Agence métropolitaine de transport

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Agence métropolitaine de transport

Die Agence métropolitaine de transport (AMT) ist eine staatliche Behörde, die dem Verkehrsministerium der kanadischen Provinz Québec unterstellt ist. Seit dem 1. Januar 1996 ist sie zuständig für Planung, Integration und Koordination des öffentlichen Personennahverkehrs in der Communauté métropolitaine de Montréal, der Metropolregion der Stadt Montreal. Zudem betreibt sie einen ausgedehnten Eisenbahn-Vorortsverkehr.

Aufgabenbereiche[Bearbeiten]

Einzugsgebiet der AMT und Streckennetz der Vorortseisenbahnen

Das Einzugsgebiet der AMT erstreckt sich über das Territorium von 83 Gemeinden und eines Indianerreservats sowie über zwölf regionale Grafschaftsgemeinden. Die AMT arbeitet mit 14 kommunalen und regionalen Verkehrsunternehmen zusammen und koordiniert deren Angebote in einem Verkehrsverbund mit einheitlichem Tarifsystem. Erschlossen wird ein urbaner Ballungsraum mit rund 3,6 Millionen Einwohnern, zu welchem neben Montreal auch die Großstädte Laval und Longueuil gehören.

Die AMT betreibt mehrere Verkehrsträger in eigener Kompetenz. Dazu gehören ein Eisenbahn-Vorortsverkehr mit fünf Linien von zusammen 204,4 Kilometern Länge, zwei Expressbuslinien, 16 Busbahnhöfe, 23 Park and ride-Anlagen mit mehr als 13.300 Parkplätzen und 85,2 Kilometer HOV-Fahrspuren für Fahrgemeinschaften im Individualverkehr.[1] Das jährliche Budget beträgt rund 280 Millionen kanadische Dollar.[2]

Verkehrsverbund[Bearbeiten]

Das von der AMT erschlossene Gebiet ist in acht konzentrische Tarifzonen eingeteilt, wobei weiter vom Stadtzentrum Montreals entfernte Zonen eine höhere Nummer besitzen. Es gibt zwei verschiedene Tarifarten. TRAIN-Fahrscheine sind auf die Benutzung der Vorortszüge beschränkt. Sie sind als Monatsabonnement für die Zonen 4 bis 7 oder als Einzelfahrschein für die Zonen 1 bis 7 erhältlich. TRAM-Fahrscheine (train autobus métro) erlauben die uneingeschränkte Nutzung aller Verkehrsmittel in den Zonen 1 bis 8, sind aber nur als Monatsabonnement erhältlich.[3] Für Einzelfahrscheine, Tages- und Wochenkarten im Kerngebiet (Zonen 1 bis 3) sind die einzelnen Verkehrsunternehmen zuständig. Erhältlich ist seit 2004 auch die Carte OPUS, eine wiederaufladbare Chipkarte, mit der Leistungen verschiedener Verkehrsunternehmen in der gesamten Provinz Québec bezogen werden können.

Neben den Angeboten der AMT gehören folgende Unternehmen zum Verkehrsverbund:[4]

  • CIT du Haut-Saint-Laurent
  • CIT du Sud-Ouest
  • CIT Laurentides
  • CIT Le Richelain
  • CIT Roussillon
  • CRT de Lanaudière
  • Autobus Sainte-Julie

Vorortseisenbahnen[Bearbeiten]

Elektrotriebwagen auf der Linie nach Deux-Montagnes
Diesel-Wendezug auf der Linie nach Mont-Saint-Hilaire

Der wichtigste Verkehrsträger, der von der AMT betrieben wird, ist der Eisenbahn-Vorortsverkehr. Die AMT-Züge verkehren auf Gleisen, die im Besitz der Canadian National Railway (CN), der Canadian Pacific Railway (CP) und der Chemins de fer Québec-Gatineau (CFQG) sind. Es gibt fünf Linien mit einer Gesamtlänge von 204,4 Kilometern und 51 Bahnhöfen. Täglich werden rund 66.300 Fahrgäste befördert, jährlich knapp 15,5 Millionen (2010).[1] Auf einer Linie werden elektrische Triebwagen eingesetzt, auf den übrigen vier Linien mit Diesellokomotiven bespannte Wendezüge. Endbahnhöfe im Stadtzentrum Montreals sind der Gare Centrale und der Gare Lucien-L’Allier.

