Abhöranlage Gablingen

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Luftaufnahme der Abhöranlage Gablingen

Die Abhöranlage Gablingen befindet sich auf dem Flugplatz Gersthofen-Gablingen und wird vom Bundesnachrichtendienst betrieben[1]. Dabei handelt es sich um eine weithin sichtbare Wullenwever-Antennenanlage, die den US-Streitkräften bis zur Übergabe des Geländes an die Bundeswehr zur Fernmelde- und elektronischen Aufklärung diente.

Die Signals-Intelligence-Anlage vom Typ AN/FLR-9 hat einen Durchmesser von circa 365 Meter und hatte bis zu 40 Meter hohe Antennengitter. Mit Hilfe dieses Elefantenkäfigs konnte in den Zeiten des Kalten Krieges breitbandig auf den Funkfrequenzen zwischen 1,5 und 30 MHz, also dem oberen Mittelwellenbereich bis zur Kurzwelle, 10-m-Band mit geschätzt 150 bis 5000 km Kilometern Reichweite (je nach Reichweite der Funkwelle) abgehört werden. Zielgebiet war vor allem die DDR, Osteuropa und die westliche Sowjetunion. Die Anlage gehört zum "Iron Horse"-Netzwerk mit weiteren Stationen in

Fast alle dieser Anlagen sind nicht mehr in Betrieb und abgebaut. Die Anlage Gablingen im Alleinbetrieb kann nur die Funksignale analysieren und die Richtung des Senders bestimmen. Zur Ermittlung des Standortes eines Senders werden weitere externe Peilungen benötigt (früher übernahmen dies die anderen AN/FLR-9 im Iron-Horse-Netzwerk).

Das Sperrgebiet entstand im Jahr 1916, als das Kriegsministerium im Auftrag des letzten bayerischen Königs Ludwigs III. den Flugplatz errichtet hat. Es entstanden Hallen, Tank-Anlagen, ein Schießstand, Baracken und Kasernen. Der Künstler Paul Klee hat bis 1918 als junger Rekrut auf dem Flugplatz gedient. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Gelände größtenteils zurückgebaut. Ab 1934 wurde der Flughafen wieder für militärische Zwecke verwendet und diente als Umschlagplatz für Ausrüstung, Munition und Verpflegung.

1945 übernahmen die Amerikaner das 143 Hektar große Areal unter der Bezeichnung „United Army Field Station“. 1971 begann der Bau des bis heute die Landschaft prägenden Antennengitters. 1985 waren 1.814 INSCOM-Mitarbeiter stationiert; diese arbeiteten unter der Fachaufsicht der NSA. 1996 wurde der NSA vorgeworfen, in Deutschland zu Gunsten amerikanischer Firmen Industriespionage zu betreiben. Ernst Berger, Kölner Sicherheitsberater und Ex-Spionageabwehrmann beim Bundesamt für Verfassungsschutz erklärte hierbei: „Der gesamte Richtfunkverkehr der Bundesrepublik kann von Gablingen aus völlig problemlos überwacht werden.“[2] Diese Aussage ist allerdings unglaubwürdig, da die im GHz-Bereich arbeitenden Richtfunkstrecken durch die quasioptische Ausbreitung der Funkwellen überwiegend nicht in Gablingen direkt empfangbar sein können und die Antennenanlage nicht für GHz-Frequenzen geeignet ist.

Über die Größe der unterirdischen Anlagen gibt es Gerüchte, bis zu zwölf Stockwerke werden im Untergrund vermutet.[3][4] Die Kosten wurden 1989 auf über eine Milliarde Mark geschätzt.[4] In einem 1997 aufgetauchten Einsatzplan der Feuerwehr war zu lesen, 220 Büros und 400 Türen seien im Komplex vorhanden, der der „Datenverarbeitung“ diene.[5] Aus dem Öffentlich zugänglichen Handbuch der AN/FLR-9-Anlage wird allerdings deutlich, dass die Empfangsanlage selbst im Zentralgebäude der Wullenweber-Antenne Platz fand. Die Signalauswertung findet in den Gebäuden außerhalb der Antennenringe statt, die mit dem Zentralgebäude über einen Kabeltunnel verbunden sind. Die Anlage wurde 1998 aufgegeben und der Bundeswehr übergeben.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. BND gibt sich in Bad Aibling und Gablingen zu erkennen. 6. Juni 2014, abgerufen am 11. Juni 2014.
  2. Wirtschaftsspionage: Verdächtigungen und Beweise. In: Focus, 16. Dezember 1996
  3. Christiane Schulzki-Haddouti: Abhör-Dschungel: Geheimdienste lesen ungeniert mit – Grundrechte werden abgebaut. In: c’t, 5/1998.
  4. a b  NSA: Amerikas großes Ohr. In: Der Spiegel. Nr. 8, 1989 (20. Februar 1989, online).
  5. Die Abhöranlage von Gablingen gibt Rätsel auf. In: Augsburger Allgemeine, 1. August 2011

48.45117910.862646Koordinaten: 48° 27′ 4,2″ N, 10° 51′ 45,5″ O