanen aus dem 17. Jahrhundert, der vormals als Unterkunft für Generale diente.
  6. Stadttheater ZORIN DOM. Erbaut 1892 als Kulturstätte u.a. für den ersten kroatischen Gesangsverein "DAWN" von dem aus Gemona del Friuli stammenden Architekten Gjuro Carelutti (1854–1928) im Stil der Neorenaissance, letztmalig 2001 restauriert. Links und rechts des Eingangsbereiches stehen jeweils in Nischen Skulpturen der Musen Schauspiel, bzw. Musik. Vor dem Haus steht die Skulptur MOTHER vom Bildhauer Ivan Mestrovic (1883–1962).
  7. Die Stadt nennt sich gerne die "Stadt der vier Flüsse", da sich hier der Korana, Kupa -Delta. Mreznica und Droba befinden. Diesen vier Flüssen ist auch der 1869 geschaffene Brunnen mit den vier Terrakottafiguren gewidmet. Diese sind ihre Allegorien.
  8. Nahe dem Brunnen wurde 1691 auch als Dank der Überwindung der Pestepedemie eine Pestsäule mit einer Madonnenstatue im Stil des italienischen Hochbarocks errichtet.
  9. Der Fluss Korana, einer von vier, fließt am historischen Stadtkern und den schönsten Parks und Spazierpfaden entlang, im Sommer findet man an ihren Ufern zahlreiche Badeplätze. In Karlovac wird sie von drei Brücken überbrückt, einer hölzernen, einer Pontonbrücke und einer Brücke aus Betonbögen. Die Brücken der Korana sind als Treffpunkte gern genutzt.
  10. Die Stadt wird im Volksmund wegen ihrer vielen Parkanlagen auch „Stadt der vielen Gärten“ genannt. Grundlage hierfür war die Nutzung der historischen Wehrgräben als städtische Grünanlagen. Besonders hervorzuheben ist der 1896 unter den Habsburgern eröffnete Vrbanicev Park, der heute noch durch seine Form, seine Aufteilung und Landschaftsgestaltung sowie seine Architektur besticht. Der Apotheker und spätere Namenspatron Joseph Vrbanic startete die entscheidenden Initiative zur Schaffung eines zunächst kleinen botanischen und vor allem öffentlichen Gartens. Er organisierte die Beschaffung von Pflanzen und Bäumen u.a. in Triest und Wien mit Unterstützung der alten kroatischen Adelsfamilie Vranyczany Dobrinović und des damaligen Erzbischofs. Der Park im südöstlichen Teil der Stadt und zwischen dem Fluss Korana und dem linken Ufer des Korans gelegen, wurde in drei Teile gegliedert. Man erkennt heute noch einen englischen Teil, einen Mittelteil in einem Französisch Stil und einem dritten Teil, der überwiegend aus Wacholder- und Tannenlaubbäumen besteht. Bis zum Weltkrieg enthielt dieser Park viele Terrakotta-Statuen. Heute finden hier im als Kulturerbe geschützten Vrbanic Parkgelände Skulpturenausstellungen im Freien statt. Auch findet hier jährlich das traditionelle Projekt "Leben mit dem Park" einmal im Jahr statt als Teil einer Europäischen Woche.
  11. Der historische Entfernungsmesser oder auch Meilenstein (kroatisch=Miljokaz / englisch=milestone) von Karlovac in Form eines Obelisks. Der historische Standort war der Anfang der historischen Straße "Josefina", einer 1775–1779 gebauten 115 km langen Straße von Karlovac nach der Küstenstadt Senj am nördlichen Ende der Maria Valeria Promenade der damaligen Stadt Karlstadt, benannt nach der jüngsten Tochter von Kaiser Franz Joseph. Heute steht er im Schatten großer Kastanien am Anfang der Franjo Tuđman Promenade in der Nähe des Theaters Zorin Dom. Errichtet wurde er in der Zeit der habsburgischen Herrschaft unter Kaiser Joseph II., dem Josephinae Principium, in Karlstadt, um die Entfernungen des Hinterlandes und der Küsten dieses Landesteils zu markiert. Zu ihrer Zeit gehörten diese zu den modernsten Straßen Europas. Der Meilenstein zeigt als sog. Null-Meter die Entfernung von Karlovac zu einigen kroatischen Städten wie Zagreb, Rijeka und sogar nach Wien in germanischen / österreichische Meilen (1 Meile = 7420,4 Meter) an und in wie viele Stunden ab Karlovac diese Ziele zu erreichen sind. Die Namen der Orte sind in ihren alten lateinischen Fassungen angegeben.