Die CN und die CP hatten jahrzehntelang einen ausgedehnten Vorortsverkehr im Großraum Montreal durchgeführt, doch in den 1980er Jahren betrieben sie nur noch je eine Linie. 1982 übernahm der städtische Verkehrsbetrieb Société de transport de la communauté urbaine de Montréal den Betrieb der CN-Linie nach Deux-Montagnes und der CP-Linie nach Rigaud. 1996 wurde der Vorortsverkehr auf die neu gegründete, der Provinzregierung unterstellten AMT übertragen. Die AMT eröffnete drei neue Linien: 1997 nach Saint-Jérôme, 2000 nach Mont-Saint-Hilaire und 2001 nach Candiac.

Übersicht der Linien:[1]

Linie Eröffnung Länge
in km
Bahn-
höfe
Jährl. Fahrgäste
(2010)
Mtl Train DM.svg BDeux-Montagnes 1918 29,9 12 7.347.200
Mtl Train VH.svg AVaudreuilHudson 1887 51,2 18 3.421.700
Mtl Train BL.svg CBlainvilleSaint-Jérôme 12. Mai 1997 62,8 13 2.196.000
Mtl Train SH.svg DMont-Saint-Hilaire 29. Mai 2000 34,9 7 1.833.900
Mtl Train CA.svg ECandiac 4. September 2001 25,6 8 672.900
Netz der AMT 1. Januar 1996 204,4 51 15.471.700

Linie nach Deux-Montagnes[Bearbeiten]

Die Deux-Montagnes-Linie führt vom Gare Centrale durch den Mont-Royal-Tunnel und weiter in westlicher Richtung nach Deux-Montagnes. Sie ist 29,9 Kilometer lang und bedient zwölf Bahnhöfe. Die Züge verkehren werktags in der Hauptverkehrszeit alle 10 bis 30 Minuten, ansonsten stündlich. An Samstagen verkehren elf Zugpaare, an Sonntagen sechs. Durchschnittlich werden fast genau gleich viele Fahrgäste befördert wie auf allen anderen vier Linien zusammen. Die Strecke ist als einzige in der Region elektrifizierte.

Erbaut wurde die Strecke von der Canadian Northern Railway (CNoR). Um ins Stadtzentrum Montreals zu gelangen, war ein Tunnel unter dem Mont Royal erforderlich, da konkurrierende Bahngesellschaften die übrigen Zufahrtskorridore blockierten. Zur Finanzierung des Projekts parzellierte die CNoR das Gelände am westlichen Tunnelportal. Daraus entstand in der Folge die Vorortsgemeinde Mont-Royal. Die Eröffnung der Strecke erfolgte 1918, im selben Jahr wurde sie verstaatlicht. Aufgrund der ungenügenden Belüftung durften dampfbetriebene Züge (und später Dieselzüge) den Tunnel nicht befahren, weshalb der Betrieb seit jeher elektrisch ist.[5]

Linie nach Vaudreuil-Dorion[Bearbeiten]

Die am zweithäufigsten frequentierte Linie beginnt im Gare Lucien-L’Allier und führt über die Region West Island und Vaudreuil-Dorion nach Hudson. Sie ist 51,2 Kilometer lang und bedient 18 Bahnhöfe. Werktags verkehren die Züge in der Hauptverkehrszeit alle 20 bis 30 Minuten, ansonsten rund alle zwei Stunden. Fast alle Züge verkehren nach Vaudreuil, während Hudson nur einmal täglich bedient wird. Am Samstagen verkehren vier Zugpaare, an Sonntagen drei.

Auf der bereits bestehenden Strecke zwischen Montreal und Ottawa wurden im Jahr 1887 einige neue Bahnhöfe eröffnet. Als Reaktion auf das Bevölkerungswachstum im westlichen Teil der Île de Montréal richtete die CP einen Vorortsverkehr bis nach Rigaud ein. In den 1980er und 1990er Jahren erfolgte eine Modernisierung der Strecke. Da die Gemeinde Rigaud sich nicht mehr an den Betriebskosten beteiligen wollte, wurde die Linie am 1. Juli 2010 verkürzt und endet seither in Hudson.[6]

Linie nach Saint-Jérôme[Bearbeiten]

Eine weitere im Gare Lucien-L’Allier beginnende Linie führt um den Mont Royal herum nach Laval und weiter nach Blainville und Saint-Jérôme. Sie ist 62,8 Kilometer lang und bedient 13 Bahnhöfe. Werktags verkehren zehn Zugpaare, an Wochenenden ruht der Betrieb. Die Hälfte der Züge wendet in Montreal bereits am Bahnhof Parc, wo ein Übergang zur Metro besteht.