  12. Marmont-Allee . Während der napoleonischen Kriege wurde von 1805 bis 1813 die 100 km lange Straße, die sog. Louisiana von Karlovac nach Fiume, der später in Rijeka umbenannten Küstenstadt, gebaut. Zu Beginn dieser Luisiana wurde in Karlovac, entsprechend der Tradition der damaligen französischen Besatzungsmacht eine Platanenallee gepflanzt und fertiggestellt. Diese Allee hat sich bis heute erhalten und ist ca. 850 m lang. Ihre 112 Ahornbäume (Platanus x acerifolia) stehen unter Landschaftsschutz. Dieses Teilstück trägt immer noch den Namen Marmont-Allee, nach dem französische General Marmont (1775–1852), der u.a. kurzzeitig der Befehlshaber der französischen, napoleonischen Besatzungsmacht vor Ort war.
  13. Der sog. Holzpavillion Katzler wurde ursprünglich 1897 als kleiner Holzbau anlässlich der Einweihung des großen Kunstpavillon von Zagreb mit einer großen Ausstellung der Werke lokaler kroatischer Künstler, genannt kroatischer Salon ( Kroatisch : Hrvatski Salon) errichtet. Danach wurde er am noch heutigen Standort im Stadtpark von Karlovac wieder aufgebaut. Ein paar Jahre später wurde Wilhelm Friedrich Katzler, ehemaliger Obergärtner des Schlosses Lužnica nächsten Zaprešića, Eigentümer dieses Holzbaus und betrieb hier einen Blumenladen. Renoviert dient er heute für Kunstausstellungen der Stadt Karlovac.
  14. Der Matanic Pavillon, die sogenannte „Kleine Gloriette“ wurde 1916 während des Ersten Weltkrieges gebaut. Seine Errichtung war das Resultat einer der Sammlungskampagne zur Hilfe der ständig steigenden Opfer des damals aktuellen Krieges. Auf Initiative des Major Rudolf Matanić wurde in einem tempelartigen, offenen Pavillon eine Skulptur aus Lindenholz entworfen, an deren Spitze ein österreichischer Adler in seinen Klauen das kroatische Wappen hielt. Die Bürgerschaft sollte ihre Spenden durch zuvor erworbene Nägel unterschiedlicher Wertstufen oder auch Namensplatten dokumentieren. Angeblich lag das Spendenaufkommen zugunsten der sog. Heimwehr bei damals beachtlichen 12.000 Forint. Nach dem verlorenen Krieg wurde die Holzskulptur 1918 entfernt. Nach der Unabhängigkeit Kroatiens wurde von Miroslav Preglej und Vladimir Petersilie 1995–1998 der Pavillon restauriert und eine Nachbildung der Skulptur in Bronze gegossen. Im Sockel wurde ein Text zur Erinnerung an kroatische Soldaten angebracht.
  15. Ende August findet in Karlovac das traditionelle zehntägige Bierfest „Karlovački dani piva“ statt. In Karlovac befindet sich die Karlovačka Pivovara, eine der größten Brauereien des Landes, heute Teil eines der größten europäischen Bierkonzerne.

Banija[Bearbeiten]

Die Banija ist ein Stadtteil nordwestlich des alten Stadtzentrums, welcher sich zwischen der Bahnstrecke, dem Bahnhof Karlovac und dem Fluss Kupa befindet. Der Ursprung der Bezeichnung Banija stammt vom alten kroatischen Adelstitel Ban.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Karlovac – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • Lore Marr-Bieger: Nordkroatien - Zagreb & Kvarner Bucht. 5., komplett überarb. Auflage. Verlag Michael Müller, Erlangen 2012, ISBN 978-3-89953-709-3.
  • Martin Rosenplänter, Sandra Strigl: Kroatien. (Stefan-Loose-Travel-Handbücher). Dumont Reiseverlag, Ostfildern 2014, ISBN 978-3-7701-6709-8.
  • Werner Lips: Reiseführer für individuelles Entdecken. 5., neu bearb. und komplett aktualisierte Auflage. Reise Know-How Verlag, Bielefeld 2013, ISBN 978-3-8317-2303-4.
  • Leandro Zoppé: Kroatien. (Vis a Vis Reiseführer). akt. Auflage. Dorling Kindersley Verlag, München 2011, ISBN 978-3-8310-1925-0.