Die Strecke zwischen Montreal und Saint-Jérôme war 1876 von der Quebec, Montreal, Ottawa and Occidental Railway erbaut worden und gelangte 1882 in den Besitz der CP. Der Personenverkehr wurde 1979 eingestellt. Die vorübergehende Sperrung einer Straßenbrücke über den Rivière des Mille Îles bewog die AMT im Jahr 1997 dazu, testweise einen Vorortsverkehr zwischen Parc und Blainville einzuführen. Das neue Angebot erwies sich als erfolgreich und wurde in den folgenden Jahren ausgebaut. Seit 1999 verkehren die Züge bis ins Stadtzentrum von Montreal, seit 2007 bis nach Saint-Jérôme.

Linie nach Mont-Saint-Hilaire[Bearbeiten]

Vom Gare Centrale aus führt eine Linie über den Sankt-Lorenz-Strom und ostwärts nach Mont-Saint-Hilaire im Richelieu-Tal. Sie ist 34,9 Kilometer lang und bedient sieben Bahnhöfe. An Werktagen verkehren sieben Zugpaare, der Betrieb ruht an Wochenenden.

Die Grand Trunk Railway betrieb ab 1859 täglich ein Lokalzugpaar zwischen Montreal und Mont-Saint-Hilaire. Ab 1920 war die CN dafür zuständig (mehr zur Geschichte siehe Bahnstrecke Montreal–Island Pond). 1988 wurde der Personenverkehr eingestellt. Der stetig zunehmende motorisierte Individualverkehr in der Region Rive-Sud führte zu einer Überlastung der Brücken über den Sankt-Lorenz-Strom. Aus diesem Grund entschloss sich die AMT im Jahr 2000, auf der Strecke wieder Personenverkehr durchzuführen.

Linie nach Candiac[Bearbeiten]

Vom Gare Lucien-L’Allier aus verkehrt eine Linie südwärts über den Sankt-Lorenz-Strom nach Candiac in der Region Rive-Sud. Werktags gibt es neun Zugpaare, während der Betrieb an Wochenenden ruht. Als die AMT im Jahr 2001 die Linie einrichtete, verkehrten zunächst lediglich zwei Zugpaare nach Delson. Seit 2005 wird auch Candiac erschlossen.

Projekte[Bearbeiten]

Verwirklicht wird zurzeit eine sechste Linie, die vom Gare Centrale über Repentigny nach Mascouche führen wird. Sie wird 51 Kilometer lang sein und 14 Bahnhöfe bedienen. Während die Strecke bis Repentigny bereits existiert, entsteht von dort bis zum Endbahnhof eine Neubaustrecke im Mittelstreifen der Autoroute 640. Die Eröffnung ist für Herbst 2013 vorgesehen, ein Jahr später als ursprünglich geplant. Damit die Züge den Mont-Royal-Tunnel passieren können und die restliche Strecke nicht elektrifiziert werden muss, werden Zweikraftlokomotiven zum Einsatz kommen.[7]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Agence métropolitaine de transport – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Rapport d’activités 2010. Agence métropolitaine de transport, 2011, abgerufen am 7. November 2011 (PDF, 8,7 MB, französisch).
  2. Budget d’exploitation 2011. Agence métropolitaine de transport, 2011, abgerufen am 7. November 2011 (PDF, 2,1 MB, französisch).
  3. Titres et tarifs. Agence métropolitaine de transport, 2011, abgerufen am 7. November 2011 (französisch).
  4. L’agence. Agence métropolitaine de transport, 2011, abgerufen am 7. November 2011 (französisch).
  5. Une virée dans le puits de ventilation du tunnel Mont-Royal. Marc Dufour: Rail et transports urbains, abgerufen am 7. November 2011 (französisch).
  6. Last train to Rigaud on June 30. West Island Gazette, 30. Juni 2010, abgerufen am 7. November 2011 (englisch).
  7. Québec freine le train de l'Est. La Presse, 11. August 2011, abgerufen am 7. November 2011 (französisch).